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Wo Basler hinziehen 

24.3.2017, 15:18 Uhr

Riehen ist hipper als das Matthäusquartier

24.3.2017, 15:18 Uhr

Das Matthäusquartier gilt mit seinen szenigen Beizen, den Alleen und Altbauten als Trendviertel Basels. Nun zeigt eine Analyse des Kantons: Die Leute kehren dem Matthäus den Rücken und strömen nach Riehen. Von

Hans-Jörg Walter: Stehen sich die Füsse platt, um nach Riehen zu kommen: Baslerinnen und Basler ziehts in die Agglo.

Stehen sich die Füsse platt, um nach Riehen zu kommen: Baslerinnen und Basler ziehts in die Agglo. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Warum das Matthäusquartier populärer sein muss als die Basler Landgemeinde Riehen, ist offensichtlich: wunderschön sanierte Altbauwohnungen, Quartierinitiativen wie der Wochenmarkt, nischige Beizen und Bars und nicht zuletzt die Nähe zum Rhein findet sich nur im Kleinbasler Matthäusquartier. In Riehen dagegen: Agglo-Mief, bürgerlich-biedere Türmattenromantik, konservative Denke, SVP-Hochburg. 

Wenn oft von urbaner Qualität gesprochen wird, die eine Stadt erst spannend und anziehend macht, dann ist vieles davon im Matthäusquartier erfüllt. Und doch verliessen die Bewohner im vergangenen Jahr das Matthäus in Scharen und siedelten nach Riehen über. Zu diesem Befund kommt die Wanderungsanalyse des Statistischen Amtes

Auch das Gundeli verliert

Über 300 Einwohner verlor das Trendquartier um Feldberg- und Klybeckstrasse 2016 an andere Basler Quartiere. Riehen dagegen ist im innerbaslerischen Wettbewerb der grosse Sieger und lockte 400 neue Einwohner aus dem Kanton an. Weiterer Verlierer ist das Gundeli, das ebenfalls 300 Einwohner an andere Stadtteile verliert – ausgerechnet das Gundeli, das seit Jahren eine vermeintliche Aufwertung erfährt.

Innerkantonale Wanderungsanalyse: In welche Quartiere die Baslerinnen und Basler umziehen. (Quelle: Statistische Amt BS)

Viel Freude an den Zahlen und eine Erklärung für das Phänomen hat Hansjörg Wilde, parteiloser Gemeindepräsident in Riehen: 

«Riehen konnte sich in den letzten Jahren ein sehr gutes Image als familienfreundliche Gemeinde erarbeiten. Die sehr guten Freizeitangebote und die Schulautonomie in der Primarstufe sowie den durch die Gemeinde geförderten genossenschaftlichen Wohnungsbau stellen eine Alternative für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu den städtischen Quartieren dar.»

Der Basler Stadtentwickler Roland Frank erklärt die Dynamik mit enttäuschten Erwartungen:

«Aufgrund des grossen Wohnungsangebotes sind das Gundeli und Matthäus beliebt als Erstankunftsorte, sprich Zuzugsorte von ausserhalb, dies hat sich in der Wanderungsanalyse von 2016 gezeigt. Nach einer gewissen Zeit ziehen viele weiter in andere Quartiere, die mehrheitlich einen etwas ruhigeren und grüneren Charakter haben.»

Die Zahlen stützen Franks Einschätzung: Alles in allem ziehen mehr Menschen pro Jahr ins Matthäusquartier als daraus weg. Im Matthäus wohnten Ende Februar knapp 16'000 Personen, in Riehen sind es mittlerweile fast 21'000. Der ganze Kanton ist mit 198'290 Einwohnern nur noch knapp von der magischen Grenze von 200'000 Einwohnern entfernt.

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Viele weitere spannende Zahlen und Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung finden sich beim Statistischen Amt.

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Kanton Basel-Stadt, Riehen

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Reaktionen

  1. Tosca Martino

    am 25.03.2017, 16:39

    Übrigens: Es gibt auch etliche Leute, die erst nach dem Studium ins Matthäus ziehen, auch nach der Familiengründung bleiben und gar ihre Kinder in die hiesigen Schulen schicken. Und dies mit Überzeugung. Ob man einen hohen Migrantenanteil und komfortarme Altbauwohnungen als Belastung oder Bereicherung bewertet, ist nämlich schlicht eine Frage des Standpunktes & des Geschmacks.

  1. Patrick Simon Huber

    am 24.03.2017, 16:00

    "Agglo-Mief, bürgerlich-biedere Vorgartenromantik, konservative Denke, SVP-Hochburg" ist nicht gerade eine nette Beschreibung für Riehen - dabei scheint die Gemeinde vieles richtig zu machen.

    Vielleicht spricht da aber auch nur der Neid des Autors darüber, dass das Basler Geothermie-Projekt lediglich Erdbeben statt Fernwärme bringt, das Kunstmuseum trotz 100 Mio. Neubau und staatlichem Betrieb nach Besucherzahlen weit hinter der "Fondation Beyeler" herhinkt oder aber Riehen mit tieferen... mehr"Agglo-Mief, bürgerlich-biedere Vorgartenromantik, konservative Denke, SVP-Hochburg" ist nicht gerade eine nette Beschreibung für Riehen - dabei scheint die Gemeinde vieles richtig zu machen.

    Vielleicht spricht da aber auch nur der Neid des Autors darüber, dass das Basler Geothermie-Projekt lediglich Erdbeben statt Fernwärme bringt, das Kunstmuseum trotz 100 Mio. Neubau und staatlichem Betrieb nach Besucherzahlen weit hinter der "Fondation Beyeler" herhinkt oder aber Riehen mit tieferen Steuern mindestens gleich viele Leistungen für die Bevölkerung erbringt.

  2. Urs Wagner

    am 24.03.2017, 16:40

    Es wäre vielleicht angebracht die Statistik über die Herkunftsländer der Bewohner von oben erwähnten Quartieren anzusehen. Vielleicht führt das zu einer Erklärung.

  3. Mind Me

    am 24.03.2017, 16:48

    Junge Menschen ziehen ins Matthäus Quartier und dann irgendwann halt wieder weg. Das ist nur der selbe Effekt wie die Ausländer welche sich zunächst in der Stadt niederlassen um dann irgendwann, vielleicht sogar als eingebürgerte Schweizer, in die Agglo zu ziehen. Die integrative Kraft der Stadt also, und es gilt Matthäus und Gundeli sind innerhalb der Stadt die Stadt.

  4. Kaspar Sutter

    am 24.03.2017, 16:59

    Diese Statistik ist eine Momentaufnahme. Aussagekräftiger wäre wohl die Betrachtung über einen längeren Zeitraum, siehe www.statistik.bs.ch/dms/statistik/tabellen/01/1/t01-1-16.xlsx
    Seit 2000 betrug das Bevölkerungswachstum in Riehen 0,9% und in der Stadt Basel 4,3%.
    Beim momentanen Wohnungsmarkt ziehen die Leute primär dorthin, wo neue Wohnungen entstehen, denn sowohl Riehen als auch Basel sind attraktive und begehrte Wohngemeinden.

    1. Kaspar Sutter

      am 24.03.2017, 17:52

      Kleine Korrektur: Oben in meinem Kommentar stehen die Wachstumszahlen seit 2010 (nicht 2000): In Riehen +0,9%, in Basel +4,3%.

  5. Kol Simcha

    am 24.03.2017, 18:10

    Scheint so, dass Rainer Naid nun öfter unter seinem Pseudonym "Renato Beck" in der TagesWoche publiziert.

    Ich würde ihm sein Honrar in Münz auszahlen.

    1. Roland Stucki

      am 24.03.2017, 19:41

      @Herr oder Frau Simcha
      Sie müssten evtl. noch bezahlen.

  6. peter meier1

    am 25.03.2017, 06:18

    Um da wirklich Aussagen zu machen müsste man auch die Altersstrukturen sowie Bevölkerungszusammensetzungen veröffentlichen. Es sind wohl meist junge Schweizer die ins coole Matthäus ziehen und später, spätestens wenn es um Familie geht da wieder weg. Sein Kind hat man lieber da in der Schule wo der Anteil der Schüler ohne Migrationshintergrund grösser ist, das Matthäus ist Cool für die Kids wegen den vielen Kneipen, Bars etc. Dasselbe gilt wohl fürs Gundeli, Nahe am Bahnhof, beliebt bei... mehrUm da wirklich Aussagen zu machen müsste man auch die Altersstrukturen sowie Bevölkerungszusammensetzungen veröffentlichen. Es sind wohl meist junge Schweizer die ins coole Matthäus ziehen und später, spätestens wenn es um Familie geht da wieder weg. Sein Kind hat man lieber da in der Schule wo der Anteil der Schüler ohne Migrationshintergrund grösser ist, das Matthäus ist Cool für die Kids wegen den vielen Kneipen, Bars etc. Dasselbe gilt wohl fürs Gundeli, Nahe am Bahnhof, beliebt bei Studis und Baslern mit Migrationshintergrund, aber mit Familie geht es dann lieber Richtung Allschil oder Binningen, Oberwil etc.

  7. peter meier1

    am 25.03.2017, 06:29

    Der Link zum statistischen Amt ist ja interessant - man sieht da wieviel Schweizer und Nicht-Schweizer zu- und wegziehen. Wenn man da jetzt noch die Doppelbürger erfassen würde mit Schweizer und XXX Pass würde die Statistik noch viel extremer aussehen. Gemäss statistischem Amt sind es aktuell 36% Anteil ausländische Wohnbevölkerung des Weiteren vermutlich 20-30% mit 2 Pässen, macht noch ca. 40-50% Schweizer und diese sterben altersbedingt wohl die nächsten 20-50 Jahre weg, dann wird es hier... mehrDer Link zum statistischen Amt ist ja interessant - man sieht da wieviel Schweizer und Nicht-Schweizer zu- und wegziehen. Wenn man da jetzt noch die Doppelbürger erfassen würde mit Schweizer und XXX Pass würde die Statistik noch viel extremer aussehen. Gemäss statistischem Amt sind es aktuell 36% Anteil ausländische Wohnbevölkerung des Weiteren vermutlich 20-30% mit 2 Pässen, macht noch ca. 40-50% Schweizer und diese sterben altersbedingt wohl die nächsten 20-50 Jahre weg, dann wird es hier richtig KultiMulti !

    1. Luparius

      am 27.03.2017, 10:09

      Ohh... tätschel tätschel Herr Meier...
      Die armen Xenophobiker haben es schon nicht leicht! Überall lauern diese pösen pösen Auswertigen und wollen ihnen ans Eingemachte. Fast könnten sie einem leid tun - aber eben nur fast!

    2. s chröttli

      am 27.03.2017, 11:06

      @luparius
      meiereins macht sich halt grosse sorgen, vor seiner haustür habe sich ein spontaner flüchtlingstsunami ereignet – ca 50 terrormigranten auf der suche nach unterkunft

      übrigens: bei den lörracher deliktstatistiken spielen schinz grenzgänger-probleme eine prominente rolle. wiederholt sollen shoppingtouristen im kaufrausch anschliessend in nachbarliegenschaften eingedrungen sein (irrtum: keine 1€-shops ...)

Informationen zum Artikel

24.3.2017, 15:18 Uhr

Riehen ist hipper als das Matthäusquartier

Text

Text:

  • 16.06.2017 um 15:34
    @moerik
    Zum Artikel: Basler Regierung sagt Feier wegen Sicherheitsbedenken ab

    Danke für die, wie immer, wertvollen Hinweise. Im Eifer des Gefechts entstanden.

  • 12.06.2017 um 16:12
    Zum Artikel: Was hat diese Messe mit Kunst zu tun – und was mit Basel?

    Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Nachfrage. Weshalb ich zu dieser Aussage komme? Käufer und Verkäufer sind anonym, viele Deals werden mit Bargeld abgewickelt. Während mittlerweile strenge Geldwäschereivorschriften im Finanzmarkt gelten, ist der Kun...

  • 12.05.2017 um 10:27
    Zum Artikel: «Wir machen nichts, was Korallenriffe gefährdet»

    Wenn Sie auf «Statistikmethode» klicken, erhalten Sie Informationen dazu. Demnach ist es der «fakturierte Preis», wie es heisst. Also der Preis, den der Empfänger einer Sendung bezahlt. Warum Süsswasserfische teurer sind pro Kilo, weiss ich auch nicht....

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