Der erste Basler aus dem neuen Jahrtausend

In fünf Tagen wird Noah Okafor 18 Jahre alt. Beim letzten Spiel der Saison stand der Offensivspieler des FC Basel zum ersten Mal bei den Grossen auf dem Rasen, während Davide Callà seine Dernière in Rotblau erlebte. Die Einzelkritik nach dem 2:2 gegen den FC Luzern.

17 Jahre alt, erster Auftritt im St.-Jakob-Park: Noah Okafor (rechts) im Duell mit Pascal Schürpf, dem Basler im Dress des FC Luzern.

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Hat gegen den FC Luzern zwar nochmals zwei Tore kassiert und steht damit in allen Wettbewerben bei 48 Gegentoren, so vielen wie noch in keiner Saison, seit er in Basel spielt. Doch Tomas Vaclik schaut auch auf seine beste Spielzeit zurück, was Spiele ohne Gegentor betrifft: 16 Mal hat der 29-Jährige sich nicht bezwingen lassen, einmal mehr als in der Spielzeit 2015/16. Beim letzten der beiden Gegentreffer der Saison (den Nummern 35 und 36 in der Liga) war Vaclik machtlos, beim vorletzten sieht auch er nicht vorteilhaft aus.

Vacliks Leistungsdaten im Dress des FC Basel

Michael Lang  |  rechter Aussenverteidiger

Langweilig wird es Michael Lang auch nach dem Ende der Super-League-Saison nicht werden, schliesslich hat er von allen Baslern die grösste Chance, an die Weltmeisterschaft zu fahren. Kurz vor der Endrunde in Russland bereitete Lang ein letztes Mal im rotblauen Dress einen Treffer vor, mit seinem starken Querpass auf Mohamed Elyounoussi. Es war sein siebter Assist, der sechste in der Liga. Zudem vergab Lang kurz nach der Pause selbst eine Tormöglichkeit. Der Aussenverteidiger schliesst die Saison, in der er vor der Winterpause eine offensive Hochzeit mit fünf Toren in vier aufeinanderfolgenden Spielen erlebte, mit zehn Treffern ab (10 in der Liga, 3 in der Champions League, 2 im Cup).

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

Nimmt man die Berechnungsmethode des Fussballportals transfermarkt.com als Massstab, so ist Marek Suchy Sündenbock Nummer 1 der Saison 2017/18. Seine sechs gelben und zwei gelbroten Karten sowie der eine Platzverweis bringen ihm 17 Strafpunkte ein (Gelb = 1 Punkt, Gelb-Rot = 3 Punkte, Rot = 5 Punkte), nicht mal Taulant Xhaka kann ihm da mit elf gelben Karten das Wasser reichen. Im letzten Saisonspiel entwischte Torschütze Marvin Schulz dem Basler Captain, der ansonsten keine gröberen Fehler machte.

Das Sündenregister der Super League

Fabian Frei  |  linker Innenverteidiger

Als zentraler Mittelfeldspieler war Fabian Frei im Winter nach Basel zurückgeholt worden. Als Innenverteidiger beendet der Ostschweizer die Saison. Sah in seinem insgesamt 278. Spiel für den FC Basel die gelbe Karte und vor dem Gegentor am ersten Pfosten gegen Pascal Schürpf nicht gut aus. Berührte bei Albian Ajetis 2:2 indes den Ball als letzter Basler und darf sich dafür einen Assist gutschreiben lassen.

Blas Riveros  |  linker Aussenverteidiger

Hatte in der 77. Minute eigentlich seinen dritten Saisontreffer erzielt, doch Schiedsrichter Fedayi San anerkannte das Tor aus ungeklärten Gründen nicht. Riveros, über die ganze Partie gesehen ein Aktivposten in seinem Couloir, machte ansonsten mit einem starken Querpass in der 67. Minute auf Ajeti auf seine Offensivqualitäten aufmerksam und schaut auf eine Saison zurück, in der er seinen Platz auf der linken Seite zwischenzeitlich an Raoul Petretta verloren hatte, diesen ab der 25. Runde aber wieder zurückeroberte.

Geoffroy Serey Dié  |  zentrales defensives Mittelfeld

Darf sich drei weitere Weitschüsse ins Portfolio schreiben: Jener in der 66. Minute ging daneben, ein paar Sekunden später ein weiterer ebenfalls und der dritte, als bereits die Nachspielzeit lief, flog dann richtig knapp am Tor vorbei. Serey Dié hat noch einen Vertrag bis Ende nächster Saison, und wenn er so spielt wie in der zweiten Hälfte der Rückrunde, ist er auch mit seinen 33 Jahren ein Gewinn für diese Mannschaft.

Raoul Petretta  |  zentrales defensives Mittelfeld

Immer mal wieder war Petretta in den letzten Spielen ins zentrale Mittelfeld beordert worden, weil es nach Auswechslungen diese Position zu besetzen galt. Zum Saisonabschluss gab der 21-Jährige ebenda sein Debüt in der Startaufstellung neben Serey Dié. Einen kleinen Abzug bei einer eigentlich befriedigenden Leistung gibt es, weil er beim zweiten Gegentor Schürpf nicht am Kopfball hindern kann.

Valentin Stocker  |  rechter Flügelstürmer

15 Mal lief Valentin Stocker seit seiner Rückkehr in der Super League auf, zweimal in der Champions League und einmal im Schweizer Cup. Bei der Saisondernière gegen den FC Luzern wurde er in der 78. Minute für Dimitri Oberlin ausgewechselt, nachdem er bei der Entstehung des 1:1 seine Füsse im Spiel gehabt hatte. Ansonsten gab es kaum nennenswerte Szenen im Spiel des Kriensers.

Samuele Campo  |  zentrales offensives Mittelfeld

Hat in der zweiten Hälfte dieser Rückrunde den Tritt und seinen Platz in diesem Team gefunden und stand zum neunten Mal in Folge im zentralen Mittelfeld von Beginn weg auf dem Platz. Nach einer halben Stunde spielte er den wunderbaren langen Ball auf Mohamed Elyounoussi und zeigte sonst immer wieder, dass er dieser Mannschaft auch in der kommenden Saison mit seinen Ideen in der Offensive dienlich sein kann. Campo überliess in der 71. Minute seinen Platz Davide Callà.

https://tageswoche.ch/sport/beim-22-gegen-luzern-wird-albian-ajeti-zum-torschuetzenkoenig/

Mohamed Elyounoussi  |  linker Flügelstürmer

Nach etwas mehr als einer halben Stunde, bei der vergebenen Chance nach Samuele Campos langem Pass in die Spitze, berührte Mohamed Elyounoussi möglicherweise zum letzten Mal einen Ball im St.-Jakob-Park. Der Norweger gilt nach einer Saison mit 13 Toren und 17 Assists (über alle drei Wettbewerbe) als heissester Kandidat für einen Wechsel ins Ausland. Eine halbe Stunde reichte dem 23-Jährigen, um noch einmal für Rotblau zu treffen: Etwas mehr als eine Viertelstunde war gespielt, da verwertete er Michael Langs Vorarbeit. Vier Minuten später schoss er mit seinem schwächeren linken Fuss daneben, und in der 33. Minute folgte die genannte Szene, in der er sich verletzte. Elyounoussi kehrte nach der Pflege nochmals kurz auf den Rasen zurück, doch wenige Sekunden später machte er Platz für den Debütanten Noah Okafor.

Albian Ajeti  |  Mittelstürmer

Erfuhr kurz nach Abpfiff vom Stadionsprecher, dass Guillaume Hoarau von den Young Boys in der 36. Runde nicht mehr getroffen hatte. Damit stand fest, dass Ajeti Torschützenkönig der Super League 2017/18 ist. Der 21-Jährige hatte gegen Luzern in der 82. Minute zum 17. Mal getroffen (drei Mal im Trikot des FC St. Gallen), nach zwei vergebenen Chancen in der 24. und 67. Minute. Er selbst sagt zu seiner Auszeichnung mit von ihm gewohnter Zurückhaltung: «Die Mannschaft steht im Vordergrund, aber es ist schön, dass es gereicht hat.»


Noah Okafor  |  rechter Flügel

Als Noah Okafor in der 34. Minute für Elyounoussi eingewechselt wurde, erlebte der St.-Jakob-Park den ersten Auftritt eines Spielers, der im neuen Jahrtausend geboren ist. Fünf Tage vor seinem 18. Geburtstag feierte Okafor das Debüt in der ersten Mannschaft und zeigte kurz nach der Pause eine erste Kostprobe seines Könnens: Den Querpass per Hackentrick schnappte sich zwar Luzerns Goalie Jonas Omlin, aber die Spielfreude liess sich Okafor deswegen nicht nehmen. Nach einer Stunde versuchte er sich erstmals an einem Abschluss, in der 82. und der 88. Minute vergab er zudem zwei Grosschancen.

Davide Callà  |  rechter Flügel

Erlebte ab der 71. Minute als Einwechselspieler für Campo seinen 128. und letzten Einsatz im Dress des FC Basel. In dieser Saison reichte es dem 33-Jährigen noch für sieben Einsätze und gegen Luzern für einen letzten Abschluss, für zwei Eckbälle und die eine oder anderen Grätsche. Dann war sein letztes Spiel, dieser «emotionale Moment», wie er es nannte, vorbei. Callà zieht weiter in die Challenge League zum FC Winterthur und sagte zum Abschluss: «Bis bald auf der Schützi!»

Noch einmal den St.-Jakob-Park erleben: Davide Callà verabschiedet sich nach viereinhalb Jahren aus Basel.

Dimitri Oberlin  |  linker Flügel

Erbte in der 78. Minute Stockers Platz und sorgte in ein, zwei Szenen nochmals für frischen Wind in der Offensive. Erster Auftritt, nachdem vier Tage zuvor bekannt wurde, dass der FC Basel Oberlin definitiv von RB Salzburg übernommen hat, und keiner, der in den Köpfen der Fans bleiben wird.

Nicht eingesetzt beim FC Basel:  Gian Chande (Tor), Neftali Manzambi, Afimico Pululu, Yves Kaiser.

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