LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Wochengedicht

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Wochengedicht #21: Brigitte Oleschinski

27.08.2012, 14:56Uhr

 

das Gras

läuft überland, hügelan, hügelab, wird Reis
und Tee und wieder Gras –

Kurz ist dieses Gedicht, sparsam und schlicht. Dennoch geht von ihm Bewegung aus. Weniger von seinen zwei eher farblosen Verben als von seiner Bildlichkeit, die auf eine Reise mitnimmt. Sie führt durch eine Graslandschaft, hügelig, abgelegen, unbewohnt – von Behausungen, Höfen oder Dörfern ist jedenfalls nicht die Rede. Das Grasland geht über in Reis- und Teeplantagen, die verschiedenen Grün wechseln sich ab. Dass man beim Lesen am ehesten an eine Anbaugegend in Asien denkt, hängt mit der haiku-ähnlichen Art des Gedichts zusammen, das sich auf wenige sinnliche Wahrnehmungen beschränkt, auf keinen Höhepunkt zusteuert und mit den Worten äusserst sparsam umgeht.

Es bleibt indessen offen, ob die Reise durch den Raum führt oder nicht vielmehr durch die Zeit. Dort, wo gestern Gras wuchs, wird heute Reis angebaut; der Mensch hat vom Land Besitz genommen, setzt der Landschaft seinen Stempel auf, diese wird terrassiert, bewässert. Einige Generationen später sind die Terrassen verfallen, die Bewässerungsanlagen ausser Betrieb, es wird Tee angepflanzt. Irgendwann werden die Spuren des Menschen aus dem Landschaftsbild verschwunden sein, wird dort, wo die Felder lagen, wieder Gras wachsen. Man fühlt sich an den «Oh Mensch!»-Seufzer des Barockdichters Andreas Gryphius erinnert, der in seinem Gedicht «Es ist alles eitel» (1637) die Vergänglichkeit menschlichen Tuns ebenfalls mit einem Blick in die Zukunft beschwört:
«Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein,
Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden.»

Von der besorgt mahnenden Stimme des barocken Vorfahren, der dem Menschen Gott in Erinnerung bringen will, ist bei Brigitte Oleschinski nichts zu spüren. Ihre Zeilen sind so leichtfüssig und heiter, dass der Gedanke an die Vergänglichkeit, so er denn auftaucht, nichts Schreckliches an sich hat. Wie auf Gras Reis folgt, folgt eben auf die Kulturen des homo sapiens wieder Gras. Zukunftsängste sind in ihrem Gedicht nicht zu spüren, vielmehr lädt dessen beschwingter Rhythmus («überland, hügelan, hügelab») dazu ein, die Reise hier und jetzt zu geniessen.

Brigitte Oleschinski wurde 1955 in Köln geboren, in Berlin liess sie sich zur Politologin ausbilden. Sie arbeitete als Zeithistorikerin und lebt heute als Lyrikerin und Essayistin in Berlin. Ihr lyrisches Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. 2004 erschien im Dumont Buchverlag ihr dritter Gedichtband «Geiserströmung». Das Gedicht stammt aus diesem Buch.

 

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Literatur & Lyrik, Wochengedicht

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

Wochengedicht #19: Helwig Brunner Weiterlesen

Wochengedicht #18: Ernst Burren Weiterlesen

Tageswoche honorieren

Alternativen:

Postfinance, Paypal, Flattr

Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Inaktiver Nutzer

    am 1.09.2012, 11:06

    Das Gras aber wächst irgendwo in Asien, wo Reis geerntet und Tee aufgebrüht wird. Das Gedicht bewegt sich zwischen diesen beiden Gegensätzen.

  • Heute war ein guter Tag

    Im portugiesischen Porto gestartet und im Schutz einer traumhaften Insel vor dem spanischen [...] Lesen | zum Blog

    Back to Basel vor 2 Tagen 17 Std. auf Back to Basel
  • BILD oder STOFF?

    Jede Woche liefert die TagesWoche «Bildstoff» . Irgendwelche Bilder aus der ganzen Welt, [...] Lesen | zum Blog

    Speaker's Corner vor 3 Tagen 2 Std. auf Speaker's Corner
  • «20 Regeln für Silvie»

    Der Regisseur und Produzent Giacun Caduff ist ein Sausewind. Es gibt nichts was er nicht [...] Lesen | zum Blog

    Lichtspiele vor 3 Tagen 3 Std. auf Lichtspiele