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Kinderbetreuung 

5.4.2017, 04:50 Uhr

Warum Kitas in der Schweiz so viel teurer sind als im Rest der Welt

5.4.2017, 04:50 Uhr

In kaum einem anderen westlichen Land bezahlt der Staat so wenig an die Kinderbetreuung wie in der Schweiz. Vor allem in der Deutschschweiz werden Eltern massiv zur Kasse gebeten. Von , und

Eva Rust: Kinder muss man sich in der Schweiz leisten können: Der Staat taxiert die Betreuung in Kitas weitgehend als Privatangelegenheit.

Kinder muss man sich in der Schweiz leisten können: Der Staat taxiert die Betreuung in Kitas weitgehend als Privatangelegenheit. (Bild: Eva Rust)

Kinderbetreuung ist teuer, wahnsinnig teuer. Das weiss jede Familie, die sich durch den Basler Dschungel aus subventionierten, mitfinanzierten und nicht subventionierten Tagesheimen gekämpft hat. Jenseits von persönlichen Erfahrungen zeigen auch belastbare Daten, wie teuer die Kinderbetreuung in der Schweiz im internationalen Vergleich zu stehen kommt. 

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat in einer Untersuchung festgestellt, dass die Kinderbetreuung nirgendwo teurer ist als in der Schweiz. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurden dafür die Kosten für eine Vollzeitbetreuung zweier Kinder gemessen an einem landestypischen Durchschnittsgehalt angegeben. Fazit: In der Schweiz schlagen zwei Betreuungsplätze mit fast 70 Prozent eines Netto-Durchschnittslohnes von 56'000 Franken (Quelle: OECD) zu Buche. Das EU-Mittel liegt bei 27 Prozent, am anderen Ende der Skala befindet sich Österreich mit 5 Prozent. 

Netto bezahlen Angelsachsen mehr

Netto, das heisst inklusive aller Abzüge, Steuergutschriften etc., fallen diese Kosten natürlich um einiges tiefer aus, doch auch hier liegt die Schweiz weit vorne. Eine Familie mit zwei Kindern, die zusammen das Eineinhalbfache eines Durchschnittsgehaltes verdient, muss dennoch fast ein Drittel ihres Einkommens für die Kinderbetreuung in einem Tagesheim oder einer ähnlichen Struktur aufwenden. Teurer ist es bloss in Kanada, den USA, Neuseeland, Irland und im Vereinigten Königreich.

Ein besseres Pflaster stellt die Schweiz für Alleinerziehende dar, die 14 Prozent ihres Einkommens für die Kinderbetreuung ausgeben müssen. Das entspricht genau dem OECD-Schnitt.

Interessant ist auch ein Vergleich zwischen den Schweizer Kantonen. Hierzu hat das Forschungsbüro Infras 2015 eine Untersuchung durchgeführt (siehe «Hintergrund zum Artikel», Link oben rechts). Die Studie unternimmt eine Analyse der Kinderbetreuungs-Vollkosten in vier Schweizer Gemeinden (Zürich, Fehraltorf ZH, Lausanne, Lutry VD) und vergleicht diese mit ausgewählten Städten in Deutschland, Österreich und Frankreich.

So zeigt der Blick in die Waadt, dass der Anteil, den die Haushalte an die Betreuung ihrer Kinder bezahlen müssen, auch in der Schweiz in einem international vergleichbaren Rahmen liegen kann. Im Kanton Waadt werden Familien nämlich per Gesetz von ihren Arbeitgebern unterstützt. Die Belastung für einen Einelternhaushalt – 100 Prozent erwerbstätig, Vollzeitbetreuung für zwei Kinder – ist damit in Lausanne noch halb so hoch wie in Zürich und ähnlich gross wie in Frankfurt oder Wien.

Aus Sicht der Familien sind die Verhältnisse in den Westschweizer Kantonen generell grosszügiger als in der Deutschschweiz, wie Nadine Hoch, Geschäftsführerin des Branchenverbandes Kibesuisse bestätigt: «Egal, ob Finanzierung oder Ausbildung – die Romandie ist der Deutschschweiz um Längen voraus.» Für Hoch ist das Problem vor allem ein politisches: «Es herrscht noch immer die Grundhaltung vor, dass die Betreuung von Kleinkindern Privatsache sei.» Dabei würden, so Hoch, zahlreiche Studien den Nutzen von Frühförderung bestätigen.

Kitas im Existenzkampf

Für Nadine Hoch ist das Betreuungssystem an einem kritischen Punkt angelangt: «Die Luft ist für viele Kitas dünn geworden. Wenn die Finanzierung durch die Wirtschaft oder den Staat nicht verbessert wird, steuern wir auf eine Krise zu.» Zumal die Forderung nach besserer und mehr Betreuung wieder laut wird. Für Hoch ist klar, dass nur staatliche Zuschüsse, kombiniert mit finanziellen Mitteln der Wirtschaft, die Lage in den Kitas verbessern können: «Die Eltern können wir nicht mehr belasten und die Betreiber können schon jetzt nur überleben, wenn sie maximal effizient arbeiten.»

Für Basel-Stadt bestehen leider keine vergleichbaren Berechnungen. Ein Blick in die Broschüre «Was kostet die Betreuung für mein Kind?» zeigt, dass bei einem Einelternhaushalt mit dem höchsten noch subventionsberechtigten Netto-Einkommen von 150'000 Franken die Vollzeitbetreuung eines Kindes aber ebenfalls mit deutlich über 17 Prozent des Einkommens zu Buche schlägt (Datei auf der Rückseite des Artikels).

Licht im Dschungel

Mit den zahlreichen unterschiedlichen Kategorien von Kitas verfügt Basel über eine besonders komplexe Betreuungslandschaft. Doch soll hier Abhilfe geschaffen werden. Derzeit befindet sich eine Gesetzesänderung in der Vernehmlassung, die diese Unterschiede einebnen soll. Künftig soll es nur noch zwei Kategorien geben, Kitas mit und Kitas ohne staatliche Betreuungsbeiträge. So wird das Dossier Kinderbetreuung für die Familien zwar nicht günstiger, dafür lichtet sich der Kategorien-Dschungel.

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Reaktionen

  1. Verifiziert

    Rolf Wilhelm

    am 5.04.2017, 19:17

    @M Fischer: Ich habe nicht behauptet, dass das meine Ansicht ist. Deshalb die Einleitung mit "Ketzerisch"

    Es ist eigentlich klar, dass hier etwas nicht richtig läuft, und man kann da zwei verschiedene Dinge sehen:
    a) Das Einkommen eines Elternteils ist zu niedrig, um sich Kinder leisten zu können und es ist zwangsweise notwendig, dass das zweite Elternteil ebenfalls arbeitet, wobei ein guter Teil dieses Lohns für die Kinderfremdbetreuung draufgeht
    b) Die Fremdbetreuung ist so teuer, dass... ... mehr@M Fischer: Ich habe nicht behauptet, dass das meine Ansicht ist. Deshalb die Einleitung mit "Ketzerisch"

    Es ist eigentlich klar, dass hier etwas nicht richtig läuft, und man kann da zwei verschiedene Dinge sehen:
    a) Das Einkommen eines Elternteils ist zu niedrig, um sich Kinder leisten zu können und es ist zwangsweise notwendig, dass das zweite Elternteil ebenfalls arbeitet, wobei ein guter Teil dieses Lohns für die Kinderfremdbetreuung draufgeht
    b) Die Fremdbetreuung ist so teuer, dass ein Elternteil mehr arbeiten muss als eigentlich erwünscht.

    An beiden Symptomen könnte der Staat etwas drehen, um eben den Fortbestand, oder, wie Sie es auf den Punkt gebracht haben "Die AHV" zu sichern.

    Meiner Ansicht nach sollte ein Lohn genug hergeben, damit eine junge Familie den Nachwuchs selber betreuen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob beide Elternteile Teilzeit arbeiten und sich die Erziehung teilen oder ein Elternteil 100% und das Andere garnicht (und ich drücke das absichtlich Geschlechtsneutral aus).

  2. Markus Schöpfer

    am 5.04.2017, 22:04

    Ja. Ein trauriges Beispiel. Leider gibt es immer extreme Beispiele.

  1. peter meier1

    am 5.04.2017, 07:15

    Der Einelternhaushalt mit 150'000 CHF Eunkommen ? Das sind wohl kaum Alleinerziehende Mütter welche etwas nebenbei arbeiten wollen ! In Basel sind es Vorallem viele Expats, welche ihre Kinder in der KITA haben oder eben Eltern, die sehr hohe Einkommen haben. Auch grosse Firmen in Basel subventionieren und fuhren teils selbst Kinderkrippen.

    1. Glai Basel

      am 5.04.2017, 08:06

      Da habe Sie den Tex offensichtlich nicht genau verstanden. Es ist von "höchstens noch subventionsberechtigtem Einkommen" die Rede, was alle darunterliegenden Einkommen einschliesst. Besonders im Billiglohnsektor, in welchem man datauf angewiesen ist, dass beide Elternteile ein Einkommen haben, ist man auf Subventionen angewiesen.

    2. Roland Stucki

      am 5.04.2017, 15:55

      150'000 CHF scheint mir ein hohes Einkommen zu sein um noch von Subventionen zu profitieren..

    3. Hans W. Urst

      am 5.04.2017, 17:08

      @stucki

      Ein Einpersonenhaushalt mit 150k Einkommen und Kindern ist weeeeit weg davon ein überdurchschnittliches oder gar "hohes" Einkommen auszuweisen. Die Kostenseite entspricht ja im Prinzip weitestgehend jener einer "normalen" Familie mit 2x 75k Einkommen (Miete, Auslagen für Kinder und eben auch Betreuung etc.), also sehr moderat - Mittelschicht.

      Aber ja, kaum liest man von einem Einkommen von 150k muss erstmal aus Prinzip gestänkert werden.

    4. Roland Stucki

      am 6.04.2017, 00:04

      @Urst
      Ich kenne Sie nicht, aber einfach zu Ihrrem Kommentar
      Ich habe nur gesagt Chf 150'000 scheint mir ein bisschen hoch um Subventionen zu erhalten, ich habe nicht gestänkert, schon gar nicht aus Prinzip.
      Ob CHF 150'000 für einen Einpersonenhaushalt(natürlich mit Kindern) Mittelschicht ist, kann ich imgegensatz zu Ihnen nicht beurteilen.
      Also ist es ja ok.

  2. Markus Schöpfer

    am 5.04.2017, 07:33

    Die Folge:

    Familien haben 1, höchstens 2 Kinder. Der Schnitt pro Familie ist bei ca. 1,5 Kind.

    Teuer ausgebildete Frauen bleiben demArbeitsmsrkt fern, und erziehen die Kinder selber.

    Nötige Fachkräfte fehlen vor allem im Gesundsheitssektor, in White Colour Jobs und bei den Behörden.

    Die Zuwanderung nimmt dadairch jährlich stärker zu als es nötig wäre.

    Frauen sind frustriert, denn sie können keine Karriere machen, und der Frauenanteil im mittleren und oberen Kader ist gering.... mehrDie Folge:

    Familien haben 1, höchstens 2 Kinder. Der Schnitt pro Familie ist bei ca. 1,5 Kind.

    Teuer ausgebildete Frauen bleiben demArbeitsmsrkt fern, und erziehen die Kinder selber.

    Nötige Fachkräfte fehlen vor allem im Gesundsheitssektor, in White Colour Jobs und bei den Behörden.

    Die Zuwanderung nimmt dadairch jährlich stärker zu als es nötig wäre.

    Frauen sind frustriert, denn sie können keine Karriere machen, und der Frauenanteil im mittleren und oberen Kader ist gering.

    Rechtspopulistische Kreise verstehen diese simplen Mechanismen nicht, freuen sich über die niedrigen Anteile von Frauen in guten Jobs, iud ärgern sich gleichzeitig über die hohe Einwanderung. Lanzieten z.B. die Destruktive MEI!
    Sie verhindern jede Initiative, fie subventioniert Krippen fördern.


    1. Inaktiver Nutzer

      am 5.04.2017, 08:28

      White Colour Jobs ??? Vielleicht bei der PNOS ? Oder ist Whitey Bulger schon wieder raus ?

  3. Markus Schöpfer

    am 5.04.2017, 07:38
  4. Verifiziert

    Rolf Wilhelm

    am 5.04.2017, 11:27

    Mal eine ketzerische Überlegung:
    Wenn ich es mir finanziell nicht leisten kann, Kinder zu haben, dann (unabhängig davon, wieviel der Staat dazu beiträgt), sollte ich es vielleicht lassen.

    Oder anders gesagt: Warum Kinder in die Welt setzen, wenn ich sie danach praktisch vollständig von anderen betreuen lasse?

    1. M Fischer

      am 5.04.2017, 16:12

      Danke, dass Sie freiwillig auf Ihre AHV verzichten.

    2. Verifiziert

      Rolf Wilhelm

      am 5.04.2017, 19:17

      @M Fischer: Ich habe nicht behauptet, dass das meine Ansicht ist. Deshalb die Einleitung mit "Ketzerisch"

      Es ist eigentlich klar, dass hier etwas nicht richtig läuft, und man kann da zwei verschiedene Dinge sehen:
      a) Das Einkommen eines Elternteils ist zu niedrig, um sich Kinder leisten zu können und es ist zwangsweise notwendig, dass das zweite Elternteil ebenfalls arbeitet, wobei ein guter Teil dieses Lohns für die Kinderfremdbetreuung draufgeht
      b) Die Fremdbetreuung ist so teuer, dass... mehr@M Fischer: Ich habe nicht behauptet, dass das meine Ansicht ist. Deshalb die Einleitung mit "Ketzerisch"

      Es ist eigentlich klar, dass hier etwas nicht richtig läuft, und man kann da zwei verschiedene Dinge sehen:
      a) Das Einkommen eines Elternteils ist zu niedrig, um sich Kinder leisten zu können und es ist zwangsweise notwendig, dass das zweite Elternteil ebenfalls arbeitet, wobei ein guter Teil dieses Lohns für die Kinderfremdbetreuung draufgeht
      b) Die Fremdbetreuung ist so teuer, dass ein Elternteil mehr arbeiten muss als eigentlich erwünscht.

      An beiden Symptomen könnte der Staat etwas drehen, um eben den Fortbestand, oder, wie Sie es auf den Punkt gebracht haben "Die AHV" zu sichern.

      Meiner Ansicht nach sollte ein Lohn genug hergeben, damit eine junge Familie den Nachwuchs selber betreuen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob beide Elternteile Teilzeit arbeiten und sich die Erziehung teilen oder ein Elternteil 100% und das Andere garnicht (und ich drücke das absichtlich Geschlechtsneutral aus).

Informationen zum Artikel

5.4.2017, 04:50 Uhr

Warum Kitas in der Schweiz so viel teurer sind als im Rest der Welt

Text

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Text:

  • 26.03.2017 um 17:03
    Zum Artikel: Europa von oben – Europa von unten

    Liebe Diskussionsteilnehmende Das reicht dann an dieser Stelle auch wieder mal mit Beleidigungen und Anschuldigungen, die überhaupt nichts mit dem Artikel zu tun haben. Zur Erinnerung schicke ich Ihnen auch gerne den Link zu unserem Community-Leitfade...

  • 11.02.2017 um 18:30
    Inhaltliche Diskussion
    Zum Artikel: Die grosse Verliererin heisst Eva Herzog

    Liebe Diskussionsteilnehmende Bitte bleibt bei einer inhaltlichen Diskussion. Beleidigungen könnt ihr gerne ausserhalb der TagesWoche-Kommentarfunktion austauschen. Herzlichen Dank und beste Grüsse Felix Michel

  • 11.02.2017 um 18:26
    Keine Beleidigungen
    Zum Artikel: Die grosse Verliererin heisst Eva Herzog

    Sehr geehrter Herr Seppi Verseckelt Bitte zügeln Sie Ihre Zunge. Freundliche Grüsse Felix Michel

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Text:

  • 09.04.2017 um 14:18
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