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Entwicklungszusammenarbeit 

10.11.2014, 12:27 Uhr

«Jugendliche brauchen Alternativen zur Schwangerschaft»

10.11.2014, 12:27 Uhr

Sexualbildung und Familienplanung in Drittweltländern sind wichtige Themen, gerade im Kontext der anstehenden Volksabstimmung über die Ecopop-Initiative. Doch wie sieht die Präventionsarbeit vor Ort aus? Davon erzählt Sandra Dominguez aus Honduras im Interview. Von

zVg: Eine junge Mutter mit Kind. Kein seltener Anblick in Honduras.

Eine junge Mutter mit Kind. Kein seltener Anblick in Honduras. (Bild: zVg)

Die Zahlen sind dramatisch: In ländlichen Gegenden von Honduras wie der Gemeinde Pespire war ein Viertel aller weiblichen Teenager zwischen 10 und 19 bereits einmal schwanger. Zwar konnte die Jugendfertilität bereits gesenkt werden, auch durch den Beitrag der Projekte des Roten Kreuzes, doch noch immer mangelt es an Aufklärung.

Sandra Dominguez ist Koordinatorin der Gesundheitsarbeit eines Projektes des Schweizerischen Roten Kreuzes im Süden von Honduras und hat in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Sexualerziehung gearbeitet. Für das Symposium des Gesundheitsnetzwerks Medicus Mundi, das sich Fragen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit widmete, kam sie nach Basel.

Frau Dominguez, worin besteht Ihre Arbeit genau?

Wir wollen die Bevölkerung in den ruralen Gebieten Honduras' sexuell bilden, vor allem die Jugendlichen. Es sind integrale Projekte – der Aspekt der Gesundheit steht zwar im Zentrum, wir arbeiten aber auch mit ganz anderen Komponenten der sozialen Realität. Den Jugendlichen werden Themen wie Selbstvertrauen, Werte, aber auch der eigene Körper und seine Funktionen nähergebracht. Unsere Fachpersonen und die mitarbeitenden Freiwilligen arbeiten mit sehr dynamischen Methoden und Spielen, die für die Jugendlichen attraktiv sind – auf traditionellen Frontalunterricht, wie sie es von der Schule kennen, verzichten wir.

Sandra Dominguez.

Sandra Dominguez.

 

Weshalb sind Teenager-Schwangerschaften problematisch?

So junge Mädchen sind physisch, psychisch und emotional noch nicht auf eine Geburt vorbereitet. Dies erhöht für sie und das Kind das Risiko, bei der Geburt zu sterben. Zudem ist es ein radikaler Einschnitt in das Leben und die persönliche Entwicklung jugendlicher Eltern – die Bestrebungen und Pläne der Jugendlichen werden zunichte gemacht, vor allem Frauen müssen sich dann oft ganz ihrer Rolle als Mutter widmen.

Werden Teenagermütter von der Gesellschaft akzeptiert?

Da junge Mütter ein wichtiger, grosser Teil unserer Gesellschaft sind, werden sie toleriert, obwohl es eigentlich nicht als moralisch richtig gilt. Allerdings gibt es grosse Unterschiede bei der Unterstützung: Stillschweigende Akzeptanz heisst noch lange nicht, dass eine junge Frau auch unterstützt wird. Die Zahlen sind zwar rückläufig, aber trotzdem gibt es eine Kultur oder Tradition der jungen Mütter, die sich bewusst dafür entscheiden. Diese Frauen denken sich dann: Meine Grossmutter wurde mit 13 schwanger, meine Mutter ebenfalls, das heisst, ich auch. Zudem ist das Kinderhaben in Honduras allgemein sehr wichtig – der soziale Status definiert sich über die Anzahl Kinder.

«Kinder haben ist in Honduras sehr wichtig – der soziale Status definiert sich über die Anzahl Kinder.»

Wie kommt es überhaupt zu so vielen Schwangerschaften unter Jugendlichen?

Es mangelt am nötigen Wissen über Verhütungsmittel und überhaupt den Fortpflanzungsprozess. Das Ausmass dieses Unwissens muss man sich erst einmal vorstellen: Viele erwachsene Frauen, die selbst vielleicht fünf Kinder haben, wissen überhaupt nichts darüber, welches ihre Reproduktionsorgane sind und wie die Befruchtung funktioniert – sie haben höchstens eine vage Vorstellung, dass das Kinderhaben mit Sex zusammenhängt. Von solchen Familien kann man nicht verlangen, dass sie ihre Kinder sexuell erziehen, sondern auch sie brauchen Aufklärungs- und Orientierungsarbeit. Wir sind die einzige Institution in Honduras, die solche Aufklärungsarbeit leistet, dabei müssen wir oft wirklich von null an beginnen. Auch unter den Lehrpersonen gibt es viel Unwissen – sie sind vielleicht in der Regel etwas besser aufgeklärt, wissen aber nicht, wie sie die Thematik im Unterricht angehen sollen.

Treffen junger schwangerer Frauen in Honduras.

Treffen junger schwangerer Frauen in Honduras. (Bild: zVg)

Dieses Unwissen ist aber nicht der einzige Grund für die vielen Teenagerschwangerschaften …

Nein. Dass junge Frauen und Männer überhaupt so früh sexuell aktiv werden, hat mit unterschiedlichen Faktoren zu tun, etwa den familiären Verhältnissen: In den ländlichen Gemeinden von Honduras sind Alkoholismus und Gewalt in den Familien sehr häufig, und Jugendliche, die so einem feindlichen Klima ausgesetzt sind, fehlt es an Identität, Selbstvertrauen und alternativen Lebensplänen. Mutter zu werden ist auch ein Weg, um das eigene Nest so schnell wie möglich zu verlassen.

«Manche Frauen nehmen heimlich Verhütungsmittel und haben eine höllische Angst vor den Konsequenzen, wenn ihr Mann es herausfinden würde.»

Was für eine Rolle spielen die Männer?

Die Jungfräulichkeit hat für Männer in meinem Land einen sehr hohen Stellenwert. Ich habe einmal einen Mann auf den Land gefragt, weshalb er seine Familie ausgerechnet mit einem jungen Mädchen und nicht mit einer erwachsenen Frau gründete. Er sagte, je jünger die Frau, desto grösser sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch Jungfrau ist. Frauen sind von den Männern emotional und wirtschaftlich abhängig, sie können den Zeitpunkt, um Kinder zu haben, nicht alleine bestimmen. Die Männer sehen Frauen leider immer noch als ihren Besitz und verbieten ihnen, Verhütungsmittel zu nehmen. Bis vor ein paar Jahren war es sogar noch so, dass der Mann mitunterschreiben musste, wenn die Frau sich unterbinden lassen wollte. Heute ist das nicht mehr im Gesetz, aber eine soziale Norm, dass der Mann und manchmal sogar die Schwiegermutter mitbestimmt. Denn wenn die Frau ständig schwanger ist und sich um viele Kinder kümmern muss, hat sie weniger Zeit, mit anderen Männern ins Bett zu gehen und ist auch sexuell weniger attraktiv. Manche Frauen nehmen heimlich Verhütungsmittel und haben eine höllische Angst vor den Konsequenzen, wenn ihr Mann es herausfinden würde.

Am 30. November werden die Schweizer über die Ecopop-Initiative abstimmen – wäre ein solcher fixer Entwicklungsbeitrag für die Familienplanung Ihrer Meinung nach förderlich?

Ich habe mich ein bisschen damit auseinandergesetzt und muss sagen, dass sexuelle und reproduktive Gesundheit natürlich wichtig ist. Doch die Familienplanung isoliert von anderen Teilaspekten der Gesellschaft zu unterstützen, finde ich falsch, und das würde im Fall von Honduras auch wenig bewirken. Meine Erfahrung hat etwa gezeigt, dass man den Jugendlichen in erster Linie Alternativen bieten muss, wie sie ihr Leben gestalten können – erst dann werden sie darauf verzichten, so früh Familien zu gründen. Diese Möglichkeiten und Perspektiven haben nicht direkt etwas mit sexueller Gesundheit und Verhütung zu tun, sind aber damit eng verwoben. Deshalb sind integrale Projekte, wie das unsere, wichtig.

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  • 01.09.2015 um 12:09
    Zum Artikel: Wirklich so schlimm? Stimmen aus dem Frauenbad im Eglisee

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