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Ausstellung 

21.4.2017, 04:50 Uhr

War es ein Ritualmord? Basler Museum vermutet in Inka-Mumie mögliches Menschenopfer

21.4.2017, 04:50 Uhr

In der Ausstellung «Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel spielt die «Hockermumie eines Inkakriegers» eine eher untergeordnete Rolle. Wissenschaftliche Untersuchungen führten nun aber eine höchst abenteuerliche und gruselige Geschichte ans Licht. Von

Nadin Eichhorn, Siemens Healthcare GmbH: 3-D-Rekonstruktion des mumifizierten Knaben.

3-D-Rekonstruktion des mumifizierten Knaben. (Bild: Nadin Eichhorn, Siemens Healthcare GmbH)

Die Hockermumie gehört schon seit vielen Jahren zum Inventar der Basler Museen. 1921 gelangte sie durch einen Ankauf in die Sammlung des Museums der Kulturen Basel, wo sie ein eher unscheinbares Dasein fristete. Noch bis Ende April ist sie als Leihgabe in der Ausstellung «Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel zu sehen – und auch dort hat sie gegen die spektakulär verrenkten Tiermumien und andere Exponate mit gruselig herausragenden Schädeln einen eher schweren Stand in der Aufmerksamkeits-Hitliste.

Hinter der Hülle der Hockermumie eines Inkakriegers verbirgt sich eine abenteuerliche Geschichte.

In der Hülle der Hockermumie verbirgt sich kein Inkakrieger, dafür eine abenteuerliche Geschichte. (Bild: Museum der Kulturen Basel)

Doch jetzt, kurz vor Ende der spannenden Ausstellung, könnte das Exponat fast so etwas wie Kultstatus erreichen. Zumindest in Wissenschaftskreisen, denen es über einen Artikel in der internationalen Online-Fachzeitschrift «The Public Library of Science ONE» nähergebracht wurde. Aber auch wir Laien wissen spätestens seit der Lektüre des «Tim und Struppi»-Bands «Die sieben Kristallkugeln», dass in Inka-Mumien schauerliche Geheimnisse stecken können.

War es ein Menschenopfer?

Und um eine Inka-Mumie handelt es sich beim besagten Exponat. Sie ist rund 500 Jahre alt und wurde nun von einer Forschergruppe genauer untersucht. Die Untersuchungen brachten zutage, dass sich unter der textilen Hülle nicht ein Krieger befindet, wie ursprünglich angenommen wurde, sondern ein achtjähriger Knabe. Ein Kind, das mit vielen schwerwiegenden Krankheiten zu kämpfen hatte und vielleicht gerade deswegen einst als Menschenopfer hingerichtet wurde.

Die Untersuchungen der Radiologin Stephanie Panzer von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau in Deutschland und des Basler Rechtsmediziners Holger Wittig zeigen, dass der Knabe ein jammervolles Leben geführt haben muss. Er sei chronisch krank gewesen, habe an einer «erheblichen Tumorerkrankung» gelitten, habe Verdauungsprobleme und Verstopfung gehabt sowie eine Lungenentzündung und möglicherweise auch eine Tuberkuloseerkrankung, teilt das Naturhistorische Museum mit.

Die Leber entfernt und zerstückelt

Der Brustkorb des Knaben war gewaltsam geöffner worden, um die Leber zu entnehmen.

Der Brustkorb des Knaben war gewaltsam geöffner worden, um die Leber zu entnehmen.

Diese Krankheitsbefunde allein brachten die Wissenschaftler aber noch nicht auf die Idee, dass der mumifizierte Knabe womöglich als Menschenopfer hinhalten musste. Ein gewichtiges Indiz für diese These ist, dass der Brustkorb des Knaben aufgeschnitten und dass ihm die Leber entnommen und danach zerstückelt wurde. «Die zerstückelte Leber fand sich vor der weit aufklaffenden Bauchwunde», heisst es in der Mitteilung.

Dass die Leber entfernt wurde, um bessere Resultate bei der Mumifizierung zu erzielen, schliessen die Wissenschafler aus, «da weder Lunge noch Eingeweide dem Körper entnommen wurden». Der Eingriff deutet vielmehr auf eine Opferung oder einen Ritualmord im Rahmen einer Orakelsprechung hin. Bekannt ist, dass Priester im Inkareich Tiere geopfert haben, um aus deren Leber die Zukunft vorauszusagen.

Dass ein solches Ritual auch bei Menschen durchgeführt wurde, sei aber noch nie nachgewiesen worden. Insofern könnte es sich um eine bahnbrechende Entdeckung handeln, was die Forscher dazu anregt, die Untersuchungen nach Abschluss der Sonderausstellung weiterzuführen.
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«Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel, bis 30. April 2017

 

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