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Das war die Art Basel 2015

22.06.2015, 12:46Uhr

Die Art Basel steht für viel Kunst, viele Leute, viel Geld und viele Erlebnisse – wir haben die grossen und kleinen Geschichten während sieben Tagen zusammengetragen in unserem Live-Blog:

Die Art Basel 2015 in all ihren Facetten zum Nachlesen

Eine Woche lang war Basel der Nabel der Kunstwelt. Aber was ist Kunst? Wir sind der Frage aus der Community nachgegangen – mit der Kamera. Entstanden sind drei Videos mit Stimmen von Besucherinnen und Besuchern der Kunstmessen:

Was ist Kunst und braucht es sie noch? Die Videos, Teil 1 bis 3

Wer die Messe-Flaggschiffe verpasst hat: Hier die Bilder zur Art und Art Unlimited:

Scharfschützen und DiCaprio: Die Art Basel in Bildern
Tee und Bonbons: Die Bilder von der Art Unlimited

Bilder haben nicht nur die Medienleute gemacht, sondern auch die Besucher. Was einst noch undenkbar war, ist heute nicht mehr wegzudenken: Handybilder. Unser Fotograf Alexander Preobrajenski hat die Fotografen fotografiert:

Mit dem Handy an der Art Basel

Aber wie war die Ausgabe 2015 der Art eigentlich? Kulturredaktorin Karen N. Gerig hat es niedergeschrieben:

Es geht ihm immer noch gut, dem Kunstmarkt

(Bild: Karen N. Gerig)


Sie ist natürlich vom Fach, aber wir haben die Art auch mit Marius besucht. Wer das ist?

Was der Banause an der Art Basel denkt: «Voll geil, schwimmender Stein!»

Bestimmt interessiert es Sie auch, wie es sich anfühlt, die teuren Kunstwerke zu beschützen: Redaktorin Naomi Gregoris hat den Job einst gemacht und darüber geschrieben:

Bekenntnisse eines Ex-Art-Guards

Zum Schluss die gute Nachricht: Die Polizei musste dieses Jahr nicht eingreifen.

Proteste mit «Panzer»: Aktivisten und Künstler demonstrieren auf dem Messeplatz

Sie würden gerne noch mehr über die Art Basel 2015 erfahren? Oder über die Scope, die Liste oder die Volta Show? Dieser Link bietet alles.

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Es geht ihm immer noch gut, dem Kunstmarkt

21.06.2015, 15:20Uhr
Karen N. Gerig: Emblematisch für den Kunstmarkt? Jim Shaws «The Cavern» bei Blum & Poe.

Emblematisch für den Kunstmarkt? Jim Shaws «The Cavern» bei Blum & Poe. (Bild: Karen N. Gerig)

Man kennt das nun schon seit ein paar Jahren: Als die Art Basel am Donnerstag ihre Türen für das Nicht-VIP-Publikum öffnete, waren die wichtigsten Geschäfte schon gemacht. Schon war für die Galeristen die Zeit reif, diesen Jahrgang zu loben – und man hörte wirklich nur lobende Worte, ob von der Basler Galerie von Bartha, dem Zürcher Peter Kilchmann oder der internationalen Supergrösse Gagosian. Die Art Basel, sie hatte schon nach zwei Tagen wieder bewiesen, dass sie immer noch die grösste und wichtigste Kunstmesse weltweit ist.

Trotzdem muss sich auch die Art manchmal etwas einfallen lassen, damit das so bleibt, und so hatte die Messe dieses Jahr die grösste Restrukturierung hinter sich seit dem Jahr 2006 – bezogen auf die Standeinteilung. Früher, da glich das Erdgeschoss einem Museum: Werke der klassischen Moderne und solche bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts besetzten die Standplätze. Bis immer mehr Zeitgenössisches reintropfte, weil der historische Markt mehr und mehr auszutrocknen begann, beziehungsweise sich auf die Auktionshäuser verlagerte. An die Art, die einst stark war in diesem Kunstsegment, wurden Vorwürfe laut, man würde zu sehr dem Hype nachrennen – und die alten Stärken vergessen.

Nicht jede Galerie freut sich über den Umbau

Also hat Direktor Marc Spiegler aufgeräumt: Er hat die verbliebenen Galerien mit historischen Werken näher zueinander gerückt, um quasi ein Cluster zu schaffen. Und sie zudem dazu angeregt, ihre Lager zu plündern und mitzubringen, was sie an Werken der 1940er-, 50er- und 60er-Jahre noch finden können. Tatsächlich hatte man zumindest das Gefühl, es seien wieder mehr Picassos zu sehen als auch schon – der Bereich der Kunst der 70er- oder 80er-Jahre jedoch fiel ziemlich mager aus. Amerikaner wie Jasper Johns? Fast komplette Fehlanzeige. Auch von Andy Warhol stand schon bedeutend mehr zum Verkauf.

Nicht jede Galerie hatte zudem Freude am Umzug. Angestammte Plätze gibt man nur ungern auf, schliesslich sollen die Sammler einen ja noch finden. Manch ein Galerist rutschte in die zweite Reihe, damit eine Art exklusiver innerer Kreis geschaffen werden konnte: Wer sich im Erdgeschoss entlang des Rundhofes bewegte, fand dort alle Grossen vereinigt – David Zwirner, Helly Nahmad, Gagosian, Hauser & Wirth, White Cube, Pace und so weiter und so fort.

Der exklusive innere Kreis

Fürs Publikum war das ein Gewinn, der richtige Entscheid der Messeleitung, denn der Eindruck ist ein sehr aufgeräumter. Und den Verkäufen hat das neue Regime ebenfalls keinen Abbruch getan, vor allem natürlich nicht bei diesem «inneren Kreis» der erlauchten Galerien, die zu regelrechten Brands geworden sind. Was bei Gagosian an der Wand hängt, muss gut sein. Da gibt man dann auch gern etwas mehr aus, als eigentlich marktüblich wäre. Dass das die Preise überall in die Höhe treibt, interessiert keinen.

Der Kunstmarkt passt sich hier anderen Märkten an – dem Modemarkt etwa. Würde Chanel eine Handtasche kreieren, die eine Plastikente darstellt, fände sich bestimmt jemand, der dafür 80'000 Dollar hinblättert. Ist ja schliesslich Chanel.

Eitel Sonnenschein

Während der Art Basel blendet man derlei aber auch gerne aus. Jubel, Trubel, Heiterkeit sind angesagt, die Kunst-Süchtigen werden endlich wieder bedient. Da redet dann auch kaum einer über die dubiosen Seiten des Handelns oder über die mangelnde Transparenz im Kunstmarkt. Wie die Preise zustande kommen, wer sie warum zahlt. Wenn Leonardo DiCaprio am Stand von Helly Nahmad rumsteht, dann freuen sich die Paparazzi. Und keiner denkt mehr daran, dass besagter Galerist in den USA im vergangenen Jahr wegen illegaler Glücksspieltätigkeiten verurteilt wurde.

Doch ob an der Art Basel oder im Kunstmarkt überhaupt – eine Woche lang herrscht eitel Sonnenschein, den Regenwolken am Himmel zum Trotz. Glückliche Gesichter allerorten, auch an der Liste, die ihr 20. Jubiläum gewohnt bravourös hinter sich brachte, und zu der die Sammler auch hinströmten wie die Bienen zum Bienenstock.

Zufriedene Nebenmessen

Und auch Alexis Hubshman, Präsident der Scope, bezeichnet sich als happy. Der «Fluss des Publikums» sei in Basel zwar ein anderer als an den beiden anderen Standorten, welche die Scope bespielt: Miami und New York. Das überrascht nicht, die Scope bedient mit ihrem poppigen Ruf das amerikanische Publikum, das nach Party lechzt, sehr gut. Und übersetzt heisst das, was Hubshman sagt: Es war recht ruhig im Messezelt im Hafenareal. Doch die Galeristen – vornehmlich aus dem asiatischen Raum – seien zufrieden, sie hätten viele neue Sammler kennengelernt.

Die eigentliche Überraschung aber erlebte man dieses Jahr bei der Volta11. Kämpfte die Messe, die vor elf Jahren in der Voltahalle anfing und dann in der Stadt herum mäandrierte, letztes Jahr mit äusserst schwachem Publikumsaufmarsch, so dürfen die Verantwortlichen 2015 mehr als zufrieden sein. Viele Sammler fanden ihren Weg in die Markthalle und kauften, die Party am Donnerstag entwickelte sich laut Aussagen der Messeleitung zum Knüller, man freute sich über Full House.

Kendell Geers am Stand von ADN an der Volta11.

Kendell Geers am Stand von ADN an der Volta11. (Bild: Karen N. Gerig)

Und auch die Besucher durften sich freuen: Die Volta11 bot Kunst, die sich sehen lassen kann. Gleich ein paar Künstler, die aktuell an der Biennale in Venedig ausstellen, konnte man dort entdecken, darunter Herman de Vries (Conrads, Düsseldorf), der den niederländischen Pavillon bespielt. Und auch auf andere bekannte Namen traf man, von Krištof Kintera, der kürzlich noch im Museum Tinguely zu sehen war, bis Kendell Geers.

Macht die Volta so weiter, könnte sich sich (wieder) zu einem Liebling entwickeln. Dazu bleibt zu hoffen, dass ihnen die Markthalle noch ein Weilchen ein Dach über dem Kopf bietet. Bis 2017 ist das vertraglich zugesichert – dann muss man weitergucken, weil dann auch der Vertrag der Markthallen AG einer Erneuerung bedürfte.

Alles auf einen Blick
Wir waren die ganze Woche unterwegs und haben Eindrücke gesammelt und festgehalten – im Bild, Schrift und Ton.
Alle Artikel finden Sie in unserem Dossier zum Thema: Die Art Basel Woche.

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Bekenntnisse eines Ex-Art Guards

21.06.2015, 18:25Uhr
Hans-Jörg Walter: Ein guter Art Guard sagt nur das Nötigste: «Bitte nicht anfassen!»

Ein guter Art Guard sagt nur das Nötigste: «Bitte nicht anfassen!» (Bild: Hans-Jörg Walter)

Als junger Mensch braucht man Geld. Wenn man Kunstgeschichte studiert, sowieso. Also denkt man sich: Wieso nicht mal an der Art Basel arbeiten? Der Name ist gross, die Plakate fancy, die Angestellten von der Sorte, die auch nach fünf Gin Tonics immer noch aussehen, als kämen sie direkt von einem Schwarzwälder Spa. So sah ich das jedenfalls, als ich mich vor rund fünf Jahren zum ersten Mal bei der Art als Guard beworb. Ich hatte eine etwas perverse Faszination mit dem ganzen Betrieb – ein grandios einflussreiches Unternehmen, das Menschen bedient, die mehrere Millionen für schillernde Delfinskulpturen ausgeben. Schon beeindruckend.

Ich kriegte die Stelle, also hörte ich mir die Instruktionen an, lernte 70 Werke auswendig, zog mir die Uniform über und stellte mich in die Unlimited-Halle – für zehn Stunden und 50 «Please don't touch» am Tag. Nach dem ersten Wadenkrampf dachte ich: Vielleicht gibt es einen Grund, wieso die Angestellten hier alle so fit aussehen. Vielleicht gibt es hier Menschen im Untergrund, die in den niederen Maschinenräumen unter schauderhaften Bedingungen die glänzende Kunst-Maschinerie instand halten.

Vielleicht bin ich einer von denen.

Bei Ai Weiwei ist Anfassen glücklicherweise erlaubt.

Man hört lauter Sätze wie «Honey, ist das nicht bezaubernd» und «Es hat was» und «Brilliant!» und schaudert. (Bild: Hans-Jörg Walter)


Am stärksten etabliert sich dieses Gefühl vor der Vernissage: In jenen paar Super First Choice Special Blaublut VIP-Tagen kommen die schönsten Frauen, die extravagantesten Herren, die hochmütigsten Despoten vorbei, die nur verächtlich mit der Hand wedeln, wenn man sie darauf aufmerksam macht, dass auch sie die Installation nicht berühren dürfen. Man hört lauter uninteressante Sätze wie «Honey, ist das nicht bezaubernd» und «Es hat was» und «Brilliant!» und schaudert: Diese Menschen sitzen an den goldenen Hebeln des globalen Kunstmarkts. Diese Menschen bestimmen, welche Künstler Erfolg haben und welche nicht. Diese Menschen sind der Grund, wieso man hier 10 Stunden am Tag riesige Darmskulpturen beaufsichtigen muss.

Die typische Art Guard-Haltung. Wer die Hände in den Hosentaschen hat, wird verwarnt.

Die typische Art Guard-Haltung. Wer die Hände in den Hosentaschen hat, wird verwarnt. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Eiserne Schweigepflicht

Und diese Menschen wollen die Kontrolle behalten: Die Koordinatoren schleichen stets unauffällig herum oder engagieren Spitzel, die vorbeikommen und inkognito heikle Fragen stellen. Sobald man was Falsches sagt, wird es direkt der Zentrale gemeldet und man wird verwarnt. Wenn jemand journalistisches Interesse bekundet, muss man als Guard sagen: «Dazu darf ich keine Stellung beziehen». Obwohl man dafür bezahlt wurde, jedes Werk und seinen Inhalt bis ins Detail auswendig zu lernen, soll man nur bei banalen Fragen Auskunft geben. Im günstigsten Fall nur, wenns um die Standorte der Toiletten geht. Seit ein paar Jahren ist vertraglich festgelegt, dass man der Presse keine Auskunft geben darf. Wer sich nicht daran hält, wird das nächste Jahr nicht mehr eingestellt oder gleich rausgeworfen.

Von Zeit zu Zeit wird jemand aus der Verwandtschaft der Zentrale eingestellt, der trotz Guard-Status dann gewisse Annehmlichkeiten wie die Teilnahme am schmucken Galeristenbrunch am Montagmorgen geniesst und mit triumphierendem Grinsen an den Spalier stehenden (auch so eine alberne Unlimited-Tradition: Am Montag vor der Eröffnung der Super VIP-Tage müssen alle Guards ein paar Stunden lang Spalier stehen für die Galeristen, die in die Halle 1 stöckeln, um sich einen Stock höher Rühreier aus Silberschalen reinzuziehen) Guards vorbeischwebt.

Sobald das Fussvolk übernimmt, wird man nach der «Nicht Anfassen!»-Aufforderung nicht mehr mit irrem «Wissen Sie eigentlich wer ich bin?»-Blick diskriminiert. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Pause im Container

Um die Guards bei Laune zu halten und dafür zu sorgen, dass sie nicht umkippen oder Amok laufen, gibt es die Guards-Räume. Karge Container mit billigen Festbänken, gewaltigem Schokoriegelvorrat und notorisch kaputten Kaffeemaschinen. Hier darf man sich in der einstündigen Mittagspause oder zwischendurch entspannen. Vorausgesetzt man wird von einem Springer abgelöst, der den Sektor für den man eingeteilt ist, für kurze Zeit bewacht. Das funktioniert leider selten, weil die wenigen Guards, die in der Stunde als Springer fungieren sollten, lieber selber Pause machen, ihre schmerzenden Glieder pflegen und mit Saalblatt-Auffüll-Argumenten im Guardraum bei üblem Kaffee und Marsriegel rumhängen.

Man steht also da und stemmt sich nach den fünf pausenlosen Stunden gegen den sich nähernden Schwächeanfall oder kämpft gegen den Brechreiz an, der dank letzter Gratis-Cüpli-Nacht hartnäckig in der Magengegend rumlungert und nur darauf wartet, sich in eine der ausgestellten Vasen eines chinesischen Künstlers mit unaussprechlichem Namen zu entladen. Im Marsriegel-Delirium träumt man vom Aufstand: Alle Guards verstecken sich bei Sonnenuntergang in der Darmskulptur und schlagen später alles kurz und klein.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Entspannte Tage mit dem minderen Fussvolk

Glücklicherweise wird's gegen Ende der Woche meist angenehmer. Leonardo DiCaprio und die reichen Sammler sind abgereist, viele Werke sind verkauft, nur noch das mindere Fussvolk besetzt die Halle. Die Art ist so gut wie vorbei, man muss öfters sein «Nicht Anfassen!»-Mantra runterbeten, aber immerhin wird man dabei nicht mit irrem «Wissen Sie eigentlich wer ich bin?»-Blick diskriminiert (Nein, und es ist mir auch scheissegal. Ausser du bist Kanye West oder Marc Spiegler. Ein Guard hat die beiden vor ein paar Jahren mal tatsächlich nicht erkannt und ihnen gesagt, sie sollten jetzt gefälligst aus der Halle verschwinden, weil sie gleich zumache. Seither muss man nicht mehr nur die Kunstwerke, sondern auch die wichtigsten Gesichter der Art studieren). Man gönnt sich längere Pausen und traut sich auch wieder ab und zu, die Menschen in der Halle nach ihren Tinder-Accounts abzusuchen, ohne gleich Angst haben zu müssen, von einem der Management-Sperbern verpfiffen zu werden.

Die gutmütigen Guard-Instruktorinnen, die alles ausbaden müssen und gegen Ende der Woche nervöse Zuckungen in der Augengegend entwickelt haben, da sie ständig quer durch die ganze Halle rennen, weil irgendjemand wieder die in superempfindliche Lämmchenhaut eingefasste Säule angefasst hat, pressen jeden Abend ein abgekämpftes «Danke, das habt ihr toll gemacht heute» hervor und schleppen sich zurück ins Manager's Office. Manchmal sagen sie auch gar nichts und man möchte ihnen eine Massage oder einen starken klebrigen Drink ausgeben, wenn sie nicht noch bis Mitternacht irgendwelche abstrusen Galeristenwünsche erfüllen müssten.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Nah am Zusammenbruch

Wenn man sich richtig anstellt, weiblich, nett und lächelnd und möglichst blond ist, ist es möglich, dass man vom gewöhnlichen Art Guard zum Special Art Guard ernannt wird: Dann darf man den 100 wichtigsten Kunden einer beteiligten Bank beim Essen in der Unlimited-Halle zuschauen, während man dabei möglichst unauffällig die ohnehin kaum beachteten Werke bewacht. Zum Nachttarif und mit Schweigepflicht.

Am Ende der Art ist man dem Zusammenbruch nahe. Das Marsriegel-High hat seinen Reiz verloren, die Füsse schmerzen und gegen die nie gewaschene Uniform hilft kein Deo der Welt mehr. Man ist erschöpft, man hat Ausschlag, man schwört sich, diese stumpfsinnige Kacke nie wieder zu machen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)


Das wissen die Verantwortlichen natürlich genau. Und haben ein ausgefuchstes Lockmittel parat: Am letzten Abend werden alle Guards an einen Galeristen-Apéro eingeladen, um die Aggressionen, die sich in der vergangenen Woche angestaut haben, so weit abzuschwächen, dass man sich nächstes Jahr wieder bewirbt. Nach der feuchtfröhlichen Veranstaltung kommen die Manager, schütteln einem persönlich die Hand und bedanken sich mit eisernem Zahnpastalächeln. Schön wars gell, vielen Dank, ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Habt ihr fein gemacht. Bis nächstes Jahr!

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9 Tipps für den Besuch der Art Basel

20.06.2015, 10:13Uhr

Sie wollen am Wochenende die Art Basel besuchen? Hier sind neun ganz persönliche Tipps, was Sie nicht verpassen sollten.

1. Davide Balula / Art Parcours

(Bild: Karen N. Gerig)

Wir alle lieben Glace. Auf dem Messeplatz steht ein Eiswagen, der solches serviert. Allerdings Achtung! Dabei handelt es sich um Kunst, und wer es geniessbar mag, der ist im Avec-Shop daneben besser aufgehoben. Denn die Geschmacksrichtungen, die die Eisdiele führt, sind Fluss, Dreck, Rauch und verbranntes Holz. Kein Witz. Die Glaces gehen zurück auf ein Werk von Davide Balula, der in seinen Arbeiten Materialien untersucht: Jeder Eisgeschmack stellt eine Serie aus seinem malerischen Oeuvre dar.

2. Rirkrit Tiravanijas Gemeinschaftsküche

(Bild: Karen N. Gerig)

Hier steht der Künstler selbst in der Küche: Auf dem Messeplatz hat Rirkrit Tiravanija sein Projekt aufgebaut und kocht jeden Tag. Jeder kann hier gratis essen, einzige Bedingung: Man muss sein Geschirr nachher selber abwaschen.

3. Raphael Hefti @ RaebervonStenglin

(Bild: Karen N. Gerig)

Um dieses Werk herum stehen immer ganz viele Leute – vor allem Männer: Eine Stahlschneidemaschine steht im Galeriestand von RaebervonStenglin im ersten Stock der Art Basel, die an einem Stahlzylinder rumfräst, bis nichts mehr vorhanden ist. Und dann fängt sie wieder vorne an. Irgendwie sinnlos, und trotzdem faszinierend.

4. Kenneth Anger @ Art Unlimited

(Bild: Karen N. Gerig)

Während alle Welt Julius von Bismarck zuguckt, der sich in seinem Teller dreht und dreht, empfehle ich den Gang in den Cube gleich dahinter. Dort läuft ein Film von Kenneth Anger, untermalt von Rockmusik. Die leider etwas zu leise ist, sonst würde das Werk noch stärker wirken.

5. Grayson Perry @ Paragon

(Bild: Karen N. Gerig)

Wer genug hat von Malerei, Fotografie oder Skulptur, der suche Grayson Perrys Wandteppich bei Paragon. Lohnt sich nur schon des Mediums wegen, und zudem ist er so riesig, dass man darauf einiges entdecken kann.

6. Robert Irwin @ Art Unlimited

(Bild: Karen N. Gerig)

Schwarz hoch drei ist der deutsche Titel von Robert Irwins Installation. Eine reizvolle Arbeit aus hängenden weissen Tüchern, in deren Mitte ein schwarzes Quadrat prangt. Weil leicht transparent, ergeben sich so wunderbare Schattenspiele. Und ein Extra-Tipp: Am Ende des Raumes hängen schwarze Spiegel. Wer da rein guckt, sieht das Ganze gleich nochmal anders.

7. Dumas und Sugimoto @ Gallery Koyanagi

(Bild: Karen N. Gerig)

Ich mag Marlene Dumas, und ich liebe die Fotogafien von Hiroshi Sugimoto. Kein Wunder, hat mich der Stand der Galerie Koyanagi an der Art Basel in Bann gezogen – denn dort gibt's gleich beides zu sehen.

8. Louise Bourgeois @ Karsten Greve

(Bild: Karen N. Gerig)

Fans von Louise Bourgeois kommen bei Karsten Greve auf ihre Kosten. Der halbe Stand der Galerie ist mit Werken der Künstlerin gefüllt – alle Medien sind vorhanden: Zeichnung, Bronze, Stoffskulpturen etc. Eine Mini-Solo-Show. Sehr schön.

9. Roth Bar @ Trois Rois

(Bild: Daniela Gschweng)

Das Bier ist zwar elend teuer (9 Franken pro Glas, und das ist kein Grosses), aber um den Art-Tag standesgemäss ausklingen zu lassen, liegt eines vielleicht drin. Schliesslich ist das Trois Rois bereits eine klasse Adresse, und mit der Bar, die den Bars von Dieter Roth nachempfunden ist, nun ein spezielles Erlebnis.

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Sie waren an der Art? Was war Ihr Highlight? Die Community verdankt sicherlich ein paar persönliche Tipps in der Kommentarspalte.

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«Und der Banause denkt: voll geil, schwimmender Stein!»

19.06.2015, 10:20Uhr
: Gestatten: Marius. Kennt nicht, was er sieht, aber weiss, was er sagt.

Gestatten: Marius. Kennt nicht, was er sieht, aber weiss, was er sagt.

Kunst funktioniert nicht ohne Gerede. Man redet, um sie zu teilen, um sie zu verkaufen, um sie zu verstehen. Man redet sie sich schön oder hässlich, man schwatzt, schimpft und schwärmt sich durch Ausstellungen hindurch, um einen gemeinsamen Nenner zu finden für etwas, das ohne Sprache kaum greifbar ist.

Wer sich aber ständig im Kulturkuchen bewegt, dem kommt das freie Reden über Kunst mit den Jahren abhanden. Der Blick wird flüchtiger und die Aussagen unausgegorener, man nimmt sich keine Zeit oder hat Angst, sich im immer professioneller werdenden Kreis als blosser Halbkenner zu outen.

Dabei ist Kunst doch dazu da, darüber zu reden, besonders an der Art hat sie die ein zwei knappen Sätze zwischen zwei flüchtigen Luftküsschen nicht verdient. Wo bleiben die leidenschaftlichen Phrasen und die wilden Assoziationsketten, die vortastenden Gedankengänge und die höhnischen Kommentare?

Ich sag euch, wo sie bleiben: Bei Menschen wie Marius. Marius ist ein guter Freund von mir. Marius mag Kunst, aber nicht auf diese beknackt ego-paradige Art. Er mag Kunst, weil sie ihn interessiert. Und weil Marius selten weiss, worum es geht, weiss er genau, worum es geht.

Das macht jetzt vielleicht noch keinen Sinn, wird es aber bald.

1. Julius von Bismarck: «Egocentric system»

«Das musst du als Basler ja nicht wirklich kommentieren. Auch wenn der Typ einen langen Bart hat und ein Macbook benutzt – das ist eine gentrifizierte Version der Tagada, dem Schüttelbecher an der Herbstmesse, auf dem immer alle Albaner und Türken sind, nachdem sie den Boxsack benutzt haben und schauen, wer am weitesten aussen stehen kann, ohne zu kotzen. Und der Künstler hier ist praktisch jetzt Chef-Tagadist. Am interessantesten wird es, wenn das Ding aufhört, sich zu drehen, der Tagadist von akutem Brechreiz geschüttelt wird und die Schüssel nicht mehr verlassen kann. Deshalb wohl auch der Abfluss in der Mitte. Damit sein täglich Erbrochenes schadlos abfliessen kann. Ich finde es grandios. Gehen wir weiter?»

2. Ai Weiwei: «Stacked»

«Das darf man anfassen? Ist ja immer so ein Dogma: Man darf Kunst nicht anfassen. Und wenn man dann plötzlich doch darf, dann fasst man es an und ist fast ein bisschen enttäuscht, weil nichts Verrücktes passiert. Vielleicht kann man es aber auch als Sublimations-Objekt gebrauchen, damit man eben nicht den Rembrandt anfassen muss. Vielleicht funktioniert Ai Weiwei hier als künstlerischer Blitzableiter für die Berührungswünsche der Besucher.»

3. Helen Marten: «Under Blossom: Lousy elegy»

«Es gibt Kunst, die ist von vornherein abstossend. Und zwar nicht auf die gute Art. Nicht auf spannende Weise eklig wie die salzigen Chili-Schleckstängel vom Asia-Shop, die man immer weiter lutschen will, obwohl sie abscheulich schmecken. Sondern einfach nur abstossend. Und diese esoterischen Vogelhäuser, die man dazu benutzen könnte, um irgendwo im Mittelatlantik Krebse zu fangen, machen die Sache auch nicht besser. Es ist einfach komplett arbiträr. Die Künstlerin sagts ja selbst: Lousy elegy. Und das ist es: Lousy.»

4. Felix Gonzalez-Torres: «Blue Placebo»

«Das ist doch der Künstler, der mit diesen Bonbons den Tod seines sehr guten Freundes verarbeitet? Hab ich auch mal im Beyeler gesehen. Man kann sich hier quasi ein Stück dieses Freundes mitnehmen und einverleiben. Grausig.»

5. Dan Flavin: «European Couples»

«Eine Mischung zwischen Amsterdamer Rotlicht-Viertel, ‹jetzt kannst du fahren› und ‹ich will nicht, dass du Heroin spritzt in meinem WC›.»

6. Pierre Huyghe: «Cambrian Explosion»

«Saugut. Es erfüllt das Grundprinzip eines faszinierenden Kunstwerks: Irritation. Und zwar auf zwei Arten. Der Kenner fühlt sich an die in Formaldehyd eingelegten Fische eines bestimmten Künstlers erinnert, der Banause denkt: voll geil, schwimmender Stein!»

7. William E. Jones: «America, Hail Satan»

«Projektionen sind schwer fassbar, man hat immer nur einen kurzen Ausschnitt und es ist schwierig, dem Werk gerecht zu werden, wenn man nicht das ganze Video gesehen hat. Allerdings ist es auch extrem langweilig, unglaublich lang vor einer Videoarbeit zu stehen, und verzweifelt zu versuchen, sie zu ergründen, nur um dann rauszukommen und festzustellen, dass man jetzt grad 20 Minuten vor einer sinnlosen Projektion vertrödelt hat.»

8. Pascale Marthine Tayou: «Plastic Tree»

«Und das ist wiederum das Gute an Werken wie diesem: Hier kann ich bereits nach drei Sekunden sagen, dass ich es scheisse finde. Es hat was von Räppli an Osterzweigen. Man könnte sich vorstellen, dass die Novartis sich das in eine ihrer neuen Eingangshallen stellen wird. Würde gut passen.»

9. John M. Armleder: «Medium Green, Woodland Scenics, Realistic Trees (FS)»

«Hat was von einer 1. Mai-Demo, an der eine Horde Lillifee-Prinzessinnen eine Franz Carl Weber-Filiale mit glitzernden Farbbomben beschmissen.»

10. Kader Attia: «Arab Spring»

«Auch 1. Mai, aber dieses Mal an der Langstrasse. Das mag ich, weil es in einem krassen Gegensatz zu all dem Lieblichen, Künstlichen hier steht. Es fällt unter die Kategorie ‹Irritiert mich, interessiert mich›. Auch weil es was Aufforderndes hat, eine Art Einladung zur Zerstörung.»

11. Jeppe Hein: «360° Illusion III»

«Die beliebteste Kunst ist ja immer die, die einen auf dem Selfie gut aussehen lässt.»

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Mini-Messe für urbane Kunst

18.06.2015, 09:50Uhr
Michel Schultheiss:

(Bild: Michel Schultheiss)

Der Geschenkartikelladen Tabaccheria an der Schneidergasse hat sich in eine Pop-Up Gallery verwandelt: An der Vernissage von «Urban Heart Basel» zieht es die Street-Art-Werke vom Asphaltdschungel rein in den Ausstellungsraum. Der neu gegründete Verein Urbane Kunst hat den Anlass auf die Beine gestellt.

Die Headliner haben schon in der Stadt ihre Spuren hinterlassen, so etwa das Künstlerkollektiv «The London Police» aus Amsterdam mit seinem Live Painting beim Restaurant Harmonie. Zu den internationalen Gästen gehören auch die Broken Fingaz aus Israel und Otto Schade aus Chile, dessen Schablonenbilder farbige und schwarz umrahmte Kindheitserinnerungen zeigen.

(Bild: Michel Schultheiss)

Gleich gegenüber ist der Feuerfisch vom Basler Jens Ole Müller – ein Werk aus leuchtender Knetmasse – zu sehen. Aus dem Bilderrahmen heraus springen auch die Arbeiten von Dome aus Deutschland, die an ein 3D-Buch erinnern.

3D-Kunst von Dome. (Bild: Michel Schultheiss)



Zu den lokalen Vertretern gehören etwa Zaira, Daniel Zeltner und Bustart. Ein prächtiges Bild von Letzterem, das aus rund 80 Schablonen angefertigt ist, findet im Nu einen Käufer: Es zeigt ein dichtes Panorama Basels inklusive Münster, Altstadt und filigran eingefügten Graffiti und Street-Art-Werken an den Wänden.

Einmal Bustarts Münster, bitte! (Bild: Michel Schultheiss)

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«Urban Basel» läuft noch bis 21. Juni, jeweils von 12–22 Uhr ist offen.

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Art Liveblog: Die Partynacht in Klybeck, Kaserne und Nordstern

17.06.2015, 22:27Uhr

Es läuft so viel während der Woche der Art Basel, da ist es kaum möglich, up-to-date zu bleiben. Wir versorgen Euch hier mit Kurzfutter rund um die Messen.

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