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Israel 

10.1.2017, 04:50 Uhr

Der «Zwischenfall» in Hebron

10.1.2017, 04:50 Uhr

Ein junger Soldat erschiesst einen bereits kampfunfähigen Attentäter. Doch im Verfahren gegen Elor Azaria geht es nicht nur um die Handlung eines Mannes. Falken wie Tauben sehen auch die Armee und den Besatzungsbau vor Gericht. Von Georg Kreis

Reuters: Für seine Unterstützer ist er «jedermanns Sohn»: Elor Azaria sitzt zwischen seiner Lebensgefährtin (l.) und seiner Mutter vor Gericht.

Für seine Unterstützer ist er «jedermanns Sohn»: Elor Azaria sitzt zwischen seiner Lebensgefährtin (l.) und seiner Mutter vor Gericht. (Bild: Reuters)

Der Schuss, am 24. März 2015 um 8:29 Uhr (Ortszeit) in Hebron abgefeuert, galt einem palästinensischen Attentäter. Inzwischen hat er auch die israelische Gesellschaft getroffen. Vorläufiger Endpunkt des als «Zwischenfall von Hebron» bekannten Ereignisses: Der Sanitätssoldat Elor Azaria ist von einem Militärgericht in Jaffa wegen Totschlags (nicht wegen Mordes) grundsätzlich für schuldig gesprochen worden. Das Strafmass wird erst später festgelegt und bekannt gegeben.

Verurteilt wurde Azaria, weil er einen mehrfach angeschossenen, am Boden liegenden Palästinenser mit einem gezielten Kopfschuss getötet hatte, was eindeutig gegen die Gefechtsregeln der Armee verstösst. Der getötete Palästinenser hatte mit einem zweiten Mann zuvor eine Messerattacke gegen einen israelischen Besatzungssoldaten verübt.

Eine von der israelischen Nichtregierungsorganisation B'Tselem öffentlich gemachte Videoaufzeichnung (die blutigen Aufnahmen sind hier zu sehen) belegt dies und hat dazu geführt, dass es überhaupt und erstmals zu einem solchen Gerichtsverfahren gekommen ist. B'Tselem bezieht sich auf eine Bibelstelle in Genesis 1,27 (nach dem Ebenbild Gottes) und orientiert sich an der UN-Erklärung der Menschenrechte. Man kann sich die Aufnahme ansehen und dabei, sozusagen in Jetztzeit eine schreckliche Normalität miterleben.

Ein Sanitäter als Todesschütze

Diese Aufnahmen sind auch für die weitere Öffentlichkeit wichtig, wenn sie sich eine Meinung bilden will. Es braucht beides: Das abstrakte Nachdenken über den seit 1948 oder seit 1967 andauernden Konflikt und auch die Wahrnehmung des konkreten «Zwischenfalls». Amnesty International erinnert daran, dass es zahlreiche analoge Vorkommnisse gegeben hat, und legte eine Liste mit 20 selbst untersuchten Fällen vor – wohl die meisten ohne Videobeweise.

Es mag erstaunen, dass ein Sanitäter zum Todesschützen wurde. Azaria hatte zuvor den durch einen Messerangriff verwundeten Kameraden versorgt, ist dann aus der grösseren Schar herumstehender oder mit «Aufräumen» beschäftigter Menschen herausgetreten, ging dann auf den am Boden liegenden Attentäter zu und gab dann einen gezielten Kopfschuss ab.

Vor Gericht berief er sich aber auf das im übertragenen Sinn für ganz Israel beanspruchte Standardargument, um sein Leben gefürchtet zu haben, zumal der Palästinenser einen Sprengstoffgürtel hätte tragen können. Die Verteidigung versuchte die Tat zudem zu banalisieren, indem sie behauptete, dass der Palästinenser wahrscheinlich schon tot gewesen sei.

Begnadigung verlangt

Wie zeigt sich Israel in diesem Fall? Die Antwort hängt davon ab, was wir sehen und betonen wollen: Dass die Armee immerhin eine gravierende Verletzung des Kriegsrechts ahndet oder dass sie eine kleine Nummer zum Sündenbock machen will? Dass die Regierung die Justiz unterminiert, wenn sie Begnadigung verlangt, bevor der Prozess abgeschlossen ist?

Dass 47 Prozent von Befragten befürworten, dass Terroristen generell sogleich erschossen werden sollen? Wobei allerdings unhinterfragt blieb, was ein Terrorist ist. Dass der aus dem Amt verdrängte Verteidigungsminister Mosche Jaalon sogar davor gewarnt hat, dass «unsere Armee», wenn sie dieser Mentalität erliege, «eines Tages wie die Terrororganisation IS aussehen könnte».

Und dass es in Israel immerhin noch Kräfte gibt, die Exzesse dieser Art verurteilen und bekannt machen, wie zum Beispiel die mutige Soldatenorganisation Breaking the Silence, der vor über einem Jahr in Zürich eine Ausstellung gewidmet war, die der Schreibende hier kommentierte.

Die israelische Friedensbewegung will nicht den jungen Schützen verurteilt sehen, sondern die Besatzungspolitik.

Die Maximalstrafe, mit der Azaria theoretisch rechnen muss, beträgt 20 Jahre Haft. Wäre die in Israel manifestierte Volksmeinung massgebend, müsste Azaria begnadigt oder als unschuldig beurteilt werden. Auch der notorische Rassist und Ultranationalist Avigdor Lieberman, der jetzt an Stelle von Jaalon Verteidigungsminister sein darf, verkündete, der Täter solle keinen einzigen Tag im Gefängnis sitzen müssen.

Nicht die Verteidigung des Angeklagten, sondern die israelische Friedensbewegung (die es immer noch gibt) macht sich für das Argument stark, dass nicht der damals 19-jährige Junge, sondern Israels Besatzungspolitik schuld sei, und darum diese verurteilt werden müsse. Die israelische Friedensinitiative Gush Shalom schrieb am 4.1.2017: «The soldier Elior Azaia is a minor accomplice, the main culprit is the occupation.» Wenn einmal der Friede zwischen den beiden Völkern erreicht sei, solle der Todesschütze wie die vielen palästinensischen Attentäter (die noch am Leben sind) aus dem Gefängniss entlassen werden.

Es greift tatsächlich zu kurz, wenn man den «Fall Azaria» nur auf eine überreizte Einzeltat reduziert. In ihm zeigt sich auch die Unrechtmässigkeit der Siedlungsaktivität, die zur Konsequenz hat, dass fanatische Siedler wie diejenigen in Hebron von israelischen Soldaten beschützt werden müssen. Es wäre nicht zum fatalen Schuss gekommen, gäbe es nicht die feindseligen Aussenposten in palästinensischem Gebiet.

Der entmenschlichte Gegner

Das Thema ist heikel, seine Thematisierung setzt sich schnell dem üblichen Vorwurf aus, dass man stets nur Israel kritisiere und dabei den palästinensischen Terrorismus als das eigentliche Übel ausblende. Und dass man aus sicherer Ferne in Europa nicht legitimiert sei, Israel Lektionen zu erteilen, etc. Das hat seine volle Berechtigung im Falle der Abwehr von Angriffen auf israelisches Staatsgebiet durch Raketen aus Gaza und anderer Attacken auf israelische Zivilbevölkerung. Für die vom Staat unterstützten Siedlungsaktivitäten gibt es keine akzeptablen Rechtfertigungen, sie schaffen selber zusätzliche Sicherheitsprobleme.

In der Bebilderung der Berichterstattung zum aktuellen Fall zeigt sich die bekannte Einseitigkeit: Während man uns den armen Angeklagten Elor, Täter und Opfer zugleich, von Mutter und Frau eingerahmt zeigt, wird der Attentäter Abdel Fattah al-Sharif, auf seine Art ebenfalls Täter und Opfer, in vielen Berichten – entmenschlicht – nicht einmal beim Namen genannt.

The mother (C) of Palestinian assailant Abdel Fattah al-Sharif holds his poster as another woman holds a poster of Israeli soldier Elor Azaria, who is charged with manslaughter by the Israeli military, during a protest in the West Bank city of Hebron January 4, 2017. REUTERS/Mussa Qawasma

Die Mutter (Bildmitte) des Attentäters Abdel Fattah al-Sharif zeigt ein Bild ihres Sohnes während einer Protestkundgebung in Hebron. Auf dem Bild daneben ist Elor Azaria zu sehen, der al-Sharif erschossen hat. (Bild: Reuters)

In Israel wird der Familie des israelischen Täters solidarisch Unterstützung zugesichert. Die mit Azaria sympathisierende Seite macht mit der Parole «Azaria ist jedermanns Sohn» familiäre Symbolik. Die andere, im «Niemandsland» lebende Familie, die des palästinensischen Täter/Opfers, ist dagegen inexistent. Nach gängiger Praxis könnte sogar deren Haus gesprengt werden.

Wie zu erwarten, wurde auch in diesem Fall die Geschichte der Judenverfolgungen instrumentalisiert: Die Fotos der Richter, die nach dem Urteil um ihr Leben bangen und unter Personenschutz gestellt werden müssen, werden mit Hitler-Schnäuzchen versehen, die Richter selber mit massiven Todesdrohungen eingedeckt. Auch der Filmer des Todesschuss wird von jüdischen Siedlern massiv bedroht. Aus der Verurteilung des Todesschützen wird im Weiteren leichthin eine Parallele zum Justizskandal in der Dreyfus-Affäre gezogen, die 1894 dazu geführt hat, dass ein jüdischer Hauptmann aus antisemitischen Motiven zu Unrecht drakonisch bestraft worden ist.

Der arme Alfred Dreyfus musste auch hinhalten, als im Dezember 2016 der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 2334 – endlich einmal – explizit Siedlungen in der Westbank und in Ostjerusalem verurteilte. Diese Resolution, die nur wegen der Stimmenthaltung der USA möglich war, wurde in Israel ebenfalls als Dreyfus-Entscheid abqualifiziert und als anti-israelisch zurückgewiesen.

Israel wird in der kritischen wie in der unkritischen Variante als Sonderfall behandelt. Und das Land versteht sich auch selber als Sonderfall.

Es gab aber auch andere Stimmen: Gideon Levy, einer der prominentesten Kommentatoren der israelischen Tageszeitung «Haaretz», verkündete, dass die Verurteilung zum Wohle Israels sei. Die Zulassung der UN-Resolution war übrigens nur eine hohle Abschiedsgeste eines abtretenden US-Präsidenten, der acht Jahre lang Gelegenheit gehabt hätte, ernsthaften Widerstand gegen die Siedlungsaktivität zu leisten.

Es ist zutreffend, dass die Welt besonders aufmerksam verfolgt, was Israel in den palästinensischen Gebieten treibt und wie es die Zweitstaaten-Lösung hintertreibt, in der die internationale Staatengemeinschaft noch immer die Lösung im Interesse beider Konfliktseiten sieht.

Honorierung von rechtswidrigem Verhalten

Israel wird in der kritischen wie in der unkritischen Variante als Sonderfall behandelt. Und das Land versteht sich auch selber als Sonderfall, der sich um gewisse Standards der internationalen Ordnung nicht kümmern muss. Trotzdem nimmt das Land gerne in ausserordentlichem Mass ausländische Hilfe an, ist sogar existenziell davon abhängig. Diese Unterstützungen in Form von Krediten, Schenkungen und Waffenlieferungen wirken sich als indirekte Unterstützung für rechtswidriges Verhalten aus. Die kritischen Stimmen sind nur das gerechtfertigte Pendant dieser Sonderstellung.

Im Moment fällt mehreres vom Gleichen zusammen: der Prozess von Jaffa, die UN-Resolution – und der «Fall Amona», die immer wieder hinausgezögerte Räumung der Siedlung auf palästinensischem Privatboden, vom Obersten Gericht seit 2014 als illegal verurteilt. Sie hätte bis spätestens 25. Dezember 2016 geräumt werden sollen. Jetzt hat sie einen neuen Aufschub von 45 Tagen erhalten sowie von der Regierung ein generöses Abfindungsangebot in Form von Geld und einem Ersatzort – wiederum im palästinensischen  Gebiet, was einer sonderbaren Honorierung von rechtswidrigem Verhalten gleichkommt.

Im «Fall Amona» sind die Dossiers noch nicht geschlossen. Und im «Fall Azaria» hat die Seite des Beklagten bereits Berufung angemeldet und wird auf palästinensischer Seite möglicherweise noch der Internationale Strafgerichtshof von Den Haag angerufen, was wegen des aufgewerteten Status der palästinensischen Autonomiegebiete möglich ist. Für Fortsetzungen ist also gesorgt und es ist keine ungebührliche Aufmerksamkeit, wenn man sie weiterhin beachtet.

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Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Glai Basel

    am 10.01.2017, 07:38

    Also juristisch gesehen ist das doch eine simple Sache. Der Mann hat ein Mord begangen und ist entsprechend zu verurteilen.

  2. Kaspar Tanner

    am 10.01.2017, 08:14

    Hier ist ein verborgener Kommentar. Ich bin gespannt, wann Georg Kreis einen ebenso langen Bericht über die Tibet-Politik Chinas schreibt - und wieso die UNO nichts dagegen unternimmt.
    Oder über die Westsahara-Politik Marokkos - und wieso die UNO nichts dagegen unternimmt.
    Oder über die Vertreibung von 10,5 Mio. Deutschen - nicht alle waren Nazis - aus deutschen Gebieten und die Annexion dieser Gebiete.

    Wie die armselige Reaktion von BW oben schon zeigt: Während die wahhabitische Todeskultur mit ihren nihilistischen...
    mehrHier ist ein verborgener Kommentar.Ich bin gespannt, wann Georg Kreis einen ebenso langen Bericht über die Tibet-Politik Chinas schreibt - und wieso die UNO nichts dagegen unternimmt.
    Oder über die Westsahara-Politik Marokkos - und wieso die UNO nichts dagegen unternimmt.
    Oder über die Vertreibung von 10,5 Mio. Deutschen - nicht alle waren Nazis - aus deutschen Gebieten und die Annexion dieser Gebiete.

    Wie die armselige Reaktion von BW oben schon zeigt: Während die wahhabitische Todeskultur mit ihren nihilistischen Anschlägen sich weltweit breitmacht - aber natürlich rein gar nichts mit dem Islam und Mohammed zu tun hat - wird die israelische Gesellschaft von linken Antisemiten in ihrer Gesamtheit für Straftaten verantwortlich gemacht.
    "Kauft nichts beim Israeli!" ist so aufgeklärt wie "Kauft nichts beim Juden!"
    Aber Hitlers Programm war ja sowieso grösstenteils links - von irgendwo kam ja seine Popularität her...

    Wieso können gewisse Leute nicht dazu stehen, dass sie Antisemiten sind und die "Endlösung der Judenfrage" als den einzig richtigen Umgang mit Juden betrachten?
    Das einzig Positive an Hammerskins ist, dass diese zu ihrem Arschlochtum stehen. Gewisse "Linke" sind da etwas verklemmter und kaschieren ihren Hass hinter den Menschenrechten - die sie im Falle anderer unterdrückter Minderheiten nicht im geringsten interessieren.

    Ungeachtet davon, wie man zu Assad oder den "Rebellen" steht: In Syrien sind in 5 Jahren mehr Menschen umgebracht worden als in 70 Jahren Nahost-Konflikt.
    Araber haben andere Araber bei vollem Bewusstsein den Kopf abgesägt, verbrannt, mit Panzern überfahren, lebendig begraben, ersäuft etc. etc. Alles wunderbar dokumentiert und mit grossem Stolz ins Internet gestellt.
    Wenn diese Leute so miteinander umgehen - was tun die wohl mit den Israelis?

    Die Araber haben eine Macho-Kultur, die nur in Win-Lose-Kategorien denkt. Ihr primitiver Machismo verunmöglicht es, irgendwelche kreativen Ansätze zu suchen. Warum hat Yassir Arafat gegen Ende des Friedensprozesses keinen Salzmarsch mit 2000 unbewaffneten Frauen unternommen? Was hätte die 4.- oder 5.-grösste Armee der Welt gegen 2000 unbewaffnete Frauen und dem Führer der Palästinenser tun können?
    Aber nein - echte Machos führen Krieg. Egal, ob das Krieg Nr. 5, 7 oder 21 ist und die Resultate immer gleich negativ sind: Macho bleibt Macho! Ein Tyrannosaurus Rex ist nur ein Tyrannosaurus Rex, wenn man ihm anmerkt, dass das Hirn faustgross ist. Phantasie, Empathie oder Geduld - aber nicht in dieser Kultur!

    Halten wir mal fest: In den 70 Jahren seit der Gründung Israels sind faktisch alle jüdischen Gemeinden der arabischen Welt ausgelöscht worden. In den letzten 10, 15 Jahren sind auch die christlichen Gemeinden marginalisiert und stärker verfolgt worden, gefolgt von den schiitischen Minderheiten.
    Sunnistan ist dabei, die für sie extrem wichtigen Minderheiten, die oft versierter und arbeitsamer als der machistische Rest sind, zu eliminieren und seine wirtschaftliche Basis zu ruinieren.
    Erinnert an Uganda unter Idi Amin, der die indischen Händler vertrieb und damit sein Land noch schneller zerstörte, und erinnert an Kambodscha, wo Pol Pot die chinesische Händler-Minderheit vertrieb oder vernichtete und für den grossen Hunger sorgte.
    Sunnistan - die Gemeinschaft sunnitisch geprägter islamischer Staaten - ist dabei, eine Ansammlung völlig gescheiterter, aber ethnisch-kulturell sauberer Staaten zu werden.
    Dies, der Rückgang der Öl-Nachfrage und der damit einhergehende Zusammenbruch der "reichen" Ölstaaten und mögliche klimatische Änderungen werden dazu führen, dass Sunnistan bald an Hungersnöten leiden wird.
    Weil aber der typische Sunni-Boy ein ungebildeter Macho ist (in einem Bericht der NZZ diese Woche über die Rolle der modernen Frau in der Türkei war zu lesen, dass man dort nach 4 Jahren Schulbesuch ungestraft fernbleiben darf - Bildung ist ja nur hinderlich in Sunnistan) wird man logischerweise nicht kreativ oder rational Lösungen suchen, sondern den Fehler beim (nicht mehr existenten) Juden, Christen oder Schiiten suchen und sich gegebenenfalls gegenseitig umbringen, wie man es schon vor der osmanisch-europäischen Kolonisierung gewohnt war.
    Da braut sich eine Riesen-Scheisse zusammen.

    Aber ganz schlimm, dass ein israelischer Soldat einem palästinensischen Macho-Terroristen zu seinen 72 Jungfrauen verholfen hat.
    Das sind ja die wahren Probleme dieser Welt.

    1. Melony

      am 10.01.2017, 09:28

      Bleiben wir bei den Fakten: Ein Sanitätssoldat, dessen Aufgabe es eigentlich ist, Leben zu retten, erschiesst einen wehrlosen, am Boden liegenden Mann. Es ging ja von diesem Mann keine Gefahr mehr aus. Es war eine Hinrichtung.

      Das kann niemand gut heissen und so ein Mensch gehört eingesperrt. Punkt.

    2. s chröttli

      am 10.01.2017, 09:43

      @melony

      ein «feiger attentäter» und der sanitäter (wohl-täter) als sein «heroischer mörder»: welch bizarre wahr-nehmungsverschiebung.
      die seltsam arbiträre unterscheidung in legitimes töten (militär) vs illegitimes töten (zivil) könnte man garnicht finaler illustrieren.

    3. Kaspar Tanner

      am 10.01.2017, 09:53

      @ Melony: Ich nehme den Sanitäter nicht in Schutz. Israel tut gut daran, sich selbst nicht zu "arabisieren" - wie es die Türkei Stück für Stück tut.
      Ich frage mich nur, warum man im aktuellen Kontext eine solche Tat gross kommentiert.
      Solche Akte finden in Syrien 20-mal am Tag statt. Oder eine zeitlang in Bahrain. Oder vermutlich auch in Tibet.
      Das Ganze dient der Delegitimation Israels.

      @ Kröte: Demnächst beginnt wieder die Fasnacht. Es wäre wirklich besser, wenn Sie Ihre Sprachkenntnisse... mehr@ Melony: Ich nehme den Sanitäter nicht in Schutz. Israel tut gut daran, sich selbst nicht zu "arabisieren" - wie es die Türkei Stück für Stück tut.
      Ich frage mich nur, warum man im aktuellen Kontext eine solche Tat gross kommentiert.
      Solche Akte finden in Syrien 20-mal am Tag statt. Oder eine zeitlang in Bahrain. Oder vermutlich auch in Tibet.
      Das Ganze dient der Delegitimation Israels.

      @ Kröte: Demnächst beginnt wieder die Fasnacht. Es wäre wirklich besser, wenn Sie Ihre Sprachkenntnisse dort nutzbringend einsetzen. Für mehr reicht's leider nicht.

    4. s chröttli

      am 10.01.2017, 10:15

      @tanner

      muss Sie ja mächtig verunsichern, meine pazifistische sicht der dinge.
      dennoch: Ihre eindimensionale hetze bringt nix – sie verstärkt nur die (gegenseitige) schuldzuweisung. sofern Sie das bewusst antreiben: himmeltraurig.

      lösungspotenzial: zero.

      andrerseits: eine – gangbare! – zweistaatenlösung liegt an sich pfannenfertig auf dem tisch (kerry – was mr. trump natürlich wieder verhindern wird)

  3. Josef Meyer

    am 10.01.2017, 08:18

    Würde mich Wunder nehmen wie die Kommentatoren hier schreiben würden wenn der gleiche Vorfall statt in Israel auf dem Basler Weihnachtsmarkt passiert wäre. Der Soldat wurde absolut zu recht verurteilt, der Angreifer war aber keineswegs ein armes Opfer der Besatzung, sondern ein Attentäter der in klar selbstmörderischer Absicht einen Messerangriff ausgeübt hat. Statt jetzt ein Bild ihres Sohnes traurig in die Höhe zu halten hätte die Mutter wohl eher im richtigen Moment dem Sohn ins Gewissen... mehrWürde mich Wunder nehmen wie die Kommentatoren hier schreiben würden wenn der gleiche Vorfall statt in Israel auf dem Basler Weihnachtsmarkt passiert wäre. Der Soldat wurde absolut zu recht verurteilt, der Angreifer war aber keineswegs ein armes Opfer der Besatzung, sondern ein Attentäter der in klar selbstmörderischer Absicht einen Messerangriff ausgeübt hat. Statt jetzt ein Bild ihres Sohnes traurig in die Höhe zu halten hätte die Mutter wohl eher im richtigen Moment dem Sohn ins Gewissen geredet und sollte nun eher die Strukturen und den propagandistischen Märtyrerkult von palästinensischer Seite (gefördert auch mit Geld aus Europa) kritisieren.

  4. M Cesna

    am 10.01.2017, 09:13

    So ein süsser Pascha!
    Ist das daneben der Vater, der so langsam eifersüchtig wird auf seinen Sohn?
    Mama schwebt ja gerade im siebten Himmel vor soviel Glück!

    Und die andere Frau daneben, seine Freundin?
    Die ist zu Recht eifersüchtig, da sie hier nur die Nebenrolle hat.
    Man stiehlt einer Mama aber auch nicht ihr Bestes, den Sohn!
    Das ist Diebstahl!

    Good old Ödipussi!

    1. Melony

      am 10.01.2017, 09:35

      Gut analysiert, Cesna. Ich schau mir zurzeit auf Netflix die Pablo-Escobar-Story an, die wie wir wissen, auf Tatsachen beruht.

      Escobars Mutter, eine Super-Glucke, nimmt ihren Sohn auch dann noch in Schutz, nach dem sie schon lange weis, dass er hunderte von Menschen auf dem Gewissen hat.

      Mutter-Instinkt oder Dummheit?

  5. Anti Mainstream

    am 10.01.2017, 14:26

    @ chröttli

    Betreffend Zweistaatenlösung meine ich, dass ich als Israeli Mühe hätte mit jemandem am Tisch zu sitzen, welcher hochoffiziell die Vernichtung Israels und aller Juden propagiert und an dieser Äusserung ausdrücklich festhält.

    Trotz aller Missstände und trotz kontroverser Diskussion im Fall Azaria ist Israel ein demokratischer Rechtsstaat mit einer mehrheitlich offenen und freiheitlichen geprägten Gesellschaft. Das übrige Umfeld im Nahen Osten ist es nicht.

    1. M. Seiler

      am 10.01.2017, 15:26

      In einem demokratischen Rechtsstaat gibt es keine rassisstischen Gesetze, die eine Heirat zwischen Juden und Nicht-Juden verbietet.
      Israel ist mittlerweile ein Apartheids-Staat mit vielen kleinen Homelands für Pälästinenser. Diese Homelands können nach Lust und Laune abgeriegelt werden; Land kann in den bestzten Gebieten nach Lust und Laune enteignet werden, da in den meisten Gebieten keine Eigentumsverzeichnisse vorliegen und damals von den Briten ihrer eigenen Tradition nach Allmend als... mehrIn einem demokratischen Rechtsstaat gibt es keine rassisstischen Gesetze, die eine Heirat zwischen Juden und Nicht-Juden verbietet.
      Israel ist mittlerweile ein Apartheids-Staat mit vielen kleinen Homelands für Pälästinenser. Diese Homelands können nach Lust und Laune abgeriegelt werden; Land kann in den bestzten Gebieten nach Lust und Laune enteignet werden, da in den meisten Gebieten keine Eigentumsverzeichnisse vorliegen und damals von den Briten ihrer eigenen Tradition nach Allmend als gemeinsam bearbeitetes Land nicht als Manko empfunden wurde.
      Was nun die Causerien über legitime/illegitime Tötungen betrifft: Es wird in "zivilisierten" Ländern nicht gelehrt, den Feind zu töten, sondern kampfunfähig zu machen; dies hat den traurigen Vorteil bei Kriegshandlungen, dass ein Verletzter 3 - 4 seiner Mitkämpfer bindet, d.h. zu seiner Rettung aus dem aktiven Kampf herausnimmt. Was nun die Bezeichnung Sanitäts-Soldat betrifft: Diese wird wohl etwas missverständlich interpretiert, da diese Leute zuerst Soldaten EINER Partei sind, die zum Eigenschutz und zum Schutz von Verletzten der EIGENEN Partei bewaffnet sind.
      Ich sehe auch keinen Grund, die sicher spezielle Situation in Hebron, in der sich gewalttätige Siedler jede Schweinerei gegenüber den ursprünglichen Bewohnern erlauben dürfen, als Entschuldigung zuzulassen, denn zum Zeitpunkt der Schussabgabe war der Angreifer definitiv kampfunfähig, und der Schütze war auch durch keine anderen Leute der Gegenseite bedroht.
      Inwieweit der Gnadenschuss - im deutschen als Fangschuss bekannt - in solchen Konflikten erlaubt wäre, ist heute mehr als fraglich.

    2. mindyou

      am 10.01.2017, 15:46

      @ A.M.

      Diese Haltung ist an Naivität und ideologischer Überfütterung nicht zu überbieten. Nur ein Social Bot kann solchen Unsinn verbreiten.

Informationen zum Artikel

10.1.2017, 04:50 Uhr

Der «Zwischenfall» in Hebron

Text

Text: Georg Kreis

  • 17.01.2017 um 04:50
    Die vierte Abstimmungsfrage

    Die Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung ist eigentlich eine kleine Vorlage. Das grosse Thema, das sie einmal mehr aufwirft, ist die Art und Weise, wie Abstimmungskämpfe geführt werden.

  • 10.01.2017 um 04:50
    Der «Zwischenfall» in Hebron

    Ein junger Soldat erschiesst einen bereits kampfunfähigen Attentäter. Doch im Verfahren gegen Elor Azaria geht es nicht nur um die Handlung eines Mannes. Falken wie Tauben sehen auch die Armee und den Besatzungsbau vor Gericht.

  • 04.01.2017 um 04:50
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