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Remittances 

9.5.2013, 12:20 Uhr

Das Business mit den Milliarden der Migranten

9.5.2013, 12:20 Uhr

Gigantisch sind die Summen, die Migranten jedes Jahr in ihre Heimatländer schicken. Gigantisch sind auch die Verdienstmöglichkeiten für die Geldtransfer-Firmen. In Basel floriert das Geschäft. Von , , und

Hans-Jörg Walter: Die neueste Geldtransfer-Filiale im St. Johann: EUI ist auf den afrikanischen Markt spezialisiert.

Die neueste Geldtransfer-Filiale im St. Johann: EUI ist auf den afrikanischen Markt spezialisiert. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Branchen-Leader ist nicht zu übersehen. Auch dank dem FC Basel. Vor dem Europa-League-Halbfinal gegen Chelsea stellte Western Union im Basler Bahnhof ein riesiges gelbes Zelt auf. Kinder standen Schlange, um an der Spielkonsole mit dem virtuellen Valentin Stocker den virtuellen David Luiz gepflegt umzugrätschen, Mitarbeiter in gelben Westen verteilten Wettbewerbstalons und Informationsbroschüren. Das Unternehmen ist Hauptsponsor der Europa League und gleichzeitig eng mit den SBB verbandelt: In den vergangenen Monaten waren die Bahnhöfe der Schweiz voller Western-Union-Plakate.

Remittances - die versteckte Entwicklungshilfe

Die Geldsendungen von Migranten in ihre Heimatländer sind seit 2000 explodiert: Die sogenannten Remittances stiegen innerhalb von zwölf Jahren von (inflationsbereinigten) 204 Milliarden Dollar (2000) auf 540 Milliarden (2012). Die Geldmenge entspricht nur den nachvollziehbaren Überweisungen, über inoffizielle Kanäle dürften gemäss Schätzungen weitere 250 Milliarden Dollar auf der ganzen Welt verteilt worden sein. Die Remittances entsprechen der doppelten bis dreifachen Menge der weltweit verteilten Entwicklungsgeldern. Unterschieden werden bei den Remittances drei Arten: 1. Überweisungen für den täglichen Bedarf der Verwandten. 2. Investitionen in Firmen und/oder Sozialwesen. 3. Kombinierte Überweisungen an Verwandte sowie an NGOS, die das Geld investieren und eine nachhaltige Entwicklung anstreben.

Nötig hätte die Firma die Kampagne wohl nicht: Western Union ist Branchenführer in Sachen Geldtransfers – einem gigantischen Markt mit gigantischen Zuwachsraten. 2012 wurden insgesamt 540 Milliarden US-Dollar von Migrantinnen und Migranten verschickt, die Weltbank rechnet für die kommenden Jahre mit einem konstanten Anstieg dieser Summe um jeweils 8 Prozent. Ein Grossteil dieses Geldes fliesst durch die über 510'000 Agenturen von Western Union.

Vom St. Johann in die Welt

Im Schnitt erfolgen 28 Transaktionen pro Sekunde bei Western Union, dabei werden durchschnittlich 350 Dollar verschickt. Insgesamt verschiebt die Firma dabei pro Jahr um die 80 Milliarden Dollar – und verdient sich dabei eine goldene Nase: Die Konditionen für die Überweisungen variieren zwar je nach Zielland und Betrag, durchschnittlich beträgt die Kommission auf Geldtransfers 9 Prozent, in Einzelfällen kann die Gebühr aber bis zu 20 Prozent des Betrags ausmachen, wie die Internationale Organisation für Migration kürzlich ausgerechnet hat. Und  an den Haaren sind die Zahlen nicht herbeigezogen: Western Union wies vergangene Jahr einen Umsatz von 5,7 Milliarden Dollar aus – was rund sieben Prozent der verschobenen 80 Milliarden Dollar entspricht.

Wo es viel zu verdienen gibt, wollen naturgemäss auch viele profitieren. Es gibt laut Auskunft des Sekretariat für Wirtschaftsfragen Seco keine aktuelle Erhebung über die Anzahl von Geldtransfers-Filialen in der Schweiz – dennoch ist offensichtlich, dass Migranten immer mehr Möglichkeiten haben, ihr Geld in die Heimat zu schicken. Die Anzahl Filialen von Western Union stieg parallel zum Wachstum der Remittances, waren es 2000 weltweit 101'000 Agenturen sind es 2013 inzwischen über 510'000. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht: Es ist nur ein kleines Beispiel, aber alleine im Umfeld der Elsässerstrasse im Basler St. Johann-Quartier sind in den vergangenen sechs Wochen drei neue Geldtransfer-Filialen aufgegangen.

Western Union macht 28 Transaktionen pro Sekunde und verschiebt 80 Milliarden Dollar pro Jahr.

Gleich neben der Johanniterbrücke wurde eine Filiale von Expres Union International samt Nagelstudio eröffnet. EUI ist auf Afrika spezialisiert und die Geschäftsführerin nicht sehr gesprächig. Sie hat lange, goldene Fingernägel (wir vermuten - das Nagelstudio) eine dünnrandinge Lesebrille auf ihrer Nase und ein eineinhalb Zentimeter dickes Bündel Hunderternoten vor sich. Man solle sich doch in der Zentrale in Genf erkundigen, sagt die Dame und komplimentiert die Gäste, die ohne einen Stapel Hunderternoten in ihr Büro gekommen sind, hinaus.

Auskunftsfreudiger ist die Angestellte in der Filiale von Ria. Das Unternehmen gehört zu den grossen in der Branche. Es bietet Transaktionen in 170'000 Agenturen in 130 Ländern weltweit an. Geldüberweisungen seien ganz einfach, sagt die Frau, in beide Richtungen, «und unsere Kommission ist erst noch sehr günstig!»

Häufige Kombination: Reisebüro und Geld-Transfer. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Angestellte selber unterstützt ihre Familie in der dominikanischen Republik. Mit ihren Überweisungen (natürlich via Ria-Agentur) finanziert sie – wie die meisten Migranten auch – direkt die Lebenshaltungskosten, aber greift der Familie auch bei der Abzahlung eines Kredits unter die Arme.

Regionale Geldbüros

Der kleine Geldtransfer-Spaziergang endet auf dem Voltaplatz, wo sich hinter der Tramhaltestelle in der neuen Überbauung eine Filiale von «Me Money Transfer» eingemietet hat. Das Unternehmen hat bisher erst vier Filialen, zwei in Genf, eine in Zürich und nun seit sechs Wochen eine in Basel. «Wenn Sie mehr Infos wollen, müssen Sie in Genf anrufen», sagt der Filialleiter.

Die «Me Money»-Filiale am Voltaplatz. (Bild: Hans-Jörg Walter)

«Me Money Transfer» scheint eine der «regionalen Überweisungsbüros» zu sein, wie Western Union die Anbieter nennt, die sich auf Regionen spezialisieren. Im Falle von «Me Money Transfer» liegt der Fokus auf den lateinamerikanischen Ländern sowie der iberischen Halbinsel. Der Herr hinter dem Schalter spricht nebst Spanisch auch Portugisiesch, wie die kleinen Fähnchen auf seinem Namensschild verraten. Diese regionalen Büros betrachtet Western Union als einen der Wettbewerber auf dem Markt, wie sie in ihrem jährlichen Bericht schreiben.

Banken sind keine Konkurrenz: Sie sind zu langsam und zu teuer.

Erwähnt werden bei den Mitbewerbern auch Banken und Postbanken. Sie vernachlässigen allerdings den Markt: Die Kommissionen sind für kleine Beträge bei den meisten Banken zu schlecht, zudem werden Währungsverluste weitergeben. Ausschlaggebend sind aber zwei andere Gründe dafür, dass die Migranten die Banken meiden, wie Entwicklungshelfer festgestellt haben.

Einerseits benötigen die Empfänger auch ein Bankkonto, was gerade in ärmlichen Regionen schwierig wird. Zweitens wissen die Empfänger nicht genau, wann sie das Geld empfangen. Die Banken sind auf Partner vor Ort angewiesen, das kann Minuten, Stunden aber auch Tage dauern. Bei Geldtransfer-Firmen ist das anders, wie wir seit unserem Spaziergang wissen – in den Worten der Ria-Angestellten: «Sie füllen hier einen Zettel aus, ich gebe ihnen einen Code und ihre Familie kann das Geld nur Augenblicke später entgegennehmen.»

» Geldsendungen von Migranten seit 1970: zur interaktiven Karte

Zur interaktiven Karte

(Bild: David Bauer, Ilya Boyandin, René Stalder)

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Gesellschaft, Banken, Finanzwirtschaft, Migration

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Reaktionen

  1. Verifiziert

    Christian Mueller

    am 11.05.2013, 17:54

    der ganze betrag relativiert sich leider etwas, wenn man bedenkt, dass alleine die USA jährlich mhr für ihre armee ausgeben, als migranten weltweit in ihre heimat zurückschicken...

  2. spartacus

    am 11.05.2013, 18:21

    überweise seit jahren in die domrep mit swisstransfer
    entweder über eines der bureaus, die es mittlerweilen in etlichen städten gibt
    oder per überweisung auf das postkonto von swisstransfers und mail mit bestätigung an die zentrale in zh - funktioniert tadellos
    empfang erfolgt entweder durch abholen im bureau des empfängerlandes oder wird direkt nach hause gebracht - in der regel dauert das höchstens einen tag
    habe weder aktien noch bin ich sonst mit swisstransfer verbandelt

  3. Heiner Schäublin

    am 11.05.2013, 19:34

    was die Rüstungsausgaben der USA mit dem Geldtransfer von Migranten zu tun hat. Vielleicht fehlt mir da noch die richtige Brille?

  1. Verifiziert

    Christian Mueller

    am 11.05.2013, 17:54

    der ganze betrag relativiert sich leider etwas, wenn man bedenkt, dass alleine die USA jährlich mhr für ihre armee ausgeben, als migranten weltweit in ihre heimat zurückschicken...

  2. spartacus

    am 11.05.2013, 18:21

    überweise seit jahren in die domrep mit swisstransfer
    entweder über eines der bureaus, die es mittlerweilen in etlichen städten gibt
    oder per überweisung auf das postkonto von swisstransfers und mail mit bestätigung an die zentrale in zh - funktioniert tadellos
    empfang erfolgt entweder durch abholen im bureau des empfängerlandes oder wird direkt nach hause gebracht - in der regel dauert das höchstens einen tag
    habe weder aktien noch bin ich sonst mit swisstransfer verbandelt

  3. Heiner Schäublin

    am 11.05.2013, 19:34

    was die Rüstungsausgaben der USA mit dem Geldtransfer von Migranten zu tun hat. Vielleicht fehlt mir da noch die richtige Brille?

Informationen zum Artikel

9.5.2013, 12:20 Uhr

Das Business mit den Milliarden der Migranten

Text

Text:

  • 20.08.2013 um 12:04
    Zu schön
    Zum Artikel: Im Reservat der Lokalchauvinisten

    Soeben erreicht mich eine Mail von Matthias Müller, dem Gründer des «Club de Bâle». Er schreibt, dass seinen Informationen zufolge niemand der Involvierten des Club de Bâle hinter dem gleichnamigen Pseudonym in unseren Kommentaren steht. Wir sind im...

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