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TagesWoche

Tages Woche

Do, 20.06.2013

Ausstellung 

22.10.2012, 11:57 Uhr

Verjüngungskur für den Ausstellungsraum Klingental

22.10.2012, 11:57 Uhr

Neue, junge Leute bevölkern den Vorstand des Ausstellungsraumes Klingental. Und auch im Raum selbst hat der künstlerische Nachwuchs Basels übernommen. Mit viel Phantasie. Von Karen N. Gerig

 Misha Andris' «Balg» aus Sonnenblumenkernen, im Hintergrund Gemälde und eine Fotografie von ihr sowie «Vier Elemente» von Martin Chramosta.

Misha Andris' «Balg» aus Sonnenblumenkernen, im Hintergrund Gemälde und eine Fotografie von ihr sowie «Vier Elemente» von Martin Chramosta. (Bild: Karen N. Gerig)

 Martin Chramosta – hier sein «Shelf» – interessiert sich für das Zusammenspiel von Natur und Künstlichkeit.

Martin Chramosta – hier sein «Shelf» – interessiert sich für das Zusammenspiel von Natur und Künstlichkeit. (Bild: Karen N. Gerig)

 Kitschig-poppig präsentiert sich das Werk «ABBA II (Sneezing Snooze}» von Mathias Kaspar.

Kitschig-poppig präsentiert sich das Werk «ABBA II (Sneezing Snooze}» von Mathias Kaspar. (Bild: Karen N. Gerig)

Zwei unbrauchbare Werkzeuge, erfunden von Aline Zeltner.

Zwei unbrauchbare Werkzeuge, erfunden von Aline Zeltner. (Bild: Karen N. Gerig)

«Reh» und «Chiddechidde - more than a feeling» von Misha Andris, davor die demontierte Keramik-Akropolis von Martin Chramosta.

«Reh» und «Chiddechidde - more than a feeling» von Misha Andris, davor die demontierte Keramik-Akropolis von Martin Chramosta. (Bild: Karen N. Gerig)

Detail aus Misha Andris' «Der Hase».

Detail aus Misha Andris' «Der Hase». (Bild: Karen N. Gerig)

Manchmal sind es kleine Dinge, die eine Zeitlang all unsere Aufmerksamkeit absorbieren. Im Ausstellungsraum Klingental (ARK) starre ich die kleinen Moosfetzen auf Martin Chramostas «Shelf» länger an als vieles andere. Ist es, weil man in einem Ausstellungsraum keine Natur erwartet? Oder weil dieses kleine, organische Fetzchen in totalem Kontrast zu den handgefertigten Keramikstalagmiten- und stalaktiten steht, die das Bücherregal sonst noch zieren?

Vielleicht aber hat diese Konzentration auf solch ein Detail auch mit dem Ausstellungstitel zu tun. «Fantasy» lautet er – ein Unding eigentlich von einem Wort, das in unseren Köpfen sofort Bilder heraufbeschwört von Welten, in denen moosbewachsene Wälder viel Raum einnehmen. Und die trotzdem vollständig künstlich sind. Lena Friedli, der Kuratorin der Ausstellung, ging es jedoch noch mehr um die deutsche Bedeutung des Wortes. Phantasie, Vorstellungskraft, die Fähigkeit, innere Bilder zu erzeugen. Daran orientieren sich die Arbeiten der vier ausgesuchten regionalen Künstler und Künstlerinnen, die alle im Jahr 2011 ihr Studium an der HGK Basel abgeschlossen haben – ebenso wie Friedli selbst.

Dem Akzent auf innere Bildwelten ist es denn auch zu verdanken, dass wir in dieser «Fantasy»-Schau nicht von Pomp erschlagen werden. Im Gegenteil, wenn auch einige Werke – etwa jene von Mathias Kaspar – nah an der Grenze zum Kitsch operieren, so wirkt die Ausstellung doch sehr reduziert. Man spürt, dass die vier Kunstschaffenden sich miteinander und mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Das Resultat ist in sich sehr stimmig, nicht jedes Werk sofort einem Künstler oder einer Künstlerin zuordbar.

Vielfältige Reduktion

Am ehesten gelingt die Zuordnung bei Kaspar. Für jede Ausstellung schafft der 28-jährige eigens ein Werk beziehungsweise eine Werkgruppe. «ABBA I-III» heisst die Werkgruppe für den ARK, und allen sind die Farben und Materialien gemeinsam: Pink, Blau, Federn und einiges mehr. Damit bezieht er sich nicht nur auf die schwedische Popgruppe desselben Namens, sondern auch auf Andy Warhols Philosophie «Von A nach B und wieder zurück». Mit viel Sinn für Humor schafft er ein vielschichtiges Referenzsystem mit Kitsch- und Popkulturanklängen.

Weniger stringent sind die anderen Künstler beim Aussuchen ihrer Werke vorgegangen. Am vielfältigsten zeigt sich Aline Zeltner. Die 32-Jährige malt Traumfiguren auf Leinwand, erschafft mit dem Inkjet-Drucker Welten, funktioniert Bienenwaben und diverse Werkzeuge zu abstrakten Objekten um oder erschafft mittels Make-Up-Abdrücken auf Taschentüchern moderne Schweisstuch-Varianten. Misha Andris ist ebenso variantenreich. Ihre grossformatigen Malereien sind stark, und eine Art Teppichvorleger aus Sonnenblumenkernen beweist, dass die 23-Jährige auch mit anderen Medien umgehen kann.

Veränderungen

«Fantasy» ist die erste Ausstellung, die Lena Friedli für den ARK kuratiert hat, und sie überzeugt. Seit drei Jahren ist Friedli im Vorstand des ARK tätig – dass sie sich nun in den Vordergrund wagt, ist kein Zufall, sondern Programm. Denn es ist nicht die einzige Veränderung. Immer wieder gibt es im 10-köpfigen Vorstand personelle Wechsel, und stetig findet so eine Verjüngung statt. Das sei durchaus gewollt, sagt Thomas Heimann, der mit dabei ist, seit im ARK vor sechs Jahren fast alles neu wurde. Er bleibt denn auch weiter mit von der Partie, ebenso Annina Zimmermann, die nun aber kürzer tritt. «Viele Vereine haben ein Problem mit der Nachfolge», sagt sie. Das soll dem ARK nicht passieren, deshalb sollen nun die Jungen zum Zug kommen, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Der Anfang ist gemacht – und er ist gelungen.

  • «Fantasy», Ausstellungsraum Klingental, bis 4. November.

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Informationen zum Artikel

22.10.2012, 11:57 Uhr

Verjüngungskur für den Ausstellungsraum Klingental

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Text:

  • 18.06.2013 um 14:29
    Der Kunstkredit hat eine neue Leiterin

    Die neue Beauftragte für Kulturprojekte in den Bereichen Bildende Kunst, Film und Digitale Kultur heisst Katrin Grögel. Die Kunstwissenschaftlerin wird Nachfolgerin von Peter Stohler in der Abteilung Kultur.

  • 13.06.2013 um 15:07
    Da laust uns doch der Affe!

    Der Basler Comix Shop feiert ein stolzes Alter – unter neuer Leitung. Seit 30 Jahren lockt das Fachgeschäft Comicbegeisterte in die Theaterpassage.

  • 13.06.2013 um 14:55
    Kultwerk #84: «Etappe»

    Dieses Werk von Neo Rauch ist vielleicht nicht sein berühmtestes. Aber es ist Kult – seinem Besitzer sei Dank.

  • 03.06.2013 um 10:21
    @Karl Linder
    Zum Artikel: Preise, aber kein Raum für ein Pionierprojekt

    Lieber Herr Linder, ich empfinde das nicht unbedingt als Widerspruch: längerfristig bedeutet ja nicht mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte. Im Vergleich mit den drei Monaten, für die Depot Basel nun etwas gefunden hat, darf man meiner Meinung nach durchau...

  • 27.05.2013 um 06:41
    Sehr geehrter Herr Monnerat,
    Zum Artikel: Zwei schelmische Herren kommen in Fahrt

    es tut mir sehr leid, dass Sie sich über meine Buchkritik ärgern müssen. Denn ich hab mich über Ihren Roman keineswegs geärgert, sondern ihn sehr gerne gelesen. Wenn ich mir Ihren Kommentar nun ansehe, habe ich das offenbar aber schlecht rüber gebracht...

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

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