LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Basel

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Uni Basel 

6.1.2014, 11:00 Uhr

Das Aus für die Wissenschaftsforschung

6.1.2014, 11:00 Uhr

Die Universität Basel streicht das «Programm für Wissenschaftsforschung». Sein Budget fliesst ans Europainstitut. Zehn Mitarbeitende stehen auf der Strasse. Die Politik wurde nicht informiert über die Abschaffung der wissenschaftlichen Selbstreflexion. Von Patrik Tschudin

: Die Weihnachtskarte des Europainstituts wünscht neue Perspektiven – und prompt erhält das Institut mehr Geld.

Die Weihnachtskarte des Europainstituts wünscht neue Perspektiven – und prompt erhält das Institut mehr Geld.

Wie tickt Wissenschaft? Was treibt ihre Akteure an? Wo wirkt die Einmischung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft?

Solchen Fragen ging seit zehn Jahren das Basler «Programm für Wissenschaftsforschung» nach, geleitet von Sabine Maasen. Sie war seit 2001 an der Universität Basel tätig, seit 2009 als ordentliche Professorin für Wissenschaftsforschung. Nun wechselt Maasen nach München, wo sie die Leitung des im Aufbau befindlichen Munich Center for Technology in Society übernimmt.

Maasens damit in Basel frei werdenden Lehrstuhl streicht die Universität. Die Wissenschaftsforschung wird abgeschafft. Laut einem Insider seien deswegen rund zehn Personen in Basel «kurz- oder mittelfristig ohne Stelle als Folge des Weggangs».

Das «Programm für Wissenschaftsforschung» analysierte in den letzten zehn Jahren unter anderem den Entstehungsprozesses des Gesetzes über die Forschung am Menschen, es untersuchte das Wissenschaftsmanagement an Schweizer Unis und betrieb Studien zur Kulturgeschichte der Ernährungswissenschaften.

«Wir kennen keine Abschaffung»

Gefragt nach den Gründen für die Streichung der wissenschaftlichen Selbstreflexion, sagt Uni-Kommunikationschef Matthias Geering: «An der Universität Basel kennen wir keine Abschaffung von Bereichen; vielmehr ist es so, dass die verschiedenen Gremien (Departement, Fakultät, Rektorat) sich bei jeder Neubesetzung über die Ausrichtung der neuen Professur – ob im Sinne der Fortsetzung der bestehenden Ausrichtung oder im Sinne einer Neuorientierung – Gedanken machen.»

Dabei seien diese Gremien zum Schluss gekommen, dass man «den für die Entwicklung der Sozialwissenschaften wichtigen Bereich der Politologie festigen» wolle und darum das Budget der Wissenschaftsforschung dorthin umlagern werde. Die künftig mit dem Budget von Maasen alimentierte neue Professur für Politikwissenschaften ist bereits ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Januar.

«Gemäss unseren Informationen stehen keine Mitarbeitende auf der Strasse», schreibt Geering in einer Stellungnahme zu den Umlagerungen. «Es kann sein, dass gewisse befristete Verträge auslaufen. Weder mir noch dem Geschäftsführer der Philosophisch-Historischen Fakultät, Roberto Lazzari, noch der Personalabteilung sind aber Kündigungen von unbefristeten Verträgen bekannt.»

Die Politologie steckt in Basel bisher in den Kinderschuhen.

Die Politologie steckt bisher in Basel «in den Kinderschuhen», wie Roberto Lazzari, Geschäftsführer der Philosophisch-Historischen Fakultät, es auf Anfrage ausdrückt. Erst seit knapp einem Jahr existiert eine einzelne ordentliche Professur für Politikwissenschaft an der Uni Basel, gehalten von Laurent Goetschel, Direktor der Schweizerischen Friedensstiftung Swisspeace. Diese Professur ist am Europainstitut beheimatet.

Ein fachkundiger, namentlich nicht genannt sein wollender Beobachter setzt grosse Fragezeichen hinter diese Umlagerung. Er fragt sich, «wie Basel im Bereich der Politologie in der Schweiz oder international irgendwie auffallen» könne. Andere Universitäten seien da viel besser aufgestellt.

Ein vergleichender Blick auf die ausgebauten politikwissenschaftlichen Angebote der Hochschulen in Bern, Genf, Lausanne, Zürich, St. Gallen und Luzern bestätigt, dass jenes in Basel zwar ambitioniert, aber doch eher bescheiden ist.

Neuausrichtung aus finanziellen Gründen

Mit der «aus finanziellen Gründen notwendig gewordenen Neuausrichtung» der Professur für Wissenschaftsforschung «geht eine Schwächung dieses Bereiches einher», gibt Geschäftsführer Lazzari zu. Die Fakultät bedauere diese Entwicklung. Die Umlagerung der Mittel diene unter anderem der «Stärkung und Neupositionierung des Europainstitiuts Basel (EIB)», sagt Lazzari.

Das EIB nennt sich seit einigen Monaten Institute for European Global Studies. Unter «internationale Kooperationspartner» listet das Institut mit – neuerdings – dem «Global» im Namen allerdings erst die East China Normal University of Shanghai, den «Cluster Asien und Europa» der Universität Heidelberg und das auf Chinesischunterricht und Wirtschaftsaustausch spezialisierte, je zur Hälfte vom chinesischen Staat und der Uni Basel finanzierte Konfuzius-Institut am Steinengraben auf.

Europainstitut hat bessere Lobby

In Stiftungsrat und Förderverein ist das EIB durchsetzt mit den «üblichen Verdächtigen» aus Wirtschaft, Politik und Advokaturbüros der Nordwestschweiz (Roche, Novartis, UBS, Baloise, Vischer Advokatur etc.). Das EIB vermittle «Kompetenzen, die sich die Wirtschaft von ihren Mitarbeitern wünscht», lässt sich Thomas Staehelin, Präsident der Handelskammer beider Basel, auf der EIB-Website zitieren. So aufgestellt, hatte das EIB offenbar die bessere Lobby im universitätsinternen Verteilkampf. Es stach die selbstkritische Wissenschaftsforschung aus.

«Ziemlich deprimierend»

An der ETH Zürich befasst sich Michael Hagner hauptamtlich mit diesem Forschungszweig. Er konstatiert, dass nach der Streichung der Professur in Basel «die soziologisch orientierte Wissenschaftsforschung in der Schweiz überhaupt nicht mehr vertreten» sei, «was dann doch ziemlich deprimierend» sei. Übrig blieben laut Hagner «die eher epistemologisch orientierten Professuren von Christoph Hoffmann in Luzern, Bruno Strasser und Marcel Weber in Genf und meine Stelle».

«Wie kommen wir zu unseren Erkenntnissen? Wie hängen Erkenntnis und Interesse zusammen?» Solche Fragen werden in Basel nicht mehr erforscht.

Hagner beobachtet, dass man sich «vor 25 und auch noch vor 10 Jahren» dafür interessierte, «welche kognitiven, technischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Triebkräfte für die Dynamik und Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnis relevant sind». Heute habe er «den Eindruck, dass sich für diese Frage nicht mehr allzu viele Wissenschaftsplaner und -manager interessieren».

Stattdessen wollten diese wissen, «welche sozialen und ökonomischen Auswirkungen» Wissenschaft und Technologie hätten. Natürlich sei diese Frage relevant, «aber man tut so, als könnte man sie hinreichend gut beantworten, ohne die Verfasstheit der Wissenschaften selbst zu kennen». Er denke, «dass man mit dieser halbierten Fragestellung nicht allzu weit kommt.»

Ueli Mäder hält Wissenschaftsforschung für «unabdingbar»

An der Universität Basel bedauert Soziologieprofessor Ueli Mäder die Streichung der Professur von Sabine Maasen. Er hält für die Uni Basel eine Wissenschaftsforschung für «unabdingbar, die wirklich die Selbstreflexion fördert, gerade im Kontext des raschen technologischen und sozialen Wandels». Künftig würden wichtige Fragen – «Wie kommen wir zu unseren Erkenntnissen? Wie hängen Erkenntnis und Interesse zusammen?» – in Basel weniger erforscht.

Laut Mäder gibt es in der Philosophisch-Historischen Fakultät «immerhin eine (kleine) Debatte darüber, wie sich dieses wichtige Anliegen wieder stärker aufnehmen liesse». Und er ergänzt, seine Fakultät habe die «zu begrüssende» Politikwissenschaft ursprünglich über zusätzliche Mittel aufbauen wollen. Nicht auf Kosten eines bestehenden Angebotes.

Parlamente überlesen Streichkonzert an der Uni

Mitte Dezember 2013 genehmigten die Parlamente von Basel-Stadt und Baselland rund 1,2 Milliarden Franken, die in den kommenden vier Jahren an die Universität Basel fliessen. Im entsprechenden Ratschlag des baselstädtischen Regierungsrates und wortgleich in der Vorlage an den Landrat war an mehreren Stellen davon die Rede, dass die Uni mehrere Professuren sowohl streichen als auch umdefinieren werde. Fünf Millionen Franken würden so eingespart und neun Millionen Franken umgelagert. Welche Bereich davon konkret betroffen sein würden, führte weder die baselstädtische noch die basellandschaftliche Vorlage aus.

Weder in Basel noch in Liestal stellte im Parlament jemand die Frage, was denn an der Universität gestrichen und umgelagert werde. Es interessierte nicht, wer an der Uni, der man gerade 1,2 Milliarden Franken an Staatsbeiträgen bewilligte und der man eine Erhöhung der Studiengebühren um über 20 Prozent aufnötigte, zu den forschungspolitischen Verlieren gehören wird, geschweige denn, warum.

Unangekündigte Streichung ein «Affront» gegenüber der Politik

Schirmherrin über den Universitätsvertrag zwischen Basel-Stadt und Baselland ist die Interparlamentarische Geschäftsprüfungskommission (IGPK). Das oberste Organ der Universität Basel, der Universitätsrat, präsidiert von Ulrich Vischer, ist laut Universitätsvertrag verpflichtet, die IGPK «umfassend und rechtzeitig zu informieren im Rahmen ihrer Zuständigkeiten».

IGPK-Mitglied Urs Müller-Walz vom Grünen Bündnis hatte bis zur Anfrage der TagesWoche «keine Kenntnis, dass der Bereich Wissenschaftsforschung gestrichen werden soll», wie er sagt. Müller-Walz hält es für einen «Affront gegenüber den politischen Entscheidungsträgern im Land- und Grossrat, dass darüber nicht informiert wurde». Bei der Wissenschaftsforschung gehe es «zentral um die kritische Begleitung der Modeausrichtung Life Sciences».

Gefragt danach, wie er die Abschaffung dieses Forschungszweiges an der Uni Basel inhaltlich bewerte, gibt IGPK-Mitglied Müller-Walz zu Protokoll: «Die kritische Auseinandersetzung mit der Forschung muss für die Universität zentral sein und auch in Zukunft bleiben, sonst ist die Gefahr einer unkontrollierten Verselbständigung der Forschung real. Die IGPK ist gefordert.»

Werbung

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Wissenschaft, Uni Basel

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

Keine Partnerschaft auf Augenhöhe Weiterlesen

Petition gegen erhöhte Studiengebühren Weiterlesen

Höhere Studiengebühren abgesegnet Weiterlesen

Subventionen für Studiengebüren Weiterlesen

Sollen die Semestergebühren an der Universität Basel erhöht werden? Weiterlesen

Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Piet Westdijk

    am 26.02.2014, 21:42

    Als einfacher Student in der Philosophie erlaube ich mich die dreiste Frage, ob es nicht schlicht der philosophischen Fakultät obliege, sich mit der Frage der Wissenschaftsforschung zu beschäftigen? Was diese Frage mit Politologie zu tun hat, weiss ich nicht.. Ich schlage also vor, das Geld und die Stellen der Philosophie zuzuschieben..

Informationen zum Artikel

6.1.2014, 11:00 Uhr

Das Aus für die Wissenschaftsforschung

Text

Text: Patrik Tschudin

  • 12.06.2014 um 05:00
    Und ewig rauscht die Autobahn

    700 Meter Schallschutzwände sollen die Überbauung in der Erlenmatt vor Verkehrslärm schützen. Schlafen bei offenem Fenster dürfte trotzdem schwierig werden.

  • 16.04.2014 um 14:32
    Warum die Basler Rivella-Grün-Studie mit Vorsicht zu geniessen ist

    Forscher der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel liessen sich von Rivella für eine Studie einspannen. Ihre Untersuchungen sollen eine Wirkung des Softdrinks mit Grüntee-Extrakt auf die Hirntätigkeit belegen. Die Resultate sind mit Vorsicht zu geniessen und lassen sich nicht verallgemeinern.

  • 24.03.2014 um 05:00
    Extrageld für die Art Basel

    Die Art Basel erhält für ein Perfomance-Projekt 100'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds – warum, das will die Regierung nicht sagen.

Aktuell

sda: Sunrise verkauft einen Teil seiner Mobilfunkmasten, um mit dem Geld die Schulden zu verringern. (Symbolbild)
3

Telekommunikation 

Sunrise verkauft seine Antennen

Sunrise verkauft einen grossen Teil seiner Handyantennenmasten. 2239 Mobilfunkmasten gehen für eine halbe Milliarde Franken an ein Konsortium der spanischen Cellnex, der Swiss Life und der Deutschen Telekom. Von sda. Weiterlesen3 Kommentare

Bild: Kantonspolizei Neuenburg: Crystal Meth crystalMeth ou de pilules thaïs

Linkempfehlung 

In der Schweizer Meth-Hauptstadt

Chrystal Meth ist kein Massenphänomen in der Schweiz, aber die starke Droge ist hier angekommen. Neuenburg, laut «Tages-Anzeiger» die Meth-Hauptstadt der Schweiz, hat als bislang einzige Stadt bereits darauf reagiert. Aber auch andere Städte bewegen sich in ähnlich Sphären wie Neuenburg, so etwa Basel. Empfohlen von Tino Bruni. Zur Reportage

sda: Von der AHV haben Rentner laut SGB mehr (Symbolbidl)

Linkempfehlung 

Millionäre beziehen in der Schweiz Sozialgeld

Recherchen der «Rundschau» zeigen: Mehr als 200 Bezüger von Ergänzungsleistungen weisen ein Nettovermögen von über 500‘000 Franken auf. Die meisten davon leben im Baselbiet. Insgesamt gibt es mindestens 10 Personen in der Schweiz, die über eine Million Nettovermögen haben. Politiker fordern Massnahmen. Empfohlen von Tino Bruni. Zum SRF-Artikel