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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Die Wochendebatte Soll die Schweiz jetzt E-Voting einführen?

Das Thema

Norwegen ist am weitesten fortgeschritten, dicht dahinter liegt die Schweiz: Noch hat kein Land der Erde ein funktionierendes, ausgereiftes System für elektronische Wahlen und Abstimmungen, bei dem von der Stimmabgabe bis zum Auszählen alles elektronisch abläuft. Das Projekt «Vote électronique» der Bundeskanzlei ist seit dem Jahr 2000 unterwegs und hat die Einrichtung eines solchen Systems als dritten Weg der Stimmabgabe zum Ziel. In zwölf Kantonen, darunter Basel-Stadt, laufen Pilotversuche mit den stimmberechtigten Auslandschweizern. Bedenken kommen von unerwarteter Seite: Die Internet-affinen Piraten wollen kein E-Voting, bevor eine Infrastruktur und die Softare für ein absolut transparentes und sicheres System vorliegt. Politologen warnen vor überhöhten Erwartungen, was die Stimmbeteiligung angeht. Andere Kreise, darunter die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, können nicht verstehen, warum die Einrichtung des Systems so lange dauert. Was denken Sie?

Die Positionen

Portrait Elisabeth Schneider-Schneiter

Ja

Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin BL

Portrait Denis Simonet

Nein

Denis Simonet, Mitgründer der Piratenpartei Schweiz

Jetzt einmischen!
  1. Die Umsetzung einer guten Lösung wird dauern

    von SciFi am 26.10.2012 um 17:59Uhr

    Wenn ich die aktuelle Situation anschaue, müssen alle bisherigen E-Voting-Umsetzungen verworfen werden. Wenn dann eine neue gute Lösung entwickelt wird, muss diese wieder ausführliche getestet werden. Dazu kommt, dass es mit der technischen Umsetzung nicht gemacht ist. Mathematik kann soziale Probleme nicht lösen. Es müssen also neben der Applikation auch noch Prozesse definiert werden. Dabei muss geregelt sein, wer auf welche Art die Zertifikate für die Wählerinnen und Wähler verteilt (und wie dabei das Wahlgeheimnis bewahrt wird!), wer die Geheimnisträger sind, wer das ganze wie verwaltet, usw.
    Man kann nicht mal eben ein gutes E-Voting-System aus dem Hut zaubern. Das dauert. Ich sehe deshalb keine Möglichkeit, zum aktuellen Zeitpunkt E-Voting flächendeckend einzusetzen. Im Gegenteil: So sinnvoll das für die Auslandschweizer sein mag, man sollte jetzt nichts überstürzen und einen Schritt zurück machen. Eingestehen, dass der erste Versuch gescheitert ist.
    Das ist ja nichts schlimmes, die gesammelten Erfahrungen sind wertvoll. Man kann aus den Fehlern lernen und nun damit beginnen, unter der Berücksichtigung der Erkenntnisse ein sicheres System zu bauen. Mit dem Kompetenzzentrum E-Voting der Berner Fachhochschule zum Beispiel stünde ein kompetenter Berater zur Verfügung.
    Sobald das getan ist, kann das Volk gefragt werden, ob es dieser Lösung vertraut und sie als weitere Möglichkeit der Stimmabgabe akzeptiert.
    Deshalb ein "Nein" zur Frage dieser Wochendebatte aber ein "unbedingt am Ball bleiben" für die Zukunft!
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  2. Überprüfbarkeit?

    von Beatrix Villars Imhof am 26.10.2012 um 20:32Uhr

    Stelle man sich eine Wahlurne vor. Jeder Schulabgänger kann mit Sicherheit feststellen, ob die Urne vor der Versiegelung leer ist. Nach der Abstimmung wird die Plombe geprüft, gebrochen, das Behältnis geleert und die Zettel gezählt. Solange die Stimmzettel nicht vernichtet werden - was ja hin und wieder vorkommen kann - kann man jederzeit nachzählen.

    Nun möchte ich die Handvoll IT-Spezialisten kennenlernen, die innert nützlichster Frist in der Lage sind, mit genau so grosser Sicherheit festzustellen, ob das Programm auch wirklich bei Null anfängt zu zählen und sich zwischenzeitlich nicht verzählt!
    Eine nebenher organisierte Probeabstimmung zur Sicherheit soll darüber Klarheit schaffen? Lachhaft. Wenn ich ein Mogelprogramm schreiben würde, würde ich erst ab grossen Zahl abgegebener Stimmen zu betrügen beginnen, aber dann richtig!
    Oder man könnte eine Backdoor einbauen, die man zum Aktivieren des Betrugsmechanismus nutzen kann.

    UND DANN LÄUFT DIE ABSTIMMUNG NACH MEINEM WILLEN.
    Direktlink zum Kommentar

  3. E-Voting? Na klar!

    von Inaktiver Nutzer am 26.10.2012 um 22:06Uhr

    Wenn ich e-banking mache, rechne ich auch damit, dass im Hintergrund alles so abläuft, wie es muss. Es ist gar nicht der Rede Wert, sich darüber zu unterhalten. E-Voting hat den Vorteil, dass man das von unterwegs , während einem Tennismatch von Benoît Praire, im Zug oder einfach von zu Hause aus machen kann. Warum soll das heute also nicht möglich sein.
    Direktlink zum Kommentar

  4. E-Voting im Moment undenkbar

    von Macster am 26.10.2012 um 23:30Uhr

    In Deutschland wurden von 1999 bis 2008 mehrfach Wahlcomputer bzw. sogenannte Wahlgeräte bei diversen Wahlen eingesetzt. 2009 erklärte das Bundesverfassungsgericht diese jedoch für verfassungswidrig.

    Und das zurecht, da sie nämlich niemals den Anforderungen des Grundgesetzes entsprachen. Nach dem BVerfG ist u.a. die Öffentlichkeit der Wahl nicht gegeben, da bspw. Fehler oder Manipulationen vom Wähler oder Beobachter nicht erkannt werden können. Außerdem könne dieser nicht nachvollziehen, ob seine Stimme tatsächlich korrekt gewertet wurde.

    Des Weiteren ist die Wahrung des Wahlgeheimnisses ein großes Problem. Denn alle elektronischen Geräte senden kompromittierende Strahlungen aus, mit denen Rückschlüsse auf durchgeführte Aktionen ermittelt werden können. Darum werden z.B. Rechner, die sensible Daten verarbeiten, mittels spezieller, aufwändiger Techniken abgeschirmt. Zum Schutz staatlicher Verschlußsachen und sensibler Firmencomputer veröffentlich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hierzu Empfehlungen. Empfehlungen für Wahlcomputer wurden jedoch nie erarbeitet.

    Zudem sei auf zwei der zahlreichen Demonstrationen verwiesen, in denen bewiesen wurde, daß Wahlcomputer alles andere als fälschungssicher sind:

    - 2006 manipulierten z.B. Mitglieder der niederländischen Bürgerinitiative "Wij vertrouwen stemcomputers niet" (Wir vertrauen Wahlcomputern nicht) und des Chaos Computer Club (CCC) einen Wahlcomputer insofern, daß er bei der Auszählung der Stimmen das Ergebnis verfälschte - durch den problemlosen Austausch zweier Chips, was sie nicht mal fünf Minuten Zeit kostete. Der Hersteller Nedap selbst meinte übrigens zuvor vollbrüstig, daß es sich bei seinen Wahlmaschinen um sogenannte Dedicated Special Purpose Machine handeln würde, die nur für den Zweck einer Wahl hergestellt wurden. Die Aktivisten haben ihn aber eines besseren belehrt, in dem sie auf dem gehackten Wahlcomputer ein Schachprogramm installierten. Ach ja, die Niederlande greift für Wahlen seit 2008 wieder auf Papier und Bleistift zurück.

    - Ebenfalls wurden durch den CCC massive Sicherheitslücken beim Hamburger digitalen Wahlstift aufgedeckt. Die einfachste Möglichkeit dieses System zu manipulieren bestand darin, den Wahlzettel - das sogenannten "digitale Papier" - mit einem handelsüblichen Scanner und Drucker zu verändern.

    Und zu den technischen Problemen gesellen sich noch viele organisatorische wie unbewachte Lagerung, fehlende oder schlechte Verplombung, billige und unsichere Schlösser, und vieles mehr.

    Das sind nur einige Gründe, die meines Erachtens im Moment elektronische Wahlen schlichtweg unmöglich machen.
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  5. Die Überprüfbarkeit ist mit dem richtigen System möglich

    von SciFi am 27.10.2012 um 09:49Uhr

    @Beatrix Villars Imhof Es ist richtig, dass die Auszählung der Urne jedes Kind versteht, was man von einem elektronischen Verfahren aber nicht behaupten kann.

    Doch es muss unterschieden werden zwischen einer schlechten und guten Umsetzung. Eine schlechte Umsetzung wie wir sie heute haben ist intransparent und niemand weiss so genau, was mit den abgegebenen Stimmen passiert. Wir müssen dem Softwarehersteller, dem Administrator und denen, die die Software bedienen, vertrauen, dass sie keine Fehler machen (bewusst oder unbewusst). Das ist natürlich alles andere als hinnehmbar für Demokraten. Deshalb ein klares Nein zu E-Voting zum aktuellen Zeitpunkt.

    Allerdings wäre es möglich, ein kryptographisch abgesichertes und mathematisch beweisbar sicheres Verfahren zu wählen, das es irrelevant macht, welche Software der Staat verwendet. Denn die Stimmen würden alle _öffentlich_ zur Verfügung stehen. Da sie verschlüsselt sind kann man nicht auslesen, wer die Stimmen abgegeben hat. Man weiss aber, ob ja oder nein gestimmt wurde. So können alle die wollen mit der Software der sie vertrauen das Resultat nachprüfen.

    Einziges Problem hierbei ist, dass es viel Rechenleistung braucht. Es müssten also z.B. Vereine gegründet werden, die ein Cluster zur Verfügung stellen. Oder man könnte, analog zu Folding@home oder Seti@home, ein System bauen, wo viele Computeruser auf der Welt nicht verwendete Rechenleistung zur Auszählung bereitstellen.

    Es ist also möglich, die Urnenwahl mit hoher Sicherheit zu simulieren. Solange es genügend unabhängige Experten gibt, die sich um das Schreiben von alternativer Software und um die unabhängige Auszählung von Stimmen kümmern. Unsicherer als die briefliche Abstimmung wäre es auf jeden Fall nicht.
    Direktlink zum Kommentar

  6. E-Voting ist kein E-Banking!

    von SciFi am 27.10.2012 um 09:58Uhr

    Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen E-Voting und E-Banking: Bei E-Voting muss das Wahlgeheimnis gewährleistet sein, bei E-Banking muss jederzeit klar sein, wer wann welche Transaktion getätigt hat.

    Picasso Herzog, man kann deshalb so nicht argumentieren. Natürlich könntest du der Auffassung sein, dass dir das Wahlgeheimnis nicht so wichtig ist. Dann ginge der Vergleich. Allerdings ist das Wahlgeheimnis vorgeschrieben, man müsste es erstmal abschaffen (es gibt z.B. auch einen Straftatbestand "Verletzung des Wahlgeheimnisses"). Nur würde ich da vorsichtig sein, lies doch mal den Abschnitt "Wahlgeheimnis" auf WIkiPedia: de.wikipedia.org/wiki/Wahl#Wahlgeheimnis
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  7. Sicheres E-Voting ist möglich, die Piratenpartei hat es bewiesen

    von SciFi am 27.10.2012 um 10:04Uhr

    Macster, was du sagst ist grundsätzlich richtig. Bis auf den Punkt, dass elektronische Wahlen schlichtweg unmöglich sind. Nur weil bisher niemand ein gutes System gebaut hat, heisst es nicht, dass es keines gibt. Das hat eher mit der Bereitschaft zu tun, Ressourcen in ein gutes Verfahren zu investieren als mit der Machbarkeit.

    Das einzige Problem ist, dass es hoher Mathematik bedarf und man somit entscheiden muss, ob man den Mathematikern glaubt, dass z.B. homomorphe Addition sicher ist. Siehe Beitrag weiter oben für Details zur Überprüfbarkeit.
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  8. Dem was man nicht versteht nicht blind trauen...

    von Moritz Pfeiffer am 27.10.2012 um 10:13Uhr

    Ich kann mich der Meinung von Sigi Schwarz nur anschliessen. Unbedingt sollte sich die Schweizer Wählerschaft bewusst machen mit welcher Leichtigkeit bisherige Wahlcomputer manipuliert werden konnten.

    Sagen wir einmal es gäbe den perfekten – quelloffenen – Wahlcomputer.
    Das würde sämtlich Gemeinden weiterhin vor das Problem stellen einen geschulten Computerexperten in jedem Wahllokal präsent zu haben, der die Integrität des Wahlcomputers und die Validität des Resultats bescheinigt. In der Realität sieht das wohl eher so aus, dass Wahlcomputer zwar Prüfziffern auswerfen, das Personal jedoch diese nicht versteht oder verifiziert, was wiederum Wahlbetrug zulässt.

    Man darf nicht zulassen, dass Computer sich selbst kontrollieren, sondern qualifizierte Menschen müssen an bestimmten Endpunkten diese Kontrollinstanz übernehmen.
    So lange die Wahlcomputer nicht von jedem Anwesenden zweifelsfrei verstanden und bedient werden können, sollten die Gemeinden ihre Autonomie bewahren und mit Papier und Stift wählen.
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  9. Wahlcomputer und kryptographisches E-Voting-Verfahren ist nicht dasselbe

    von SciFi am 27.10.2012 um 10:25Uhr

    Was Moritz Pfeiffer und andere Gegner der Wahlcomputer übersehen. ist, dass es eben nicht nur die bekannten intransparenten Automaten gibt. Wie weiter oben schon gesagt kann das ganze so umgesetzt werden, dass alle Stimmen öffentlich zur Verfügung stehen. Jeder kann dann nachzählen. Dann ist es auch unwichtig, ob man die Mathematik dahinter versteht - solange man den vielen Experten glaubt, die bestätigen, dass das Verfahren und die Umsetzung der verwendeten Software sicher ist (es gäbe mit der Zeit sicher diverse Umsetzungen an Clients, man könnte als User also auswählen, welchem Anbieter man vertraut).

    Nur wurde bisher ausser von der Piratenpartei Schweiz und von ein paar wenigen anderen Organisationen/Gruppen kein solches Verfahren entwickelt. Deshalb sollte man sich jetzt gegen E-Voting entscheiden und noch einmal von vorne beginnen. Aber diesmal richtig.
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  10. @rolli rallo

    von Maya Eldorado am 27.10.2012 um 13:32Uhr

    Verstehe ich sie richtig? - Dann fällt die Wahl an der Urne und die briefliche Stimmabgabe weg?
    Da bin ich aber konsequent dagegen! Das würde dann bedeuten, dass wer keinen Zugang zum Internet hat, nicht stimmen kann. Das geht nicht, wenigstens vorläufig nicht. Da müsste man warten bis die, die mit dem Internet aufgewachsen sind, im Altersheim sind.
    Auch geht das erst, wenn der Sozialdienst den Fürsorgeabhängigen einen PC und den Internetzugang bezahlen. Bis anhin ist den Armutsbetroffenen ein Internetzugang gar nicht oder wenn überhaupt nur sehr beschränkt und unter grossen Opfern möglich.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Ja, aber ...

    von Marc Wäckerlin um 26.10.2012 um 09:13Uhr

    Ich bin für die sofortige Einführung elektronischer Wahlen, aber nur unter den von Denis Simonet genannten Bedingungen.

    Das Wahlverfahren muss transparent und anonym sein, die Software muss als OpenSource freigegeben sein. Dass das möglich ist, haben die Piraten mit PiVote bewiesen.

    Die Kritik von Denis Simonet am bestehenden Ansatz ist zwar durchaus richtig, für mich heisst das aber nicht, dass man eVoting deswegen ablehnt, sondern dass man ein offenes und sicheres Verfahren entwickelt, dass diese Kritik berücksichtigt.
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  2. Schön wär's!

    von H J Martens um 26.10.2012 um 16:45Uhr

    Doch die Sicherheit und Stabilität der Software war für die Entwickler von Windows und Macintosh bisher nur ein Nebenaspekt; viel wichtiger war doch der Marktanteil, also muss jedes Programmchen auf dem Bildschirm in grellsten Farben zappeln und der Powersound dazu richtig krachen. Geil, sowas!
    Um die Sicherheit dieser aufgeblähten Betriebssysteme auch nur einigermassen zu überblicken, muss man sich schon auf eine grössere Exkursion in den düsteren Keller solcher Software begeben. Damit sind 99% der Benutzer glatt überfordert.
    Mein Vertrauen darin, dass es bald gelingen wird, die völlig berechtigten Forderungen der Gegner zu erfüllen liegt bei Null; die Geschichte lehrt und das genaue Gegenteil.
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  3. Die Umsetzung einer guten Lösung wird dauern

    von SciFi um 26.10.2012 um 17:59Uhr

    Wenn ich die aktuelle Situation anschaue, müssen alle bisherigen E-Voting-Umsetzungen verworfen werden. Wenn dann eine neue gute Lösung entwickelt wird, muss diese wieder ausführliche getestet werden. Dazu kommt, dass es mit der technischen Umsetzung nicht gemacht ist. Mathematik kann soziale Probleme nicht lösen. Es müssen also neben der Applikation auch noch Prozesse definiert werden. Dabei muss geregelt sein, wer auf welche Art die Zertifikate für die Wählerinnen und Wähler verteilt (und wie dabei das Wahlgeheimnis bewahrt wird!), wer die Geheimnisträger sind, wer das ganze wie verwaltet, usw.
    Man kann nicht mal eben ein gutes E-Voting-System aus dem Hut zaubern. Das dauert. Ich sehe deshalb keine Möglichkeit, zum aktuellen Zeitpunkt E-Voting flächendeckend einzusetzen. Im Gegenteil: So sinnvoll das für die Auslandschweizer sein mag, man sollte jetzt nichts überstürzen und einen Schritt zurück machen. Eingestehen, dass der erste Versuch gescheitert ist.
    Das ist ja nichts schlimmes, die gesammelten Erfahrungen sind wertvoll. Man kann aus den Fehlern lernen und nun damit beginnen, unter der Berücksichtigung der Erkenntnisse ein sicheres System zu bauen. Mit dem Kompetenzzentrum E-Voting der Berner Fachhochschule zum Beispiel stünde ein kompetenter Berater zur Verfügung.
    Sobald das getan ist, kann das Volk gefragt werden, ob es dieser Lösung vertraut und sie als weitere Möglichkeit der Stimmabgabe akzeptiert.
    Deshalb ein "Nein" zur Frage dieser Wochendebatte aber ein "unbedingt am Ball bleiben" für die Zukunft!
    Direktlink zum Kommentar

  4. Überprüfbarkeit?

    von Beatrix Villars Imhof um 26.10.2012 um 20:32Uhr

    Stelle man sich eine Wahlurne vor. Jeder Schulabgänger kann mit Sicherheit feststellen, ob die Urne vor der Versiegelung leer ist. Nach der Abstimmung wird die Plombe geprüft, gebrochen, das Behältnis geleert und die Zettel gezählt. Solange die Stimmzettel nicht vernichtet werden - was ja hin und wieder vorkommen kann - kann man jederzeit nachzählen.

    Nun möchte ich die Handvoll IT-Spezialisten kennenlernen, die innert nützlichster Frist in der Lage sind, mit genau so grosser Sicherheit festzustellen, ob das Programm auch wirklich bei Null anfängt zu zählen und sich zwischenzeitlich nicht verzählt!
    Eine nebenher organisierte Probeabstimmung zur Sicherheit soll darüber Klarheit schaffen? Lachhaft. Wenn ich ein Mogelprogramm schreiben würde, würde ich erst ab grossen Zahl abgegebener Stimmen zu betrügen beginnen, aber dann richtig!
    Oder man könnte eine Backdoor einbauen, die man zum Aktivieren des Betrugsmechanismus nutzen kann.

    UND DANN LÄUFT DIE ABSTIMMUNG NACH MEINEM WILLEN.
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  5. E-Voting? Na klar!

    von Inaktiver Nutzer um 26.10.2012 um 22:06Uhr

    Wenn ich e-banking mache, rechne ich auch damit, dass im Hintergrund alles so abläuft, wie es muss. Es ist gar nicht der Rede Wert, sich darüber zu unterhalten. E-Voting hat den Vorteil, dass man das von unterwegs , während einem Tennismatch von Benoît Praire, im Zug oder einfach von zu Hause aus machen kann. Warum soll das heute also nicht möglich sein.
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  6. E-Voting im Moment undenkbar

    von Macster um 26.10.2012 um 23:30Uhr

    In Deutschland wurden von 1999 bis 2008 mehrfach Wahlcomputer bzw. sogenannte Wahlgeräte bei diversen Wahlen eingesetzt. 2009 erklärte das Bundesverfassungsgericht diese jedoch für verfassungswidrig.

    Und das zurecht, da sie nämlich niemals den Anforderungen des Grundgesetzes entsprachen. Nach dem BVerfG ist u.a. die Öffentlichkeit der Wahl nicht gegeben, da bspw. Fehler oder Manipulationen vom Wähler oder Beobachter nicht erkannt werden können. Außerdem könne dieser nicht nachvollziehen, ob seine Stimme tatsächlich korrekt gewertet wurde.

    Des Weiteren ist die Wahrung des Wahlgeheimnisses ein großes Problem. Denn alle elektronischen Geräte senden kompromittierende Strahlungen aus, mit denen Rückschlüsse auf durchgeführte Aktionen ermittelt werden können. Darum werden z.B. Rechner, die sensible Daten verarbeiten, mittels spezieller, aufwändiger Techniken abgeschirmt. Zum Schutz staatlicher Verschlußsachen und sensibler Firmencomputer veröffentlich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hierzu Empfehlungen. Empfehlungen für Wahlcomputer wurden jedoch nie erarbeitet.

    Zudem sei auf zwei der zahlreichen Demonstrationen verwiesen, in denen bewiesen wurde, daß Wahlcomputer alles andere als fälschungssicher sind:

    - 2006 manipulierten z.B. Mitglieder der niederländischen Bürgerinitiative "Wij vertrouwen stemcomputers niet" (Wir vertrauen Wahlcomputern nicht) und des Chaos Computer Club (CCC) einen Wahlcomputer insofern, daß er bei der Auszählung der Stimmen das Ergebnis verfälschte - durch den problemlosen Austausch zweier Chips, was sie nicht mal fünf Minuten Zeit kostete. Der Hersteller Nedap selbst meinte übrigens zuvor vollbrüstig, daß es sich bei seinen Wahlmaschinen um sogenannte Dedicated Special Purpose Machine handeln würde, die nur für den Zweck einer Wahl hergestellt wurden. Die Aktivisten haben ihn aber eines besseren belehrt, in dem sie auf dem gehackten Wahlcomputer ein Schachprogramm installierten. Ach ja, die Niederlande greift für Wahlen seit 2008 wieder auf Papier und Bleistift zurück.

    - Ebenfalls wurden durch den CCC massive Sicherheitslücken beim Hamburger digitalen Wahlstift aufgedeckt. Die einfachste Möglichkeit dieses System zu manipulieren bestand darin, den Wahlzettel - das sogenannten "digitale Papier" - mit einem handelsüblichen Scanner und Drucker zu verändern.

    Und zu den technischen Problemen gesellen sich noch viele organisatorische wie unbewachte Lagerung, fehlende oder schlechte Verplombung, billige und unsichere Schlösser, und vieles mehr.

    Das sind nur einige Gründe, die meines Erachtens im Moment elektronische Wahlen schlichtweg unmöglich machen.
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  7. Die Überprüfbarkeit ist mit dem richtigen System möglich

    von SciFi um 27.10.2012 um 09:49Uhr

    @Beatrix Villars Imhof Es ist richtig, dass die Auszählung der Urne jedes Kind versteht, was man von einem elektronischen Verfahren aber nicht behaupten kann.

    Doch es muss unterschieden werden zwischen einer schlechten und guten Umsetzung. Eine schlechte Umsetzung wie wir sie heute haben ist intransparent und niemand weiss so genau, was mit den abgegebenen Stimmen passiert. Wir müssen dem Softwarehersteller, dem Administrator und denen, die die Software bedienen, vertrauen, dass sie keine Fehler machen (bewusst oder unbewusst). Das ist natürlich alles andere als hinnehmbar für Demokraten. Deshalb ein klares Nein zu E-Voting zum aktuellen Zeitpunkt.

    Allerdings wäre es möglich, ein kryptographisch abgesichertes und mathematisch beweisbar sicheres Verfahren zu wählen, das es irrelevant macht, welche Software der Staat verwendet. Denn die Stimmen würden alle _öffentlich_ zur Verfügung stehen. Da sie verschlüsselt sind kann man nicht auslesen, wer die Stimmen abgegeben hat. Man weiss aber, ob ja oder nein gestimmt wurde. So können alle die wollen mit der Software der sie vertrauen das Resultat nachprüfen.

    Einziges Problem hierbei ist, dass es viel Rechenleistung braucht. Es müssten also z.B. Vereine gegründet werden, die ein Cluster zur Verfügung stellen. Oder man könnte, analog zu Folding@home oder Seti@home, ein System bauen, wo viele Computeruser auf der Welt nicht verwendete Rechenleistung zur Auszählung bereitstellen.

    Es ist also möglich, die Urnenwahl mit hoher Sicherheit zu simulieren. Solange es genügend unabhängige Experten gibt, die sich um das Schreiben von alternativer Software und um die unabhängige Auszählung von Stimmen kümmern. Unsicherer als die briefliche Abstimmung wäre es auf jeden Fall nicht.
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  8. E-Voting ist kein E-Banking!

    von SciFi um 27.10.2012 um 09:58Uhr

    Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen E-Voting und E-Banking: Bei E-Voting muss das Wahlgeheimnis gewährleistet sein, bei E-Banking muss jederzeit klar sein, wer wann welche Transaktion getätigt hat.

    Picasso Herzog, man kann deshalb so nicht argumentieren. Natürlich könntest du der Auffassung sein, dass dir das Wahlgeheimnis nicht so wichtig ist. Dann ginge der Vergleich. Allerdings ist das Wahlgeheimnis vorgeschrieben, man müsste es erstmal abschaffen (es gibt z.B. auch einen Straftatbestand "Verletzung des Wahlgeheimnisses"). Nur würde ich da vorsichtig sein, lies doch mal den Abschnitt "Wahlgeheimnis" auf WIkiPedia: de.wikipedia.org/wiki/Wahl#Wahlgeheimnis
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  9. Sicheres E-Voting ist möglich, die Piratenpartei hat es bewiesen

    von SciFi um 27.10.2012 um 10:04Uhr

    Macster, was du sagst ist grundsätzlich richtig. Bis auf den Punkt, dass elektronische Wahlen schlichtweg unmöglich sind. Nur weil bisher niemand ein gutes System gebaut hat, heisst es nicht, dass es keines gibt. Das hat eher mit der Bereitschaft zu tun, Ressourcen in ein gutes Verfahren zu investieren als mit der Machbarkeit.

    Das einzige Problem ist, dass es hoher Mathematik bedarf und man somit entscheiden muss, ob man den Mathematikern glaubt, dass z.B. homomorphe Addition sicher ist. Siehe Beitrag weiter oben für Details zur Überprüfbarkeit.
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  10. Dem was man nicht versteht nicht blind trauen...

    von Moritz Pfeiffer um 27.10.2012 um 10:13Uhr

    Ich kann mich der Meinung von Sigi Schwarz nur anschliessen. Unbedingt sollte sich die Schweizer Wählerschaft bewusst machen mit welcher Leichtigkeit bisherige Wahlcomputer manipuliert werden konnten.

    Sagen wir einmal es gäbe den perfekten – quelloffenen – Wahlcomputer.
    Das würde sämtlich Gemeinden weiterhin vor das Problem stellen einen geschulten Computerexperten in jedem Wahllokal präsent zu haben, der die Integrität des Wahlcomputers und die Validität des Resultats bescheinigt. In der Realität sieht das wohl eher so aus, dass Wahlcomputer zwar Prüfziffern auswerfen, das Personal jedoch diese nicht versteht oder verifiziert, was wiederum Wahlbetrug zulässt.

    Man darf nicht zulassen, dass Computer sich selbst kontrollieren, sondern qualifizierte Menschen müssen an bestimmten Endpunkten diese Kontrollinstanz übernehmen.
    So lange die Wahlcomputer nicht von jedem Anwesenden zweifelsfrei verstanden und bedient werden können, sollten die Gemeinden ihre Autonomie bewahren und mit Papier und Stift wählen.
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