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Ai Wei Wei

13.09.2012, 17:06Uhr

Am eindrücklichsten ist der chinesische Konzeptkünstler Ai Wei Wei, wenn er zu einfachen Übersetzungen ansetzt: Er fotografiert in China die Schultaschen toter Kinder nach einem Erdbeben. Er dokumentiert  mit einfachen Aufnahmen die staatliche Schluderei, die zu derart lausigen Schuhlhausbauten führen konnte. Er wagt es, die Fotos auszustellen, macht sie zu einer gelungene Aktion, mit der er die Hinterlassenschaften Tausender von Kindern dokumentiert und die Schlamperei der Bauherren geisselt, über die niemand reden will.

Dies prangt er an, indem er, fern von seiner Heimat, in München, Tausende von Schulranzen zu einer grossen Inschrift an die Museumsfassade hängt. Er sendet ein Zeichen in die ferne Heimat, damit die Erdebenopfer nicht vergessen gehen, damit die Schluderei nicht vergessen wird. Er macht aus seiner Opposition gegen die Machthaber eine Liebeserkärung an seine Landsleute, in derart riesigen Schriftzeichen, dass man sie in seiner Heimat fast von blossem Auge lesen kann. 

Ein Film über Ai Wei Wei bleibt allein deshalb kein Film über Ai Wei Wei, weil jede Zuschauerin den Film in ein Stück von Ai Wei Wei’s grosser Kunst verwandelt, Augen zu öffnen, den Finger in Wunden zu legen, die die tödliche Maschinerie der rasanten Entwicklung in China hinterlässt.  Ai Wei Wei provoziert durch einfache Gesten. Gleich zu beginn verweist er auf seine Katze: «Katzen, die Türen öffnen können, sind sehr selten. Katzen aber, die Türen hinter sich schliessen, gibt es nicht.» 

Der Film folgt Ai Wei Wei, wie er sich performt, seine Person gewordene Provokation geschickt veröffentlicht. Mit jeder seiner Handlungen öffnet er in seinem Land eine neue Türe, ohne eine andere zu schliessen. Wenn er selber nicht mehr reden darf, lässt er andere über ihn reden, und macht damit jeden Zuschauer zu seinem Komplizen. Der Film über ihn verwandelt sich, während er in der Heimat zum Schweigen verpflichtet ist, unter unseren Augen zu einem Statement in Ai Wei Weis Kampf gegen die Übermacht des Staates: «I am still alive. I Ai Wei Wei will du it may way!» 

Ai Wei Wei hat das Business in den USA studiert. Er hat dem Vervielfältiger Warhol ebenso auf die Finger gekuckt wie dem Vereinfältiger Koons wie dem Dreifältigen Beuys: In gewisser Weise hat er alle drei als Performer fortgeführt. Er rennt mit dem Kopf gegen die chinesische Mauer. Er vervielfältigt die Einfalt des Staates. Er lehrt durch sein blosse Dasein. Er richtet seine Kamera auf die Kameras der Agenten. Er stellt die Bilder ins Netz, die der Geheimdienst geheim halten wollte. Er spielt mit im kommunikativen Verwirrspiel der Macht. 

Ai Wei Wei legt längst nicht mehr selber Hand an für seine Kunst. Er erteilt Aufträge. Er produziert Ideen. Er lässt 500 000 000 Steinchen zu Sonnenblumenkernen bemalen und schüttet sie knöcheltief auf den Museumsboden. Jedes Steinchen ist eine Handanfertigung. Aber in der Masse werden die Einzelstücke unkenntlich. Werden in der Unkenntlichkeit mit Füssen getreten. 

Ai Wei Wei ist nie platt. Er spiegelt immer eine Idee, die hinter der Idee liegt. Ja, er ist selber bereits die Idee, die sich vor sich selber stellt: Ai Wei Wei ist gut im Geschäft. Aber welches Geschäft eigentlich: Das Dissidenten-Business? Das Kunst-Business? Oder das Ego-Business? Das Ego-Business zelebriert er in Perfektion: Der grosse Bescheidene, der sein Face auch gerne ins Book stellt. Das Dissidenten-Business erleichtern ihm die Staatsorgane seiner Heimat. Er überwacht die Überwacher beim Überwachen. Das Kunst-Business liebt seine konzeptuellen Ideen, zumindest fern der Heimat. Der Kunstmarkt liebt seine Einfachheit. Man kann gespannt sein, wie sich Ai Wei Wei der grossen Vereinahmung durch den Warenverkehr entzieht. Worüber er nachdenkt, lässt uns der Film ahnen: Er spielt sich als Ware Ai Wei Wei weiter, während er schon längst ein ganz anderer ist. 

Gute Arbeit! Teilen und mehr lesen.

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