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Marina Abramovic - die fleischgewordene Mona Lisa des Schmerzes.

3.10.2012, 22:28Uhr
:

Als das Museum of Modern Arts «The Artist is present» ankündigte, war Marina Abramovic, die Grossmutter der Performance, rasch der Medien-Hipe der Kunstsaison. Die New Yorker Upper Class hatte ihre Hohepriesterin gefunden. Jahrzente zuvor hatte die gleiche Künstlerin mit selbszerstümmelnden Performances die Welt irritiert und fasziniert und abgestossen, und nur wenige wollten sie kennen.

In diesem Sommer war die Künstlerin auch in der Kunststadt-Basel «present» - in Bob Wilsons Hommage an ihre Persona auf der Opernbühne des Stadttheaters. Als Dozentin für Performence ist sie seit Jahren in Paris, Hamburg, Braunschweig tätig und demnächst auch in Giessen.  Davor lag allerdings ein langer, biografisch steiniger Weg voller anfänglicher Missverständnisse.

Sechzehn Stunden mit einem Kastenwagen im Kreis fahren und Zahlen durch ein Megaphon schreien. Stundenlang nackt gegen eine Wand rennen und immer wieder von ihr abprallen und fallen. Sich mit einer Rasierklinge einen fünfeckigen Stern in die Bauchhaut schneiden. Sich öffentlich auspeitschen, bis die Haut blutet. Das provoziert die Frage: Warum ist das Kunst? - die lange nicht verstummte. Erst als die wachsende mediale Aufmerksamkeit die Betroffenheit durch die Künstlerin in die Ehrfurcht vor der Künstlerin verwandelte, begannen sich der Kunstmarkt und die Kunsttheoretiker weitergehend mit ihr zu befassen: Wer ist diese Marina Abramovic?

Unbestritten ist sie eine grosse Künstlerin. Unbestritten ist sie auch, in ihren Werken, von ausgesprochener Unkünstlichkeit, ja, vielleicht auch gar nicht so voll von all der «Kunstmarkttauglichkeit», mit der der Markt sie käuflich machen will, sondern eben eine Künstlerin jenseits des Marktes, für den sie erst einmal jeden Kompromiss ablehnte, zumindest sich das wünschte, es zu können.

Ihre Wirkung war in ihren Anfängen sehr rasch und weit sichtbarer eher auf den Bühnen zu finden, als auf Vernissagen. In den frühen Arbeiten von Castorf zum Beispiel. Kein Wunder, hat ihre Kompromisslosigkeit und Bildhaftigkeit den Licht-Magier Bob Wilson ebenso fasziniert, wie es die Theroretiker des performativen Theaters beflügelte: Endlich liess sich der Augenblick der Authenthizität im nonfiktionalen Raum theoretisch fassen und praktisch erfahren.

Umso enttäuschender ist es, wenn der letztlich brav für Fernsehzuschauer geschneiderte Dokumentarfilm nur die letzten Jahre der Künstlerin wirklich dokumentiert, ihr Leben im Wohlstand: Zwei Drittel des Film bleiben der «Moma-Show» vorbehalten, jener vielbeachteten «The Artist is present»-Installation, in der sich, vom  9. März  bis 31. Mai Tausende von Menschen der Künstlerin gegenüber hinsetzen konnten und  - sie anschauen, als eine Mischung aus fleischgewordener Mona-Lisa und - allerdings auch - markttauglicher Uriella. Vergessen war, wie die Künstlerin einst in ihrem Manifest die Kunstwelt beschworen hatte: «Ein Künstler sollte sich nicht zum Idol machen lassen».  

Wie es nun dazu kam, dass sich die Künstlerin täglich im Rolls-Royce zum Museum of Modern Arts fahren liess und sich dort die Ney Yorker Upper Class um die Platzkarte für ihr Vis-à-Vis prügelte erzählt der Film, als wäre der Sendeplatz im Regionalprogramm vor 18h vorgesehen. Zu kurz kommt da der faszinierende Weg einer Künstlerin zu ihrem Ureigensten.

Bis zum Schluss bleibt nur wenig Spannung, aber immerhin die Frage: Was unternimmt die Künstlerin, um sich selbst zu bleiben: Wie stemmt sie sich dagegen, sich nicht in die Fiktion der anderen zu verwandeln? Ausgerechnet diese deklarierte Nicht-Darstellerin der Performance kann letztlich in diesem Blickwinkel des Films der Rolle der Selbst-Darstellerin nicht entkommen. Wenn sie dann auch noch über ihre Psychoanalytikerin plaudert, entgleitet das proklamierte Selbst in ein grandioses Über-Ich.

Wie furios hatte Abramovic noch zu Beginn von sich selbst gefordert: «Der Künstler sollte weder sich noch die anderen belügen. Der Künstler sollte keine Kompromisse machen, nicht vor sich selbst, noch vor dem Kunstmarkt. Ein Künstler sollte sich nicht zum Idol machen lassen. Der Künstler sollte keinen anderen Künstler töten. Ein Künstler sollte es vermeiden, sich in einen anderen Künstler zu verlieben. »

Fast schon ein bisschen peinlich etwa wird die grosse Lebenskrise der Künstlerin im Film eingefangen. Wie tröstet sie sich über die grosse Lebenskrise der Trennung von ihrem langjährigen Partner? Indem sie in Paris Designerklamotten zu Hauf kauft - und sich darin sehr wohl fühlt! Vielleicht ist der Film gerade da so nah bei der Künstlerin, weil sie sie sich von sich selbst entfernt: das ist unbestritten theatralisch, fast schon gespielt, was dann wieder ihrem Inbegriff der Gegenkunst entspräche - «to act». Ihr Inbegriff der Kunst jedoch - «to perform» - hebt sich darin in paradoxer Weise auf, ganz in ihrem Sinne. Sie performt im Film  ihr Selbst, als wäre sie eine gewiefte Schauspielerin, allerdings wird uns ihre eigene Frage vorenthalten: Ob nämlich die Einmaligkeit der Performance durch ihre Wiederholung verletzt werde? Mit dieser Fragestellung war die Künstlerin in den letzten Jahren dem Theater weit näher gekommen, als der Film wissen will. Künstler sollten eben doch durch ihre Werke sprechen. Und schon gar nicht durch ihre Groupies.

Nur, wenn die faszinierenden Interventionen und Performances der Künstlerin selbst im Film zu sehen sind, blitzt cinéastische Kunst auf: Dort, wo etwa das Zerbrechen der Liebesgeschichte im langen Entgegengang des Liebespaares auf der chinesischen Mauer kulminiert. Oder da, wo der Illusionist der Magierin etwas vorzaubert. Viel mehr vermag der Film nicht beizutragen, M.A. als Künstlerin zu erhellen. Wäre Marina Abramovic nicht eine spannende Person, wir wären tatsächlich gelangweilt. Vielleicht verstösst der Film auch nur gegen einen Kernsatz aus Abramovics Manifest über die Kunst: «Der Künstler sollte sich nicht zu einem Idol machen lassen. »

 

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