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TagesWoche

Tages Woche

Sa, 18.05.2013

Grounding 

23.10.2012, 17:54 Uhr

Hello-Angestellte kommen unter die Räder

23.10.2012, 17:54 Uhr

Nach dem Grounding der «Hello» stehen 140 Angestellte vor dem Nichts. Der Verwaltungsrat um den Basler Unternehmer Moritz Suter beschwichtigte zwar, weil die Mittel fehlten, finanziere er deren Sozialplan aus der eigenen Tasche. Doch ausgearbeitet hat der Verwaltungsrat den Sozialplan alleine. Gewerkschaften waren nicht involviert. Von Matthias Oppliger

STEFFEN SCHMIDT/Keystone: Die Flugzeuge der «Hello» bleiben vorläufig am Boden.

Die Flugzeuge der «Hello» bleiben vorläufig am Boden. (Bild: STEFFEN SCHMIDT/Keystone)

Das Grounding der von Moritz Suter gegründeten Basler Fluggesellschaft Hello sorgte am Montag für grosse Aufregung (eine ausführliche Presseschau findet sich am Ende dieses Artikels). Doch der Verwaltungsrat beschwichtigte am Montagnachmittag die 140 Angestellten auf dem Flughafen Zürich, für einen Sozialplan habe er gesorgt.

Gemäss CEO Robert Somers sieht dieser folgendermassen aus: Die Löhne werden für insgesamt vier Monate weiter bezahlt, also bis Ende Januar 2013. Doch das Geld für diese Löhne kommt nicht von der Firma, denn selbst wenn der Konkurs vollzogen würde, wären nicht genügend Mittel vorhanden, um die Sozialpläne für die Angestellten zu finanzieren. Beispielsweise könnten die vier Flugzeuge der Hello-Flotte nicht veräussert werden, da diese nicht Eigentum der Gesellschaft sind, sondern lediglich geleast. In die Bresche springt deshalb der Verwaltungrat (VR) mit privaten Mitteln der VR-Mitglieder. «Dieses Engagement des Verwaltungsrates ist rein freiwillig», sagt Somers. Eine solche Verpflichtung sei nirgendwo festgehalten.

Sozialpläne «knapp branchenüblich»

Der Sekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) und SP-Nationalrat Philipp Hadorn ist skeptisch. Er beurteilt die Sozialpläne als «knapp branchenüblich». Die Situation für das «Hello»-Personal wäre aber sicher besser, hätte eine geordnete Sozialpartnerschaft zwischen der «Hello» und der SEV bestanden. Gewerkschaftlich organisiert sind nämlich nur die wenigsten Angestellten. Und das rächt sich jetzt. «Im Rahmen einer Sozialpartnerschaft wäre die Fluggesellschaft verpflichtet gewesen, uns frühzeitig zu informieren», sagt Hadorn als Präsident der Gewerkschaft von GATA, der Sektion Luftverkehr des SEV. Ausserdem wäre SEV-GATA von Anfang an in die Verhandlungen involviert gewesen und hätte dort die Interessen der Angestellten vertreten können. «Dieser fehlende Informationsfluss schlägt definitiv auf die Qualität der Sozialpläne», ist der Gewerkschafter überzeugt.

Gemäss CEO Somers sei eine solche Sozialpartnerschaft zwischen der «Hello» und einer Gewerkschaft noch nie ein Thema gewesen. «Offensichtlich haben unsere Angestellte dies nicht für nötig befunden, denn mir ist nicht bekannt, dass je jemand den Wunsch nach einer gewerkschaftlichen Zusammenarbeit geäussert hat», sagt Somers. Dies liege in der Verantwortung der Mitarbeiter und sei folglich nicht Sache der Geschäftsleitung.

Angeschuldigter Finanzchef weist Vorwürfe von sich

«Hier wurde auf Kosten der Angestellten ein Experiment unternommen», sagt hingegen Gewerkschafter Philipp Hadorn. Die Ausgangslage für eine derart kleine Fluggesellschaft sei schon im Gründungsjahr 2004 alles andere als vielversprechend gewesen. «Diese grosse Abhängigkeit von einzelnen Grosskunden kommt einer Scheinselbständigkeit gleich», urteilt Hadorn. Der Umstand, dass der «Hello»-Verwaltungsrat die Sozialpläne aus der privaten Tasche bezahlt, sei immerhin als Zeichen eines unternehmerischen Verantwortungsbewusstseins zu werten.

Hadorn hatte auch vereinzelt Kontakt mit Angestellten der «Hello», deren Gemütslage beschreibt er als «stark verunsichert». Vor allem die Vorwürfe, die der Verwaltungsrat gegen den ehemaligen Finanzchef erhob, hätten beim Personal für Frustration gesorgt. Dieser beteurt auf Anfrage der TagesWoche seine Unschuld: «Ich möchte festhalten, dass ich den Vorwurf der betrügerischen Machenschaften, inklusive der persönlichen Bereicherung, mit aller Entschiedenheit von mir weise».

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. vom Kapitalismus lernen, ...

    von Inaktiver Nutzer um 23.10.2012 um 18:29Uhr

    heisst siegen lernen. Den Kapitalismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf. Und manchmal stellt der Herr seinem Hund den Teller neben den Tisch. Gott sei Dank.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Gewekschaften

    von Karl Buschweiler um 23.10.2012 um 18:41Uhr

    Aufgrund der Erfahrungen mit den Gewerkschaften bei der Crossair ist es logisch, dass Suter bzw Hello nicht mit den Gewerkschaften zusammen arbeitete. Das iwar auch gut so!
    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

23.10.2012, 17:54 Uhr

Hello-Angestellte kommen unter die Räder

Text

Text:

  • 05.04.2013 um 21:05
    @Michel Steiner
    Zum Artikel: Randständige führen durch ihr Basel

    Lieber Herr Steiner Vielen Dank für die Präzisierung. Ich habe den Text entsprechend angepasst. Ihnen noch einen schönen Abend. Freundliche Grüsse Matthias Oppliger (am Dienstpult)

  • 27.03.2013 um 08:58
    @Maya Eldorado
    Zum Artikel: Novartis verhindert Zwischennutzungen

    Das für die Zwischennutzungen vorgesehene Gelände grenzt an ein Areal der Novartis. Als Anwohner haben sie deshalb das Recht, gegen ein Baugesuch Einspruch zu erheben.

  • 30.01.2013 um 15:01
    @Matthias Schweizer
    Zum Artikel: Sozialarbeiter auf Abruf

    Sehr geehrter Herr Schweizer Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, dass Sie diesen Artikel doch noch durch eine Stellungnahme der ABS ergänzen. Für die Beantwortung meiner Fragen habe ich Ihnen zwei Tage zur Verfügung gestellt. Ein Zeitfenst...

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