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Portugal: Frohsinn gewinnt gegen Krise

9.07.2012, 10:25Uhr

Wir sind nach Portugal gereist, um die Hoffnungslosigkeit der jungen Menschen einzufangen. Und was haben wir vorgefunden? Junge Menschen, zum Teil ohne Arbeit – aber voller Zuversicht. Ausgehend vom paradiesischen Weiler der Baslerin Noëmi Rutishauser, wo wir wohnten, besuchten wir die ärmste Region der Algarve und die reichste. Die Orte liegen keine zehn Kilometer voneinander entfernt. Die Armen leben in Wellblechhäusern, die Reichen spielen Golf. Dazwischen liegt die Masse, das Volk. Wir haben Menschen bei der Arbeit getroffen, am Dorffest, beim Essen. Und immer war da Fröhlichkeit.

Das Dörfchen Alfontes ist ein typischer Ort in der Algarve, der nicht an der Küste liegt und wo weniger Tourismus vorzufinden ist. Hier leben etwa hundert Menschen, es gibt einen Tante-Emma-Laden, eine Bushaltestelle, drei Beizen. Eine wird von «Camaroes» («Shrimps») geführt, wie die Portugiesen Engländer nennen. Weil sich ihre Sonnenbrände nur selten in einen braunen Teint verwandeln.

Doch Hautfarben spielen hier keine Rolle, es leben Weisse, «Camaroes» und Schwarze Tür an Tür. Abends treffen sie sich in der «Cantinho da Ribeira» bei Elio, einem ehemaligen Bauern, der seine Bar mit Leidenschaft führt und auch dann ruhig bleibt, wenn seine Gäste zu den Liedern im Fernseher zu singen und wild zu tanzen beginnen.

Nur in Spanien und Griechenland mehr Arbeitslose

Elios Gäste, das sind Einheimische und Ausgewanderte aus aller Welt. Wenn die Engländerin Linda nicht gerade an einer Quiz-Nacht an der Küste ihr Glück versucht, singt sie bei Elio. Linda ist entfernt verwandt mit allen möglichen ausrangierten englischen Rockstars und kennt Led-Zeppelin-Frontmann Robert Plant persönlich, sagt sie.

Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie in ihrem Häuschen in der Algarve und sieht nicht mehr ganz so «shrimpig» aus wie zu Beginn. Sie hat sich an die Sonne gewöhnt und an das Leben hier, doch wenn sie spricht, klingt sie immer noch wie die Queen. «Die Krise, ja die Krise», sagt Linda. Ihre Krise bestehe darin, dass sie trotz Bemühungen, über das Internet einen Mann zu finden, immer noch allein sei.

In diesem Dorf ist es wie überall in der Gegend normal, dass ältere Menschen mit ganz jungen plaudern, tanzen, befreundet sind. Am Dorffest schläft das Baby im Arm der Mutter, während die Grosseltern tanzen – auch nach Mitternacht noch. Die Jugend ist hier nicht abgetrennt vom Rest der Gesellschaft, es ist schwierig, sich nur auf Jugendliche zu konzentrieren. Es ist der Familiensinn, der den Menschen Halt gibt, auch wenn sie keine Arbeit haben. Und keine Arbeit, das haben 36,4 Prozent der Jungen, nur in Spanien und Griechenland sind es mehr.

Gut ausgebildete Junge müssen bei McDonald's arbeiten, um überhaupt ein wenig Geld zu verdienen. Andere haben ihren guten Job verloren, weil bei den Firmen gespart werden muss. Natürlich ist das Leben für all diese Menschen schwieriger geworden. Sie müssen sich einschränken, sind besorgt. Aber nie so besorgt, wie man es von der Schweiz aus annehmen könnte: Die Zuversicht und der Frohsinn sind stärker als die Krise.

Lesen Sie dazu die Reportage in der Printausgabe der TagesWoche am kommenden Freitag.

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