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Ausstellung 

19.1.2014, 17:37 Uhr

Kunst als Spiel oder Spiel als Kunst?

19.1.2014, 17:37 Uhr

In der Ausstellung «Spielsalon. Art & Arcade» zeigt das Haus für elektronische Künste, wie Medienkünstler mit dem Thema Spiel und den Spielenden umgehen. Und obwohl selbst gespielt werden kann, liegt der Reiz der Schau im Beobachten der Besuchenden. Von Françoise Theis

Lasst das Spiel beginnen: Das Haus für elektronische Künste (HeK) zeigt in der Ausstellung «Spielsalon. Art & Arcade» die Auseinandersetzung von Künstlern mit der Welt der Spiele. Im Ausstellungsraum, der als Spielsalon gestaltet ist, werden die Computerspiele wieder «vor die Scheibe» gebracht und die Spielenden physisch um Kunst-Spielobjekte gescharrt, die auf klassische Arkade-Automaten wie «Pong» oder «Flipper» referieren.

Am Eingang empfängt die Besucher zunächst ein täuschend echter Bankomat. Ein Fingerzeig darauf, dass die in den 1980er-Jahren aufgestellten Automaten in Cafés oder in Spielsalons wahre Münzverschlinger waren. Gratis spielen, wie heute ganz selbstverständlich in Online-Spielen möglich, ging damals nicht. «Radical ATM Service», so der Titel des Werkes der beiden Argentinier Iván Kozenitzky und Federico Lazcano, verlangt dann auch eine der gängigen Kartenzahlungsmittel, um gestartet zu werden. Und nun gilt es, cool zu bleiben:

«Ihre Geldkarte wurde Ihnen abgenommen. Sie werden sie sicher und unbeschadet zurück erhalten. Wir werden uns kein Geld von Ihnen oder Informationen über Sie aneignen. Bitte keine Panik. Sie werden nicht mit einer Kamera aufgezeichnet und können sich gern natürlich verhalten.»

Bevor die Maschine die Karte wieder rausrückt, wird man gezwungen zwischen radikalen und subversiven Optionen mit «Schweizer Update» zu wählen. Der Spieler wird zum Opfer umdefiniert, gezwungenermassen muss er Spiele und Dokumentationen durchlaufen, denn immerhin steht die eigene Kreditkarte auf dem Spiel.

Flipper und Kicker

Remmy Canedo, Sergej Maingardt und Tobias Hartmann haben das Konzept von «Reunion», des kollaborativen performativen Schachspiels zwischen John Cage und Marcel Duchamp des Jahres 1968, vom Schachbrett auf den Kickertisch transferiert. Wie bei «Reunion» werden Klangereignisse durch den Verlauf des Spieles generiert. Zusätzlich besteht die Spielfläche des Kickertischs aus Screens, die zu den live getriggerten Sounds Visuals zeigen. Jedes Kickerspiel verläuft bekanntlich anders und immer hektisch. Die Spieler selbst filtern am besten die zusätzliche Reizüberflutung raus. Viel spannender und auch witziger wird nun jedoch das Kickerspiel für die Zuschauer.

«The Machine», der «Kunstmarkt-Flipper» des Dresdner Medienkünstlers Andreas Ullrich, zeigt als Spielgrund die grossen Players des globalen Kunstmarkts. Die Art Basel darf dort nicht fehlen, der Totenkopf von Damian Hirst gibt extra viel Punkte und in der «Kuratoren Combo» sind Adam Szymczyk und Massimiliano Gioni vertreten. Die mehr oder weniger zufällig rollende Flipperkugel verbindet sie alle.

Ein Spieler kennt keinen Schmerz

Das Medienkünstlerduo «//////////fur////», Volker Morawe und Tilman Reiff, interessiert sich für die Mensch-Maschine-Schnittstelle und macht seit über zehn Jahren in diversen Ausstellungen mit ihrem selbstgebauten Spielautomaten «Painstation» Furore – und scheidet die Geister. Denn, was bei ihnen unterm spielerischen Deckmantel daher kommt, ist das Ausloten der Grenzen zwischen Spiel und Realität.

«Painstation» nimmt eines der ersten Arkade-Spiele auf: «Pong» – eine Art Tischtennis –, bei dem zwei Spieler mit einem Balken, der als Schläger fungiert, den Spielball hin- und herschicken. Bei «Painstation» muss die linke Hand auf die Pain-Execution-Unit (PEU) gelegt werden. Erst dann kann das Spiel beginnen. Verfehlt man den Ball, so fängt es an schmerzhaft zu werden: Berührt der Ball nämlich eines der Pain-Inflictor-Symbols (PIS) hinter dem Balken, wird die Hand auf der PEU mit Hitze, Stromstössen oder Schlägen traktiert, und dies in zunehmender Intensität. Schmerz, sich selbst oder dem Gegner zugefügt, wird zum Reiz des Spiels.

Verlieren tut derjenige, welcher als Erster seine Hand wegzieht. Für die Spieler stellt sich bald schmerzhaft die Frage, wie weit sie gehen wollen. Sehr weit sind schon einige gegangen: Verbrennungsspuren und blutige Handrücken zeugen davon. Besonders das männliche Publikum sprechen übrigens die Painstation-Macher mit ihrem Slogan an: «Wenn es demnächst wieder heisst: ‹Wählen Sie die Waffen›, meine Herren, dann gibt es eigentlich nur eine Wahl: Painstation!»

Die Painstation erinnert an das Spiel «Domination» im James-Bond-Film «Sag niemals nie» mit Sean Connory und Klaus-Maria Brandauer:

Abstand nehmen fällt schwer

Ist man mal einem Spiel verfallen, so bleibt während des Spielens die Selbstreflexion auf der Strecke. Gewinnen – darum geht es! Für die Besuchenden der Ausstellung wird es speziell interessant, wenn sie eine Betrachterposition einnehmen. Denn die ausgestellten Werke werden erst dann zum eigentlichen Werk, wenn sie «aufgeführt» und Teil einer «Performance» werden. Der Spielsalon wird so zur Bühne. Bald wird man vergessen, dass das Gesehene und Erlebte «ja nur ein Spiel ist». Und vielleicht fällt einem auch die berühmte Sentenz von Friedrich Schiller ein: «Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

_
Haus für elektronische Künste Basel, Oslostrasse 10, Dreispitz-Areal, Basel / Münchenstein: «Spielsalon Art & Arcade». 16. Januar - 16. März 2014. Gastkurator: Alain Bieber. Öffnungszeiten: Mi–Fr 17–20 Uhr, Sa/So 13-20 Uhr.

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