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Sokrates vs. Carr: "Is Google making us stupid?"

11.06.2012, 08:26Uhr

Der griechische Philosoph warnte einst vor der Schrift: Das Niederschreiben von Gedanken schade dem menschlichen Gedächtnis. Nicolas Carr – der Autor des heute vorgestellten Buches – glaubt, dass diese Vorhersage nicht falsch war, sondern einfach verfrüht: Nicht die Schrift ist der Feind unseres Gedächtnisses, sonder das Internet. Im Internetzeitalter lesen wir oberflächlicher, lernen schlechter, erinnern uns schwächer. Von den Anpassungsleistungen unseres Gehirns profitieren nicht wir, sondern die Konzerne, die mit Klickzahlen Kasse machen. Kann sich die digitale Gesellschaft nicht mehr konzentrieren? Macht uns das Internet oder Google tatsächlich dumm? Was aber ist mit all den positiven Auswirkungen, die dieser "kognitive Überschuss", wie ihn Clay Shirky, in gewisser Hinsicht Carrs Antagonist, nennt, auf uns, die Gesellschaft, und schliesslich die ganze Welt hat?

Prof. Dr. Simanowski beantwortet die acht Fragen zum Buch von Niolas Carr "Wer bin ich, wenn ich online bin ... und was macht mein Gehirn solange?"

Wovon handelt das Buch? Vom Ende des Gutenbergzeitalters. Aber nicht, weil es keine Bücher mehr gäbe, sondern weil das Lesen am Bildschirm das Lesen an sich ruiniert.

Inwiefern? Das Multitasking-Modell des Computers verdrängt die Fähigkeit zur konzentrierten Lektüre durch die Sehnsucht nach Ablenkung. Nach zwei, drei Seiten schaut man unruhig ins Email-Programm oder aufs Handy, ob Nachrichten eingegangen sind. Das hat ernsthafte neurologische Konsequenzen, wie die Hirnforscherin Maryanne Wolf in ihrem Buch Das lesende Gehirn (2009) warnt: Ohne „deep reading“ kein „deep thinking“.

Ist das Carrs zentrale These? Für Carr führt die Struktur des Internet zu Konzentrationsschwäche und Intelligenzschwund. Das hyperaktive Hin- und Her-Springen zwischen den Links absorbiert einen Großteil unserer geistigen Ressourcen. So erhalten die um Aufmerksamkeit konkurrierenden Informationen in unserem Arbeitsgedächtnis nie genug Zuwendung, dass Synapsen im Langzeitgedächtnis angelegt werden können. Die Folge ist der Verlust unseres Gedächtnisses und damit, weil diese auf jenem basiert, auch unserer Intelligenz.

Nennen Sie ein Schlagwort aus dem Buch: Power Browsing.

Haben Sie einen Lieblingssatz? „Wenn wir das Netz durchforsten, sehen wir den Wald nicht. Wir sehen nicht einmal die Bäume. Wir sehen Zweige und Blätter.“ Gemeint ist die zielgenaue Informationssuche, durch die Wissensvermittlung auf momentan relevante Textausschnitte reduziert wird, ohne Blick fürs Ganze. Es ist der Wechsel vom Ideal humanistischer Bildung zum Modus des Kreuzworträtselwissens.

Gibt es Probleme mit dem Buch? Dass es Carrs kurzen Essay von 2008 «Is Google Making Us Stupid? What the Internet is doing to our brains», der schon alle Thesen und Argumente enthält, aufbauscht durch lange Exkurse in die Neurowissenschaft und Geschichte des Lesens.

Warum sollte ich das Buch (oder zumindest den Essay) lesen? Es zeigt die Aktualität von Walter Benjamins Essay «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit» aus dem Jahr 1936. Während damals mancher Zeitgenosse klagte, das Bombardement mit Bildern im Kino lasse dem Denken keine Zeit hinterherzukommen, sah Benjamin darin ein Übungsinstrument für die „gesteigerte Geistesgegenwart“, die man in der modernen Grossstadt brauchte. Findet ein solches Training der Geistesgegenwart auf Kosten der Geistesarbeit heute im Rahmen der neuen Medien statt? Übernehmen diese damit die Stafette des Kinos - aus den Händen des Fernsehens? Mit welchem Ziel? Carr akzentuiert einen oft ignorierten Aspekt in Benjamins Essay und Benjamin hilft einzusehen, dass Carrs Befund vom Verlust des konzentrierten Denkens noch nicht dadurch falsch wird, dass andere Neurowissenschaftler (Gary Smalls Buch iBrain von 2009) den Multitasking-Praktikern erhöhte Gehirntätigkeit in Bereichen des Arbeitsgedächtnisses und der Entscheidungsfindung attestieren.

Woran erinnert Sie das Buch? An eine Bar in Idaho Falls im Jahr 1992. Es gab mit dem Bartender, mir und meiner Begleiterin fünf Leute im Raum und drei Informationsquellen: eine Musikanlage und zwei Fernseher über dem Tresen. Heute findet man oft drei Fernseher über dem Tresen und einen weiteren in jeder Ecke des Raumes; alle mit einem anderen Sender. Die Sucht nach Reizüberflutung ist offenbar ein kulturelles Verlangen, das vom Internet nicht produziert wurde, aber bedient wird.

"If you’ll walk around with a Bluetooth headset hanging from your ear, you’ll probably walk around with a Google chip in your brain."

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Reaktionen

  1. MichaelE

    am 12.06.2012, 08:21

    Das Power Browsing ist meiner Meinung nach eine logische Konsequenz, die sich auf Grund des Überangebots an Informationen beinahe zwingend aufdrängt. Google wurde als eine Art digitale Machete für das Dickicht des Internets gegründet, welche uns helfen sollte, unseren Denkweg zielorientierter zu schlagen. Da mit den Jahren aus dem Buschmesser ein internationaler Milliarden-Konzern wurde, liegt auf der Hand, dass unser Denkweg nun bewusst kommerziell interessiert gesteuert wird.... ... mehrDas Power Browsing ist meiner Meinung nach eine logische Konsequenz, die sich auf Grund des Überangebots an Informationen beinahe zwingend aufdrängt. Google wurde als eine Art digitale Machete für das Dickicht des Internets gegründet, welche uns helfen sollte, unseren Denkweg zielorientierter zu schlagen. Da mit den Jahren aus dem Buschmesser ein internationaler Milliarden-Konzern wurde, liegt auf der Hand, dass unser Denkweg nun bewusst kommerziell interessiert gesteuert wird. Nichtsdestotrotz sehe ich im Grundgedanken der Suchmaschine eine Hilfsfunktion, welche dem Informationsüberschuss entgegensteuert.
    Klar steht Google nur als Synonym für die allgemeinen Surfgewohnheiten im Web 2.0, jedoch denke ich ist eher unsere ungezügelte Neugier als die Struktur des Power Browsing verantwortlich für den scheinbaren "Zerfall" unsers Langzeitgedächtnisses. Was natürlich zuzugeben ist, ist, dass Hyperlinks im Sinne von McLuhans "The Medium is the Message" in Richtung des übermässigen Multitaskings wirken. Daher stimme ich Sokrates zu, dass der unstillbare menschliche Wissensdurst schon vor Google & Co. vorhanden war und der geistige "Zerfall" (sollte es einen solchen denn geben) unserer Gesellschaft längst begonnen hat.

  2. AutorIn des Artikels

    Roberto Simanowski

    am 13.06.2012, 16:53

    Schöner Nachtrag zum Power Browsing von Time-Kolumnist Ben Macintyre in der FAZ: „Vom Denkmodell der Igel und der Füchse“: Die Igel sehen die Welt durch das Prisma einer einzigen übergeordneten Idee, während die Füchse hin und her flitzen und sich von der größtmöglichen Vielfalt an Erfahrungen und Quellen inspirieren lassen. Durch das Internet sind wir alle zu Füchsen geworden: „Wir surfen durch Gedanken und Anregungen und plündern sie, nehmen auf, was uns gefällt, lassen alles andere links... ... mehrSchöner Nachtrag zum Power Browsing von Time-Kolumnist Ben Macintyre in der FAZ: „Vom Denkmodell der Igel und der Füchse“: Die Igel sehen die Welt durch das Prisma einer einzigen übergeordneten Idee, während die Füchse hin und her flitzen und sich von der größtmöglichen Vielfalt an Erfahrungen und Quellen inspirieren lassen. Durch das Internet sind wir alle zu Füchsen geworden: „Wir surfen durch Gedanken und Anregungen und plündern sie, nehmen auf, was uns gefällt, lassen alles andere links liegen, speichern, verlinken, erjagen und sammeln Informationen, Unterhaltung und unser Sozialleben.“ Die Frage ist, ob wir noch im Interesse einer (übergeordneten) Idee sammeln und plündern oder ziellos mit den Daten jonglieren, wie Carr beklagt.

    Macintyres Pointe liegt in der politischen Aufwertung gerade des Beklagten: „Diese Art zu denken bedroht Ideologien unmittelbar. Denn in seiner äußersten Zuspitzung ist das Igeldenken wohl tatsächlich totalitär und fundamentalistisch“. Wäre dies der tiefere Sinn des oberflächlichen Denkens? Hyper-Attention als Antitotalitarismusmittel? Ist die Not also nichts anderes als eine Tugend?

    www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/wie-das-internet-unser-denken-veraendert-im-einbaum-durchs-internet-1907830.html

  3. Manuel Thomas

    am 13.06.2012, 19:37

    Interessanter Gedanke, der aber ein wesentliches Moment unterschlägt: den der "Amputation". Dass Google als digitale Machete, als Werkzeug erschaffen wurde, scheint eine logische Konsequenz, sicherlich, dass das Werkzeug aber nun uns formt, unsere Sinne amputiert, wir uns nur noch im Sinne einer "hyper attention" statt einer "deep attention" konzentrieren können darf aber nicht als selbstverständliche, kausal-logische Kette verstanden werden, sonst sind wir uns eines Tages nicht mehr... ... mehrInteressanter Gedanke, der aber ein wesentliches Moment unterschlägt: den der "Amputation". Dass Google als digitale Machete, als Werkzeug erschaffen wurde, scheint eine logische Konsequenz, sicherlich, dass das Werkzeug aber nun uns formt, unsere Sinne amputiert, wir uns nur noch im Sinne einer "hyper attention" statt einer "deep attention" konzentrieren können darf aber nicht als selbstverständliche, kausal-logische Kette verstanden werden, sonst sind wir uns eines Tages nicht mehr bewusst, dass es nur noch ein Werkzeug ist, was es für Google dann umso leichter macht, uns zu manipulieren (das Google als Firma operiert mit einem Geschäftsinteresse wie personalisierter Werbung dürfte unlängst bekannt sein) und wir eines Tages nicht mehr vom Werkzeug lösen können, beziehungsweise erkennen, wie abhängig wir von ihm sind, wie in der satirischen Zeichentrickserie "South Park" (Staffel 12, Episode 6, "Keine Verbindung") thematisiert, als kein Bewohner der Stadt mehr Internet hat: "Es gibt kein Internet um herauszufinden, warum es kein Internet gibt."

    www.southpark.de/alleEpisoden/1206/?lang=

  4. Manuel Thomas

    am 13.06.2012, 20:09

    Würde ich mich spontan anschliessen, aber das Blatt könnte sich allerdings auch schnell wenden. Als die "grossen Erzählungen" (Marxismus, Christentum, et cetera) ihre Kraft verloren haben und sich die Schranken zwischen Hoch- und Populärkultur geöffnet haben, erschien die Welt, gerade im Internet, als riesiges Datenmeer und demzufolge war auch unser Surfverhalten, wie wir uns über das Meer bewegen: von Insel zu Insel, von Daten zu Daten (das wir im Sinne einer übergeordneten Idee surfen,... ... mehrWürde ich mich spontan anschliessen, aber das Blatt könnte sich allerdings auch schnell wenden. Als die "grossen Erzählungen" (Marxismus, Christentum, et cetera) ihre Kraft verloren haben und sich die Schranken zwischen Hoch- und Populärkultur geöffnet haben, erschien die Welt, gerade im Internet, als riesiges Datenmeer und demzufolge war auch unser Surfverhalten, wie wir uns über das Meer bewegen: von Insel zu Insel, von Daten zu Daten (das wir im Sinne einer übergeordneten Idee surfen, vielmehr navigieren als zielgerichtetes bewegen machen wir ja bisweilen trotzdem, gerade wenn wir die Insel anpeilen, die uns die Information gibt, die wir suchen, wir also zu einem Thema recherchieren). Die Folge ist hierbei aber nicht einfach nur Pluralismus, sondern auch Partikularismus und viel schlimmer: Indifferenz. Und gerade diese kann sich schnell wieder in Totalitarismus umschlagen. Die Frage ist somit: Not als Tugend ja, aber: Wie lange noch? Und was kommt dann?

  5. everSin

    am 19.06.2012, 21:21

    @ Urs Häfliger: Ich bin genau der Auffassung, dass durch das Internet eine solche ähnliche Option besteht. Allerdings sind die vom Autor genannten Probleme die Schattenseite des Internets, oder vielleicht Symptome einer Übergangsphase. Ich kann an mir selber beobachten wie ich nach einer Seite schreiben meine Neugier befriedige, indem ich mich weniger anstrengenden und unterhaltenden Dingen hingebe - quasi um Motivation zu sammeln für die nächsten paar trockenen Abschnitte (in fact -... ... mehr@ Urs Häfliger: Ich bin genau der Auffassung, dass durch das Internet eine solche ähnliche Option besteht. Allerdings sind die vom Autor genannten Probleme die Schattenseite des Internets, oder vielleicht Symptome einer Übergangsphase. Ich kann an mir selber beobachten wie ich nach einer Seite schreiben meine Neugier befriedige, indem ich mich weniger anstrengenden und unterhaltenden Dingen hingebe - quasi um Motivation zu sammeln für die nächsten paar trockenen Abschnitte (in fact - deswegen bin ich grad hier o.0). Aber Wenn wir ehrlich sind, wäre das doch mit einer gewissen Disziplin im Umgang mit dem Computer/Internet effizienter zu handhaben? ich kann mein Handy ausknippsen und die w-lan-Verbindung kappen, bis ich das Pensum getippt habe. Natürlich mach ich das nicht ohne den entsprechenden Zeitdruck;)

  6. JuliavS

    am 3.04.2013, 21:48

    Carr bezieht sich beim Thema Power Browser Gesellschaft ja stets auf den Computer. Doch was würde er über das Fernsehen sagen? Dort findet ja definitiv auch kein „deep thinking“ statt, das Hirn läuft nur noch passiv und wird beschäftigt. Doch man betätigt auch kein Multitasking, also ist die Tätigkeit für unsere Power Browser-Gesellschaft komplett unnatürlich. Würde Carr das passive Nutzen dieses „Nullmediums“ (nach Enzensberger) mit „zero thinking“ bezeichnen?

  1. MichaelE

    am 12.06.2012, 08:21

    Das Power Browsing ist meiner Meinung nach eine logische Konsequenz, die sich auf Grund des Überangebots an Informationen beinahe zwingend aufdrängt. Google wurde als eine Art digitale Machete für das Dickicht des Internets gegründet, welche uns helfen sollte, unseren Denkweg zielorientierter zu schlagen. Da mit den Jahren aus dem Buschmesser ein internationaler Milliarden-Konzern wurde, liegt auf der Hand, dass unser Denkweg nun bewusst kommerziell interessiert gesteuert wird.... mehrDas Power Browsing ist meiner Meinung nach eine logische Konsequenz, die sich auf Grund des Überangebots an Informationen beinahe zwingend aufdrängt. Google wurde als eine Art digitale Machete für das Dickicht des Internets gegründet, welche uns helfen sollte, unseren Denkweg zielorientierter zu schlagen. Da mit den Jahren aus dem Buschmesser ein internationaler Milliarden-Konzern wurde, liegt auf der Hand, dass unser Denkweg nun bewusst kommerziell interessiert gesteuert wird. Nichtsdestotrotz sehe ich im Grundgedanken der Suchmaschine eine Hilfsfunktion, welche dem Informationsüberschuss entgegensteuert.
    Klar steht Google nur als Synonym für die allgemeinen Surfgewohnheiten im Web 2.0, jedoch denke ich ist eher unsere ungezügelte Neugier als die Struktur des Power Browsing verantwortlich für den scheinbaren "Zerfall" unsers Langzeitgedächtnisses. Was natürlich zuzugeben ist, ist, dass Hyperlinks im Sinne von McLuhans "The Medium is the Message" in Richtung des übermässigen Multitaskings wirken. Daher stimme ich Sokrates zu, dass der unstillbare menschliche Wissensdurst schon vor Google & Co. vorhanden war und der geistige "Zerfall" (sollte es einen solchen denn geben) unserer Gesellschaft längst begonnen hat.

  2. AutorIn des Artikels

    Roberto Simanowski

    am 13.06.2012, 16:53

    Schöner Nachtrag zum Power Browsing von Time-Kolumnist Ben Macintyre in der FAZ: „Vom Denkmodell der Igel und der Füchse“: Die Igel sehen die Welt durch das Prisma einer einzigen übergeordneten Idee, während die Füchse hin und her flitzen und sich von der größtmöglichen Vielfalt an Erfahrungen und Quellen inspirieren lassen. Durch das Internet sind wir alle zu Füchsen geworden: „Wir surfen durch Gedanken und Anregungen und plündern sie, nehmen auf, was uns gefällt, lassen alles andere links... mehrSchöner Nachtrag zum Power Browsing von Time-Kolumnist Ben Macintyre in der FAZ: „Vom Denkmodell der Igel und der Füchse“: Die Igel sehen die Welt durch das Prisma einer einzigen übergeordneten Idee, während die Füchse hin und her flitzen und sich von der größtmöglichen Vielfalt an Erfahrungen und Quellen inspirieren lassen. Durch das Internet sind wir alle zu Füchsen geworden: „Wir surfen durch Gedanken und Anregungen und plündern sie, nehmen auf, was uns gefällt, lassen alles andere links liegen, speichern, verlinken, erjagen und sammeln Informationen, Unterhaltung und unser Sozialleben.“ Die Frage ist, ob wir noch im Interesse einer (übergeordneten) Idee sammeln und plündern oder ziellos mit den Daten jonglieren, wie Carr beklagt.

    Macintyres Pointe liegt in der politischen Aufwertung gerade des Beklagten: „Diese Art zu denken bedroht Ideologien unmittelbar. Denn in seiner äußersten Zuspitzung ist das Igeldenken wohl tatsächlich totalitär und fundamentalistisch“. Wäre dies der tiefere Sinn des oberflächlichen Denkens? Hyper-Attention als Antitotalitarismusmittel? Ist die Not also nichts anderes als eine Tugend?

    www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/wie-das-internet-unser-denken-veraendert-im-einbaum-durchs-internet-1907830.html

  3. Manuel Thomas

    am 13.06.2012, 19:37

    Interessanter Gedanke, der aber ein wesentliches Moment unterschlägt: den der "Amputation". Dass Google als digitale Machete, als Werkzeug erschaffen wurde, scheint eine logische Konsequenz, sicherlich, dass das Werkzeug aber nun uns formt, unsere Sinne amputiert, wir uns nur noch im Sinne einer "hyper attention" statt einer "deep attention" konzentrieren können darf aber nicht als selbstverständliche, kausal-logische Kette verstanden werden, sonst sind wir uns eines Tages nicht mehr... mehrInteressanter Gedanke, der aber ein wesentliches Moment unterschlägt: den der "Amputation". Dass Google als digitale Machete, als Werkzeug erschaffen wurde, scheint eine logische Konsequenz, sicherlich, dass das Werkzeug aber nun uns formt, unsere Sinne amputiert, wir uns nur noch im Sinne einer "hyper attention" statt einer "deep attention" konzentrieren können darf aber nicht als selbstverständliche, kausal-logische Kette verstanden werden, sonst sind wir uns eines Tages nicht mehr bewusst, dass es nur noch ein Werkzeug ist, was es für Google dann umso leichter macht, uns zu manipulieren (das Google als Firma operiert mit einem Geschäftsinteresse wie personalisierter Werbung dürfte unlängst bekannt sein) und wir eines Tages nicht mehr vom Werkzeug lösen können, beziehungsweise erkennen, wie abhängig wir von ihm sind, wie in der satirischen Zeichentrickserie "South Park" (Staffel 12, Episode 6, "Keine Verbindung") thematisiert, als kein Bewohner der Stadt mehr Internet hat: "Es gibt kein Internet um herauszufinden, warum es kein Internet gibt."

    www.southpark.de/alleEpisoden/1206/?lang=

  4. Manuel Thomas

    am 13.06.2012, 20:09

    Würde ich mich spontan anschliessen, aber das Blatt könnte sich allerdings auch schnell wenden. Als die "grossen Erzählungen" (Marxismus, Christentum, et cetera) ihre Kraft verloren haben und sich die Schranken zwischen Hoch- und Populärkultur geöffnet haben, erschien die Welt, gerade im Internet, als riesiges Datenmeer und demzufolge war auch unser Surfverhalten, wie wir uns über das Meer bewegen: von Insel zu Insel, von Daten zu Daten (das wir im Sinne einer übergeordneten Idee surfen,... mehrWürde ich mich spontan anschliessen, aber das Blatt könnte sich allerdings auch schnell wenden. Als die "grossen Erzählungen" (Marxismus, Christentum, et cetera) ihre Kraft verloren haben und sich die Schranken zwischen Hoch- und Populärkultur geöffnet haben, erschien die Welt, gerade im Internet, als riesiges Datenmeer und demzufolge war auch unser Surfverhalten, wie wir uns über das Meer bewegen: von Insel zu Insel, von Daten zu Daten (das wir im Sinne einer übergeordneten Idee surfen, vielmehr navigieren als zielgerichtetes bewegen machen wir ja bisweilen trotzdem, gerade wenn wir die Insel anpeilen, die uns die Information gibt, die wir suchen, wir also zu einem Thema recherchieren). Die Folge ist hierbei aber nicht einfach nur Pluralismus, sondern auch Partikularismus und viel schlimmer: Indifferenz. Und gerade diese kann sich schnell wieder in Totalitarismus umschlagen. Die Frage ist somit: Not als Tugend ja, aber: Wie lange noch? Und was kommt dann?

  5. Urs Häfliger

    am 18.06.2012, 19:05

    Ich denke dass uns Google heute viel ermöglicht: ich kann alles, was ich suche uns somit wissen möchte, finden. Der Wissensdurst wird gelöscht. Was hat das Internet mit Google für eine Funktion? Alles aufzeigen und speichern. In dieser Funktion liegt der Vorteil wie auch das Problem. Wir müssen nicht alles wissen, da alles schon gespeichert vorhanden ist. Wir ermöglichen uns das Vergessen und somit das konzentrieren auf andere Dinge. Durch die Schrift wurde es möglich Reden aufzuschreiben... mehrIch denke dass uns Google heute viel ermöglicht: ich kann alles, was ich suche uns somit wissen möchte, finden. Der Wissensdurst wird gelöscht. Was hat das Internet mit Google für eine Funktion? Alles aufzeigen und speichern. In dieser Funktion liegt der Vorteil wie auch das Problem. Wir müssen nicht alles wissen, da alles schon gespeichert vorhanden ist. Wir ermöglichen uns das Vergessen und somit das konzentrieren auf andere Dinge. Durch die Schrift wurde es möglich Reden aufzuschreiben und nicht mehr als Gebäudekonstrukt vorstellen und somit im Geist zu speichern. Der Geist wurde frei für andere Gedanken, für Innovation und Entwicklung. Besteht durch das Internet nicht auch eine ähnliche Option? Kann die Menschheit nicht voranschreiten durch das Internet? Schwierige Frage, die so kaum zu beantworten ist. Was aber sicher ist, ist, dass wir durch das Internet den Wunsch haben mehr zu sammeln und somit auch den Wunsch haben mehr zu vergessen.

  6. everSin

    am 19.06.2012, 21:21

    @ Urs Häfliger: Ich bin genau der Auffassung, dass durch das Internet eine solche ähnliche Option besteht. Allerdings sind die vom Autor genannten Probleme die Schattenseite des Internets, oder vielleicht Symptome einer Übergangsphase. Ich kann an mir selber beobachten wie ich nach einer Seite schreiben meine Neugier befriedige, indem ich mich weniger anstrengenden und unterhaltenden Dingen hingebe - quasi um Motivation zu sammeln für die nächsten paar trockenen Abschnitte (in fact -... mehr@ Urs Häfliger: Ich bin genau der Auffassung, dass durch das Internet eine solche ähnliche Option besteht. Allerdings sind die vom Autor genannten Probleme die Schattenseite des Internets, oder vielleicht Symptome einer Übergangsphase. Ich kann an mir selber beobachten wie ich nach einer Seite schreiben meine Neugier befriedige, indem ich mich weniger anstrengenden und unterhaltenden Dingen hingebe - quasi um Motivation zu sammeln für die nächsten paar trockenen Abschnitte (in fact - deswegen bin ich grad hier o.0). Aber Wenn wir ehrlich sind, wäre das doch mit einer gewissen Disziplin im Umgang mit dem Computer/Internet effizienter zu handhaben? ich kann mein Handy ausknippsen und die w-lan-Verbindung kappen, bis ich das Pensum getippt habe. Natürlich mach ich das nicht ohne den entsprechenden Zeitdruck;)

  7. Attila Gaspar

    am 20.06.2012, 12:23
  8. JuliavS

    am 3.04.2013, 21:48

    Carr bezieht sich beim Thema Power Browser Gesellschaft ja stets auf den Computer. Doch was würde er über das Fernsehen sagen? Dort findet ja definitiv auch kein „deep thinking“ statt, das Hirn läuft nur noch passiv und wird beschäftigt. Doch man betätigt auch kein Multitasking, also ist die Tätigkeit für unsere Power Browser-Gesellschaft komplett unnatürlich. Würde Carr das passive Nutzen dieses „Nullmediums“ (nach Enzensberger) mit „zero thinking“ bezeichnen?