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Fussball, FC Basel 

24.10.2012, 15:32 Uhr

Es gibt einiges zu kitten

24.10.2012, 15:32 Uhr

Ein Präsident, auf den vieles einprasselt und ein Trainer, der von seiner spontanen Spielidee erst einmal abrückt – die Grosswetterlage beim FC Basel eine Woche nach dem grossen Sturm und einen Tag vor dem Europa-League-Match in Ungarn. Von Florian Raz

Auf dem Platz ganz vorne angekommen: FCB-Trainer Murat Yakin bei der Ankunft am Mittwochvormittag in Budapest.

Auf dem Platz ganz vorne angekommen: FCB-Trainer Murat Yakin bei der Ankunft am Mittwochvormittag in Budapest. (Bild: Keystone/PETER SCHNEIDER)

Wenn Fussballprofis ganz früh raus müssen, um zum Europacupspiel zu reisen: Die FCB-Spieler Cabral, Yann Sommer, Germano Vailati, Marco Streller und Valentin Stocker (von links) warten in Budapest auf ihr Gepäck.

Wenn Fussballprofis ganz früh raus müssen, um zum Europacupspiel zu reisen: Die FCB-Spieler Cabral, Yann Sommer, Germano Vailati, Marco Streller und Valentin Stocker (von links) warten in Budapest auf ihr Gepäck. (Bild: Keystone/PETER SCHNEIDER)

Jacques Zoua und die Bälle: Nach der Sperre für Alex Frei dürfte dem Kameruner die Chance erwachsen, am Donnerstag in Szekesfehervar den Ball im Tor der Ungarn unterzubringen.

Jacques Zoua und die Bälle: Nach der Sperre für Alex Frei dürfte dem Kameruner die Chance erwachsen, am Donnerstag in Szekesfehervar den Ball im Tor der Ungarn unterzubringen. (Bild: Keystone/PETER SCHNEIDER)

Ein Präsident unter Beschuss: Bernhard Heusler (links) am Montag voriger Woche bei der Bekanntgabe des Trainerwechsels und der Präsentation von Murat Yakin.

Ein Präsident unter Beschuss: Bernhard Heusler (links) am Montag voriger Woche bei der Bekanntgabe des Trainerwechsels und der Präsentation von Murat Yakin. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Murat Yakin ist angekommen. Ganz vorne links im Airbus, der den FC Basel nach Budapest bringt. Sitz 1A. «Jahrelang musste ich auf diesen Platz warten», sagt Yakin und lächelt, bevor er sich setzt. 1A – über Jahre war diese Kombination auf Flügen des FCB für nur für eine Person bestimmt: Christian Gross, den Trainer, unter dem Yakin am längsten und erfolgreichsten gespielt hat.

Die Wochendebatte: Eine Mehrheit findet Trainerwechsel nicht richtig

63 Prozent der Teilnehmer an der Wochendebatte der TagesWoche finden: Nein, es war nicht richtig, dass der FC Basel den Trainerwechsel von Heiko Vogel zu Murat Yakin vollzogen hat. Mehr zu den Beiträgen der Debattanten, den Kommentaren der TagesWoche-Leser und zum Fazit in der Wochendebatte.

In Yakins Aussage vermischt sich Schalk mit Ernst. Denn daran, dass die Bank des FCB seit Beginn seiner Trainerkarriere sein Ziel war, lässt er keinen Zweifel. Insofern ist es durchaus symbolisch, dass der 38-Jährige den Platz vorne links zugewiesen erhalten hat. Seine Vorgänger Heiko Vogel und Thorsten Fink waren jeweils in der rechten Reihe gesessen. Vielleicht auch deswegen versteht kaum einer der Umstehenden Yakins Witz. Die meisten haben nicht wie der ehemalige Verteidiger Dutzende von Europacupreisen mit Gross unternommen.

Über dem FCB ist einiges hereingebrochen

Murat Yakin also ist angekommen. Das allerdings in einem Moment, in dem er sich nur kurz über kleine Privilegien wie den Fenstersitz im Flugzeug freuen kann. Nicht, dass der FCB derzeit gleich so flügellahm wäre wie sein konkursiter ehemaliger Flugpartner «Hello». Aber es gibt einige Risse zu kitten im rotblauen Gebilde.

Einige dürften bereits längere Zeit vorhanden sein, sind aber erst durch die Ablösung von Heiko Vogel durch Yakin von aussen erahnbar geworden. Andere könnten durch den öffentlichen Druck entstehen, den der Trainerwechsel hervorgerufen hat.

Es ist vieles über den FCB hereingebrochen in den vergangenen eineinhalb Wochen. Und wer in diesem Zusammenhang FCB schreibt, meint eigentlich Bernhard Heusler. Der Präsident ist das Gesicht dieses Fussballclubs – und er ist es auch, über dem sich das Unwetter entlädt, wenn ein derart emotional aufgenommener Personalentscheid verkündet wird.

Die Integrität des Präsidenten

Von Zustimmung über differenziert geschriebener Kritik bis zu niedersten Beschimpfungen hat Heusler alles erhalten in den letzten Tagen. In der «Sonntagszeitung» und im «Sonntag» wurde ihm sogar unterstellt, er habe Murat Yakin bloss installiert, um so mehr Geld für den FCB herauszuholen und irgendwie auch für sich selbst.

Diese Anwürfe sind nicht spurlos am FCB-Präsidenten vorbeigegangen. «Schlussendlich», sagt er, «ist es schlicht die Frage, ob man den Entscheidungsträgern vertraut, dass sie reagiert haben, weil sie denken, es sei zum Wohle des Clubs. Oder ob man davon ausgeht, dass sie aus Boshaftigkeit, Dummheit oder gar Geldgier handeln.»

Es ist seine eigene Integrität, die Heusler in die Waagschale wirft, um die Absetzung Vogels zu rechtfertigen. Mehr will er noch immer nicht preisgeben über die Beweggründe, die zum Vertrauensverlust in Heiko Vogel und schliesslich zum unvermittelten Wechsel geführt haben. Auch wenn er weiss: «Wir hätten es uns viel einfacher machen können.» Dann nämlich, wenn er Ross und Reiter benannt hätte. Oder wenn – auf welchem Weg auch immer – Interna an die Öffentlichkeit gedrungen wären.

Das Heilmittel für einigermassen saubere Narben

So aber hält Heusler seinen Kopf hin. Muss er seinen Kopf hinhalten. Überraschen kann ihn das nicht. Aber er wird um so genauer registrieren, wie sich die Personen in seinem Umfeld verhalten. Ob sie auch gegen aussen jene Meinung zum Trainerwechsel vertreten, die sie intern geäussert haben. Oder ob sie versucht sind, sich in der Öffentlichkeit aus der Verantwortung zu ziehen.

So eine Trainerentlassung kann Wunden schlagen. Nicht nur beim abgesetzten Coach. Sondern auch innerhalb des Clubs, der ihm den Laufpass gab. Und es gibt eigentlich nur ein Heilmittel, um einigermassen saubere Narben entstehen zu lassen: Erfolge auf dem Platz.

Für die ist nun Yakin zuständig. Aber nicht alleine er. Die Spieler stehen ebenfalls in der Verantwortung. Und wenn ihnen Yakin am Sonntag in Luzern mit einer missratenen System-Rochade so etwas wie eine Entschuldigung für einen in Hälfte zwei pitoyablen Auftritt gegeben hatte, dann fällt dieser Schutz am Donnerstag in der Europa League wohl weg.

Yakin erkennt, dass ein neues System Zeit braucht

Gegen Videoton wird Yakin von seinem in Luzern angewandten 3-5-2 abrücken. «Jede taktische Veränderung braucht ihre Zeit», sagt Yakin, «das muss ich akzeptieren.» Das bedeutet, dass er in Szekesfehervar auf die für seine Untergebenen gewohntere Zahlenkombination 4-4-2 zurückgreifen dürfte.

Viel wichtiger aber ist Yakin, dass seine Spieler besser in die Zweikämpfe kommen als in Luzern. Nicht härter müssten sie werden, sondern «cleverer». Und schliesslich habe ihm der «Hunger» gefehlt. Eine Aussage, die zuletzt immer wieder zu hören war über die Spieler des FCB.

Yakin hat vor der Partie in Luzern versucht, diesen Hunger gezielt anzustacheln. Indem er Radoslav Kovac aus der U21 zurückgeholt und den 19-jährigen Arlind Ajeti in die Startformation gerückt hat. Damit wollte Yakin der Mannschaft vor Augen führen, dass die Trainingsleistung durchaus mitentscheidet, wer am Wochenende auf dem Platz steht.

Priorität geniesst die Liga daheim

Am Sonntag hatten diese vom Trainer ausgesandten Schockwellen wenn überhaupt, dann höchstens negativen Einfluss auf das Gefüge. Jetzt, vor dem Europa-League-Spiel bei Videoton erklärt Murat Yakin: «Priorität hat für mich ganz klar die heimische Liga.» Das ist in der momentanen Lage des FCB verständlich. Aber auch Yakin weiss: Es helfen ihm und dem Team nur Siege. Möglichst schnell.

Die Lage in der Gruppe des FC Basel in der Europa League

R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Genk 2 1 1 0 5 : 2 4
2. Videoton Szekesfehervar 2 1 0 1 3 : 3 3

3. Basel 2 0 2 0 2 : 2 2
4. Sporting Lissabon 2 0 1 1 0 : 3 1

Zu den Ergebnissen und zum Spielplan

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Informationen zum Artikel

24.10.2012, 15:32 Uhr

Es gibt einiges zu kitten

Text

Text:

  • 24.05.2013 um 19:04
    FCB: Erst bei 50 plus haben die Gegner eine Chance

    Am Sonntag bietet sich dem FC Basel der erste von drei Matchbällen. Gewinnen die Basler bei den Grasshoppers, sind sie zum vierten Mal hintereinander Schweizer Meister. Und die einheimischen Gegner dürfen sich über eine verpasste Gelegenheit ärgern. Zu schlagen ist der FCB nämlich nur, wenn er über 50 Saisonspiele absolviert.

  • 18.05.2013 um 00:01
    Der Chef und sein Zuträger

    Der eine sorgt mit schnellem Antritt für Aufsehen und geht mit Torchancen bisweilen etwas gar verschwenderisch um. Der andere verrichtet seine Arbeit schon fast still und leise. Mohamed Salah und Mohamed Elneny bestimmen den Puls des FC Basel mit. Im Cupfinal gegen die Grasshoppers wird Salah allerdings gesperrt fehlen.

  • 17.05.2013 um 06:08
    «Jetzt soll mal der Schär hinten bleiben»

    Fabian Frei hat einen Lauf. Beim 2:0 gegen Lausanne schiesst er beide Tore – und am Pfingstmontag dürfte er erstmals in seiner Karriere einen Cupfinal bestreiten.

  • 16.05.2013 um 18:35
    Eishockey
    Zum Artikel: Schweiz nach Sieg gegen Tschechien im Halbfinal

    Lieber Herr Hochhuth, glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass nicht eine halbe lokale Geschichte weniger geschrieben wurde wegen dieses Eishockey-Artikels? Der Text kommt über Agentur, der Dienstchef (der sowieso Dienst schieben muss) hat ihn von d...

  • 13.05.2013 um 18:51
    Das mit der Tribüne
    Zum Artikel: Constantin kehrt mit dem Stahlbesen

    Meist sitzt das von ihnen angesprochene Problem ja nicht auf der Tribüne, sondern dirigiert (das Team) und desavouiert (den Trainer) von seinem Stammplatz neben der Ersatzbank aus.

  • 13.05.2013 um 17:13
    Seldwyla
    Zum Artikel: Das Ende eines Clublokals – Stadt stellt Italiener auf die Strasse

    Weil die Stadt Basel eine leere Immobilie wollte, wird der bisherige Mieter rausgeworfen. Und jetzt sucht die Stadt Basel einen Zwischennutzer, weil sie gerne einen Mieter für ihre leere Immobilie hätte. Warum dreht sich bei mir plötzlich alles im Kopf?

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