Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

eingeloggt als
Ausloggen


Mein Kommentar

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

TagesWoche

Tages Woche

Do, 20.06.2013

Karte

Rotblaulive.ch: Alles zur Saison des FC Basel: Berichte, Tabellen, Tweets, Videos, Statistiken und Spielszenenanalyse.

Fanzüge 

19.10.2012, 00:01 Uhr

Die fulminante Karriere einer Unwahrheit

19.10.2012, 00:01 Uhr

Um «irgendetwas» gegen Gewalt an Fussballspielen zu tun, ist den Parteien alles recht. Auch die Zustimmung zu einem Gesetz, das auf falschen Angaben beruht. Von Philipp Loser

Keystone: Und das soll funktionieren? Wer als Fussballfan ein Auswärtsspiel besuchen will, soll künftig den Extrazug benutzen müssen.

Und das soll funktionieren? Wer als Fussballfan ein Auswärtsspiel besuchen will, soll künftig den Extrazug benutzen müssen. (Bild: Keystone)

Es ist erstaunlich, wie weit es eine Unwahrheit in der Schweizer Politik bringen kann. Sie wird beispielsweise Grundlage für ein neues Gesetz, obwohl sie schon lange als das identifiziert wurde, was sie ist: eine Lüge.

Vor einer Woche ging die Vernehmlassung zum neuen Personenbeför­de­rungsgesetz zu Ende, und Verkehrs­ministerin Doris Leuthard frohlockte bereits zwei Wochen vor Ende der Vernehmlassungsfrist im Parlament, dass die Vorschläge des Bundes «auf offene Ohren» stössen würden.

Tatsächlich stimmen alle grossen Parteien (die Stellungnahme der FDP steht noch aus) der Idee des Eidge­nössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) zu, die Transportpflicht der SBB zu ­lockern.

Eine Zahl wird erfunden

Wer als Fan eines «Sportklubs» ein Auswärtspiel seines Vereins via öffentlichem Verkehr besuchen möchte, soll künftig den angebotenen Extrazug be­nutzen müssen. Normale Züge bleiben dem Fan verwehrt. Egal, ob er ein Billett gelöst hat; egal, ob er ein Generalabonnement besitzt; egal, ob er in einer anderen Stadt wohnt (es soll ja durchaus auch FCB-Fans in der Ostschweiz oder im Aargau geben). Nur wer in der Heimatstadt seines Vereins ein Kombi-Ticket löst, soll ins Stadion kommen.

Auslöser für die Gesetzesrevision waren Horrorzahlen: Drei Millionen Fran­ken Zusatzkosten, vermeldeten die SBB den Medien vor gut einem Jahr, würden die Extrazüge jährlich verursachen.

Eine frei erfundene Zahl. Im Januar 2012 wies die «Wochenzeitung» (WOZ) nach, dass die tatsächlichen Schäden mindestens um den Faktor zehn kleiner sind. Bestätigt wurde die neue Zahl vom Chef höchstselbst. Und zwar nicht nur in der WOZ. Sondern auch in der «NZZ am Sonntag», die Andreas Meyer im Februar folgendermassen zitierte: «Die Schäden belaufen sich auf etwa zehn Prozent der drei Millionen Franken.» «Hoppla», schrieb die «NZZ am Sonntag», und man dachte, das wäre es jetzt gewesen, mit den drei Millionen Franken.

Ominöse drei Millionen Franken

Aber von ein paar Fakten lassen sich unsere Politiker nicht beirren. Am 21. Februar hiess die Sicherheitskommission des Nationalrats mit 22 Stimmen bei zwei Enthaltungen eine Mo­tion gut, mit der die Transportpflicht der SBB gelockert werden soll – mit einem expliziten Hinweis auf die hohen Sachschäden. Ein halbes Jahr später ar­gumentierte Kommissionssprecherin Edith Graf-Litscher (SP, TG) in der Herbstsession immer noch mit den drei Millionen Franken Sachschäden, die Extrazüge jährlich verursachen würden, und verwies bei einer entsprechenden Nachfrage von Markus Lehmann (CVP, BS) auf die SBB – von dort habe die Kommission ihre Zahlen.

Die Anhörung mit den SBB fand am 20. Februar statt, gute drei Wochen nachdem SBB-CEO Meyer die Zahl nach unten korrigiert hatte. Und die Motion wurde im Nationalrat mit gros­sem Mehr angenommen.

Von der Richtigstellung des SBB-Chefs liess sich auch das UVEK nicht beeindrucken. In der Vernehmlassungs­vorlage vom Juni 2012, die unabhängig von der Motion der Sicherheitskommission entworfen wurde, heisst es: «Für die SBB entstehen im Zusammenhang mit der Durchführung von Ex­tratransporten (...) jährlich ungedeckte Kosten in der Grössenordnung von drei Millionen Franken.» Der Rest der Vorlage bleibt dagegen äusserst vage. Wer die Fans von den normalen Zügen weghalten soll, wie ein Fan überhaupt zu erkennen ist, wie mit Fans aus anderen Städten umgegangen werden soll – all das beantwortet die Vorlage nicht.

Mehr Probleme

So ist es wohl auch zu erklären, warum die Parteien dem Gesetz grosses Wohlwollen entgegenbringen (sie müssen es ja nicht umsetzen) und die Kantonsregierungen eher skeptisch sind. Sogar die Baselbieter Regierung, sonst immer an vorderster Front mit dabei, wenn es ­gegen «Erlebnisfans» geht, ist skeptisch: «Die vorgeschlagenen Massnahmen vermögen allerdings nur auf den ersten Blick zu überzeugen. Bei ge­nauerer Betrachtung werden sich die Sicherheitsprobleme für die Polizei durch diese Massnahmen verstärken.»

  1. Wenn Fakten...

    von Thomas Gander am 19.10.2012 um 11:11Uhr

    Wenn Fakten noch die Grundlage für politische Entscheidungen bezüglich Fussballfans wären, dürfte es solch eine Gesetzesvorlage nie in das Nationale Parlament schaffen, ein "Hooligankonkordat" müsste mit "Kopfschütteln" an den Absender zur Überarbeitung zurück gesandt werden oder im "Joggeli" könnte wieder normales Bier ausgeschenkt werden. Wenn Fakten...
    Direktlink zum Kommentar

  1. Wenn Fakten...

    von Thomas Gander um 19.10.2012 um 11:11Uhr

    Wenn Fakten noch die Grundlage für politische Entscheidungen bezüglich Fussballfans wären, dürfte es solch eine Gesetzesvorlage nie in das Nationale Parlament schaffen, ein "Hooligankonkordat" müsste mit "Kopfschütteln" an den Absender zur Überarbeitung zurück gesandt werden oder im "Joggeli" könnte wieder normales Bier ausgeschenkt werden. Wenn Fakten...
    Direktlink zum Kommentar

  2. absicht

    von Livio Fazio um 19.10.2012 um 14:31Uhr

    Die meisten der Politiker sind sich der Situation doch gar nicht bewusst, haben nur ein Papier vor der Nase und demontieren so schlussendlich die eigene Verfassung auf die sie einen Schwur abgelegt haben. Ich stelle sogar die Behauptung auf dass es einige gibt die wissen das solche Gesetzte zum scheitern verdammt sind, um sich später mit noch absurderen Gesetzesvorschlägen profilieren zu können.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Wen wundert's!

    von Maya Eldorado um 25.10.2012 um 11:18Uhr

    Es werden überall noch und noch Unwahrheiten zu "Wahrheiten" umgemodelt, wenn es dem Zweck dient etwas durchzusetzten.
    Denken wir nur an all die Triksereien der SVP!
    Direktlink zum Kommentar

Kommentieren

Informationen zum Artikel

19.10.2012, 00:01 Uhr

Die fulminante Karriere einer Unwahrheit

Text

Text:

  • 13.06.2013 um 14:52
    Böse USA, gute Schweiz

    Die nationale Politik empört sich über den amerikanischen Überwachungsskandal. Und begrüsst ähnliche Schweizer Pläne.

  • 13.06.2013 um 12:00
    «Unsere Demokratien werden das nicht überleben»

    Vor zwei Jahren gab uns der Ökonom Heiner Flassbeck ein ernüchterndes Interview zur Zukunft Europas. Heute ist alles noch viel schlimmer.

  • 11.06.2013 um 09:22
    Schweizer Staatsschützer wehren sich gegen den Amerika-Vergleich

    Die USA werden von einem Überwachungsskandal erschüttert. Gleichzeitig befinden sich in der Schweiz zwei Gesetze in der Revision, die in eine ähnliche Richtung wie «Prism» zielen. Aber doch ganz anders seien, wie es bei den Behörden beschwichtigend heisst.

  • 11.06.2013 um 14:57
    No Erdnüssli for me
    Zum Artikel: Lange Nacht im Bundeshaus

    Das nächste Mal: ein Federbett! Dieses Mal: der erste Zug Richtung Heimat. Unser Glück um halb 3 in der Früh war der gut gefüllte Kühlschrank der Kollegen aus der Romandie. Danke an dieser Stelle!

  • 27.05.2013 um 21:00
    Etatistisch
    Zum Artikel: Diktatur der Idioten

    Lieber Herr Hage, die beiden Wörter, die Sie in meinem Text stören, waren nicht wertend gemeint. Es sind lediglich zwei Feststellungen: Wir leben in einer Gesellschaft mit einer bürgerlichen Mehrheit. Und diese Gesellschaft wird dennoch immer staatsglä...

  • 13.05.2013 um 08:39
    Grenzgänger
    Zum Artikel: Milliarden aus der Fremde

    Sehr geehrter Herr Wilhelm, Sie weisen auf einen richtigen Punkt hin: In den Daten der Weltbank sind die Geldsendungen der Grenzgänger nicht erfasst. Im Fall der Schweiz machen die Summen der Grenzgänger, die ins Ausland fliessen, einen beträchtlichen ...

Aktuell

sda: Pascal Gentinetta steht nicht mehr an der Spitze von Economiesuisse

Rücktritt 

Economiesuisse-Direktor nimmt den Hut

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse wechselt seine Spitze aus. Für Direktor Pascal Gentinetta übernimmt Chefökonom Rudolf Minsch interimistisch die Führung der Organisation. Präsident Rudolf Wehrli will sein Amt Ende August abgeben.Von sda. Weiterlesen

1