LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Kultur

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Anlass im Stadtkino 

17.5.2017, 04:50 Uhr

Eine Begegnung mit Danny Lyon, dem «besten lebenden Fotografen der Welt»

17.5.2017, 04:50 Uhr

Der Fotograf und Filmemacher Danny Lyon ist eine Koryphäe der Dokumentation. Wir trafen ihn zum Gespräch und es hätte ein richtig tolles Gespräch werden können. Mit Betonung auf – hätte. Von

Anne Morgenstern: Nein, Danny Lyon hat so gar keine Lust, für ein Foto hinzuhalten.

Nein, Danny Lyon hat so gar keine Lust, für ein Foto hinzuhalten. (Bild: Anne Morgenstern)

Danny Lyon liebt Performances. An diesem Montag in einem vollgestellten Bürozimmer im Fotomuseum Winterthur beispielsweise gibt er den störrischen Künstler.

Auf die Interviewfragen geht der 75-Jährige kaum oder gar nicht ein. Das erhoffte Gespräch über sein Schaffen und seine Erfahrungen kommt nicht in Fahrt. Nur ganz selten schmückt Lyon seine ausschweifenden Nichtantworten mit Bonmots und Anekdoten. Aus dem Versuch, den Lesern seine sehenswerten Filme näherzubringen, wird eine knorzige Begegnung voller belehrender Exkurse.

Das hier, diese Interviewsituation, ist nichts anderes als eine Performance. Sie tun so, als ob Sie ein … was auch immer … ein junger Journalist aus Basel wären. Und ich halte meine Rede.

Diese Vorliebe für Inszeniertes erstaunt, denn Lyon ist vor allem für seine gefilmten und fotografierten Reportagen bekannt. Er hat die Bürgerrechtsbewegung im Süden der USA dokumentiert, eine Motorradgang begleitet und sich über Monate in den Todestrakten verschiedener Gefängnisse in Texas aufgehalten.

(Bild: Danny Lyon, Weight lifters, Ramsey Unit, Texas, 1968 © Danny Lyon / Magnum Photos / Gavin Brown‘s Enterprise)

Auch in seinen Filmen interessierten ihn stets die Menschen am Rand, die Marginalisierten, die Vergessenen. Lyon kam den Bürgerrechtsaktivisten, die an ihrer Demonstrationen die geballte Faust in den Himmel halten, ebenso nah wie den weissen Bikerboys, die in einem Maisfeld einem Mädchen grob zu Leibe rückten. Seine Bilder sind roh, unverstellt und ohne Urteil.

Mir ging es immer darum, die Menschen menschlich darzustellen. Der rassistische, sexistische und antisemitische Tätowierer ist genauso ein Mensch, wie der Mörder, der in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet.

Vieles, was Lyon im Laufe seiner langen Karriere durch seine Kameras gesehen und verarbeitet hat, scheint heute aktueller denn je. Vor allem seine Bilder von den Bürgerrechtsdemos erinnern daran, was zurzeit über unsere Bildschirme flimmert: die Pipeline-Proteste in South Dakota, der Womens March in Washington, die unzähligen Ausschreitungen und gewalttätigen Polizeieinsätze rund um Black Lives Matter.

(Bild: Danny Lyon, Clifford Vaughs, SNCC photographer, Arrested by the National Guard, Cambridge, Maryland, 1964 © Danny Lyon / Magnum Photos / Gavin Brown‘s Enterprise)

Lyon wäre der perfekte Gesprächspartner, um über die Rolle von politisch motivierter Kunst und Fotografie im Chaos der USA unter Donald Trump zu sprechen. Wäre. Denn Lyon will nicht.

Ihre Fragen sagen viel mehr über Sie aus als über mich. Nur ein kleiner Teil meiner künstlerischen Arbeit war überhaupt politisch motiviert, und das war ganz am Anfang meines Schaffens – Trump würde sagen ‹Karriere›, ich habe es aber nie für eine Karriere gehalten. Ich will lieber über meine Filme sprechen, die letzten zwanzig Jahre habe ich Filme gemacht und keine Demonstrationen fotografiert.

Lyon betreibt einen Blog. Seine Posts sind wütend, aufmüpfig, pointiert. Er nennt Trump «Humpty Dumpty» oder einen «Clown, der gut twittern kann». Lyon ruft dazu auf, auf die Strassen zu gehen und zu protestieren.

Ich mag es nicht, meinen Blog mit meiner Kunst zu vermischen. Der Blog ist kein künstlerisches Werk, sondern ein Mittel, mich persönlich auszudrücken. Das war mir nie ein Anliegen bei meinen Filmen. Es gibt die alte Hollywood-Weisheit: ‹Wenn du eine Botschaft vermitteln willst, dann geh zu Western Union.›

Ist es nicht auch eine Aussage, wenn Lyon in seinen Filmen den Verdrängten eine Stimme gibt? Die Ausgestossenen auf die Leinwand und damit zurück in die Gesellschaft holt? Damit bezieht Lyon Stellung, klar und eindeutig.

Ich sehe die Menschen in meinen Filmen als meine Subjekte an. Wie ein Maler, der zu seinem Modell sagt: ‹Zieh dich aus und nimm diese und jene Pose ein.› Mich interessieren diese Menschen und ich bringe sie dazu, vor meiner Kamera zu performen. Sie gewinnen dadurch an Macht und fühlen sich fast wie Schauspieler. Der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, dass dieser obdachlose Junge nicht ein echter obdachloser Junge ist, sondern ein Schauspieler, der diese Rolle mimt. Meine Filme sind keine Dokumentarfilme, auch wenn sie dafür gehalten werden.

Lyon sucht das Echte und setzt dennoch auf die Performance. Ein Widerspruch?

Das Kino braucht eine Performance. Niemand will auf der Leinwand das echte Leben sehen. Sonst könnte man ja auf die Strasse gehen und sich einen Obdachlosen anschauen.

Zum Abschluss seines Auftrittes treibt Lyon die Rolle des eigensinnigen Künstlers auf die Spitze. Er will sich nicht fotografieren lassen, obwohl ausgemacht war, dass noch ein Porträt von ihm gemacht werden soll. Die Fotografin muss seinen Unmut erdulden: Was das denn für ein Hintergrund sei? Und dieses Objektiv. Und sie habe doch jetzt schon zweimal abgedrückt! 

Dann hat Lyon genug und läuft davon.

Ich bin der grösste noch lebende Fotograf.

Vorhang zu, kein Applaus.

Dann Lyon: Ein Dokumentarfilmer und Fotojournalist, der die Inszenierung liebt.

Irgendwann gelingt es dann doch, das Porträt. Wenn auch etwas mürrisch. (Bild: Anne Morgenstern)

_
Wer sich live ein Bild von Danny Lyon machen will, der Fotograf ist heute Abend, 17. Mai, im Stadtkino zu einem Talk zu Besuch. Zuvor zeigt das Stadtkino zwei der frühen Filme von Danny Lyon. Die Vorstellung ist eine Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur, in dem unter dem Titel «Message to the future» ab dem 19. Mai eine grosse Retrospektive von Lyons Arbeit zu sehen ist.

Das Stadtkino zeigt:

«Soc. Sci. 127» – Ein Film über den Tätowierer Bill Sanders, ein Rassist, Sexist und Antisemit, der unvermittelt zu einer beeindruckenden Antikriegsrede ansetzt.

«Los Ninos Abandonados» – Lyon begleitet eine Gruppe obdachloser kolumbianischer Jungen dabei, wie sie durch Betteln und Stehlen zu überleben versuchen. 

Werbung

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Kultur, Film, Fotografie

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Marcel Pfister

    am 17.05.2017, 14:40

    Es geht doch eben nichts über aufgeplusterte und von sich selbst total beeindruckte alte Männer. Wir kennen das in der Schweiz schon seit Jahrzehnten zur Genüge. Unsere Vorzeigeobjekte sind Christoph Blocher und Jean Ziegler. Beide halten sich für unfehlbar und spielen seit Jahrzehnten die absolut selbe Rille ab.

  2. Kulturbetrachter Basel

    am 17.05.2017, 17:10

    Nach dem Motto: Lieber schlechte Presse als keine Presse.
    Wieso gibt man diesen alten, selbstverliebten Männern eigentlich immer noch solche Plattformen?
    Ja.. da fährt jemand über 80 Kilometer um das Ego eines Rentners zu streicheln.
    In Basel gäbe es frischere Sachen und frischere Künstler. Man müsste halt nur mal durch die Alteliers gehen.
    Nehmen Sie doch einfach diesen Artikel aus dem Netz, dann hat "der beste Photograph" wenigstens keinen Kickback über Google, weil 95 % der Normalos ihn... mehrNach dem Motto: Lieber schlechte Presse als keine Presse.
    Wieso gibt man diesen alten, selbstverliebten Männern eigentlich immer noch solche Plattformen?
    Ja.. da fährt jemand über 80 Kilometer um das Ego eines Rentners zu streicheln.
    In Basel gäbe es frischere Sachen und frischere Künstler. Man müsste halt nur mal durch die Alteliers gehen.
    Nehmen Sie doch einfach diesen Artikel aus dem Netz, dann hat "der beste Photograph" wenigstens keinen Kickback über Google, weil 95 % der Normalos ihn eh nicht kennen!

  3. Mackie

    am 17.05.2017, 22:19

    Ich finde das Gespräch in der Wiedergabe zumindest, was hierbei rüberkommt, eigentlich sehr toll, wenn auch ungewollt, und dankenswerterweise keins jener Schawinski-"Wer ist Danny Lyon?"-Wohlfühl-Interviews. Es erinnert mich an ein berühmt-berüchtigtes Kinski-Interview.
    Die Reaktion ist auch verständlich, also ich würde an der Stelle auch weglaufen, wenn man unter einem Fokus, der mir nicht passt, mit mir über meine Arbeit sprechen will, wenn ich denn die Möglichkeit habe.

  4. Lena Marie

    am 17.05.2017, 22:28

    Hervorragend, dass und wie hier einmal die Widerspenstigkeit eines Künstlers besprochen wird. Meiner Meinung nach trifft dieser Eigensinn allerdings nicht nur auf ältere Herrschaften zu. Im Gegenstaz; fast schon ein Kollektivsinn

  5. Wahrsager

    am 18.05.2017, 17:30

Informationen zum Artikel

17.5.2017, 04:50 Uhr

Eine Begegnung mit Danny Lyon, dem «besten lebenden Fotografen der Welt»

Text

Text:

Aktuell

Reuters/SUSANA VERA: Tennis - ATP 1000 Masters - Madrid Open - Men's Singles Final - Dominic Thiem of Austria v Rafael Nadal of Spain - Madrid, Spain - 14/5/17 - Nadal celebrates at the end of his match. REUTERS/Susana Vera

Tennis 

Das Mentalitäts-Monster ist zurück in Paris

La Decima – den zehnten Titel bei den French Open – könnte Rafael Nadal gewinnen. Und es gibt kaum jemanden, der das dem Mallorquiner nicht zutraut. Sein Comeback ist nicht weniger erstaunlich als jenes von Roger Federer.Von Jörg Allmeroth. Weiterlesen

:

Linkempfehlung 

Die Abschiedsrede von Totti im Wortlaut

Francesco Totti verabschiedete sich vom Profi-Fussball. Mit Worten, die einmal mehr belegen, was für ein großartiger Sportler und Mensch er ist, schreibt «11Freunde» und publiziert die Rede. Empfohlen von Amir Mustedanagić. Zur Rede

Daniela Frutiger/feshfocus: Es will einfach nicht klappen im Abschluss: Andraz Sporar scheitert und scheitert und scheitert.
2

FC Basel, Einzelkritik 

Bälle vor den Sporar werfen

Es ist fast ein Wunder, dass Andraz Sporar gegen die Grasshoppers kein Tor erzielt. Chancen hat er für fünf Treffer, in Sachen Abschlussqualität fehlt es dem Slowenen aber an allen Ecken und Enden.Von Samuel Waldis. Weiterlesen2 Kommentare