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rotblaulive

Fussball, FC Basel 

15.7.2014, 16:12 Uhr

Bernhard Heusler: «Für einen Bilanzgewinn gibt es keinen Pokal»

15.7.2014, 16:12 Uhr

In einem ausführlichen Interview mit der TagesWoche erklärt Bernhard Heusler (50) seine Maximen bei der Führung des FC Basel, er erinnert sich daran, dass die Suche nach Freiräumen zu seiner Schülerzeit ähnlich war wie heute und er erläutert, warum es nichts Uninteressanteres gibt, als über vergangene Erfolge zu reden. Von , , und

Bernhard Heusler, wie lebt es sich als Besitzer eines Fussballclubs?
Das bestimmt mein Leben eigentlich wenig. Wir sind ein Team, das den Club besitzt und führt.

Aber als Präsident und Mehrheitseigner sind Sie das Gesicht des Vereins.
Sicher repräsentiere ich das Führungsteam und den Club nach aussen. Und weil das Fussball-Unternehmen sehr öffentlich ist, spiele ich natürlich auch eine öffentliche Rolle.

Trotzdem sind Sie im gesellschaftlichen Leben der Stadt wenig sichtbar.
Ich geniesse es sehr, an einem Freitag- oder Samstagabend in der Stadt zu sein und mir die gut gemeinten, lustigen oder auch die weniger gut gemeinten Sprüche und Gerüchte über den Club und mich anzuhören. Vielleicht trete ich aber weniger an offiziellen Anlässen auf.

«Ich beschränke mich bei meinen öffentlichen Auftritten auf Themen des Fussballs.»

Hat das einen Grund? Scheuen Sie das Rampenlicht?
Nein, aber ich wehre mich dagegen, eine Person der allgemeinen Öffentlichkeit zu sein, die sich zu allem Möglichen äussern soll. Deshalb beschränke ich mich bei meinen Auftritten auf Themen des Fussballs. Ich trete sehr regelmässig als FCB-Präsident an Anlässen wie zum Beispiel an Abschlussfeiern und Jahresversammlungen auf. Das Ganze ist auch eine Zeitfrage. Daneben halte ich oft abends Vorträge, etwa in Serviceclubs, bei Wirtschafts- und Sportverbänden, an Universitäten oder an Führungsseminaren von Unternehmen.

Gibt es eine Botschaft, die Sie an solchen Anlässen vermitteln wollen?
Ein zentrales Anliegen ist es, die Vorurteile gegenüber dem Fussball und dem «Unternehmen Fussball» abzubauen. Zuweilen muss man den Menschen verständlich machen, dass der Erfolg eines Fussballclubs nicht allein wie ein zufälliges Spielergebnis zustande kommt, sondern im Rahmen der Führung am und im Unternehmen konsequent darauf hingearbeitet werden muss. Im Grunde unterscheidet sich der Fussballclub nicht so sehr von anderen Unternehmen. Entscheidend ist immer, dass man die richtigen Menschen fürs Unternehmen gewinnt und wie man die Leute führt, von denen man im Team Höchstleistungen erwartet.

Bernhard Heusler: «Vertrauen schaffen ist für mich das Allerwichtigste. Auf keiner Ebene eines Unternehmens darf sich ein Klima von Missgunst oder Neid etablieren.» (Bild: Nils Fisch) (Bild: Nils Fisch)

Wie lautet denn Ihre Führungsmaxime?
Dass man im ganzen Unternehmen ein Fundament des Vertrauens schafft, ist für mich das Allerwichtigste. Auf keiner Ebene darf sich ein Klima der Missgunst oder des Neides etablieren – bei der ersten Mannschaft nicht, aber auch nicht im Backoffice. Jeder im Unternehmen muss sich bewusst sein, dass seine Arbeit am Ende nur dem Erfolg der Mannschaft auf dem Rasen dient. Wenn ich eine super Buchhaltung mache – aber auf dem Rasen wird nicht gewonnen, ist meine Arbeit auch nichts wert. Das ist nicht ganz einfach – lehrt aber auch Demut. Und so kann ich jemandem erklären, dass ein 18-Jähriger zehnmal mehr verdient als er.

Sie haben fünf Meistertitel in Folge geholt, der Verein hat einen Rekordumsatz erzielt, die Eigenkapitaldecke stimmt – also alles richtig gemacht?
Sie wissen ganz genau, dass ich dazu Nein sage (lacht). Natürlich machen wir immer wieder Fehler. Wichtig ist, dass man diese in einem kleinen Rahmen hält und sofort korrigiert – vor allem im Personalbereich. Jedes Unternehmen lebt von den Menschen. Hier haben wir in den letzten Jahren wenige oder wenige grosse Fehler gemacht.

Oder Sie haben rechtzeitig eingegriffen, wie bei den beiden jüngsten Trainerwechseln.
Das sagen sie; aber generell gilt, dass Personalentscheide rechtzeitig zu fällen, eine zentrale Führungsaufgabe ist.

«Die Entscheidung im Fall Murat Yakin war nicht unanständig, und wir haben auch niemanden vorgeführt.»

Als der FCB sich von Heiko Vogel getrennt hat, mussten Sie viele Anfeindungen aushalten. Wie war das nun im Fall von Murat Yakin?
In ihrer Heftigkeit sind die Reaktionen nicht vergleichbar. Bei Murat Yakin war es kein Trainerwechsel während der Saison. Aus sportlicher Sicht war hingegen speziell, dass der Entscheid nach zwei Meistertiteln gefällt wurde. Im Gegensatz zu Vogel ist bei Yakin der Trainerwechsel über Monate in den Medien diskutiert worden. Insofern war der Schockeffekt für die Leute kleiner. Einzelne Feedbacks haben mich getroffen, von Leuten, die die Grundlagen nicht kennen und die mir fehlende Menschlichkeit oder Kälte vorwerfen. Im Fussball kann es eben immer wieder zu solchen Entscheidungen kommen. Und wir haben diese Entscheidungen nicht unanständig getroffen und wir haben auch niemanden vorgeführt, wie das im Fall von Murat Yakin geschrieben wurde. Ich halte mich lieber an Heiko Vogel oder an Murat Yakin, wenn es darum geht, die Menschlichkeit des Entscheids zu beurteilen. So hat Murat jetzt erst wieder in einem Interview gesagt, dass es ihm und uns klar war, dass es so, mit den Unruhen, nicht weitergehen könne.

Sie haben von der Firmenphilosophie gesprochen. Gibt es auch eine FCB-Philosophie, die Sie nach aussen vertreten?

Die Führungsphilosophie, die wir nach innen zu leben versuchen, bestimmt auch die vieldiskutierte Fan- und Sicherheitspolitik unseres Clubs. Wenn man ein Fundament des Vertrauens schaffen will, heisst das auch, dass man sich gerne mit Menschen auseinandersetzt. Genauso, wie sich der Trainer des FCB mit allen 24 bis 30 Spielern befassen muss, also auch mit den schwierigen, setzt sich der Verein mit seinen Fans auseinander, auch mit den schwierigen. Als Präsident kann ich nicht meine Mannschaft liebhaben, wenn sie gewinnt, und sie hassen, wenn sie einmal nicht gewinnt. Dasselbe gilt für das Publikum. Ich kann die Fans nicht mögen, wenn sie einmal eine schöne Choreografie gemacht haben, und sie alle hassen und pauschal verurteilen, wenn Fans einmal negativ auffallen.

Markige Worte vor 30'000 Menschen im St.-Jakob-Park: Bernhard Heusler bei seiner Rede am 18. Mai 2014 und dem Appell an die Fans.

Markige Worte vor 30'000 Menschen im St.-Jakob-Park: Bernhard Heusler bei seiner Rede am 18. Mai 2014 und dem Appell an die Fans. (Bild: STEFAN BOHRER)

Ihre Brandrede an die Fans...
Das war keine Brandrede...

Gut, Ihre Rede an die Fans nach dem Aarau-Spiel, das mit einem Fankrawall endete, stiess auf grosses Echo. Wie fühlten Sie sich, als Sie im St.-Jakob-Park vor 30'000 Fans standen?
Der Auftritt ergab sich spontan nach den Vorfällen in Aarau, die das Fass zum Überlaufen gebracht hatten. Aber die Rede war mit dem Mannschaftsrat und den Entscheidungsträgern des Clubs abgesprochen. Es war ja auch nicht eine Rede, die sich nur an jene richtete, die sich unseres Erachtens nicht korrekt benommen hatten – es war ein Appell an alle, die sich mit dem Ereignis befassten. Also auch die Populisten, aber auch an die Medien. Es ist schade, wenn das schlechte Benehmen von ein paar wenigen Leuten viel mehr in den Vordergrund gerückt wird als die sportliche Leistung der Spieler. Und schädlich ist, wenn solche Ereignisse missbraucht werden, um Politik in eigener Sache zu machen.

«Es war keine Brandrede und als Volkstribun empfand ich mich auch nicht» – Bernhard Heusler zu seinem Auftritt im Stadion nach der Ausschreitungen in Aarau. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

«Es war keine Brandrede und als Volkstribun empfand ich mich auch nicht» – Bernhard Heusler zu seinem Auftritt im Stadion nach der Ausschreitungen in Aarau. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas) (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Bei Ihrer Rede sind Sie manchem Beobachter wie ein römischer Volkstribun vorgekommen. Ihre zum Teil markigen Worte wurden positiv aufgenommen, keiner pfiff Sie aus. Wie hat diese Erfahrung auf den Menschen Bernhard Heusler gewirkt?
Als Volkstribun empfand ich mich nicht. Ich richtete mich ja auch nicht an mein Volk wie ein Politiker, der seine Wähler mobilisieren will. Ich sprach viel mehr zu uns allen. Es hatte einfach einer von uns das Mikrofon in der Hand, und das war halt ich. Besonders nervös machte mich das aber nicht. Ich war viel nervöser vor der Konfirmationsrede für meinen Sohn am Vormittag jenes Sonntags.

Die Fans haben angekündigt, dass sie die Ereignisse in Aarau aufarbeiten wollen. Was erhoffen Sie sich davon?
Vor allem habe ich nicht die Illusion, dass dadurch nie mehr etwas in der Kurve geschehen wird. Dass sich jene Leute, die die Fankultur mit vollem Herzen leben, jenen wenigen anderen, die die Plattform Fankultur und den Fussball für ihre Zwecke missbrauchen, entgegentreten, das erhoffe ich mir. Dass ein Bewusstsein entsteht für die enormen Anstrengungen des FC Basel, den Freiraum der Fankultur weiterhin zu ermöglichen – dies in einem Umfeld, das diesen Freiraum am liebsten zerstören möchte.

«Es ist das Problem aller Autonomiebewegungen und auch der Fanszene Schweiz, dass sie missbraucht werden von Leuten, die Grenzen nicht respektieren wollen.»

«Freiraum» – das ist ein Wort, das in Basel in einem anderen Zusammenhang oft genannt wird. Warum ist dieses Thema heute plötzlich virulent geworden.
Das war doch schon früher so! Während meiner Gymi-Zeit waren alternative Jugendzentren das grosse Thema. Damals wurde über die genau gleichen Dinge diskutiert. Schon immer forderten junge Leute Räume, in den sie sich in einem gewissen Grad autonom entfalten können. Diese Diskussion erlebe ich im Fussball genau gleich, aber leider zum Teil übersteigert emotionalisiert und simplifiziert, was typisch für den Fussball ist. Freiräume haben im und ausserhalb des Fussballstadions dort ihre Grenzen, wo andere Menschen beeinträchtigt werden und das Ganze zur Zerstörung führt. Es ist das Problem aller Autonomiebewegungen und auch der Jugendbewegung Fanszene Schweiz, dass sie missbraucht werden von Leuten, die diese Grenzen nicht respektieren wollen.

Aus Ihren Worten hören wir aber schon eine gewisse Sympathie für solche Bewegungen heraus.
Wenn Respekt gegenüber Menschen Sympathie bedeutet, dann ja. So bin ich ein absoluter Gegner jener Kreise, die die Fanszene Schweiz «ausmerzen» wollen. Der Begriff «ausmerzen» stand sogar ungestraft in einigen Zeitungen – ich habe dieses Wort das letzte Mal in Geschichtsbüchern gelesen... Ich bin der Meinung, dass wir in einem demokratischen Rechtsstaat leben, in dem auch solche Bewegungen eine Existenzberechtigung haben. Natürlich gäbe es Mittel und Wege, solche Jugendbewegungen aus den Stadien zu verbannen – aber damit würde man sie ja nicht aus der Gesellschaft schaffen.

Das wäre in Ihren Augen also eine falsche Strategie?
Es wäre nicht unsere. Ich könnte ein solches Vorgehen nicht authentisch mittragen. Aber je stärker der Fussball kommerzialisiert wird, desto stärker könnte eine solche Tendenz werden.

«Ich mag gar nicht mehr über die negativen Folgen einzelner Massnahmen diskutieren, die durch das Konkordat möglich sind» – FCB-Präsident Bernhard Heusler zur Fan- und Sicherheitsdebatte. (Bild: Nils Fisch)

«Ich mag gar nicht mehr über die negativen Folgen einzelner Massnahmen diskutieren, die durch das Konkordat möglich sind» – FCB-Präsident Bernhard Heusler zur Fan- und Sicherheitsdebatte. (Bild: Nils Fisch) (Bild: Nils Fisch)

Das heisst: reine Sitzplatzstadien?
Sitzplatzstadien, Identifikationsprozedere und eine neue Ticketpreispolitik – aber dazu müsste man auch ein Produkt haben, das solche Massnahmen rechtfertigt. In England zum Beispiel geht das, wo man für jeden Sitzplatz eine Warteliste von sieben Leuten hat. Dort können die Clubs viel stärker in die Freiheit der Fans eingreifen und ihnen vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben.

Mit dem Konkordat sind die Voraussetzungen geschaffen worden, damit die Behörden so etwas durchsetzen könnten. Und jetzt heisst es ja schon aus der Ecke der KKJPD, dass man das Problem grundsätzlich anpacken will. Das Stichwort Wegfall der Stehplätze ist gefallen.
Voraussetzung zum Beispiel für Kombitickets wären ausverkaufte Stadien. Aber solange Billetts im Internet erworben werden können, untergräbt das diese Massnahmen und schafft eher neue Probleme. Ich mag gar nicht mehr über die negativen Folgen einzelner Massnahmen diskutieren, die durch das Konkordat möglich sind. Ich wünsche mir, dass alle Entscheidungen treffen, die nicht nur politisch opportun sind, sondern auch wirklich helfen. Das gilt auch für unsere Fans, von denen ich manchmal höre, sie müssten nach von ihnen als schickanös empfundenen Massnahmen aus Prinzip Probleme machen, weil sonst die Öffentlichkeit glaubt, es würde helfen, wenn man sie gängelt. Diese Situation habe ich schon öfter angetroffen Dieses 'Ping-Pong', wenn die ganze Sache auf eine ideologische Ebene gehoben wird, womit dem Club die Einflussnahme genommen, aber die Verantwortung gegeben wird, ist ausserordentlich gefährlich. Leider habe ich den Eindruck, dass es zuletzt nicht besser geworden ist.

«Es gibt nichts Uninteressanteres, als über vergangene Erfolge zu reden. Die Vision muss sein, sich immer wieder neu zu erfinden.»

Herr Heusler, nach fünf Meistertiteln in Serie und Rekordumsätzen – wo soll es mit dem FC Basel hingehen?
(Überlegt)

Vorschlag: Ein sechster Titel in Serie?
Ich komme gerade aus dem Trainingslager zurück und stelle fest: Es gibt nichts Uninteressanteres als über vergangene Erfolge zu reden. Die Vision muss sein, sich immer wieder neu zu erfinden. Wir haben auch wahnsinnig Glück gehabt, in den letzten fünf Jahren das nach dem Jahrtausendwechsel geschaffene Fundament stärken und den Club breiter abstützen zu können. Dazu gehörte als erster Schritt die Beteiligung am Catering im Stadion, die die Übernahme der Vermarktungsrechte im St.-Jakob-Park erst möglich gemacht hat.

Bis hierhin haben Sie sehr viel erreicht, beruflich als Anwalt und nun als Clubpräsident. Und was kommt danach?
Eigentlich war es kein typischer Karriereschritt, FCB-Präsident zu werden. Es ist gut gelaufen als Wirtschaftsanwalt bis 2003, und es hat nichts darauf hingedeutet, dass ich den Beruf verlasse. Jetzt habe ich faktisch in vielerlei Hinsicht den Beruf verlassen, in dem ich das Hauptmandat beim FCB habe und daneben meine Verwaltungsratsmandate pflege. Ich habe keine konkreten Vorstellungen, was ich machen würde, wenn ich morgen den FCB abgeben würde. Vielleicht würde ich beratend etwas im Fussballbereich machen, weil ich in zehn Jahren Know-how angesammelt habe und weil der Fussball mich fasziniert. Vielleicht aber auch etwas anderes, wo ich die gewonnenen Erkenntnisse nutzen kann.

Ist ein Aufstieg in den internationalen Verbänden denkbar, in der Fifa etwa?
Damit werde ich immer wieder mal konfrontiert. In meiner Funktion, die ich jetzt schon in der Uefa und in der Europäischen Clubvereinigung ECA habe, bin ich eher ein Exot, der in einem Club wirklich im Entscheidungszentrum ist und ihn operativ führt. Vergleichbar ist das noch mit Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern. Die meisten haben einen anderen Funktionärsweg. Joseph Blatter und Michel Platini waren meines Wissens nach nie Clubpräsidenten.

«Faktisch habe ich meinen Beruf verlassen» – Bernhard Heusler über seinen Wechsel von der Anwaltskanzlei ins Präsidium des FC Basel, den er auch operativ führt. (Bild: Nils Fisch) (Bild: Nils Fisch)

Sind Sie auch deshalb ein Exot in diesen Gremien, weil Sie Präsident einer der wenigen Clubs in Europa sind, die – wie der FC Bayern – keine Schulden haben, sondern über eine ordentliche Eigenkapitaldecke verfügen?
Ich habe da zu wenig Übersicht. Aber was ich feststelle: Die Clubs aus unserer Gewichtsklasse sind schon neugierig sind, wie das bei uns läuft. Zu diesen interessierten Clubs zählen auch die grossen aus Istanbul. Die nehmen zur Kenntnis, wenn wir fünf Mal hintereinander Schweizer Meister werden, aber die schauen vor allem auf den internationalen Erfolg und sehen, dass wir auch noch wirtschaftlich gesund dastehen. Das interessiert sie schon, und wenn sie dann noch hören, wie wenig wir national an Fernsehgeldern bekommen, dann nimmt es sie noch mehr wunder.

Ist das die vielleicht noch grössere Leistung des FC Basel als die fünf Titel in Serie: Dass das wirtschaftliche Fundament ausgebaut wurde?
Das hängt natürlich miteinander zusammen. Machen wir uns nichts vor: Das war ja kein genialer Kniff, sondern die Verbindung von sportlichem Erfolg und einem Team, das aus meiner Sicht auch neben dem Platz gut aufgestellt ist.

«Wir haben die Ausgangskonstellation und die Rahmenbedingungen genutzt, in den letzten Jahren extrem hart gearbeitet und dann auch das nötige Glück gehabt.»

Wäre diese Entwicklung auch möglich ohne einen Clubchef, der wie Sie als Erster hauptamtlich bestallte FCB-Präsident und in Personalunion als CEO des Clubs fungiert? Ist das im Ehrenamt noch zu stemmen?
Nein, das glaube ich nicht. Es hat mir neulich jemand gesagt, er könne den Club mit 15 Prozent Aufwand und einem guten CEO führen. Das ist eine naive Vorstellung, aber nicht untypisch. Es gibt zwar immer neue Wege, aber das bisherige Modell in der Schweiz – mit einem Präsidenten, der gleichzeitig Geld zur Verfügung stellt – wird es immer wieder geben, weil der Schweizer Fussballmarkt es nicht möglich macht, so viel Geld zu generieren, um ein Kader wie das des FC Basel zu unterhalten. Wir haben die Ausgangskonstellation und die Rahmenbedingungen genutzt, in den letzten Jahren extrem hart gearbeitet und dann auch das nötige Glück gehabt, dass wir dank der Leistungen des von uns zusammengestellten Teams im Club an die internationalen Geldtöpfe herangekommen sind.

Wie viele Angebote haben Sie denn schon für Ihr Aktienpaket gehabt?
Ich habe nicht den Eindruck, dass wir nach Aussen den Eindruck vermitteln, dass wir «for sale» sind. Und ich sage bewusst wir. In der Regel wechseln im Fussball die Besitzer auch eher in Krisensituationen.

Und wie erleben Sie jetzt den neuen Trainer? Paulo Sousa soll ja nicht nur frischen Wind in die Kabine bringen sondern nach Ihrer Ankündigung auch die Clubführung fordern.
Ich erlebe Paulo Sousa als extrem professionell, er generiert Freude, obwohl er sehr hohe Ansprüche hat. Aber wenn ich das sage, dann wird das sofort negativ gegen den Vorgänger ausgelegt. Deshalb habe ich gelernt, nach aussen als stiller Beobachter der Trainerarbeit aufzutreten. Ich schaue sehr genau zu, mache mir ein Bild, aber weiss auch, dass es am Schluss im Fussball angeblich nur eine Wahrheit gibt: der Totomat. In der Öffentlichkeit ist das zumindest so, nicht für mich. Aber was soll ich mich aus dem Fenster lehnen und etwa verkünden, dass Kakitani ein super Transfer ist. Die Leute im Stadion entscheiden, die Medien, ob das eine Transferbombe oder ein Rohrkrepierer war. Also sage ich über den Trainer: Es gibt verschiedene Wege zum Erfolg, er schafft hart und er schafft so, wie man schaffen muss, wenn man erfolgreich sein will.

FC Basel's head coach Murat Yakin, left, and president Bernhard Heusler, right, pose for the photographers while players and staff of Switzerland's soccer club FC Basel celebrate their soccer championship title with their fans on the balcony of the Casino

«Fans sind nicht Fans von Bilanzgewinn, die wollen guten Fussball sehen» – Bernhard Heusler im Mai 2012 mit Trainer Murat Yakin und dem Meisterpokal auf dem Casino-Balkon. (Bild: Stefan Bohrer) (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Für diesen Erfolg hat der FCB aus seinen immensen Transfereinnahmen allein für Mohamed Salah und Yann Sommer in vorerst einmal fünf neue Spieler reinvestiert. Wir schätzen, dass der Club für Tomas Vaclik, Luca Zuffi, Shkelzen Gashi, Derlis González sowie Yoichiro Kakitani rund zwölf Millionen Franken an Ablösesummen gesteckt hat.
Es ist viel Geld, vielleicht noch etwas mehr mit den Nebengeräuschen, dazu kommt noch die definitive Verpflichtung von Suchy.

Sind diese Transfers auch ein Signal an die Anhänger? Der Zweck des FC Basel kann ja nicht nur sein, Rekordumsätze und Gewinne zu machen und Rücklagen zu bilden.
Die Fans sind nicht Fans von Bilanzgewinn, die wollen guten Fussball sehen. Sie sind froh, wenn sie wissen, dass der Club finanziell nicht bachab geht. Aber dafür gibt es keine Pokale und keine Feier auf dem Barfi, und deshalb kommt auch niemand ins Stadion. Wir führen ein Theater auf, das immer wieder aufs Neue attraktiv sein muss. Ich bin froh um die neuen Spieler und stelle fest, dass Fans einerseits wütend und enttäuscht sind, wenn uns Spieler verlassen, dass sie auf den modernen Profifussball schimpfen. Und gleichzeitig spüre ich, dass sie sich Veränderungen wünschen, dass neue Spieler kommen, auf die sie gespannt sein können.

Bernhard Heusler, 50, ist Wirtschaftsanwalt. Seit Januar 2009 führt er den FC Basel operativ, und im Januar 2012 folgte er Gigi Oeri als Präsident von Verein, der FC Basel 1893 AG und der FC Basel Holding AG nach, deren Mehrheitseigner er auch ist. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Binningen. Aus der Kanzlei Wenger-Plattner, für die er jahrelang tätig war, scheidet er demnächst als Partner aus. Zu seinen Verwaltungsratmandaten gehört auch jenes bei der Valora AG. Ausserdem ist er Präsident der Stiftung für kranke Kinder in Basel.
Im Fussballbereich ist Heusler neben seiner Tätigkeit für den FC Basel Mitglied des Komitees der Swiss Football League und in einer Kommission der Europäischen Fussballunion Uefa sowie der Europäischen Clubvereinung ECA.

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Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Sullivan Frisch

    am 15.07.2014, 20:32

    Kürzlich habe ich einen Kommentar zu Heusler und zur Nomination von Paulo Fresu, ach, nein Paulo Sousa geschrieben (der andere ist ein begnadeter Jazz Trompeter). Ein paar Tag später ging ich joggen, und zum ersten mal lief mir Bernhard Heusler beim Joggen entgegen. Mein Kommentar muss wohl entweder sehr gut oder sehr schlecht angekommen sein.. :-)!
    Wie dem auch sei, aus meiner Sicht ist de FCB spitze, im Liftfahren. Sie entdecken junge talentierte Spieler, gewinnen die Meisterschaft und... mehrKürzlich habe ich einen Kommentar zu Heusler und zur Nomination von Paulo Fresu, ach, nein Paulo Sousa geschrieben (der andere ist ein begnadeter Jazz Trompeter). Ein paar Tag später ging ich joggen, und zum ersten mal lief mir Bernhard Heusler beim Joggen entgegen. Mein Kommentar muss wohl entweder sehr gut oder sehr schlecht angekommen sein.. :-)!
    Wie dem auch sei, aus meiner Sicht ist de FCB spitze, im Liftfahren. Sie entdecken junge talentierte Spieler, gewinnen die Meisterschaft und spielen europäisch mit, und verkaufen danach die jungen talentierten Spieler für ein mehrfaches. Der FCB ist ein sehr guter europäischer Verein, aber kein Spitzenclub. Das wird er auch nie werden. Aber er ist ein gesunder intelligent geführter Internationaler Club, der noch viele Talente zu Stars machen wird. Und in der Zwischenzeit sehen wir guten Fussball, und haben viel Freude am Club. Hoffentlich auch mit dem neuen Trainer. Sorte!!

    1. Daniel Hage

      am 15.07.2014, 21:10

      Sie haben recht Herr Frisch was den sehr guten Europäischen Verein angeht- und das hängt ebenso wie die frage nach der finaziellen Solidität nicht von der Größe ab - sondern wie der verein über lange zeit geführt wird- und da hat der FCB- trotz strittiger trainerentscheidungen- in den vergangenen ca 20 ahren einfach sehr vieles sehr gut gemacht UND noch ein bisschen Glück ghabt (Engagement Gigi Oeri als Basis für Herrn Heuslers erfolgreiches drauf aufbauen etc!) Was die von Ihnen genannten... mehrSie haben recht Herr Frisch was den sehr guten Europäischen Verein angeht- und das hängt ebenso wie die frage nach der finaziellen Solidität nicht von der Größe ab - sondern wie der verein über lange zeit geführt wird- und da hat der FCB- trotz strittiger trainerentscheidungen- in den vergangenen ca 20 ahren einfach sehr vieles sehr gut gemacht UND noch ein bisschen Glück ghabt (Engagement Gigi Oeri als Basis für Herrn Heuslers erfolgreiches drauf aufbauen etc!) Was die von Ihnen genannten 2Spitzen"-clubs angeht gibt es derzeit nur 2 soweit ich das sehe welche OHNE die ganz Fette Kohle von Russischen Kriminellen (denn wären Sies nicht oder nicht gewesen- so wären Sie NIE so Reich geworden!) oder Arabischen scheichs auskommen- Bayern München und Borussia dortmund- das ist für mich Fakt. Alleine schon von den voraussetzungen her sollte der FC-Basel aber erst gar nicht versuchen so Umsatzstark werden zu wollen wie die- geschweige denn den Mega-Verschuldeten anderen "Spitzen"-Clubs nachzueifern - kleiner aber feiner und schuldenfrei ist da VIIIEEEL besser!
      Es gibt übrigens was die Solidität- gerade auch die Finanzielle!- angeht eine Verein in Basels Nachbarschaft der ihm in dieser Beziehung um NICHTS - aber auch nicht das geringste!- nachsteht- und das ist der ganz anders aber nicht minder erfolgreich geführte SC-Freiburg- Punkt ! Von Meistertiteln dürfen wir hier nicht einmal träumen- aber in Sachen Solidität, Transparenz, Nachhaltigkeit, Nachwuchsförderung und Grösstmöglichem SportlichemLangfristertrag bei geringstmöglichem Budget, macht unser SC-Friburg mit Ausnahme vom FC-Bayern allen andren Deutschen Clubs noch gewaltig was vor- und DIE sind ja Durchschnittlich derart was von Solide- (Schalke und HSV mal aussen vor ;-))- gemessen an den Europäischen Konkurrenten , das man ohne überheblichkeit dem Rest Europas zurufen kann dass es sich eben doch lohnen kann sich von Deutschland (und der Schweiz !!) etwas abzugucken !

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15.7.2014, 16:12 Uhr

Bernhard Heusler: «Für einen Bilanzgewinn gibt es keinen Pokal»

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    Danke, Peter 1893, für den Hinweis. Die Bildunterschrift ist dementsprechend korrigiert bzw. angepasst. Bleiben Sie uns gewogen

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    Zum Abschied des grünen Stapi noch ganz rasch die Kündigung eines Ungemütlichen. In gegenseitigem Einvernehmen. Ohne weiteren Kommentar. Ohne, dass die grüne Nachfolgerin etwas davon gewusst haben soll… Hey! Wie rosarot muss da die Brille sein, um nich...

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Dominique Spirgi: Eine neues Gartenrestaurant am Rhein.

Zwischennutzung 

«Parterre» besetzt Filet Kasernen-Hauptbau

Das Gastrounternehmen «Parterre» bezieht die Räumlichkeiten der ehemaligen Abwartswohnung im Kasernen-Hauptbau am Rhein. Aber nur vorübergehend, weil das Stammhaus an der Klybeckstrasse saniert werden muss.Von Dominique Spirgi. Weiterlesen