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18.5.2017, 04:50 Uhr

Junger Mann mit Hut

18.5.2017, 04:50 Uhr

Der Zuwanderer Herman Greulich war der erste Schweizer Arbeitersekretär und eine prägende Figur der Sozialdemokratie. Von

Aufnahme aus dem fotografischen Atelier von H. Norden um 1868. (Bild: Schweizerisches Sozialarchiv)

Den Hut keck aufgesetzt, die Beine lässig übereinandergeschlagen – trotz längerer Belichtungszeit wirkt der junge Mann auf der Fotografie, die wohl 1868 entstand, alles andere als steif. Dazu trägt auch der Anzug, der etwas zu gross geraten ist, das Seine bei. Möglich, dass er zu den Beständen des Fotoateliers H. Norden in Zürich gehörte, wo das Bild aufgenommen wurde. Da in jenen Jahren nicht jedermann das Geld für einen guten Anzug hatte, stellten Fotoateliers ihren Kunden nämlich manchmal einen solchen zur Verfügung.

Der junge Mann auf dem Bild stammt aus dem schlesischen Breslau, wo er am 9. April 1842 geboren wurde. Sein Name ist Herman Greulich. Mit dreizehn verlor er seinen Vater. Geld war ein rares Gut im Haus der Greulichs, und so konnte der aufgeweckte Knabe nur die Armenschule besuchen. Danach begann er eine Lehre bei einem Handschuhmacher. Diese musste er, der früh auf einem Auge erblindet war, aber bald abbrechen. Schliesslich absolvierte er mit Erfolg eine Lehre als Buchbinder.

Redaktor und Kaffeeröster

Dann lockte ihn die Ferne, und er begab sich wie damals bei ausgelernten Handwerkern üblich auf die Walz. Diese führte ihn im Oktober 1865 auch in die Schweiz nach Zürich. In der Limmatstadt nahm er Privatstunden in Französisch und Stenografie bei Johanna Kauffmann – und es ging nicht lange, und Greulich heiratete seine charmante Lehrerin. Zu jener Zeit hatte er auch eine Anstellung im fotografischen Atelier von H. Norden.

Nachdem sich Greulich bereits zuvor im Deutschen Arbeiterbildungsverein engagiert hatte, schloss er sich nun auch dem Zürcher Sozialisten Karl Bürkli an, der ihn mit den Reformvorstellungen der französischen Fourieristen bekannt machte. 1869 wurde Greulich Redaktor der sozialdemokratischen Zeitung «Die Tagwacht» und galt fortan den besseren Zürcher Bürgern als «roter Hund».

Im Dezember 1880 stellte «Die Tagwacht» ihr Erscheinen ein. Greulich arbeitete darauf als Kaffeeröster für den Zürcher Konsumverein, um seine Familie ernähren zu können. Nachdem Greulich mit einigen Veröffentlichungen zur Statistik auf sich aufmerksam gemacht hatte, erhielt er schliesslich eine Anstellung als Hilfsstatistiker des Kantons Zürich. 1885 wurde er gar Vorsteher des Kantonalen Statistischen Amtes.

Arbeitersekretär und Nationalrat

Doch noch immer schlug ein linkes Herz in seiner Brust – und so kandidierte er 1887 erfolgreich für den neu geschaffenen Posten des Arbeitersekretärs. Die von mehreren Arbeiterorganisationen geschaffene – und vom Bund subventionierte – Institution sollte die Situation der Lohnabhängigen verbessern. Sie sei, so Greulich, «ein Organ, das die Arbeiterverhältnisse in jede Richtung untersucht, die Wünsche und Begehren der Arbeiter, soweit sie volkswirtschaftlicher Natur sind und sich auf die Gesetzgebung beziehen, sammelt und in die Form bringt, die eine Realisierung ermöglicht».

1902 gelang Greulich auch die Wahl in den Nationalrat, dessen Mitglieder damals noch nach dem Majorzverfahren gewählt wurden. Drei Jahre später misslang ihm die Wiederwahl allerdings. 1908 kehrte Greulich aber wieder in den Nationalrat zurück, dem er bis zu seinem Tod angehörte.

Als «Tagwacht»-Redaktor und später als Arbeitersekretär war der Zuwanderer Greulich einer der bekanntesten Vertreter der jungen Schweizer Sozialdemokratie. Nach der Jahrhundertwende stiess «Papa» Greulichs auf Ausgleich bedachte Art bei den radikaleren Genossen allerdings immer mal wieder auf herbe Kritik.

Greulich war ein überzeugter Anhänger des Wahl- und Stimmrechts für Frauen. Eine Motion, mit der er den Bundesrat aufforderte, entsprechende Schritte zu unternehmen, war geschrieben, aber noch nicht eingereicht, als er am 8. November 1925 in Zürich starb.

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18.5.2017, 04:50 Uhr

Junger Mann mit Hut

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  • 24.05.2017 um 15:52
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    Historische Lehrmittel veralten zwangsläufig. Man kann trotzdem etwas aus ihnen lernen.

  • 18.05.2017 um 04:50
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