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Zeitmaschine 

8.4.2017, 04:50 Uhr

Einsteigen, Genossen, der Zug fährt ab!

8.4.2017, 04:50 Uhr

Im März 1917 ergriff die russischen Revolutionäre in der Schweiz das Reisefieber. Am 9. April gings los Richtung Heimat. Von

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In der Nacht des 2. März 1917 – nach dem damals in Russland in Gebrauch stehenden gregorianischen Kalender: des 15. März – hatte Zar Nikolaus II. abgedankt. Sein Rücktritt war eine Art Bauernopfer, hoffte man doch, damit den Massenprotesten, deren Ruf nach Brot und Frieden immer lauter wurde, die Spitze zu brechen.

Der Sturz des Zaren versetzte auch die kleine Zahl revolutionärer russischer Emigranten in der Schweiz in Erregung. Diese wollten nun möglichst rasch zurück in die Heimat, um sich an der Revolution zu beteiligen. Einer von ihnen war Wladimir Iljitsch Uljanow (1870–1924), besser bekannt unter seinem Pseudonym Lenin, der seit einiger Zeit zusammen mit seiner Ehefrau Nadeschda Krupskaja (1869–1939) in Zürich in einem Zimmer an der Spiegelgasse 14 wohnte.

Lenin brannte ganz besonders darauf, nach Russland zurückzukehren. Für ihn stand fest, dass der Sturz des Zaren nicht das Ende, sondern erst der Anfang der Revolution sei, in der die Arbeiter und Bauern die Macht zu erringen hätten.

Im Wartesaal der Weltgeschichte

Realistisch gesehen schien eine Heimreise nicht ernsthaft in Betracht zu kommen. Denn Frankreich und Grossbritannien, auf deren Seite Russland im Krieg gegen Deutschland stand, setzten alles daran, eine Rückkehr russischer Revolutionäre zu verhindern. Dies, weil sie befürchteten, dass eine revolutionäre Regierung offene Ohren für einen Separatfrieden mit Deutschland haben könnte.

Eine Fahrt durch Deutschland andererseits, sollte Berlin einer solchen überhaupt zustimmen, barg die Gefahr, dass die russischen Genossen in den Verdacht gerieten, in deutschem Sold zu stehen.

Fritz Platten, ein kämpferischer Gewerkschafter und seit 1915 Sekretär der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS), machte schliesslich das Unmögliche möglich.

Die Reise auf einen Blick: Deckel der Erstausgabe von Fritz Plattens Rückblick auf die historische Fahrt (1924).

Die Reise auf einen Blick: Buchdeckel der Erstausgabe von Fritz Plattens Rückblick auf die historische Fahrt (1924).

Platten erreichte in Gesprächen mit der deutschen Seite, dass die russischen Revolutionäre in Bahnwagen mit exterritorialem Status durch Deutschland reisen konnten. Dabei wurde auf Pass- und Personenkontrollen verzichtet. Die russischen Passagiere durften in Deutschland ihre Bahnwagen nicht verlassen. Jegliche Kontaktaufnahme von deutscher Seite war zu unterlassen.

Mit Kissen und Decken

Als Abreisedatum für eine erste Emigrantengruppe, zu der auch Lenin und Nadeschda Krupskaja gehörten, hatten die deutschen Behörden den 9. April festgesetzt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im «Zähringer Hof» begab sich das Grüppchen mit Kissen, Decken und reichlich Proviant beladen zum Zürcher Bahnhof, wo der Zug um drei Uhr zehn fahrplanmässig Richtung Schaffhausen abfuhr.

Der Grenzübertritt erfolgte bei Thayngen. In Deutschland ging die Reise über Frankfurt und Berlin zum Ostseehafen Sassnitz. Von dort brachte das Salonschiff «Trelleborg» die Revolutionäre nach Schweden.

In Stockholm wurden sie von schwedischen Genossen festlich empfangen. Vor der Weiterfahrt liess sich Lenin, der in Bergstiefeln mit ungeheuren Nägeln reiste, von seinem politischen Weggefährten Karl Radek auch noch zum Kauf anderer Stiefel und einer neuen Hose bewegen.

Kampf um die Macht

Dann endlich war man in Russland, wo Lenin sogleich alle Hebel in Bewegung setzte, um den revolutionären Prozess voranzutreiben. Den Bürgerkrieg, der 1918 entbrannte, hielt er für unvermeidlich. Zu den vielen Opfern, die der Krieg forderte, gehörte letztlich auch Lenin.

Am 30. August 1918 wurde er bei einem Attentat durch zwei Schüsse verletzt. Von den Folgen erholte er sich nie mehr ganz. Er starb am 21. Januar 1924.

Fritz Platten seinerseits blieb Lenin und der Russischen Revolution über den April 1917 hinaus verbunden. In der Schweiz war er eine der treibenden Kräfte, die dafür sorgten, dass sich Teile der SPS-Linken für den Anschluss an die 1919 in Moskau gegründete Kommunistische Internationale aussprachen und 1921 der Kommunistischen Partei der Schweiz beitraten.

1924 wanderte Platten in die Sowjetunion aus. 1937 wurde seine Ehefrau Berta Zimmermann als angebliche Spionin erschossen. Im folgenden Jahr wurde Platten selbst der Prozess gemacht. Er starb am 22. April 1942 in einem russischen Arbeitslager. 1956 wurden beide durch die sowjetischen Behörden rehabilitiert.


Im Rahmen der Ausstellung «1917–2017. Das Echo der Russischen Revolution» im Landesmuseum Zürich erinnern die Lehrstühle für Osteuropäische Geschichte der Universitäten Basel, Bern und Zürich am Sonntag, 9. April, an Lenins legendäre Zugfahrt.
www.revolution-1917.ch

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Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Sensenmann

    am 8.04.2017, 17:36

    Spannend Ihre Darstellung, wie immer ! Was das Schicksal des Fritz Platten angeht: mag man Ihn aus einem Idealistischen Zeitgenössischen Blickwinkel auch verstehen, tja, da muss man retrospektiv eben doch sagen dass einem manche Züge in die man einsteigt, zu einem Ende bringen das man sich Nie gewünscht ! ...

  2. Marek 1964

    am 12.04.2017, 18:08

    Ein interessanter Artikel. In der Tat haben Schweizer ihre Rolle gespielt bei der Repatrierung Lenins nach Russland.

    Hier kann auch darüber im Rahmen eines Geschichte Forums diskutiert werden: geschichte-forum.forums.ag/t1086-vor-hundert-jahren-lenin-verlasst-die-schweiz#11775

Informationen zum Artikel

8.4.2017, 04:50 Uhr

Einsteigen, Genossen, der Zug fährt ab!

Text

Text:

  • 18.05.2017 um 04:50
    Junger Mann mit Hut

    Der Zuwanderer Herman Greulich war der erste Schweizer Arbeitersekretär und eine prägende Figur der Sozialdemokratie.

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  • 21.05.2017 um 19:38
    Zum Artikel: Der 25-Millionen-Ring war schlicht zu wenig sexy

    M Fischer bezieht sich auf die sprachlich ältere Fassung des Anfangssatzes von Dominique Spirgis Kommentar. Ich habe ihn inzwischen etwas "modernisiert". Der Korrektor.

  • 12.05.2017 um 09:04
    Zum Artikel: Zwei Freunde gegen das Kapital

    Ich denke, Marx und Engels haben die Triebkräfte der Geschichte etwas anders aufgefasst, als Kol Simcha das wähnt. Tönt eher etwas nach Bakunin.

  • 04.05.2017 um 10:07
    Zum Artikel: Die Geschichte des Basler Rathausturms

    Als Baselbieter (kein Ziefener Stohler) erschliessen sich mir halt die Eigenwilligkeiten der Basler Orthographie nicht immer...

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