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Porträt, Peter Thommen 

26.8.2014, 05:00 Uhr

«Die Schwulenszene ist tot»

26.8.2014, 05:00 Uhr

Peter Thommen, Pionier, Galions- und Reizfigur der Basler Schwulenszene und Betreiber des Buchladens Arcados bereitet sich auf den Unruhestand vor. Eine Epoche geht zu Ende. Von Udo Theiss

Hans-Joerg Walter: Blickt mit Wehmut auf die Anfänge der Schwulenbewegung zurück: Peter Thommen, Inhaber des Buchladens Arcados.

Blickt mit Wehmut auf die Anfänge der Schwulenbewegung zurück: Peter Thommen, Inhaber des Buchladens Arcados. (Bild: Hans-Joerg Walter)

Es gab mal Zeiten, die sind so lange noch nicht her, da konnte man Ralf-König-Comics nur im Schwulenbuchladen Arcados in der Rheingasse kaufen. Dort standen die Hetero-Comicfans dann mit hochroten Ohren zwischen zahlreichen Schwulen, die meist in erotische Lektüre vertieft herumstanden, tratschten oder flirteten.

Heute verfärben sich Hetero-Ohren auch im Schwulenbuchladen nicht mehr, Ralf König wird (allerdings ohne erigierte Penisse) bei Rowohlt verlegt und hat ein Vermögen gemacht – und im Arcados herrscht meist gähnende Leere. «Das Internet hat mich überflüssig gemacht», sagt Ladenbesitzer und Schwulenaktivist Peter Thommen. Der 64-Jährige bereitet sich auf den vorzeitigen Ruhestand vor.

«Basel galt in den Siebzigerjahren als das Schwulenmekka der Schweiz.»

Sicher: Homosexuelle Pornos und Erotika kann man sich problemlos und anonym im Internet besorgen. Auch Kontaktbörsen gibt es online im Überfluss. Aber das Arcados war auch ein Szenetreffpunkt und ein Symbol für den Kampf um die Emanzipation der Schwulen.

Als Thommen 1970 als «Small Town Boy» nach Basel kam, sah die Welt für Schwule noch deutlich anders aus. «Ich hatte mein Coming Out erst mit 20. Basel galt damals als das Schwulenmekka der Schweiz.» Hier gab es schon damals Personen des öffentlichen Lebens die, wie der schrille Fredy Spillmann oder BaZ-Kolummnist Minu, keinen Hehl aus ihrer Homosexualität machten. Und der Grossteil der Öffentlichkeit nahm das schulterzuckend zur Kenntnis.

Schon seit den 50er-Jahren gab es den Schwulentreff Isola. «1974 eröffnete die Schwulen- und Lesbenbar Elle et Lui. Und natürlich gab es die Treffpunkte in Parks oder auf der Klappe [öffentliche Toiletten]

Passend zur Jugend in Basel:

Was bei Heteros immer für ein bisschen Ekel und Verwunderung sorgt. Aber tatsächlich brauchten die Schwulen diese – im Wortsinn – zwielichtigen Strukturen, um anonym Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen. Thommen: «Man darf nicht vergessen: Für Schwule galt das Schutzalter 20. Sexuelle Beziehungen mit 19- oder 18-Jährigen galten als Pädophilie. Ausserdem gab es für Schwule ein absolutes Prostitutionsverbot und schwule Pornografie war bis in die 1980er in der Schweiz verboten. Das alles wegen Paragraf 194 aus dem Jahr 1942!»

Die 68er-Revolution wirkte auch in Basel: «Man war sich endlich einig, dass Sex in erster Linie etwas Schönes ist.»

Doch die sexuelle Revolution der 68er wirkte auch in Basel und bei den Schwulen nach. «Man war sich endlich einig, dass Sex in erster Linie etwas Schönes ist.» So verliessen auch die Schwulen das schützende Dunkel und begannen offensiv für ihre Rechte einzustehen. Die Schwulenorganisation Homosexuelle Arbeitsgruppe Basel (HABS) startete Kampagnen und kandidierte für Grossratsmandate. Und Thommen, eigentlich Sozialarbeiter von Beruf, gründete 1977 den Schwulenbuchladen Arcados. Er war auch Mitglied der HABS und und produzierte für Radio Dreieckland jeden Sonntag eine zweistündige Schwulensendung.

Regelmässig kam die Sittenpolizei

Regelmässig durchstöberte damals ein Sittenpolizist seine Regale und beschlagnahmte einen Stapel Heftchen aus Deutschland. In der HABS bekam Thommen Probleme, weil er mit seinem Buchladen an der Bewegung Geld verdiene, was in den gestrengen Augen der strammen schwulen Genossen irgendwie anrüchig war. Kurzerhand gründete Thommen 1988 eine eigene «Homosexuelle Liste» und trat fürderhin mehr oder weniger auf eigene Faust zu den Grossratswahlen an.

Schon bald trug die «Schwulenoffensive» Früchte. «In den 1980ern gab es einen regelrechten Boom.» Schwulensaunas, die Dupf-Bar, das Hotel Sunne, die Casita Bar und so weiter schossen wie Pilze aus dem Boden. «Selbst Hetero-Clubs veranstalteten regelmässig Gay-Anlässe, weil sie merkten, dass die kinderlosen, berufstätigen Schwulen mehr Geld zur Verfügung hatten als die Heten.» Das merkte irgendwann auch Zürich Tourismus und startete eine grosse Kampagne für die Limmatstadt als hippe Schwulendestination.

Zog auch in schweren Zeiten den Kopf nicht ein

Das änderte aber nichts daran, dass Schwule gesetzlich immer noch in vielerlei Hinsicht diskriminiert wurden und an ihren Treffpunkten in Parks von Jugendlichen überfallen, brutal misshandelt und ausgeraubt wurden. Die Revision des Sexualstrafrechts 1992 emanzipierte die Schwulen zumindest in dieser Hinsicht. Das ist vor allem das Verdienst von Menschen wie Peter Thommen, die auch in schweren Zeiten den Kopf nicht einzogen.

Doch der historische und hart erkämpfte politische Sieg hat für Thommen auch einen bitteren Beigeschmack. «Die provokativen und aktiven regionalen Schwulenarbeitsgruppen sind weitgehend verschwunden. Heute gibt es Lobbyorganisationen wie das Pink Cross. Die Schwulenbewegung ist meiner Meinung nach tot.»

«Die Schwulen verspiessern.»

Mit dieser Meinung eckt Thommen, der bis heute ein recht schriller Vogel ist, auch in der Schwulenszene oft an. «Ich finde, das Problem ist, dass die Bewegung vor allem über den gesellschaftlichen Widerspruch politisiert. Gleiche Rechte, Schwulenehe, Kinder adoptieren. Die Schwulen haben gekriegt, was sie wollten, und jetzt verspiessern sie.»

Pornos, sagt Thommen, schaue man heute zu Hause online. Es gebe nur noch eine Sauna und soziokulturell noch das «Elle et Lui» [heute L-39], den Tuntenball im «Hirschi» und die «Zischbar» in der Kaserne. «Und die wäre ohne die deutschen Schwulen auch schon ausgestorben. Es gibt keine Basis mehr.»

Das Leben im anrüchigen «Milieu», das Cruising im Park und auf der Klappe – trotz aller Nachteile trauert Thommen diesen Zeiten auch ein wenig nach. «Das war auch verbindend und identitätsstiftend. Die Schwulen haben zu viel Energie darauf verwendet, gleich zu sein wie die Heteros, statt ihr Recht auf Andersartigkeit zu betonen.»

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Reaktionen

  1. Kulturbetrachter Basel

    am 26.08.2014, 13:22

    Sind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Hätte man einem 175ger in den 60gern gesagt, dass es einmal völlig "gängig" sein würde, offen homosexuell zu leben, Politiker oder Aussenminister sein zu dürfen und sich offen als Homosexueller zu bekennen zu können, sie hätten gedacht, es sei das Pararies! Wieviele Doppelleben wurden geführt, wieviele Ehen geschlossen um der gesellschaftlichen Norm zu genügen, Karriere zu machen etc.
    Die "Klappe" die... ... mehrSind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Hätte man einem 175ger in den 60gern gesagt, dass es einmal völlig "gängig" sein würde, offen homosexuell zu leben, Politiker oder Aussenminister sein zu dürfen und sich offen als Homosexueller zu bekennen zu können, sie hätten gedacht, es sei das Pararies! Wieviele Doppelleben wurden geführt, wieviele Ehen geschlossen um der gesellschaftlichen Norm zu genügen, Karriere zu machen etc.
    Die "Klappe" die "Szene" die "Spannung des Verruchten" da redet man von einem kleinen Teil und kurzem Zeitfenster, in dem der Dauerständer der Normalzustand ist. Ich kenne viele Schwule, die treffen sich immer noch "unter Schwulen" müssen sich aber nicht mehr verstecken und der Druck der Gesellschaft ist weg. Fragen Sie mal meine Freunde aus Wien, welche jetzt ca. 35 bis 40 Jahre zusammen sind und zehn Jahre zwei Wohnungen im gleichen Mietshaus bewohnten um zusammen leben zu können, die möchten das Rad nicht mehr zurückdrehen. Ich gebe ihnen recht, was war die Szene manchmal lustig, aufregend und anders. Wer in Köln, die Lola Lametta zu ihren besten Zeiten, in der Zicke erleben durfte, der hat schöne Erinnerungen, aber trotzdem überwiegen die Vorteile des heutigen, zivilisierten Umgangs mit Schwulen. Obwohl ich feststelle, dass die Schweiz doch noch etwas verkrampfter mit diesem Thema umgeht und zwei Flugstunden weiter, in Polen, Schwule noch abgeklatscht werden..... Schauen wir einfach mit etwas Melancholie auf die Zeiten zurück, man hat etwas erlebt und war ein Teil eines damals geschlossenen Kosmos. Die Zeiten ändern sich, aber nichts bleibt wie es ist!

  2. Anton

    am 26.08.2014, 16:06

    Lieber Peter,
    Die Vergangenheit ist tot, die Gegenwart lebt und der Zukunft gehört die Hoffnung. Darum: Überlass die rückwärtsgewandte Utopie (Ein Bebriff der der Basler Philosoph Arnold Künzli geprägte) der SVP. Früher (wann ist "früher?) war auch nicht alles bessern nur anders. Die Schwulenszene lebt auch heute, nur vielleicht nicht dort, wo du sie suchst. Und vor allem: Schwule sind auf dem Weg, nicht nur toleriert, sondern akzeptiert zu werden. Die Zeiten, als ein Bundesrat Selbstmord... ... mehrLieber Peter,
    Die Vergangenheit ist tot, die Gegenwart lebt und der Zukunft gehört die Hoffnung. Darum: Überlass die rückwärtsgewandte Utopie (Ein Bebriff der der Basler Philosoph Arnold Künzli geprägte) der SVP. Früher (wann ist "früher?) war auch nicht alles bessern nur anders. Die Schwulenszene lebt auch heute, nur vielleicht nicht dort, wo du sie suchst. Und vor allem: Schwule sind auf dem Weg, nicht nur toleriert, sondern akzeptiert zu werden. Die Zeiten, als ein Bundesrat Selbstmord beging, da er (vermutlich) drohte als Schwuler aufzufliegen, sind vorbei. Eine lesbische Bundesrätin hatten wir schon, Baselland hat einen schwulen Ständerat und Basel einen schwulen Polizeikommandanten. Kämpfe um Rechte der Schwulen finden auch heute noch statt (siehe etwa die unsägliche CVP-Femilien-Initiative). Aber halt nicht mehr in erster Linie auf der Strasse, sondern effizienter in der Wandelhalle des Bundeshauses.

  3. Christoph Meury

    am 26.08.2014, 16:55

    Jammern und die alten Zeiten beklagen ist immer gut. Aber! Immerhin hat sich in der Zwischenzeit Einiges getan. Sind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Ich erinnere an die erste grosse Darstellung schwuler Geschichte in der Schweiz im 1988. «Männergeschichten: Schwule in Basel 1930 bis 1980» in der Kulturwerkstatt Kaserne Basel vom 30. Januar bis 6. März 1988.

    Aus meiner Sicht war dies damals ein wichtiger & nötiger Schritt in die grössere... ... mehrJammern und die alten Zeiten beklagen ist immer gut. Aber! Immerhin hat sich in der Zwischenzeit Einiges getan. Sind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Ich erinnere an die erste grosse Darstellung schwuler Geschichte in der Schweiz im 1988. «Männergeschichten: Schwule in Basel 1930 bis 1980» in der Kulturwerkstatt Kaserne Basel vom 30. Januar bis 6. März 1988.

    Aus meiner Sicht war dies damals ein wichtiger & nötiger Schritt in die grössere Öffentlichkeit. Ein PR-«Coming-Out». Auch unter dem damals provokativen Titel «Schwule in Basel».

    Ich war zu jener Zeit Mitglied der Betriebsgruppe der Kulturwerkstatt und habe diese Ausstellung und das entsprechende umfangreiche Begleitprogramm, welches ebenfalls grossmehrheitlich in der Kulturwerkstatt stattgefunden hat, äusserst positiv in Erinnerung.

  4. Axel Schubert

    am 27.08.2014, 16:46

    Nein Peter, die Schwulenszene ist noch nicht ganz tot – sie zuckt noch, sie muckt noch auf, hier und da, zum Glück! Allein ihr fehlt die kritische Masse. Und das ist schon bedauerlich genug. Die Masse ging in gay-Mainstream und pinkenem Lifestyle auf, die Kritik bisweilen auch. Doch warum ist Bewegtsein so unsexy? Offensichtlich reicht es kaum, um dafür entweder ausreichend Anerkennung zu bekommen oder um zumindest für sich den Eindruck zu erhalten, dass es ein ausreichend wertvolles und... ... mehrNein Peter, die Schwulenszene ist noch nicht ganz tot – sie zuckt noch, sie muckt noch auf, hier und da, zum Glück! Allein ihr fehlt die kritische Masse. Und das ist schon bedauerlich genug. Die Masse ging in gay-Mainstream und pinkenem Lifestyle auf, die Kritik bisweilen auch. Doch warum ist Bewegtsein so unsexy? Offensichtlich reicht es kaum, um dafür entweder ausreichend Anerkennung zu bekommen oder um zumindest für sich den Eindruck zu erhalten, dass es ein ausreichend wertvolles und gewinnbringendes Investement im Rahmen des eigenen Lebenslaufes ist. Oder: wer hat heute Zeit und Lust, sich zu engagieren – jenseits der herrschenden Muster, mit denen der Konsum bestehender (und marktvermittelter) Angebote oder die Delegation von Verantwortung an Stellvertreterorganisationen bedient werden? Mit dem Verlust des kollektiven Bewegtseins geht zugleich der Verlust der so wertvollen wie auch freudvollen Erfahrung einher, gemeinsam für Überzeugungen und Ziele einzustehen, selbst wenn man dabei auch mal anzuecken droht. Hat es auch mit dem Verlust zu tun, sich verpflichten zu wollen und zu können? Vielleicht, weil die Logik der heutigen Arbeitswelt zu viel Ressourcen verzehrt? Hat es auch mit einer medienvermittelten öffentlichen Wahrnehmung zu tun, in der relevante Fragen keinen Neuigkeitswert mehr haben oder die aus politischem Desinteresse leichtfertig ausgeschwiegen werden? (So fand leider auch die Situation um den schwulen Nigerianer O. – der kurzerhand in Isolationshaft gesteckt wurde, weil er nicht in das Land zurückwollte, indem er tätlich angegriffen wurde – keinerlei Echo in der Tageswoche. Und damit weder, dass sich für O. ein breites Solidaritätsbündnis gruppiert hat, noch dass die Schweiz asylpolitisch eine durch den Europäischen Gerichtshof längst zurückgewiesene Argumentation leider noch immer bedient.) Es gibt genug Möglichkeiten, sich zu vereinen und einzubringen um das Zucken einer bunten wie diversen Gemeinschaft wieder vernehmbar zu machen. Viele können dazu beitragen. Und: es lohnt sich – auch heute noch!

  5. Treeman

    am 28.08.2014, 09:08

    Zwischen Peter und mir liegen 34 Jahre. Ich habe viel verpasst: Aufregende und aufreizende Jahre, Jahre voller Kämpfe gegen eine verschlossene Gesellschaft und manchmal auch gegen sich selbst, leidvolle Aufklärungsarbeit von Menschen und Staatsdienern, die einem nicht verstehen wollten und konnten. Der Feind war klar, die eigene Abgrenzung von ihm einfach und nötig. Man verbündete sich, organisierte sich und kämpfte zusammen – um das eigene Überleben zu sichern, sich und den Mistreitern ein... ... mehrZwischen Peter und mir liegen 34 Jahre. Ich habe viel verpasst: Aufregende und aufreizende Jahre, Jahre voller Kämpfe gegen eine verschlossene Gesellschaft und manchmal auch gegen sich selbst, leidvolle Aufklärungsarbeit von Menschen und Staatsdienern, die einem nicht verstehen wollten und konnten. Der Feind war klar, die eigene Abgrenzung von ihm einfach und nötig. Man verbündete sich, organisierte sich und kämpfte zusammen – um das eigene Überleben zu sichern, sich und den Mistreitern ein besseres Leben zu ermöglichen. Vom Geheimen, Schmuddligen und Verbotenen hin zum «Boom» in den 80er Jahren. Das war ungeheuerlich viel Arbeit, Fleiss und Leidenschaft – und forderte leider auch immer wieder einen hohen Tribut. Doch trotzdem fasziniert mich diese Zeit, sie muss sehr leidenschaftlich gewesen sein, brennend, stürmisch, bissig und unbändig. Es muss ein grandioses Gefühl gewesen ein, Teil von etwas Grossem zu sein, zu bewegen und bewegt zu werden, mitgetragen von Fremden, die für das Gleiche kämpfen und dadurch zu Freunde wurden.

    Ein paar Jahrzehnte später: nichts. Die Basis weg. Spiessertum wohin das Auge reicht. Schwule mit Kindern und Hunden. Undankbarkeit gegenüber den grossen Kämpfern früherer Jahre. Früher starben Helden im Krieg, heute müssen sie mit ansehen, wie gleichgültig die Jugend mit ihren Errungenschaften umgeht. Das schmerzt und verletzt. Es schmerzt die, die gekämpft haben und nun ihr Lebenswerk am Ende sehen. Tot.

    Aus meiner heutigen Sicht kann ich sagen: Doch, die Schwulenszene lebt. Nur sucht die Kampf-Generation am falschen Ort. Auch Grindr trieb mich schon in den Park, weil mir die Diskussionen zu langfädig waren. Doch Cruising im Park oder in den Klappen verliert an Attraktivität (im wahrsten Sinne des Wortes), weil man(n) es nicht mehr zwingend dort machen muss. Das Leben ist reicher an Alternativen geworden. Die explizite Schwulenparty ist immer noch gut besucht aber man packt noch ein paar Heterofreunde mit ein – weil man es darf und kann. Die Jugend schreibt ihr eigenes Magazin, organisiert Podiumsveranstaltungen, LGBT-Feste am See, belebet todgeglaubte Jugendgruppen neu, politisiert oder vernetzt sich international. Weil sie darf und will. Weil sie es kann – ohne Schranken und Banden.

    Die Welt wirkt narzisstischer, wir schiessen Selfies, zeigen unsere Waschbrettbäuche, geben uns gerne der temporären Belanglosigkeit von Social Media hin und kaufen uns Pornos nicht mehr in der Videothek, sondern saugen sie kostenlos im Internet runter. Weil es heute eben geht. Wir solidarisieren uns zwar weniger auf dem Bundesplatz, doch engagieren uns digital. Weil das die Mittel zum Ausdruck der heutigen Generationen sind.

    Wer behauptet, die Schwulenbewegung wäre tot, ist vielleicht kein Teil mehr von ihr. Denn sie floriert weiter. Eine ganze Generation erntet die Früchte der letzten Generationen. Dass nun eine ganze Generation von Kämpfern mitansehen muss, wie Youngsters den Lebensstil unreflektiert leben, den man sich für sich selbst einmal gewünscht hätte, muss schmerzen. Vielmehr könnte er aber auch stolz machen auf das, was man erreicht hat. Stolz sein, ein Teil dieser Geschichte zu sein. Vom lauten Krieger zum stillen Geniesser.

    Man musste sich früher abgrenzen, um besser sichtbar zu sein. Wir verdanken Travestiekünstlern mehr, als die heutigen Boys, die gerne mit einem Hetero-Like ins Bett hüpfen, vielleicht denken. Viele jungen Schwulen fühlen sich nicht «anders» und wollen diesen Unterschied auch nicht mehr propagieren. Gönnen wir ihnen diese Verschnaufpause, dieses Hochgefühl. Früher standen Schwule ausserhalb des Gesetzes, heute gibt es Gesetze für uns. Und deswegen wollen und müssen wir nicht mehr anders sein, sondern suchen einen Weg, die Gesellschaft aktiv von innerhalb zu beeinflussen. Früher musste man für Sex in den Park oder an eine Party, heute stehen uns mehr Möglichkeiten offen. Früher musste man kämpfen, heute lobbyiert man. Früher verkloppte uns die Polizei, heute gründen sie schwullesbische Ableger. Früher ächtete uns die Politik, heute regiert eine lesbische Stadtpräsidentin. Früher traf man sich in Bars, heute tut man dies auch. Nur in anderen, mit neuen Namen und neuen Menschen. Verneigen wir uns vor unseren Vordenkern und Vorkämpfern. Bauen wir ihnen ein Denkmal für ihren Fleiss, ihr Blut und ihren Kampf für uns. Sie haben es verdient. Und wir, so zu leben, wie wir es heute tun.

    Die Schwulenszene ist nicht tot, aber sie ist erwachsen geworden.

  6. Thommen_63

    am 28.08.2014, 13:03

    Lieber Anton! Es geht weniger um die Ziele als um die Strategie und darum, wie man Erfahrungen und Methoden an die nächsten Generationen weiter gibt! Die Heterosexuellen können auch nicht Toleranz und Aufgeschlossenheit an ihre Kinder "weitervererben", darum haben wir so viele Probleme!
    Und ich bin nicht bereit, auf "zufälliges" Glück zu bauen, sei es eine neue sexuell übertragbare Krankheit, oder soziale Spannungen!
    Zudem hat jedes homosexuelle Kind das Recht, eine "Peergroup" vorzufinden,... ... mehrLieber Anton! Es geht weniger um die Ziele als um die Strategie und darum, wie man Erfahrungen und Methoden an die nächsten Generationen weiter gibt! Die Heterosexuellen können auch nicht Toleranz und Aufgeschlossenheit an ihre Kinder "weitervererben", darum haben wir so viele Probleme!
    Und ich bin nicht bereit, auf "zufälliges" Glück zu bauen, sei es eine neue sexuell übertragbare Krankheit, oder soziale Spannungen!
    Zudem hat jedes homosexuelle Kind das Recht, eine "Peergroup" vorzufinden, die sichtbar ist und es unterstützt. Heteros haben auch ihre Kindergärten und Sportvereine dafür! Und immer nur auf "gnädige" Heteros zu warten, oder auf Wowereit's, macht keinen Spass!

  7. Thommen_63

    am 28.08.2014, 13:07

    Lieber Axel! Solange die Männer, die Männer lieben, nicht fähig sind, auch mal zusammenzustehen und Solidarität zu üben - und das eben auch zu lernen -, solange bringen Homo-Ehe und ein Strauss von weiteren "lustigen" Identitäten weder uns, noch der Gesellschaft wirklich etwas!

  8. Axel Schubert

    am 28.08.2014, 18:15

    Lieber Peter, Deiner Antwort ist vollumfänglich beizupflichten!

    Unverändert finde ich aber auch die Frage spannend, warum heute in weiten Kreisen so eine Lethargie dominiert..., warum das Lernen, das Du ansprichst, eher ausbleibt usw. Denn ich glaube, das Erreichen von einigen der zentralen Hetero-Rechte ist noch lange nicht Erklärung genug, dass so wenig Engagement da ist... Viel eher, denke ich, hat es mit "flexiblen Identitäten" (Tipp: Johannes Gruber: "Der flexible Sozialcharakter") zu... ... mehrLieber Peter, Deiner Antwort ist vollumfänglich beizupflichten!

    Unverändert finde ich aber auch die Frage spannend, warum heute in weiten Kreisen so eine Lethargie dominiert..., warum das Lernen, das Du ansprichst, eher ausbleibt usw. Denn ich glaube, das Erreichen von einigen der zentralen Hetero-Rechte ist noch lange nicht Erklärung genug, dass so wenig Engagement da ist... Viel eher, denke ich, hat es mit "flexiblen Identitäten" (Tipp: Johannes Gruber: "Der flexible Sozialcharakter") zu tun, die ein Leben denkbar und aushaltbar machen, das mit viel weniger Verbindlichkeiten (z.B. auch Gemeinschaft gegenüber) auskommt.

  1. Michael T

    am 26.08.2014, 12:48

    Stimmt, von arcados hör ich heute das erste Mal... Schon ein bisschen traurig.

    Den Beobachtungen kann ich zwar zustimmen, aber inwieweit dies problematisch ist, ist dann wieder eine ganz andere Frage. Schade ist es sicherlich, aber mehr für den Historiker/Gesellschaftswissenschaftler in mir. Der andere Teil freut sich an den vielen anderen Möglichkeiten, die sich durch diese Neuerungen ergeben.

  2. Kulturbetrachter Basel

    am 26.08.2014, 13:22

    Sind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Hätte man einem 175ger in den 60gern gesagt, dass es einmal völlig "gängig" sein würde, offen homosexuell zu leben, Politiker oder Aussenminister sein zu dürfen und sich offen als Homosexueller zu bekennen zu können, sie hätten gedacht, es sei das Pararies! Wieviele Doppelleben wurden geführt, wieviele Ehen geschlossen um der gesellschaftlichen Norm zu genügen, Karriere zu machen etc.
    Die "Klappe" die... mehrSind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Hätte man einem 175ger in den 60gern gesagt, dass es einmal völlig "gängig" sein würde, offen homosexuell zu leben, Politiker oder Aussenminister sein zu dürfen und sich offen als Homosexueller zu bekennen zu können, sie hätten gedacht, es sei das Pararies! Wieviele Doppelleben wurden geführt, wieviele Ehen geschlossen um der gesellschaftlichen Norm zu genügen, Karriere zu machen etc.
    Die "Klappe" die "Szene" die "Spannung des Verruchten" da redet man von einem kleinen Teil und kurzem Zeitfenster, in dem der Dauerständer der Normalzustand ist. Ich kenne viele Schwule, die treffen sich immer noch "unter Schwulen" müssen sich aber nicht mehr verstecken und der Druck der Gesellschaft ist weg. Fragen Sie mal meine Freunde aus Wien, welche jetzt ca. 35 bis 40 Jahre zusammen sind und zehn Jahre zwei Wohnungen im gleichen Mietshaus bewohnten um zusammen leben zu können, die möchten das Rad nicht mehr zurückdrehen. Ich gebe ihnen recht, was war die Szene manchmal lustig, aufregend und anders. Wer in Köln, die Lola Lametta zu ihren besten Zeiten, in der Zicke erleben durfte, der hat schöne Erinnerungen, aber trotzdem überwiegen die Vorteile des heutigen, zivilisierten Umgangs mit Schwulen. Obwohl ich feststelle, dass die Schweiz doch noch etwas verkrampfter mit diesem Thema umgeht und zwei Flugstunden weiter, in Polen, Schwule noch abgeklatscht werden..... Schauen wir einfach mit etwas Melancholie auf die Zeiten zurück, man hat etwas erlebt und war ein Teil eines damals geschlossenen Kosmos. Die Zeiten ändern sich, aber nichts bleibt wie es ist!

  3. Anton

    am 26.08.2014, 16:06

    Lieber Peter,
    Die Vergangenheit ist tot, die Gegenwart lebt und der Zukunft gehört die Hoffnung. Darum: Überlass die rückwärtsgewandte Utopie (Ein Bebriff der der Basler Philosoph Arnold Künzli geprägte) der SVP. Früher (wann ist "früher?) war auch nicht alles bessern nur anders. Die Schwulenszene lebt auch heute, nur vielleicht nicht dort, wo du sie suchst. Und vor allem: Schwule sind auf dem Weg, nicht nur toleriert, sondern akzeptiert zu werden. Die Zeiten, als ein Bundesrat Selbstmord... mehrLieber Peter,
    Die Vergangenheit ist tot, die Gegenwart lebt und der Zukunft gehört die Hoffnung. Darum: Überlass die rückwärtsgewandte Utopie (Ein Bebriff der der Basler Philosoph Arnold Künzli geprägte) der SVP. Früher (wann ist "früher?) war auch nicht alles bessern nur anders. Die Schwulenszene lebt auch heute, nur vielleicht nicht dort, wo du sie suchst. Und vor allem: Schwule sind auf dem Weg, nicht nur toleriert, sondern akzeptiert zu werden. Die Zeiten, als ein Bundesrat Selbstmord beging, da er (vermutlich) drohte als Schwuler aufzufliegen, sind vorbei. Eine lesbische Bundesrätin hatten wir schon, Baselland hat einen schwulen Ständerat und Basel einen schwulen Polizeikommandanten. Kämpfe um Rechte der Schwulen finden auch heute noch statt (siehe etwa die unsägliche CVP-Femilien-Initiative). Aber halt nicht mehr in erster Linie auf der Strasse, sondern effizienter in der Wandelhalle des Bundeshauses.

    1. Thommen_63

      am 28.08.2014, 13:03

      Lieber Anton! Es geht weniger um die Ziele als um die Strategie und darum, wie man Erfahrungen und Methoden an die nächsten Generationen weiter gibt! Die Heterosexuellen können auch nicht Toleranz und Aufgeschlossenheit an ihre Kinder "weitervererben", darum haben wir so viele Probleme!
      Und ich bin nicht bereit, auf "zufälliges" Glück zu bauen, sei es eine neue sexuell übertragbare Krankheit, oder soziale Spannungen!
      Zudem hat jedes homosexuelle Kind das Recht, eine "Peergroup" vorzufinden,... mehrLieber Anton! Es geht weniger um die Ziele als um die Strategie und darum, wie man Erfahrungen und Methoden an die nächsten Generationen weiter gibt! Die Heterosexuellen können auch nicht Toleranz und Aufgeschlossenheit an ihre Kinder "weitervererben", darum haben wir so viele Probleme!
      Und ich bin nicht bereit, auf "zufälliges" Glück zu bauen, sei es eine neue sexuell übertragbare Krankheit, oder soziale Spannungen!
      Zudem hat jedes homosexuelle Kind das Recht, eine "Peergroup" vorzufinden, die sichtbar ist und es unterstützt. Heteros haben auch ihre Kindergärten und Sportvereine dafür! Und immer nur auf "gnädige" Heteros zu warten, oder auf Wowereit's, macht keinen Spass!

  4. Christoph Meury

    am 26.08.2014, 16:55

    Jammern und die alten Zeiten beklagen ist immer gut. Aber! Immerhin hat sich in der Zwischenzeit Einiges getan. Sind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Ich erinnere an die erste grosse Darstellung schwuler Geschichte in der Schweiz im 1988. «Männergeschichten: Schwule in Basel 1930 bis 1980» in der Kulturwerkstatt Kaserne Basel vom 30. Januar bis 6. März 1988.

    Aus meiner Sicht war dies damals ein wichtiger & nötiger Schritt in die grössere... mehrJammern und die alten Zeiten beklagen ist immer gut. Aber! Immerhin hat sich in der Zwischenzeit Einiges getan. Sind wir doch froh, dass die Schwulen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind!

    Ich erinnere an die erste grosse Darstellung schwuler Geschichte in der Schweiz im 1988. «Männergeschichten: Schwule in Basel 1930 bis 1980» in der Kulturwerkstatt Kaserne Basel vom 30. Januar bis 6. März 1988.

    Aus meiner Sicht war dies damals ein wichtiger & nötiger Schritt in die grössere Öffentlichkeit. Ein PR-«Coming-Out». Auch unter dem damals provokativen Titel «Schwule in Basel».

    Ich war zu jener Zeit Mitglied der Betriebsgruppe der Kulturwerkstatt und habe diese Ausstellung und das entsprechende umfangreiche Begleitprogramm, welches ebenfalls grossmehrheitlich in der Kulturwerkstatt stattgefunden hat, äusserst positiv in Erinnerung.

  5. Axel Schubert

    am 27.08.2014, 16:46

    Nein Peter, die Schwulenszene ist noch nicht ganz tot – sie zuckt noch, sie muckt noch auf, hier und da, zum Glück! Allein ihr fehlt die kritische Masse. Und das ist schon bedauerlich genug. Die Masse ging in gay-Mainstream und pinkenem Lifestyle auf, die Kritik bisweilen auch. Doch warum ist Bewegtsein so unsexy? Offensichtlich reicht es kaum, um dafür entweder ausreichend Anerkennung zu bekommen oder um zumindest für sich den Eindruck zu erhalten, dass es ein ausreichend wertvolles und... mehrNein Peter, die Schwulenszene ist noch nicht ganz tot – sie zuckt noch, sie muckt noch auf, hier und da, zum Glück! Allein ihr fehlt die kritische Masse. Und das ist schon bedauerlich genug. Die Masse ging in gay-Mainstream und pinkenem Lifestyle auf, die Kritik bisweilen auch. Doch warum ist Bewegtsein so unsexy? Offensichtlich reicht es kaum, um dafür entweder ausreichend Anerkennung zu bekommen oder um zumindest für sich den Eindruck zu erhalten, dass es ein ausreichend wertvolles und gewinnbringendes Investement im Rahmen des eigenen Lebenslaufes ist. Oder: wer hat heute Zeit und Lust, sich zu engagieren – jenseits der herrschenden Muster, mit denen der Konsum bestehender (und marktvermittelter) Angebote oder die Delegation von Verantwortung an Stellvertreterorganisationen bedient werden? Mit dem Verlust des kollektiven Bewegtseins geht zugleich der Verlust der so wertvollen wie auch freudvollen Erfahrung einher, gemeinsam für Überzeugungen und Ziele einzustehen, selbst wenn man dabei auch mal anzuecken droht. Hat es auch mit dem Verlust zu tun, sich verpflichten zu wollen und zu können? Vielleicht, weil die Logik der heutigen Arbeitswelt zu viel Ressourcen verzehrt? Hat es auch mit einer medienvermittelten öffentlichen Wahrnehmung zu tun, in der relevante Fragen keinen Neuigkeitswert mehr haben oder die aus politischem Desinteresse leichtfertig ausgeschwiegen werden? (So fand leider auch die Situation um den schwulen Nigerianer O. – der kurzerhand in Isolationshaft gesteckt wurde, weil er nicht in das Land zurückwollte, indem er tätlich angegriffen wurde – keinerlei Echo in der Tageswoche. Und damit weder, dass sich für O. ein breites Solidaritätsbündnis gruppiert hat, noch dass die Schweiz asylpolitisch eine durch den Europäischen Gerichtshof längst zurückgewiesene Argumentation leider noch immer bedient.) Es gibt genug Möglichkeiten, sich zu vereinen und einzubringen um das Zucken einer bunten wie diversen Gemeinschaft wieder vernehmbar zu machen. Viele können dazu beitragen. Und: es lohnt sich – auch heute noch!

    1. Thommen_63

      am 28.08.2014, 13:07

      Lieber Axel! Solange die Männer, die Männer lieben, nicht fähig sind, auch mal zusammenzustehen und Solidarität zu üben - und das eben auch zu lernen -, solange bringen Homo-Ehe und ein Strauss von weiteren "lustigen" Identitäten weder uns, noch der Gesellschaft wirklich etwas!

    2. Axel Schubert

      am 28.08.2014, 18:15

      Lieber Peter, Deiner Antwort ist vollumfänglich beizupflichten!

      Unverändert finde ich aber auch die Frage spannend, warum heute in weiten Kreisen so eine Lethargie dominiert..., warum das Lernen, das Du ansprichst, eher ausbleibt usw. Denn ich glaube, das Erreichen von einigen der zentralen Hetero-Rechte ist noch lange nicht Erklärung genug, dass so wenig Engagement da ist... Viel eher, denke ich, hat es mit "flexiblen Identitäten" (Tipp: Johannes Gruber: "Der flexible Sozialcharakter") zu... mehrLieber Peter, Deiner Antwort ist vollumfänglich beizupflichten!

      Unverändert finde ich aber auch die Frage spannend, warum heute in weiten Kreisen so eine Lethargie dominiert..., warum das Lernen, das Du ansprichst, eher ausbleibt usw. Denn ich glaube, das Erreichen von einigen der zentralen Hetero-Rechte ist noch lange nicht Erklärung genug, dass so wenig Engagement da ist... Viel eher, denke ich, hat es mit "flexiblen Identitäten" (Tipp: Johannes Gruber: "Der flexible Sozialcharakter") zu tun, die ein Leben denkbar und aushaltbar machen, das mit viel weniger Verbindlichkeiten (z.B. auch Gemeinschaft gegenüber) auskommt.

  6. Inaktiver Nutzer

    am 27.08.2014, 22:14

    lieber herr Thommen....
    es ist definitiv zu früh für einen nachruf,
    für cruising und die szene.
    ich denke, der liebe Peter hat wie andere auch
    zuviel internet gegeilt- und den lifestream verpasst.
    ewig geil wie der Geri aus Baden, der sein alter
    verleugnet forever jung.
    tatsache ist die jungen haben sich neu orientiert
    und laufen nicht mehr auf der altersheim masche
    der ewig gestrigen alten herren.

    1. Thommen_63

      am 28.08.2014, 13:16

      Es ist völlig stupid, die Generationen gegen einander auszuspielen! Es geht gar nicht um den Sex, sondern um die Erfahrungen, wie bei den Heterosexuellen auch. Wenn die Szene tot ist, muss neues erstehen! Und die neuen Medien können das nicht ersetzen!
      Wenn dann in 100 Jahren mal ein Film gemacht wird, kommt das für viele zu spät! :P

Informationen zum Artikel

26.8.2014, 05:00 Uhr

«Die Schwulenszene ist tot»

Text

Text: Udo Theiss

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