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Kultur des Kopierens = Kultur der Freiheit

2.07.2012, 13:04Uhr
x:

(Bild: x)

Die Debatte um eine Anpassung des Urheberrechts an die digitalen Bedingungen ist in vollem Gange: In Deutschland spätestens seit 2011, als die Piratenpartei bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus Berlin in das erste Landesparlament einzog. Die Wutrede des Musikers und Schriftstellers Sven Regener über Raubkopierer, die Musikern im Grunde „ins Gesicht pinkeln würden“, hat sie Ende März nur weiter angeheizt. Aber auch in der Schweiz dürfte Regener einige Zustimmung erfahren haben, zumindest in den Reihen der Mitglieder des im Januar 2012 gegründeten Vereins Musikschaffende Schweiz. Der Verein hat sich einer Verschärfung des rechtlichen und ökonomischen Status Quo in der Schweiz verschrieben und lehnt offiziell das von Nationalrat Bathasar Glättli angeregte alternative Entlohnungsmodell für Künstler, eine sogenannte Kulturflatrate, ab. (vgl. Statement Musikschaffende Schweiz und Wochendebatte der Tageswoche vom 8. Juni 2012).  

Mashup – Lob der Kopie von Dirk von Gehlen, erschienen 2011 in der edition suhrkamp. Es wird uns vorgestellt von Ania Mauruschat, wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel.

(Bild: cover)

Wovon handelt das Buch? Dirk von Gehlen ist Leiter der Abteilung “Social Media/Innovation” bei der Süddeutschen Zeitung in München und verfolgt seit vielen Jahren die Entwicklungen im Bereich der digitalen Kultur. „Mashup – Lob der Kopie“ ist so etwas wie Summe seiner Erkenntnisse zum Wert des Kopierens und Remixens für eine freie Kultur im 21. Jahrhundert.

Das heisst? „Mashup“ ist eine entschiedene Streitschrift zur Verteidigung des Kopierens als existentielle menschliche Praxis, die seit jeher von unseren Genen genauso wie von Künstlern praktiziert wird. Zum Beleg seiner These führt Dirk von Gehlen nicht nur Gewährsmänner wie Gotthold Ephraim Lessing, Bertolt Brecht oder Walter Benjamin an, sondern druckt in seinem Buch auch sieben Interviews ab, die er zum Beispiel mit dem Musiker David Dewaele von Soulwax und mit dem in Harvard lehrenden Schweizer Juristen und Internetexperten Urs Gasser geführt hat.

Was sind wichtige Schlagworte? Original, Kopie und Mashup 

Nennen Sie eine zentrale These des Buches: Dirk von Gehlen ist keineswegs ein grundsätzlicher Gegner des Urheberrechts, sondern setzt sich für eine wohlüberlegte, der durch die Digitalisierung veränderten Realität Rechnung tragende, und verantwortungsbewusste Reform ein.
Aber natürlich hat „Mashup“ auch keine einfache Antwort auf die vertrackte, juristische Debatte um die Anpassung des Urheberrechts an die neuen, technologischen Gegebenheiten. Und auch wenn der Autor sich dazu bekennt, ein entschiedener Anhänger einer Kulturflatrate (als einem von vielen, alternativen Finanzierungsmodellen für Künstler) zu sein: Es geht ihm nicht vorrangig um Geschäftsmodelle zur Finanzierung von Kunst im digitalen Raum. Was Dirk von Gehlen antreibt ist die Verteidigung der Möglichkeit der freien Meinungsäusserung, die er durch verkürzte Debatten um Urheberrechtsfragen gefährdet sieht. Denn, so seine Überzeugung, wer die Kopie einseitig als minderwertig gegenüber dem Original und als die Existenzgrundlage von Künstlern zerstörende Praxis verdammt, greift die Grundlagen einer freien Kultur an. Er oder sie redet damit nämlich oft, ob gewollt oder ungewollt, auch einer bedrohlichen Kriminalisierungsstrategie das Wort, die – meist jugendliche – Internetnutzer dafür bestraft, dass sie einfach nur das tun, was technologisch möglich ist: Immaterielle Güter wie digitale Töne, Bilder und Texte ins Netz hoch und wieder runter zu laden und je nach Bedarf zu remixen. In diesem Sinne versteht Dirk von Gehlen das „Mashup“ als eine Art Collage und somit als zentrale, zeitgenössische Form der Meinungsäusserung unter den Bedingungen des Digitalen.

Haben Sie einen Lieblingssatz? „Wir können nicht nicht kopieren.“ (S. 179) 

Gibt es Probleme mit dem Buch? „Mashup“ geht von der Situation in Deutschland aus, die sich zwar von der Situation in der Schweiz unterscheidet aber vergleichbar ist.

Warum sollte ich dieses Buch trotzdem lesen? Weil der Grundgedanke für beide Länder in gleicher Weise gilt, weil es ein  hervorragendes 50seitiges Glossar hat und weil es eine gigantische Fundgrube an Zitaten und Verweisen ist.

Woran erinnert Sie das Buch? An Bücher wie zum Beispiel Free Culture (2004) des US-amerikanischen Juristen Lawrence Lessig oder Reality Hunger (2010) des US-amerikanischen Autors David Shields. Dirk von Gehlen überträgt ihre Gedanken jedoch gekonnt auf den deutschsprachigen Raum und gibt so den Debatten in Deutschland und der Schweiz wichtige, neue Impulse und Denkanstösse.

Ania Mauruschat empfiehlt zum weiterlesen, den Blog von Dirk von Gehlen Digitale Notizen
Und zum Weiterhören und -sehen die beiden folgenden Veranstaltungen:

Am 4. Juli 2012 um 19 Uhr spricht Dirk von Gehlen bei der Abendveranstaltung "Originalität in der Nachahmung" mit Wolfgang Ullrich über Remix, Reproduktion und Referenz.
Dies im Rahmen der der Ausstellung Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube
Ausstellungsort: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Dauer der Ausstellung: 21. April – 5. August 2012

Und nach den Sommerferien, am 22. August um 20 Uhr in Zürich:
Das Lob der Kopie. Ein Abend mit Dirk von Gehlen und Philipp Meier
Im Rahmen von digitalbrainstorming in Zusammenarbeit mit Cabaret Voltaire

 

 

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Reaktionen

  1. Verifiziert

    Roberto Simanowski

    am 3.07.2012, 14:14

    Die Quintessenz von von Gehlens Buch scheint mir zu sein, dass das Kopieren eine „existentielle menschliche Praxis“ ist und dass wir erst recht, wenn die Technologie es so einfach macht, „nicht nicht kopieren“ können. Hinter dem psychologisch plausiblen Befund steht das politische Konzept der Wissensallmende, bekannt unter dem ethnologischen Begriff der Geschenkökonomie, das schon 1999 von Richard Barbrook auf der Mailingliste Nettime.org als „Cybercommunism“ propagiert wurde... ... mehrDie Quintessenz von von Gehlens Buch scheint mir zu sein, dass das Kopieren eine „existentielle menschliche Praxis“ ist und dass wir erst recht, wenn die Technologie es so einfach macht, „nicht nicht kopieren“ können. Hinter dem psychologisch plausiblen Befund steht das politische Konzept der Wissensallmende, bekannt unter dem ethnologischen Begriff der Geschenkökonomie, das schon 1999 von Richard Barbrook auf der Mailingliste Nettime.org als „Cybercommunism“ propagiert wurde (http://www.nettime.org/Lists-Archives/nettime-l-9909/msg00046.html): Ein Naturalhandel der Bits, bei dem jeder gibt nach seinen Fähigkeiten und nimmt nach seinen Bedürfnissen. Der Glaube, dass der Kapitalismus durch unentgeltlichen Informations-Konsumismus kommunistisch gewendet werden könnte, blieb natürlich schon damals nicht ohne ironischen Einspruch (http://www.nettime.org/Lists-Archives/nettime-l-9910/msg00017.html).

    Interessant 13 Jahre danach ist die moralische Demontage dieser kommunistischen Utopie in pragmatischer Hinsicht. Die Kopisten werden kriminalisiert, wie der Artikel notiert. Was natürlich irgendwie absurd ist, da jeder Downloaddieb zugleich auch ein Fan (des Bestohlenen) ist. Zugleich kommt es, als Reaktion auf diesen „Raubkommunismus“, zu einer Verbürgerlichung der Künstler, die ja eigentlich, einem romanischen Begriff von Kunst zufolge, der anarchistische Stachel in einer Gesellschaft sein sollten, nun aber in staatlichen Institutionen wie der GEMA Schutz vor den Raubkopierern suchen (vgl.
    www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/zu-besuch-bei-der-gxema-wir-das-gute-monopol-11800125.html).

    Wo liegt die Lösung? Einen Paradigmenwechsel in der Debatte versprechen Joost Smiers und Marieke van Schijndel in ihrem Buch „No Copyright. Vom Machtkampf der Kulturkonzerne um das Urheberrecht“ (2012) (http://digitaleverwerfung.spex.de/2012/06/24/fur-krypto-copyright-und-schamgefuhle-„no-copyright“-erscheint-auf-deutsch). Der Ausgangspunkt ist auch hier, dass alles Wissen und alle Kultur der Menschheit allen Menschen frei zugänglich sein muss (so übrigens auch im Parteiprogramm der Piraten: wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Urheberrecht_und_nicht-kommerzielle_Vervielf.C3.A4ltigung). Das sind große Worte, denen man kaum widersprechen kann. Aber was ist eigentlich mit Wissen und Kultur der Menschheit gemeint?

    Man tut immer so, als gehe es um den freien Zugang zu den Weisheiten dieser Welt, damit der „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ gelingt, zu dem Immanuel Kant in seinem Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“ einst den Menschen verpflichtete. Ich wette, Kant und viele seiner Gesinnungsgenossen würden sich im Grabe umdrehen, wüssten sie, was heute im Disput um das freie Kopierrecht das eigentliche Objekt der Begierde ist. Hätten sie nicht vieles, für dessen freien Download nun die Piraten und andere eintreten, ohnehin mit dem Schlagwort Zerstreuung und Leseseuche am liebsten verboten?

  2. Manuel Thomas

    am 3.07.2012, 23:01

    Spannendes Buch, das die aktuelle Situation (in Deutschland) einen interessanten Dreh gibt. Auch interessant dabei zu sehen, wie sich die Mashup"-Künstler" selbst zu dem Thema äussern und auf Fragen des Urheberrechts et cetera reagieren, so auch Ben Stiller (http://www.mashup-germany.com/), der grösste Mashup-"Künstler" (Künstler in Anführungszeichen, da die meisten Mashupper zugeben, dass sie gar keine Künstler sind) im deutschsprachigen Raum, der in der Dokumentation "Generation Download)... ... mehrSpannendes Buch, das die aktuelle Situation (in Deutschland) einen interessanten Dreh gibt. Auch interessant dabei zu sehen, wie sich die Mashup"-Künstler" selbst zu dem Thema äussern und auf Fragen des Urheberrechts et cetera reagieren, so auch Ben Stiller (http://www.mashup-germany.com/), der grösste Mashup-"Künstler" (Künstler in Anführungszeichen, da die meisten Mashupper zugeben, dass sie gar keine Künstler sind) im deutschsprachigen Raum, der in der Dokumentation "Generation Download) berichtet dass Musikkünstler in der Regel gar keine Probleme mit einer Remix-Kultur haben (die meist nicht kommerziell betrieben wird, was man in der Diskussion auch beachten sollte), sondern eher damit, wie illegale Kopien von Musikstücken ihren Weg ins Netz finden und die aktuelle politische Diskussion auch als Generationskonflikt anzusehen ist (Inklusive Schlagworte wie 68er Bewegung, digital natives, et cetera): www.youtube.com/watch?v=BERU4u1FMA4 (Ben Stiller im Interview ab Minute 32).

  3. Ania Mauruschat

    am 4.07.2012, 15:31

    Danke für die guten Kommentare!

    @ OpenAccess:

    Dem stimme ich vollkommen zu, dass Kultur auf der Weitergabe von Wissen beruht, dies ist schliesslich auch der Grundgedanke der Universität. Lesenswert dazu ist bei Dirk von Gehlens „Mashup“ vieles, v.a. aber auch das Gespräch mit der Medieninformatikerin Deborah Weber-Wulff über Plagiate und produktives Kopieren sowie mit dem Physiker Oliver Moldenhauer über die Bedeutung von Generika.

    @ Manuel Thomas:

    Sehr gute Anmerkung, allerdings... ... mehrDanke für die guten Kommentare!

    @ OpenAccess:

    Dem stimme ich vollkommen zu, dass Kultur auf der Weitergabe von Wissen beruht, dies ist schliesslich auch der Grundgedanke der Universität. Lesenswert dazu ist bei Dirk von Gehlens „Mashup“ vieles, v.a. aber auch das Gespräch mit der Medieninformatikerin Deborah Weber-Wulff über Plagiate und produktives Kopieren sowie mit dem Physiker Oliver Moldenhauer über die Bedeutung von Generika.

    @ Manuel Thomas:

    Sehr gute Anmerkung, allerdings würde ich die Behauptung, dass Mashup-Künstler keine Künstler sind, gerne ein bisschen in Frage stellen. Wenn Brecht sich zum Beispiel in der Bibel oder bei Laotse bediente, war er dann nicht auch in gewisser Weise ein Mashupkünstler? Bzw. hat das was er daraus Neues erschaffen hat, nicht trotzdem auch die Bezeichnung Kunst verdient? Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Kreativität?!

    Zum Generationenkonflikt und zur grundlegenden, sehr wichtigen Unterscheidung zwischen materiellem und immateriellen Eigentum empfehle ich ausser Dirk von Gehlens Texten immer wieder gerne auch Lawrence Lessigs Bücher, z.B. aber auch seine knappe Darstellung hier:

    jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/378443

    @ Roberto Simanowski:

    Ich finde ja, dass die Tatsache, dass wir „nicht nicht kopieren“ können, weniger ein „psychologisch plausibler Befund“ ist als vor allem ein technologisches Faktum der Digitalisierung, mit gravierenden juristischen und ökonomischen und - nicht zuletzt - auch ästhetischen Folgen.

    Und warum diese skeptischen, um nicht zu schreiben „kulturpessimistischen“ Töne, Herr Professor? ;-)

    Wer weiss, vielleicht wäre Immanuel Kant ja ein glühender Wikipedianer? Brecht, der „early adopter“, wäre bestimmt bereits in den 80er Jahren auf die medientechnologische Revolution aufmerksam geworden, hätte dann allerdings spätestens während der Dot.Com-Blase in den 00er Jahren alle utopischen Hoffnungen fahren lassen und höchst wahrscheinlich zusammen mit Friedrich Kittler in der Hacker- und Free-Software-Szene Zuflucht gesucht, wo sie beide fröhlich auf die Weltvorherrschaft von Microsoft (- und heute wahrscheinlich auch auf die von Apple?!) schimpfen würden. Walter Benjamin und Siegfried Kracauer hingegen hätten bestimmt ihre helle Freude daran, auf YouTube die dollsten Filmchen auszutauschen. Nur Theodor W. Adorno könnte wahrscheinlich mit alledem nichts anfangen und würde schmollend beklagen, dass die ganze Geschichte ein einziger Verfall sei und bildungsbürgerlich in der Kunstreligion Zuflucht suchen. Damit allerdings hätte er sich, trotz aller grossen Verdienste, auch endgültig als geistiges Kind des 19. Jahrhunderts geouteten, das mit dem rhizomatischen – bzw. mit Michel Foucault gesprochen: deleuzianischen - 21. Jahrhundert leider überfordert ist.

    Kurz: Keine Angst vor Zerstreuung in der digitalen Pop- und Subkultur, sie sind schliesslich der Schlamm aus dem Lotusblüten erwachsen. Das hat übrigens der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei sehr früh erkannt und nicht zuletzt sein Offenheit für die Chancen der Digitalisierung und sein kreativer und innovativer Umgang damit, machen ihn meiner Ansicht nach zu einem der vielleicht interessantesten Gegenwarstkünstler. In diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen übrigens auch: „Ai Weiwei: Never Sorry“, das beachtliche Dokumentarfilm-Debut der US-Amerikanerin Alison Klayman, ab 13. September in den Schweizer Kinos. aiweiweineversorry.com/

    Und bis dahin, meine Empfehlung an alle Mewi-Blog-Leser: Dirk von Gehlens „Mashup“ lesen und digitales Denken üben! ;-)

  4. Ania Mauruschat

    am 5.07.2012, 11:14

    Nachtrag aus aktuellem Anlass:

    Gestern am 4.7. wurde überraschender Weise im Europäischen Parlament das umstrittene und heiss umkämpfte ACTA-Abkommen (sog. "Anti-Piratierie-Abkommen") abgelehnt.

    Der aktuelle Kommentar von Dirk von Gehlen unter dem Titel "Den digitalen Graben überwinden" findet sich hier:

    www.sueddeutsche.de/digital/gescheitertes-acta-abkommen-den-digitalen-graben-ueberwinden-1.1401075

    Auch eine wichtige Ergänzung zu Manuel Thomas' Anmerkung zu den "digital... ... mehrNachtrag aus aktuellem Anlass:

    Gestern am 4.7. wurde überraschender Weise im Europäischen Parlament das umstrittene und heiss umkämpfte ACTA-Abkommen (sog. "Anti-Piratierie-Abkommen") abgelehnt.

    Der aktuelle Kommentar von Dirk von Gehlen unter dem Titel "Den digitalen Graben überwinden" findet sich hier:

    www.sueddeutsche.de/digital/gescheitertes-acta-abkommen-den-digitalen-graben-ueberwinden-1.1401075

    Auch eine wichtige Ergänzung zu Manuel Thomas' Anmerkung zu den "digital natives", wie ich finde.

  5. Manuel Thomas

    am 6.07.2012, 01:38

    @Ania Mauruschat:

    Vielen Dank für den Link und ich denke die Frage kann man nur mit dem akademisch unbefriedigendem "es kommt drauf an" beantworten, indem man sich die Qualität der einzelnen Zitate ansieht. Wenn "South Park" eine ganze Reihe von popkulturellen Zitaten aufweist und diese aufeinander Bezug nehmen und sie so in ihrer Gesamtheit ein aktuelles, politisches Thema reflektieren oder subvertieren, hat dies eine ganz andere, künstlerische Qualität wie die popkulturellen Zitate in... ... mehr@Ania Mauruschat:

    Vielen Dank für den Link und ich denke die Frage kann man nur mit dem akademisch unbefriedigendem "es kommt drauf an" beantworten, indem man sich die Qualität der einzelnen Zitate ansieht. Wenn "South Park" eine ganze Reihe von popkulturellen Zitaten aufweist und diese aufeinander Bezug nehmen und sie so in ihrer Gesamtheit ein aktuelles, politisches Thema reflektieren oder subvertieren, hat dies eine ganz andere, künstlerische Qualität wie die popkulturellen Zitate in "Family Guy", die zwar kreativ remixt werden, aber nur für den Gag, nur des Moments wegen.
    So verhält es sich meiner Meinung nach auch in der Musik (aber auch in anderen Medien, die sich das popkulturelle Zitat zum Leitmotiv nehmen um etwas Neues zu generieren; man denke nur an Tarantinos "Pulp Fiction" indem er die 70er Jahre Tanzfilm-Ikone John Travolta als tanzendes Mafia-Waschweib zitiert und gleichsam dekonstruiert): So ist es durchaus kreativ, wenn sich "SMOSH" beim Pokémon-Soundtrack bedienen und ihre eigene Version performen (http://www.youtube.com/watch?v=mOX3OmUhQoo) oder wenn viele Posts bei 9gag (http://9gag.com/) quer die Populärkultur zitieren, künstlerisch wertvoll wird es meiner Meinung nach wenn die Kunst zum Reflexionsmedium (so auch die Forderung von Walter Benjamin) avanciert. Dass sich Ben Stiller so nicht direkt als Künstler betitelt ist gerade bemerkenswert, sind die Songs, aus denen er seine Mashups erstellt, doch eigentlich beliebig, vielmehr postmodern indifferent: Mehr oder minder aktuell aus den Charts, hören sich gut an und wenn er die Hooklines der Songs auseinander nimmt und zu einem Neuen zusammenfügt, "passts einfach" - hört sich gut, sieht gut aus (dazugehörige Musikvideos werden aus den Originalen zusammengezimmert und ja, die Assoziation ist absichtlich um diese kreative Arbeit mit einem gewissen handwerklichen Können zu konnotieren), tut keinem weh. Anders verhält es sich meiner Meinung nach wenn Mashup-Künstler (ohne Anführungszeichen) wie Madeon in seinem Song "Pop Culture" (http://www.youtube.com/watch?v=G2ExVvhzfCY) eine ganze Bandbreite von Songs remixt und wenn man das Konzept, die Idee im Gesamten ansieht, sich eine ganz neue Aussage ergibt: Populäre Musik wird mit Tyler Durden aus "Fight Club" gesprochen zu einer "Kopie, eine Kopie, eine Kopie" und dies sowohl auf inhaltlicher, als auch auf ästhetischer Ebene (schön zu sehen / hören durch die Loops und die repetitiven Hooklines, die sich im Laufe der Jahre zu wiederholen scheinen, wie auch die Künstlerinnen: Madonna, Britney Spears, Kesha als ewige Wiederholung des gleichen Frauenschemas, bis Beth Ditto mit diesem Bild aufräumt). Dass dann noch Daftpunk eingespielt wird, die mit ihrer elektronischen Musik handgemachte bisweilen imitieren (sehr schön zu sehen in "One more time", indem die Band als virtuelle Band auftaucht und die akustische Musik selbst virtuell wird) und die mit ihrem Anime-Musical "Interstella 5555" der Mashup-Kultur ihren Tribut zollen (fand diese doch den Ausgangspunkt bei den Otakus Anfang der 90er Jahre, die gleichzusetzen sind mit den Nerds des Westen die die heutige Zitat- und Populärkultur dominieren), gewinnt der Song mitsamt Video eine künstlerische, reflexive Kraft statt "nur" ein kreatives Zusammenspiel diverser Loops und Lines zu sein. Dem Ganzen zugrunde liegt allerdings natürlich das rhizomatische Denken, welches sich eher bei den Nerds und digital natives findet als bei den digital immigrants, sind erstere doch darin mehr trainiert, daher es im Zuge eines Generationkonfliktes vielleicht einige Jahre noch dauert, bis die Kultur des Kopierens als Kunst wahrgenommen wird - mindestens vielleicht sogar in "1000 Jahren" um es mit den Worten von "Frittenbude" zu sagen, um zum einen auch ein popkulturelles Zitat loszuwerden und das eigene, rhizomatische Denken zu trainieren, zum anderen heisst es so schön in "American History X": "Es ist gut mit einem Zitat abzuschliessem, denn wenn jemand anders es schon am besten formuliert hat, und man selbst es nicht besser kann, dann stielt man eben von ihm... und verschafft sich einen starken Abgang": www.youtube.com/watch?v=V9HQkYI98X0

  1. Verifiziert

    Roberto Simanowski

    am 3.07.2012, 14:14

    Die Quintessenz von von Gehlens Buch scheint mir zu sein, dass das Kopieren eine „existentielle menschliche Praxis“ ist und dass wir erst recht, wenn die Technologie es so einfach macht, „nicht nicht kopieren“ können. Hinter dem psychologisch plausiblen Befund steht das politische Konzept der Wissensallmende, bekannt unter dem ethnologischen Begriff der Geschenkökonomie, das schon 1999 von Richard Barbrook auf der Mailingliste Nettime.org als „Cybercommunism“ propagiert wurde... mehrDie Quintessenz von von Gehlens Buch scheint mir zu sein, dass das Kopieren eine „existentielle menschliche Praxis“ ist und dass wir erst recht, wenn die Technologie es so einfach macht, „nicht nicht kopieren“ können. Hinter dem psychologisch plausiblen Befund steht das politische Konzept der Wissensallmende, bekannt unter dem ethnologischen Begriff der Geschenkökonomie, das schon 1999 von Richard Barbrook auf der Mailingliste Nettime.org als „Cybercommunism“ propagiert wurde (http://www.nettime.org/Lists-Archives/nettime-l-9909/msg00046.html): Ein Naturalhandel der Bits, bei dem jeder gibt nach seinen Fähigkeiten und nimmt nach seinen Bedürfnissen. Der Glaube, dass der Kapitalismus durch unentgeltlichen Informations-Konsumismus kommunistisch gewendet werden könnte, blieb natürlich schon damals nicht ohne ironischen Einspruch (http://www.nettime.org/Lists-Archives/nettime-l-9910/msg00017.html).

    Interessant 13 Jahre danach ist die moralische Demontage dieser kommunistischen Utopie in pragmatischer Hinsicht. Die Kopisten werden kriminalisiert, wie der Artikel notiert. Was natürlich irgendwie absurd ist, da jeder Downloaddieb zugleich auch ein Fan (des Bestohlenen) ist. Zugleich kommt es, als Reaktion auf diesen „Raubkommunismus“, zu einer Verbürgerlichung der Künstler, die ja eigentlich, einem romanischen Begriff von Kunst zufolge, der anarchistische Stachel in einer Gesellschaft sein sollten, nun aber in staatlichen Institutionen wie der GEMA Schutz vor den Raubkopierern suchen (vgl.
    www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/zu-besuch-bei-der-gxema-wir-das-gute-monopol-11800125.html).

    Wo liegt die Lösung? Einen Paradigmenwechsel in der Debatte versprechen Joost Smiers und Marieke van Schijndel in ihrem Buch „No Copyright. Vom Machtkampf der Kulturkonzerne um das Urheberrecht“ (2012) (http://digitaleverwerfung.spex.de/2012/06/24/fur-krypto-copyright-und-schamgefuhle-„no-copyright“-erscheint-auf-deutsch). Der Ausgangspunkt ist auch hier, dass alles Wissen und alle Kultur der Menschheit allen Menschen frei zugänglich sein muss (so übrigens auch im Parteiprogramm der Piraten: wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Urheberrecht_und_nicht-kommerzielle_Vervielf.C3.A4ltigung). Das sind große Worte, denen man kaum widersprechen kann. Aber was ist eigentlich mit Wissen und Kultur der Menschheit gemeint?

    Man tut immer so, als gehe es um den freien Zugang zu den Weisheiten dieser Welt, damit der „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ gelingt, zu dem Immanuel Kant in seinem Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“ einst den Menschen verpflichtete. Ich wette, Kant und viele seiner Gesinnungsgenossen würden sich im Grabe umdrehen, wüssten sie, was heute im Disput um das freie Kopierrecht das eigentliche Objekt der Begierde ist. Hätten sie nicht vieles, für dessen freien Download nun die Piraten und andere eintreten, ohnehin mit dem Schlagwort Zerstreuung und Leseseuche am liebsten verboten?

  2. Manuel Thomas

    am 3.07.2012, 23:01

    Spannendes Buch, das die aktuelle Situation (in Deutschland) einen interessanten Dreh gibt. Auch interessant dabei zu sehen, wie sich die Mashup"-Künstler" selbst zu dem Thema äussern und auf Fragen des Urheberrechts et cetera reagieren, so auch Ben Stiller (http://www.mashup-germany.com/), der grösste Mashup-"Künstler" (Künstler in Anführungszeichen, da die meisten Mashupper zugeben, dass sie gar keine Künstler sind) im deutschsprachigen Raum, der in der Dokumentation "Generation Download)... mehrSpannendes Buch, das die aktuelle Situation (in Deutschland) einen interessanten Dreh gibt. Auch interessant dabei zu sehen, wie sich die Mashup"-Künstler" selbst zu dem Thema äussern und auf Fragen des Urheberrechts et cetera reagieren, so auch Ben Stiller (http://www.mashup-germany.com/), der grösste Mashup-"Künstler" (Künstler in Anführungszeichen, da die meisten Mashupper zugeben, dass sie gar keine Künstler sind) im deutschsprachigen Raum, der in der Dokumentation "Generation Download) berichtet dass Musikkünstler in der Regel gar keine Probleme mit einer Remix-Kultur haben (die meist nicht kommerziell betrieben wird, was man in der Diskussion auch beachten sollte), sondern eher damit, wie illegale Kopien von Musikstücken ihren Weg ins Netz finden und die aktuelle politische Diskussion auch als Generationskonflikt anzusehen ist (Inklusive Schlagworte wie 68er Bewegung, digital natives, et cetera): www.youtube.com/watch?v=BERU4u1FMA4 (Ben Stiller im Interview ab Minute 32).

  3. Schwabe Verlag

    am 4.07.2012, 13:08

    Unabhängig davon, was mit „Wissen und Kultur der Menschheit“ genau gemeint ist, scheint doch eines klar: Die Kultur basiert auf der Weitergabe von Wissen.
    Diese Mashup-Debatte scheint einige Parallelen zur Open Access Frage aufzuweisen, die selbstverständlich auch uns beschäftigt. Stellen sich auch ähnliche Fragen? Stichwort: Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit.
    Spricht Dirk von Gehlen auch die geisteswissenschaftliche Seite des Kopierens (Plagiierens) an?

  4. Ania Mauruschat

    am 4.07.2012, 15:31

    Danke für die guten Kommentare!

    @ OpenAccess:

    Dem stimme ich vollkommen zu, dass Kultur auf der Weitergabe von Wissen beruht, dies ist schliesslich auch der Grundgedanke der Universität. Lesenswert dazu ist bei Dirk von Gehlens „Mashup“ vieles, v.a. aber auch das Gespräch mit der Medieninformatikerin Deborah Weber-Wulff über Plagiate und produktives Kopieren sowie mit dem Physiker Oliver Moldenhauer über die Bedeutung von Generika.

    @ Manuel Thomas:

    Sehr gute Anmerkung, allerdings... mehrDanke für die guten Kommentare!

    @ OpenAccess:

    Dem stimme ich vollkommen zu, dass Kultur auf der Weitergabe von Wissen beruht, dies ist schliesslich auch der Grundgedanke der Universität. Lesenswert dazu ist bei Dirk von Gehlens „Mashup“ vieles, v.a. aber auch das Gespräch mit der Medieninformatikerin Deborah Weber-Wulff über Plagiate und produktives Kopieren sowie mit dem Physiker Oliver Moldenhauer über die Bedeutung von Generika.

    @ Manuel Thomas:

    Sehr gute Anmerkung, allerdings würde ich die Behauptung, dass Mashup-Künstler keine Künstler sind, gerne ein bisschen in Frage stellen. Wenn Brecht sich zum Beispiel in der Bibel oder bei Laotse bediente, war er dann nicht auch in gewisser Weise ein Mashupkünstler? Bzw. hat das was er daraus Neues erschaffen hat, nicht trotzdem auch die Bezeichnung Kunst verdient? Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Kreativität?!

    Zum Generationenkonflikt und zur grundlegenden, sehr wichtigen Unterscheidung zwischen materiellem und immateriellen Eigentum empfehle ich ausser Dirk von Gehlens Texten immer wieder gerne auch Lawrence Lessigs Bücher, z.B. aber auch seine knappe Darstellung hier:

    jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/378443

    @ Roberto Simanowski:

    Ich finde ja, dass die Tatsache, dass wir „nicht nicht kopieren“ können, weniger ein „psychologisch plausibler Befund“ ist als vor allem ein technologisches Faktum der Digitalisierung, mit gravierenden juristischen und ökonomischen und - nicht zuletzt - auch ästhetischen Folgen.

    Und warum diese skeptischen, um nicht zu schreiben „kulturpessimistischen“ Töne, Herr Professor? ;-)

    Wer weiss, vielleicht wäre Immanuel Kant ja ein glühender Wikipedianer? Brecht, der „early adopter“, wäre bestimmt bereits in den 80er Jahren auf die medientechnologische Revolution aufmerksam geworden, hätte dann allerdings spätestens während der Dot.Com-Blase in den 00er Jahren alle utopischen Hoffnungen fahren lassen und höchst wahrscheinlich zusammen mit Friedrich Kittler in der Hacker- und Free-Software-Szene Zuflucht gesucht, wo sie beide fröhlich auf die Weltvorherrschaft von Microsoft (- und heute wahrscheinlich auch auf die von Apple?!) schimpfen würden. Walter Benjamin und Siegfried Kracauer hingegen hätten bestimmt ihre helle Freude daran, auf YouTube die dollsten Filmchen auszutauschen. Nur Theodor W. Adorno könnte wahrscheinlich mit alledem nichts anfangen und würde schmollend beklagen, dass die ganze Geschichte ein einziger Verfall sei und bildungsbürgerlich in der Kunstreligion Zuflucht suchen. Damit allerdings hätte er sich, trotz aller grossen Verdienste, auch endgültig als geistiges Kind des 19. Jahrhunderts geouteten, das mit dem rhizomatischen – bzw. mit Michel Foucault gesprochen: deleuzianischen - 21. Jahrhundert leider überfordert ist.

    Kurz: Keine Angst vor Zerstreuung in der digitalen Pop- und Subkultur, sie sind schliesslich der Schlamm aus dem Lotusblüten erwachsen. Das hat übrigens der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei sehr früh erkannt und nicht zuletzt sein Offenheit für die Chancen der Digitalisierung und sein kreativer und innovativer Umgang damit, machen ihn meiner Ansicht nach zu einem der vielleicht interessantesten Gegenwarstkünstler. In diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen übrigens auch: „Ai Weiwei: Never Sorry“, das beachtliche Dokumentarfilm-Debut der US-Amerikanerin Alison Klayman, ab 13. September in den Schweizer Kinos. aiweiweineversorry.com/

    Und bis dahin, meine Empfehlung an alle Mewi-Blog-Leser: Dirk von Gehlens „Mashup“ lesen und digitales Denken üben! ;-)

  5. Ania Mauruschat

    am 5.07.2012, 11:14

    Nachtrag aus aktuellem Anlass:

    Gestern am 4.7. wurde überraschender Weise im Europäischen Parlament das umstrittene und heiss umkämpfte ACTA-Abkommen (sog. "Anti-Piratierie-Abkommen") abgelehnt.

    Der aktuelle Kommentar von Dirk von Gehlen unter dem Titel "Den digitalen Graben überwinden" findet sich hier:

    www.sueddeutsche.de/digital/gescheitertes-acta-abkommen-den-digitalen-graben-ueberwinden-1.1401075

    Auch eine wichtige Ergänzung zu Manuel Thomas' Anmerkung zu den "digital... mehrNachtrag aus aktuellem Anlass:

    Gestern am 4.7. wurde überraschender Weise im Europäischen Parlament das umstrittene und heiss umkämpfte ACTA-Abkommen (sog. "Anti-Piratierie-Abkommen") abgelehnt.

    Der aktuelle Kommentar von Dirk von Gehlen unter dem Titel "Den digitalen Graben überwinden" findet sich hier:

    www.sueddeutsche.de/digital/gescheitertes-acta-abkommen-den-digitalen-graben-ueberwinden-1.1401075

    Auch eine wichtige Ergänzung zu Manuel Thomas' Anmerkung zu den "digital natives", wie ich finde.

  6. Manuel Thomas

    am 6.07.2012, 01:38

    @Ania Mauruschat:

    Vielen Dank für den Link und ich denke die Frage kann man nur mit dem akademisch unbefriedigendem "es kommt drauf an" beantworten, indem man sich die Qualität der einzelnen Zitate ansieht. Wenn "South Park" eine ganze Reihe von popkulturellen Zitaten aufweist und diese aufeinander Bezug nehmen und sie so in ihrer Gesamtheit ein aktuelles, politisches Thema reflektieren oder subvertieren, hat dies eine ganz andere, künstlerische Qualität wie die popkulturellen Zitate in... mehr@Ania Mauruschat:

    Vielen Dank für den Link und ich denke die Frage kann man nur mit dem akademisch unbefriedigendem "es kommt drauf an" beantworten, indem man sich die Qualität der einzelnen Zitate ansieht. Wenn "South Park" eine ganze Reihe von popkulturellen Zitaten aufweist und diese aufeinander Bezug nehmen und sie so in ihrer Gesamtheit ein aktuelles, politisches Thema reflektieren oder subvertieren, hat dies eine ganz andere, künstlerische Qualität wie die popkulturellen Zitate in "Family Guy", die zwar kreativ remixt werden, aber nur für den Gag, nur des Moments wegen.
    So verhält es sich meiner Meinung nach auch in der Musik (aber auch in anderen Medien, die sich das popkulturelle Zitat zum Leitmotiv nehmen um etwas Neues zu generieren; man denke nur an Tarantinos "Pulp Fiction" indem er die 70er Jahre Tanzfilm-Ikone John Travolta als tanzendes Mafia-Waschweib zitiert und gleichsam dekonstruiert): So ist es durchaus kreativ, wenn sich "SMOSH" beim Pokémon-Soundtrack bedienen und ihre eigene Version performen (http://www.youtube.com/watch?v=mOX3OmUhQoo) oder wenn viele Posts bei 9gag (http://9gag.com/) quer die Populärkultur zitieren, künstlerisch wertvoll wird es meiner Meinung nach wenn die Kunst zum Reflexionsmedium (so auch die Forderung von Walter Benjamin) avanciert. Dass sich Ben Stiller so nicht direkt als Künstler betitelt ist gerade bemerkenswert, sind die Songs, aus denen er seine Mashups erstellt, doch eigentlich beliebig, vielmehr postmodern indifferent: Mehr oder minder aktuell aus den Charts, hören sich gut an und wenn er die Hooklines der Songs auseinander nimmt und zu einem Neuen zusammenfügt, "passts einfach" - hört sich gut, sieht gut aus (dazugehörige Musikvideos werden aus den Originalen zusammengezimmert und ja, die Assoziation ist absichtlich um diese kreative Arbeit mit einem gewissen handwerklichen Können zu konnotieren), tut keinem weh. Anders verhält es sich meiner Meinung nach wenn Mashup-Künstler (ohne Anführungszeichen) wie Madeon in seinem Song "Pop Culture" (http://www.youtube.com/watch?v=G2ExVvhzfCY) eine ganze Bandbreite von Songs remixt und wenn man das Konzept, die Idee im Gesamten ansieht, sich eine ganz neue Aussage ergibt: Populäre Musik wird mit Tyler Durden aus "Fight Club" gesprochen zu einer "Kopie, eine Kopie, eine Kopie" und dies sowohl auf inhaltlicher, als auch auf ästhetischer Ebene (schön zu sehen / hören durch die Loops und die repetitiven Hooklines, die sich im Laufe der Jahre zu wiederholen scheinen, wie auch die Künstlerinnen: Madonna, Britney Spears, Kesha als ewige Wiederholung des gleichen Frauenschemas, bis Beth Ditto mit diesem Bild aufräumt). Dass dann noch Daftpunk eingespielt wird, die mit ihrer elektronischen Musik handgemachte bisweilen imitieren (sehr schön zu sehen in "One more time", indem die Band als virtuelle Band auftaucht und die akustische Musik selbst virtuell wird) und die mit ihrem Anime-Musical "Interstella 5555" der Mashup-Kultur ihren Tribut zollen (fand diese doch den Ausgangspunkt bei den Otakus Anfang der 90er Jahre, die gleichzusetzen sind mit den Nerds des Westen die die heutige Zitat- und Populärkultur dominieren), gewinnt der Song mitsamt Video eine künstlerische, reflexive Kraft statt "nur" ein kreatives Zusammenspiel diverser Loops und Lines zu sein. Dem Ganzen zugrunde liegt allerdings natürlich das rhizomatische Denken, welches sich eher bei den Nerds und digital natives findet als bei den digital immigrants, sind erstere doch darin mehr trainiert, daher es im Zuge eines Generationkonfliktes vielleicht einige Jahre noch dauert, bis die Kultur des Kopierens als Kunst wahrgenommen wird - mindestens vielleicht sogar in "1000 Jahren" um es mit den Worten von "Frittenbude" zu sagen, um zum einen auch ein popkulturelles Zitat loszuwerden und das eigene, rhizomatische Denken zu trainieren, zum anderen heisst es so schön in "American History X": "Es ist gut mit einem Zitat abzuschliessem, denn wenn jemand anders es schon am besten formuliert hat, und man selbst es nicht besser kann, dann stielt man eben von ihm... und verschafft sich einen starken Abgang": www.youtube.com/watch?v=V9HQkYI98X0