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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Konsum 

30.10.2012, 15:23 Uhr

Webseite für Schweizer Schnäppchenjäger

30.10.2012, 15:23 Uhr

Jetzt können Schweizer Konsumenten im Internet auf preisbarometer.ch die Preise von hunderten von Produkten grenzüberschreitend vergleichen. Die Sache ist umstritten. Von Niklaus Ramseyer

Michael Probst: Preisbarometer.ch vergleicht die Preise für Nahrungsmittel grenzüberschreitend, der Service ist umstritten.

Preisbarometer.ch vergleicht die Preise für Nahrungsmittel grenzüberschreitend, der Service ist umstritten. (Bild: Michael Probst)

Sie wollten sicher nicht «ein Schnäppchen-Portal» einrichten und zum grenzüberschreitenden Konsumtourismus anstiften. Das versicherten die Spitzen von vier Konsumentenorganisationen, als sie jetzt in Bern zusammen mit dem Chef des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen, Jean-Marc Vögele, ihren «Preisbarometer» präsentierten. Wer indes im Internet unter www.preisbarometer.ch mehr als 50 Kosmetikprodukte anklicken kann, die in Deutschland 60 oder gar 70 Prozent günstiger zu haben sind als in der Schweiz, dürfte sich durchaus zu einem kleinen Ausflug über die Grenze verleiten lassen. Und die versammelten Konsumentenschützer betonten in Bern: Was die Konsumenten mit den Informationen aus ihrem Barometer machten, sei «ihnen überlassen».

Mehrere hundert Produkte verglichen

Verglichen würden auf der Webseite «Produkte des täglichen Bedarfs», sagte Michel Rudin vom Konsumentenforum: «Das was ein durchschnittlicher Konsument eben so einkauft.» Auch habe man darauf geachtet, «nur identische Produkte» zu vergleichen. Also etwa «keine Frischprodukte». Im Barometer seien vorerst nun Nahrungsmittel, Kosmetik , Kleider, Schuhe und Zeitschriften. In naher Zukunft würden aber auch Preisvergleiche bei Spielwaren, Elektrogeräten und Sportartikeln aufgeschaltet.

Verglichen werden die Preise hierzulande mit dem Niveau in Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich. Dabei zeigt es sich, dass die grössten Differenzen mit Deutschland bestehen. Am kleinsten meist mit Österreich. Die grössten Unterschiede haben die Konsumentenschützer bei Zeitschriften geortet: Im Tessin etwa sind diese doppelt so teuer, wie in Italien.

Verglichen mit dem deutschen Billiganbieter Kaufland sind bei Migros und Coop aber auch die Lebensmittel um über 40 Prozent teurer. Kleider sind in der Schweiz durchschnittlich 29 Prozent teurer, als in den vier Nachbarländern. Und Schuhe auch immer noch um 17 Prozent. Insgesamt sind jetzt schon über 600 Produkte im Barometer. Und Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz sagt: «Die enormen Unterschiede kann man nicht erklären.»

Löhne und Mieten ausgeblendet

Auf den Vorhalt, dass eine Verkäuferin von Migros oder Coop in der Schweiz schon nur für ihre Miete mehr bezahlen müsse, als ihre deutsche Kollegin bei Kaufland brutto im Monate verdiene, gingen die Betreiber des Preisbarometers kaum ein. Dass in der Schweiz in jedem Preis 30 Prozent für die Grundrente (spekulativ erhöhte Boden- und Mietpreise) drauf sind, hatten sie bei ihren Vergleichen auch nicht berücksichtigt.

Stalder betonte: «Die Schweiz hat ein strukturelles Preisproblem.» Dass ausländische Anbieter der Schweizer Kundschaft nur wegen der hierzulande höheren Kaufkraft höhere Preise aufoktroyierten, sei inakzeptabel, betonte sie. Politik und Wirtschaft müssten gemeinsam für Remedur sorgen.

Kritik von links und rechts

In einer ersten Reaktion kritisierte SP-Wirtschaftspolitikerin und Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer (BL): Der Barometer sei «gut gemeint, aber zu kompliziert» und darum «verbesserungsfähig». Der Gewerbeverband warnte, der Barometer werde den Konsumtourismus anheizen, weil er etwa «die Fahrkosten über die Grenze» ausblende. Er schade dem Wirtschaftsstandort Schweiz. Dass der Bund das ganze noch mit 500'000 Franken subventioniere, sei inakzeptabel.

Kritisiert wird auch, dass die Vergleiche schon veraltet seien. Doch gibt es auf der Preisbarometer-Seite einen Link, mit dem Konsumenten und Konsumentinnen ihre eigenen Erfahrungen mit Preisdifferenzen laufend melden können.

  1. Problematisch und dennoch verdienstvoll!

    von H J Martens am 30.10.2012 um 18:41Uhr

    Ich kann 15%, sogar manchmal bis 25% Preisdifferenz akzeptieren, die sind oft durchaus plausibel, eben mit den Begründungen die im Artikel angedeutet worden sind. Kleinkrämerische Diskussionen sind in diesem Bereich nicht hilfreich.
    Wenn aber 40% bis satte 100% Unterschied bestehen, so hat die Politik eine Aufgabe! Und diese betrifft nicht nur unsere notorischen Sofaimporteure, die sich hinter kartellähnlichen Strukturen verschanzen, sondern ebenso gewisse ausländischen Zulieferer. Dumm nur, dass oft auch Schweizer Exportfirmen die Preise an den Lebensstandard der Empfängerländer "anpassen".
    Direktlink zum Kommentar

  2. Genau das richtige

    von blacksheep am 30.10.2012 um 18:56Uhr

    So eine Seite ist genau das Richtige. Es ist schlicht nicht einzusehen wieso gewisse Produkte so viel teurer sind (z.B. Kosmetika). Gleichzeitig zeigt der Vergleich anderer Produktegruppen auf, dass es eben nicht nur an den höheren Löhnen und Mieten etc liegen kann.

    Die Poltik hatte genug Zeit dieses Problem anzugehen. Jetzt will ich auch kein Jammern vom Gewerbeverband hören.
    Ich denke, dass der grosse Teil der Einkaufstouristen bereit wäre, in der Schweiz einzukaufen, wenn die Preise angemessen höher wären. Aber eben bei 60% Aufschlag holt man halt die Kosmetikprodukte "drüben" und wenn man schon mal "drüben" ist auch gleich den Rest.


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  1. Problematisch und dennoch verdienstvoll!

    von H J Martens um 30.10.2012 um 18:41Uhr

    Ich kann 15%, sogar manchmal bis 25% Preisdifferenz akzeptieren, die sind oft durchaus plausibel, eben mit den Begründungen die im Artikel angedeutet worden sind. Kleinkrämerische Diskussionen sind in diesem Bereich nicht hilfreich.
    Wenn aber 40% bis satte 100% Unterschied bestehen, so hat die Politik eine Aufgabe! Und diese betrifft nicht nur unsere notorischen Sofaimporteure, die sich hinter kartellähnlichen Strukturen verschanzen, sondern ebenso gewisse ausländischen Zulieferer. Dumm nur, dass oft auch Schweizer Exportfirmen die Preise an den Lebensstandard der Empfängerländer "anpassen".
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  2. Genau das richtige

    von blacksheep um 30.10.2012 um 18:56Uhr

    So eine Seite ist genau das Richtige. Es ist schlicht nicht einzusehen wieso gewisse Produkte so viel teurer sind (z.B. Kosmetika). Gleichzeitig zeigt der Vergleich anderer Produktegruppen auf, dass es eben nicht nur an den höheren Löhnen und Mieten etc liegen kann.

    Die Poltik hatte genug Zeit dieses Problem anzugehen. Jetzt will ich auch kein Jammern vom Gewerbeverband hören.
    Ich denke, dass der grosse Teil der Einkaufstouristen bereit wäre, in der Schweiz einzukaufen, wenn die Preise angemessen höher wären. Aber eben bei 60% Aufschlag holt man halt die Kosmetikprodukte "drüben" und wenn man schon mal "drüben" ist auch gleich den Rest.


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  3. Preise und deren Berechnung

    von Maya Eldorado um 31.10.2012 um 08:27Uhr

    Ich wundere mich sowieso wie da die Preise berechnet werden.
    Einerseits werden die Produkte so günstig wie möglich verkauft, um im Wettbewerb gut dazustehen.
    Andererseits wird versucht so viel wie möglich Gewinn herauszuholen.
    Schon der Ansatz, wie die Preise berechnet werden, ist deshalb vielerorts falsch und beschämt viele Menschen.

    Als Beispiel: Baumwoll-T-shyrt:
    Was bekommen die Arbeiter auf den Baumwollplantagen? Was hat der Besitzer der Plantage für einen Gewinn?
    Wieviel wird an den Börsen abgezockt?
    Das Gleiche gilt für die Herstellung des Stoffes, sowie beim Nähen.
    Dann kommt der Transport dazu.
    Es gibt sicher noch mehr Stationen, wo die T-shirt durchgehen, bis sie endlich in den Regalen unserer Läden landen.
    Da ist überhaupt keine Transparenz vorhanden.
    Es geht da eigentlich gar nicht um die T-shirt und die Menschen die das herstellen und um die Menschen die das kaufen, sondern um das Geld, das man daraus ziehen kann und um im Wettbewerb gut dazustehen.

    Es gibt eigentlich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur eine Möglichkeit, Produkte zu kaufen, wo Transparenz herrscht. Das sind die Faire-Trade Produkte.

    Natürlich sind viele Preise bei uns, verglichen mit Nachbarländern, bei uns oft nicht gerecht. Aber bei diesem Kampf habe ich auch ein mulmiges Gefühl, weil die Menschen an der Basis oft sehr ungesunde Arbeit haben und meist nicht genügend entlöhnt werden, um sich das nötigste leisten zu können.
    Da wird das Pferd am Schwanz aufgezäumt. Eigentlich geht es darum, dass andere herstellen was wir brauchen und wir herstellen, was andere brauchen. Das Geld sollte dazu dienen, dass dieser Tausch stattfinden kann.
    Heute hat wohl bald der letzte gemerkt, dass das Geld alles andere als den Menschen dient. Es beherrscht inzwischen bis in den letzten Winkel die Menschheit. Solange der Mut nicht vorhanden ist, das Pferd am Kopf aufzuzäumen, das heisst dem Geld die Macht zu nehmen und ihm den Platz zu geben, der ihm gebührt, wird das Kämpfen um gerechte Preise Flickwerk bleiben.
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  4. de Batze und s'Weggli

    von Sascha Fässler um 31.10.2012 um 13:32Uhr

    Es ist doch klar dass durch die globale Geldanhäufung auf Schweizer Banken schlussendlich der Reichtum der lokalen Bevölkerung steigt. Dies wiederum bewirkt eine steigerung der Preise von angebotenen Konsumgütern, da die nachfrage und Kaufkraft hoch ist. Wenn ihr Preise ans EU-Niveau angleichen wollt, müssen auch die Löhne sinken und angeglichen werden... aber an dieser Kante will wahrscheinlich niemand mehr abschneiden!
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Informationen zum Artikel

30.10.2012, 15:23 Uhr

Webseite für Schweizer Schnäppchenjäger

Text

Text: Niklaus Ramseyer

  • 08.05.2013 um 16:57
    Maurer weiss, was er will – und macht es

    Ueli Maurer (SVP) will seine Armee nicht für die ganze Welt – sondern für eine neutrale Schweiz. Damit unterscheidet er sich von seinen Vorgängern.

  • 26.04.2013 um 15:12
    Maurers Milizarmee wird flexibler

    Wieder eine kürzere RS und insgesamt weniger Diensttage: Das ist die zentrale Botschaft im Bericht über die «Weiterentwicklung der Schweizer Armee (WEA)».

  • 14.04.2013 um 20:06
    Sexistische Prüderie auf SRF TV

    Die Film-Sendung «Box Office» zeigt Geschlechtsteile von Frauen, verdeckt aber jene von Männern. Und mit dem dümmlichen Pfeifton für «wüste Wörter», der uns schon im bigotten US-TV oft nervt, belästigt SRF TV uns nun auch.

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