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What would Batman do?

26.07.2012, 09:00Uhr

Pünktlich zum Abschluss der Batman-Trilogie von Christopher Nolan im Kino widmen wir uns im Mewi-Blog der Philosophie des wohl vielschichtigsten und ambivalentesten Charakters des westlichen Comic-Universums. In Die Philosophie bei Batman: Eine Reise in die Seele des Dark Knight (herausgegeben von Mark. D. White und Robert Alp) wird in 17 kurzen Essays mithilfe grosser Denker wie Aristoteles, Kant, Nietzsche oder Heidegger der Frage nachgegangen, mit welchen philosophischen, moralischen und ethischen Fragen sich Batman nebst seinen Widersachern wie dem Joker oder Bane herumschlagen muss. Gemeinsames Ziel aller Beiträge ist, Batman besser zu verstehen und zu klären was, wir aus den zahlreichen Comic- und Filmgeschichten lernen können, über Freiheit, Identität oder Freundschaft. Denn die Fragen, die wir uns Laufe unseres Lebens stellen, sind, so die Prämisse der Beiträge, so philosophisch wie die des dunklen Ritters: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Zeitgenössischer und in Anlehnung an einen Bestseller von Richard David Precht: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Manuel Thomas, selbst bekennender Batman-Fan seit Kindheitstagen, ging mit der Fledermaus auf philosophische Spurensuche.

Wovon handelt das Buch? Authentisches Leben, Utilitarismus und Deontologie.

Das bedeutet? Bruce Wayne alias Batman ist der wohl ungewöhnlichste Superheld schlechthin: Nachdem er als Kind ansehen musste, wie seine Eltern ermordet wurden, sagte er dem Verbrechen den Kampf an. Dabei ist er ist ein gewöhnlicher Mensch und hat keinerlei Superkräfte, sondern besiegt seine Gegner mit Intelligenz und einer ungeheuren Physis, die er sich im Laufe jahrelangen Trainings angeeignet hat. Statt sich als reicher Playboy mit dem Vermögen seiner Eltern ein angenehmes Leben zu machen, entscheidet er sich für den schwierigen Weg eines authentischen Lebens, gönnt sich keinen Luxus und opfert sein privates Glück dem Kampf gegen das Verbrechen. Batman wird so nicht die Maske für Bruce Wayne, sondern umgekehrt – mit all den Konsequenzen, Ambivalenzen und Zweifeln.

Zum Beispiel? Batman würde nie einen Menschen töten, dies würde ihn nicht besser als die Verbrecher machen. Selbst einen Widersacher wie den Joker, der dutzende Menschen auf dem Gewissen hat, sperrt Batman in die städtische Irrenanstalt ein ¬– auch wenn dieser immer wieder ausbricht und weitermordet. Hier kommt die Philosophie ins Spiel: Würde Batman den Joker umbringen, würde er weitere Morde verhindern; so argumentiert jedenfalls der Utilitarist. Für die deontologische Ethik aber heiligt das Ziel nicht die Mittel; Töten ist in jedem Falle unmoralisch. Mit dieser Frage sieht sich der dunkle Ritter, und seine Fans, konfrontiert: Würden Sie einen Menschen opfern, um fünf zu retten?

Lieblingszitat? „In einer Welt voll geistlosem Konformismus, allgegenwärtiger Dummheit und der Angst als grösster Antriebskraft ist Batman ein Beispiel, wie die Bereitschaft, sich mit dem Sinn der eigenen Existenz auseinanderzusetzen, ein Weg zur persönlichen Befreiung sein kann."

Was stört? Dass die Geschichten um Batman mit vielen unterschiedlichen philosophischen Ansätzen untersucht werden können, liegt nicht an deren semantischer Offenheit, sondern daran, dass sich die Figur in den letzten 70 Jahren weiterentwickelt hat. Je nach Zeichner oder Filmemacher eröffnete sich auch eine neue Zugangsweise. Man vergleiche nur den kitschig bunten, oberflächlichen Batman von Joel Schuhmacher und den düster tiefsinnigen Batman von Christopher Nolan. Dass dieser Prozess des Werdens selbst nicht zum Thema wird, sondern sich nur dem Batman-Kenner erschliesst, ist umso bedauerlicher, da es die Ambivalenz des Charakters – die im Buch ja untersucht werden soll –, stärker betonen würde.

Warum ich das Buch trotzdem empfehle? Durch Christopher Nolans Verfilmungen avancierte Batman zum Lieblingskind der Populärkultur. Egal ob Comic, Film oder Videospiel: Batman ist in allen medialen Artefakten omnipräsent. Statt den dunklen Ritter als Phänomen der Populärkultur abzutun, lohnt es ihn als intellektuelle Herausforderung ernst zu nehmen. Denn seine inneren Dämonen sind auch uns nicht fremd. Wir können ihn zwar nicht nachahmen und nicht dieselben Risiken auf uns nehmen – er ist schliesslich eine Comic-Figur –, aber wir könnten seine Tugenden übernehmen und uns in seine Lage zu versetzen um philosophische Gedankenspiele zu diskutieren. Dabei erfahren wir, was für eine Art Mensch wir selbst sind, zumal unsere Flucht in die Artefakte auch die Sehnsucht nach Mythen und Menschen widerspiegelt, die wir heutzutage brauchen, wie es am Ende von The Dark Knight formuliert wird.

Woran es mich erinnert? An das berührende Plädoyer von Henry Jenkins für Populärkultur in seinem Buch The WOW Climax, das ihm hilft, seine Kinder zu verstehen und seine Studierenden im Umgang mit Medien zu unterrichten.

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  1. Kurze Kaufberatung bitte^^

    von Urs Schüppli am 26.07.2012 um 14:00Uhr

    Bevor ich mir das Buch kaufe (finds ein cooles Thema^^): ist das Buch leicht zu lesen? und auf welche Batman-Figur konzentriert sich das Buch? der Batman im Film, im Buch, oder im Spiel? Arkam City fand ich nämlich derbe geil =)
    Direktlink zum Kommentar

  2. Batman in den Medien

    von Manuel Thomas am 26.07.2012 um 22:47Uhr

    @ Urs Schüppli:

    Das Buch sollte niemanden vor allzu grosse Herausforderungen stellen; liest es sich typisch für eine neuere amerikanische Publikation recht flüssig und man sollte nicht jedes zweite Wort im Lexikon nachschlagen müssen (wobei sich, je nach Autor, der ein oder andere Essay durchaus schwieriger liest). Das Buch verlangt dem Leser auch kein Philosophie-Studium ab, werden alle darin behandelten Theorien - egal ob es sich dabei um Heideggers authentisches Leben, der Platonische und Nietzscheanische Begriff der Freundschaft oder Husserls Phänomenologie handelt -, leicht verständlich erklärt und an Beispielen aus dem Batman-Universum veranschaulicht. Dies bisweilen auf Kosten der Tiefe, aber das Buch versteht sich ja auch nicht als Einführung in die Philosophie.

    Der Fokus der Betrachtungen liegt doch mehr auf den Batman-Comics, die allgemein ja nicht so bekannt sind wie die Filme. Dies sollte aber niemanden abschrecken lassen, ist die Charakterzeichnung von Batman in den jüngeren Filme von denen der Comics inspiriert worden. So finden sich in diesen zahlreiche Motive aus den Comics "Batman: Das erste Jahr", "Der dunkle Ritter schlägt zurück" (beide von Frank Miller) und "The Killing Joke" (Alan Moore), von daher eine philosophische Zugangsweise auf die Comics sich auch auf die Filme problemlos anwenden lässt.

    Die Videospiele (wobei ja gerade die letzten beiden Titel, "Arkham Asylum" und das von dir angesprochene "Arkam City" von der Kritik euphorisch gefeiert wurden) wurden in dem Buch leider nicht betrachtet, wobei man hierzu sagen muss dass sich in diesen Spielen zwar durchaus Motive der Comics und Filme finden, der Entwickler "Rocksteady" aber bei der Charakterzeichnung nicht eine solche Tiefe erreicht wird wie in den Comics von Miller oder in den Filmen von Nolan oder gar Burton.
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  3. Der Reiz der Fledermaus

    von Manuel Thomas am 29.07.2012 um 20:37Uhr

    Gerade auf tageswoche.ch entdeckt: Der sehr schöne Artikel von Cédric Russo und Fabian Degen über den Reiz der Fledermaus auf den ich gerne verweisen möchte: www.tageswoche.ch/de/2012_30/kultur/442581/der-reiz-des-flattermanns.htm
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  4. Volle Kinos

    von Dimitri Rojek am 30.07.2012 um 16:02Uhr

    @ Der Reiz der Fledermaus

    Ich war am WE im Kino und war nicht der einzige der diese Idee hatte ... den Film fand ich zwar sehenswert aber jetzt nicht so gut wie den Vorgänger aber "der Reiz an der "Fledermaus" scheint dennoch ungebrochen. Gibt das Buch darauf weitere Antworten oder ist dass man sich mit der Figur identifiziert der einzige Grund?
    Direktlink zum Kommentar

  5. Übermensch sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

    von Manuel Thomas am 1.08.2012 um 00:02Uhr

    Nein, das Hauptargument des Buches ist tatsächlich dass man sich mit Batman sehr gut identifizieren kann und an seinem moralischen und ethischen Handeln sich ein Beispiel nehmen kann. Das dies wirklich einige Personen tun zeigt sich in den USA wo maskierte, selbsterklärte „Real Life Superheroes“ auf Verbrecherjagd gehen oder zumindest regelmässig Obdachlosen Essen und Trinken geben (http://www.reallifesuperheroes.com/).

    Warum die Faszination für Superhelden im Kino (ob Batman, Spiderman oder die Avengers: die Superheldenwelle im Kino reisst nicht ab) ungebrochen ist, darüber kann freilich spekuliert werden. Meine Theorie: Wir können uns mit ihnen identifizieren und uns auf sie verlassen in einem Zeitalter, wo wir uns auf nichts verlassen können. Der Mensch ist nicht mehr Mitte des Universums (Kopernikus), Gott ist tot (Nietzsche), das Ich ist nicht mehr Herr im eigenen Haus (Freud) und die grossen Erzählungen wie die Aufklärung, das Christentum oder der Marxismus haben keine Gültigkeit mehr (Lyotard). Woran soll man also glauben (unter der Bedingung, dass jedes Individuum Halt im Leben sucht)? Superhelden liefern darauf eine Antwort, denn auf sie kann man bauen und - weitaus wichtiger -, Superhelden-Filme (allgemeiner: Medien) helfen uns durch ihre zerstreuende Kraft nicht ständig daran zu denken, wie sinnlos das Leben doch eigentlich ist und bieten am Ende Sinn und ein Happy End (wenn es auch Ausnahmen gibt, zum Beispiel Watchmen von Alan Moore). Bereits im 17. Jahrhundert schrieb der Philosoph Blaise Pascal über die Zerstreuung: „Da die Menschen nicht Tod, Elend und Unwissenheit heilen konnten, sind sie, um sich glücklich zu machen, auf den Einfall gekommen, nicht daran zu denken.“ Während wir Comics lesen, Filme sehen, Video Games spielen oder Facebook benutzen (http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/immer-schon-busy) beschäftigen wir uns nicht mit dem Elend des Lebens. Diese Position wurde mehrfach kritisiert, so sah die Kritische Theorie (allen voran Horkheimer und Adorno) darin entpolitisierende Tendenzen. Ich persönlich sehe diese Position eher als psychische Hygiene: Natürlich kann man sich rund um die Uhr mit dem Elend und Leid des Lebens beschäftigen, aber nur wenige (man könnte sagen: Superhelden oder Übermenschen in Nietzsches Sinne (übrigens: Nietzsches Übermensch wird im angloamerikanischen Raum gerne mit „Superman“ übersetzt)) halten dies dauerhaft mental aus. Andere flüchten hingegen in die Zerstreuung, was nicht gänzlich negativ ist, denn selbst wenn man sich gerne zerstreuen lässt kann man sich trotzdem mit den ernsten und tragischen Dingen im Leben beschäftigen oder Filme, Comics oder Bücher zu schätzen wissen, die „schwierige Themen“ behandeln. Ob man sich allerdings nun dem Übermenschen-Tun stellt oder man andere Übermenschen für eine bessere Welt kämpfen lässt muss wohl jeder für sich selbst entscheiden ...
    Direktlink zum Kommentar

  6. Superman statt Übermensch

    von Roberto SimanowskiVon der TagesWoche verifiziertes Profil am 3.08.2012 um 11:51Uhr

    Spannend die These, dass die Faszination für Superhelden auf den Verlust der narzisstischen Kränkung des Menschen reagiert, die Kopernikus, Nietzsche, Freud mit sich brachten, und dann auch Lyotard, der uns sogar den Glauben an unsere gesellschaftlichen Legitimationserzählungen nahm. Die Frage ist sehr berechtigt: „Woran soll man also glauben (unter der Bedingung, dass jedes Individuum Halt im Leben sucht)?“ Die Antwort, dass Superhelden in die Bresche springen, klingt plausibel.

    Allerdings sollte man den Übersetzungsfehler der Amerikaner (Superman = Übermensch) nicht mitmachen, um nicht die nationalsozialistische Fehlinterpretation dieses Begriffs zu wiederholen. Denn Nietzsches Übermensch ist weniger ein Held der Aktion als des Leidens und der Einsicht.

    Manuel sagt es im Grunde: „nur wenige (man könnte sagen: Superhelden oder Übermenschen in Nietzsches Sinne)“ halten diese Situation der Glaubenslosigkeit aus. Und genau dies meint der italienische Philosoph Gianni Vattimo, wenn er schreibt: „Auf das Problematische und Chaotische der spätmodernen Welt mit einer Rückkehr zu Gott als dem metaphysischen Fundament zu reagieren bedeutet, um mit Nietzsche zu reden, sich der Herausforderung des Übermenschentums nicht zu stellen.“

    Die Frage ist nun: Wofür steht Batman in dieser Konstellation? Übernimmt er die Rolle Gottes als Projektionsfigur, von der wir Erlösung erhoffen? Wäre dann aber der Glaube an Superman nicht gerade die Verfehlung des Übermenschen, der keine Rettung von niemand erwartet und dies, als Übermensch, erträgt?

    Soweit geht der Film nicht, weil sein Thema eben nicht der Übermensch ist, sondern Superman. Und so gibt es zwar Gefahr, aber in der Gefahr auch das Rettende. Das übliche Hollywood happy end mit den üblichen Problematisierungsklischees: positiver Charakter erweist sich als evil; die coole Egoistin entkommt nicht dem solidarischen Impuls; der Held scheint zu unterliegen, gewinnt aber doch (und stirbt tragisch schön). Einziger Lichtblick: die Ambivalenz Banes, der in seiner plausibilisierten Bosheit als Sprecher der 99 Prozent auftritt und, als maskierter Robespierre, die Tribunale der Französischen Revolution aufruft. Am Ende aber, das ist der Konservatismus solcher Filme, Wiederherstellung der Ordnung. Wiederkehr des Gleichen.

    Direktlink zum Kommentar

  1. Kurze Kaufberatung bitte^^

    von Urs Schüppli am 26.07.2012 um 14:00Uhr

    Bevor ich mir das Buch kaufe (finds ein cooles Thema^^): ist das Buch leicht zu lesen? und auf welche Batman-Figur konzentriert sich das Buch? der Batman im Film, im Buch, oder im Spiel? Arkam City fand ich nämlich derbe geil =)
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  2. Batman in den Medien

    von Manuel Thomas am 26.07.2012 um 22:47Uhr

    @ Urs Schüppli:

    Das Buch sollte niemanden vor allzu grosse Herausforderungen stellen; liest es sich typisch für eine neuere amerikanische Publikation recht flüssig und man sollte nicht jedes zweite Wort im Lexikon nachschlagen müssen (wobei sich, je nach Autor, der ein oder andere Essay durchaus schwieriger liest). Das Buch verlangt dem Leser auch kein Philosophie-Studium ab, werden alle darin behandelten Theorien - egal ob es sich dabei um Heideggers authentisches Leben, der Platonische und Nietzscheanische Begriff der Freundschaft oder Husserls Phänomenologie handelt -, leicht verständlich erklärt und an Beispielen aus dem Batman-Universum veranschaulicht. Dies bisweilen auf Kosten der Tiefe, aber das Buch versteht sich ja auch nicht als Einführung in die Philosophie.

    Der Fokus der Betrachtungen liegt doch mehr auf den Batman-Comics, die allgemein ja nicht so bekannt sind wie die Filme. Dies sollte aber niemanden abschrecken lassen, ist die Charakterzeichnung von Batman in den jüngeren Filme von denen der Comics inspiriert worden. So finden sich in diesen zahlreiche Motive aus den Comics "Batman: Das erste Jahr", "Der dunkle Ritter schlägt zurück" (beide von Frank Miller) und "The Killing Joke" (Alan Moore), von daher eine philosophische Zugangsweise auf die Comics sich auch auf die Filme problemlos anwenden lässt.

    Die Videospiele (wobei ja gerade die letzten beiden Titel, "Arkham Asylum" und das von dir angesprochene "Arkam City" von der Kritik euphorisch gefeiert wurden) wurden in dem Buch leider nicht betrachtet, wobei man hierzu sagen muss dass sich in diesen Spielen zwar durchaus Motive der Comics und Filme finden, der Entwickler "Rocksteady" aber bei der Charakterzeichnung nicht eine solche Tiefe erreicht wird wie in den Comics von Miller oder in den Filmen von Nolan oder gar Burton.
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  3. Der Reiz der Fledermaus

    von Manuel Thomas am 29.07.2012 um 20:37Uhr

    Gerade auf tageswoche.ch entdeckt: Der sehr schöne Artikel von Cédric Russo und Fabian Degen über den Reiz der Fledermaus auf den ich gerne verweisen möchte: www.tageswoche.ch/de/2012_30/kultur/442581/der-reiz-des-flattermanns.htm
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  4. Volle Kinos

    von Dimitri Rojek am 30.07.2012 um 16:02Uhr

    @ Der Reiz der Fledermaus

    Ich war am WE im Kino und war nicht der einzige der diese Idee hatte ... den Film fand ich zwar sehenswert aber jetzt nicht so gut wie den Vorgänger aber "der Reiz an der "Fledermaus" scheint dennoch ungebrochen. Gibt das Buch darauf weitere Antworten oder ist dass man sich mit der Figur identifiziert der einzige Grund?
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  5. Übermensch sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

    von Manuel Thomas am 1.08.2012 um 00:02Uhr

    Nein, das Hauptargument des Buches ist tatsächlich dass man sich mit Batman sehr gut identifizieren kann und an seinem moralischen und ethischen Handeln sich ein Beispiel nehmen kann. Das dies wirklich einige Personen tun zeigt sich in den USA wo maskierte, selbsterklärte „Real Life Superheroes“ auf Verbrecherjagd gehen oder zumindest regelmässig Obdachlosen Essen und Trinken geben (http://www.reallifesuperheroes.com/).

    Warum die Faszination für Superhelden im Kino (ob Batman, Spiderman oder die Avengers: die Superheldenwelle im Kino reisst nicht ab) ungebrochen ist, darüber kann freilich spekuliert werden. Meine Theorie: Wir können uns mit ihnen identifizieren und uns auf sie verlassen in einem Zeitalter, wo wir uns auf nichts verlassen können. Der Mensch ist nicht mehr Mitte des Universums (Kopernikus), Gott ist tot (Nietzsche), das Ich ist nicht mehr Herr im eigenen Haus (Freud) und die grossen Erzählungen wie die Aufklärung, das Christentum oder der Marxismus haben keine Gültigkeit mehr (Lyotard). Woran soll man also glauben (unter der Bedingung, dass jedes Individuum Halt im Leben sucht)? Superhelden liefern darauf eine Antwort, denn auf sie kann man bauen und - weitaus wichtiger -, Superhelden-Filme (allgemeiner: Medien) helfen uns durch ihre zerstreuende Kraft nicht ständig daran zu denken, wie sinnlos das Leben doch eigentlich ist und bieten am Ende Sinn und ein Happy End (wenn es auch Ausnahmen gibt, zum Beispiel Watchmen von Alan Moore). Bereits im 17. Jahrhundert schrieb der Philosoph Blaise Pascal über die Zerstreuung: „Da die Menschen nicht Tod, Elend und Unwissenheit heilen konnten, sind sie, um sich glücklich zu machen, auf den Einfall gekommen, nicht daran zu denken.“ Während wir Comics lesen, Filme sehen, Video Games spielen oder Facebook benutzen (http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/immer-schon-busy) beschäftigen wir uns nicht mit dem Elend des Lebens. Diese Position wurde mehrfach kritisiert, so sah die Kritische Theorie (allen voran Horkheimer und Adorno) darin entpolitisierende Tendenzen. Ich persönlich sehe diese Position eher als psychische Hygiene: Natürlich kann man sich rund um die Uhr mit dem Elend und Leid des Lebens beschäftigen, aber nur wenige (man könnte sagen: Superhelden oder Übermenschen in Nietzsches Sinne (übrigens: Nietzsches Übermensch wird im angloamerikanischen Raum gerne mit „Superman“ übersetzt)) halten dies dauerhaft mental aus. Andere flüchten hingegen in die Zerstreuung, was nicht gänzlich negativ ist, denn selbst wenn man sich gerne zerstreuen lässt kann man sich trotzdem mit den ernsten und tragischen Dingen im Leben beschäftigen oder Filme, Comics oder Bücher zu schätzen wissen, die „schwierige Themen“ behandeln. Ob man sich allerdings nun dem Übermenschen-Tun stellt oder man andere Übermenschen für eine bessere Welt kämpfen lässt muss wohl jeder für sich selbst entscheiden ...
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  6. Kleines Detail

    von urs buessVon der TagesWoche verifiziertes Profil am 1.08.2012 um 10:41Uhr

    Das haben Sie, lieber Herr Thomas, eben gerade nicht auf tagesanzeiger.ch entdeckt, sondern auf tageswoche.ch. Ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail.
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  7. Danke

    von Manuel Thomas am 1.08.2012 um 13:05Uhr

    Lieber Herr Buess,
    vielen Dank für den Hinweis, da waren wohl zu viele Tabs und zu viele Gedanken offen. Tut mir leid.
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  8. klein aber ...

    von Marion Regenscheit am 1.08.2012 um 15:13Uhr

    ... auf jeden Fall ein wichtiges Detail! Danke für den Hinweis. Und Entschuldigung.
    Zugleich, Herr Buess, freue ich mich, zu sehen, dass wir Sie zu den Mewi-Blog-Lesern zählen dürfen ;-).
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  9. Superman statt Übermensch

    von Roberto SimanowskiVon der TagesWoche verifiziertes Profil am 3.08.2012 um 11:51Uhr

    Spannend die These, dass die Faszination für Superhelden auf den Verlust der narzisstischen Kränkung des Menschen reagiert, die Kopernikus, Nietzsche, Freud mit sich brachten, und dann auch Lyotard, der uns sogar den Glauben an unsere gesellschaftlichen Legitimationserzählungen nahm. Die Frage ist sehr berechtigt: „Woran soll man also glauben (unter der Bedingung, dass jedes Individuum Halt im Leben sucht)?“ Die Antwort, dass Superhelden in die Bresche springen, klingt plausibel.

    Allerdings sollte man den Übersetzungsfehler der Amerikaner (Superman = Übermensch) nicht mitmachen, um nicht die nationalsozialistische Fehlinterpretation dieses Begriffs zu wiederholen. Denn Nietzsches Übermensch ist weniger ein Held der Aktion als des Leidens und der Einsicht.

    Manuel sagt es im Grunde: „nur wenige (man könnte sagen: Superhelden oder Übermenschen in Nietzsches Sinne)“ halten diese Situation der Glaubenslosigkeit aus. Und genau dies meint der italienische Philosoph Gianni Vattimo, wenn er schreibt: „Auf das Problematische und Chaotische der spätmodernen Welt mit einer Rückkehr zu Gott als dem metaphysischen Fundament zu reagieren bedeutet, um mit Nietzsche zu reden, sich der Herausforderung des Übermenschentums nicht zu stellen.“

    Die Frage ist nun: Wofür steht Batman in dieser Konstellation? Übernimmt er die Rolle Gottes als Projektionsfigur, von der wir Erlösung erhoffen? Wäre dann aber der Glaube an Superman nicht gerade die Verfehlung des Übermenschen, der keine Rettung von niemand erwartet und dies, als Übermensch, erträgt?

    Soweit geht der Film nicht, weil sein Thema eben nicht der Übermensch ist, sondern Superman. Und so gibt es zwar Gefahr, aber in der Gefahr auch das Rettende. Das übliche Hollywood happy end mit den üblichen Problematisierungsklischees: positiver Charakter erweist sich als evil; die coole Egoistin entkommt nicht dem solidarischen Impuls; der Held scheint zu unterliegen, gewinnt aber doch (und stirbt tragisch schön). Einziger Lichtblick: die Ambivalenz Banes, der in seiner plausibilisierten Bosheit als Sprecher der 99 Prozent auftritt und, als maskierter Robespierre, die Tribunale der Französischen Revolution aufruft. Am Ende aber, das ist der Konservatismus solcher Filme, Wiederherstellung der Ordnung. Wiederkehr des Gleichen.

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