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Obama in Ohio Teil 2: So nah und doch so weit

5.08.2012, 10:27Uhr
Sofie Dittmann: Obama spricht über die US Wirtschaft.

Obama spricht über die US Wirtschaft. (Bild: Sofie Dittmann)

Als ich meiner Freundin Mary erzähle, dass ich doch nach Mansfield fahre, ist sie als glühende Obama-Verehrerin wie erwartet neidisch und bittet mich, ihn für sie zu umarmen, falls ich die Gelegenheit habe. Er steht nach Lenny Kravitz und Robert Redford auf Nr. 3 ihrer persönlichen Top 10 Liste von Menschen, die sie gerne mal umarmt hätte. Ich verspreche ihr, das wahrzumachen, wohl wissend, dass andere viel näher dran sein werden am Geschehen.

Um 8 Uhr morgens bin ich in Mansfield, auch wenn Einlass erst um 9:30 Uhr ist. Die Menschen haben bereits eine unglaublich lange Schlange gebildet, und zu meiner Erleichterung verweist man mich in eine andere Ecke des Platzes, wo sich der Presseeingang befindet. Dort angekommen sehe ich als erstes... den Wahlkampfbus von Mitt Romney. Dieser ist zwar gerade erst von einer Auslandsreise zurück und folgerichtig nicht zugegen, dafür aber ein kleines Häufchen seiner Anhänger mit Transparenten. Man erhofft sich wohl ein wenig Zeit im Fernsehen, wenn man nur laut genug ruft. Und sie fangen an laut zu skandieren, als die Presse endlich eingelassen wird. Selbstredend mache ich ein paar Bilder, und ihre Strategie ist somit zumindest bei mir erfolgreich gewesen.

Ich stehe natürlich auf keiner Liste, und ein junger Mann namens David, der sich als Regional Press Secretary vorstellt, macht mir Vorhaltungen. Ich erzähle ihm irgendetwas und bin so charmant wie möglich; er überprüft meine Angaben online und muss feststellen, dass es mich zwar gibt bei der angegebenen Publikation, aber gehalten in einer ihm nicht geläufigen Sprache. How do you spell «Tagäswocke»? Worauf es ankommt: Er nickt mich durch, und sonst will ich weiter nichts.

Straßensprerre in Mansfield, komplett mit Räumfahrzeug und Sicherheitskräften.

Straßensprerre in Mansfield, komplett mit Räumfahrzeug und Sicherheitskräften.

So viele Sicherheitsvorkehrungen habe ich sowieso noch nirgends gesehen. Die Strassen sind weitläufig mit Räumfahrzeugen, Bussen und anderem Gerät abgesperrt. Secret Service in Zivil und Uniform, Hundestaffeln, lokale Polizei, Scharfschützen auf dem Dach. Wir werden durchleuchtet, unsere Kameras auch. Dann geht es zur Pressetribüne, die - Gott sei's gedankt - im Schatten liegt. Denn da steht man jetzt noch eineinhalb Stunden herum, bis Obama, über drei Ecken angekündigt, endlich auftaucht.

Er nimmt ein Bad in der Menge auf dem Weg zum Podium, auf welches einer seiner Leute kurz vor seinem Erscheinen das präsidiale Siegel gepappt hat. Hemdsärmelig und leutselig geniesst er sichtlich die Begeisterung des Publikums, bevor er seine Rede auch nur begonnen hat. Die Kulisse ist ein altes, leicht verfallenes Backsteingebäude, davor ein paar Reihen von Anhängern, denen vorher erklärt worden ist, wann sie wie zu jubeln haben.

Ich bin überzeugt, das war nicht notwendig, denn das Publikum vor und hinter ihm nutzt praktisch jede Kunstpause, um zu klatschen, ihre Zustimmung kundzutun oder, wenn es um Mitt Romney geht, zu buhen. Die von Obamas Kader verteilten Schilder, auf denen «Forward» («Vorwärts») prangt, werden fleissig geschwenkt. Er spricht minutenlang über die Wirtschaftslage, über Details dessen, was er entweder bereits verbessert habe oder zu verbessern gedenke. Hier und da ein Seitenhieb auf seinen Kontrahenten, und Statistiken, die sich keiner merken kann, und die aber alle darauf hinaus laufen, dass uns Romney abzocken wird und er, Barack, nicht. (Die Rede kann auf Google in verschiedenen Versionen gesucht und gefunden werden, so etwa hier: http://www.cnn.com/2012/08/01/politics/campaign-wrap/index.html.)

Obama in Mansfield - Zustimmung der Menge.

Obama in Mansfield - Zustimmung der Menge.

Mittendrin tippt mir jemand von hinten auf die Schulter. Es ist eine dicke ehrenamtliche Helferin, die mich bittet, ich solle doch einen grossen Schritt nach links machen, dort hinten stünden Leute, die den Präsidenten auch sehen wollten. Und ob die anderen Leute mit Kameras bitte auch beiseite treten könnten. Ehe ich etwas sagen kann, erklärt ihr ein anderer Fotograf enerviert, wir machten hier nur unseren Job, sorry, und blieben deshalb, wo wir sind. «Manche Leute haben echt Nerven», knurrt er, und ich bin sicher, jetzt hasst uns halb Mansfield. Sei's drum.

Obama ist unterdessen am Ende seiner Rede angelangt. Eines muss man dem Mann lassen: reden kann er. Das Publikum ist so ausser sich, dass sie ihn auch danach nicht gehen lassen, und so nimmt er ein weiteres Bad in der Menge. Wegen der Abschrankung und den Menschenmassen komme ich aber nicht näher an ihn heran, und so wird Mary sich wohl ihre Umarmung in der Zukunft selbst abholen müssen.

Das heisst, wenn sie rechtzeitig Eintrittskarten bekommt.

Gute Arbeit! Teilen und mehr lesen.

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