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Turn me on, goddammit

30.07.2012, 20:02Uhr
:

Periodisch kehren sie wieder – die Meldungen, dass die Periode bei weiblichen Teenies früher einsetzt. Mit Blick auf die Mode waren wir lange versucht zu vermuten, die Pubertät der Frau dauere ohnehin insgesamt länger – Jetzt beweisen neueste Untersuchungen: die Pubertät bei weiblichen Teenies setzt jedes Jahr früher als früher ein. Heisst das, wir müssen uns bei Kinderwägen bald in acht nehmen vor randalierenden Schnullern? .... So weit ist es noch nicht. Zumindest nicht in Norwegen. Zumindest nicht in der Pampa.

Alma ist ein Landei, das lieber eine Stadtschlampe wäre. Das Kaff, in dem sie lebt, unterfordert sie intellektuell - hormonell hingegen ist sie überflutet. In ihre Phantasie schlägt die Dorfmännerwelt Kapriolen. Ihre ländlichen geschlechtlichen Einfälle treiben Blüten. Alma weiss vor lauter Einbildung kaum noch, was Wirklichkeit ist: Es gibt nichts, was sie in ihrer Vorstellung nicht ausprobieren möchte: Hotlines. Coole Freundinnen. Krasse Abenteuer. In ihrer Wirklichkeit kommt es allerdings zu nichts, ausser -  beim Schulfest - zu einem Flirt mit dem umschwärmten Artur und - zur Katastrophe.

Was ein Grossstadtkind mittels exzessiven Schmink- und Shoppingorgien mühelos abarbeiten kann, muss Alma draussen im Dorf allein ausbaden. Ausgestossen von den Freundinnen, gemobbt von den Jungs und bemuttert von ihrer alleinerziehenden Sponsorin isoliert sie sich im Dorf zusehends. Dass Artur sie verleugnet, ist auch nicht gerade hilfreich.

In kühlen, hellen Bildern, führt „Få meg på, för faen“ mit lakonischem Humor durch die frühen Wirrungen der des Mädchens. Die Figuren, alle von Laien gespielt, sind uns gerade deshalb so nahe: keine Kunstanstrengung stellt sich zwischen uns und die Pubertierenden. Der Film versteckt seine packende Direktheit nicht hinter abgekanzeltem Schwung: Was immer wieder etwas unbeholfen wirkt, macht gerade den Charme aus: Als hätten Jugendlichen selbst den Mut, über sich nachzudenken, sich in Bilder zu fassen. Ohne falsche Wehmut. Ohne Kitsch. Aber mit einem unverstellt, direkten Ton.

Wo „Fucking Amal“ durch subtile Schauspielerinnen überzeugte, trifft „Turn me on“ einen gebrochenen Ton: Einsamkeit ist hier ein leiser, trotziger Mut zur Trostlosigkeit. „Turn me on“ macht Müttern Mut, sich auf eine ganz eigene Art auf ihre Töchter und sich selbst zu verlassen. Auch wenn deren  Pubertät nun doch schon früher angefangen hat. Früher als gedacht. So früh, wie es die Forschung vorausgesagt hat. Und heftiger als auf der Packungsbeilage stand.

 

 

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