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TagesWoche

Tages Woche

Fr, 24.05.2013

Paketpost 

24.10.2012, 06:00 Uhr

Leitung ausgewechselt

24.10.2012, 06:00 Uhr

Überraschender Abgang bei der Basler Paketpost: Der Basisleiter nimmt seinen Hut. Doch die Basler Paketpöstler schnüren einen Forderungskatalog und verlangen wegen des miserablen Arbeitsklimas eine Aussprache an einem runden Tisch. Von Matieu Klee

HJ. F. Walter: Die Chefs kommen bei den Basler Paketpöstlern schlecht an.

Die Chefs kommen bei den Basler Paketpöstlern schlecht an. (Bild: HJ. F. Walter)

An einer Betriebsversammlung Anfang September verschafften die Basler Paketpöstler ihrem Ärger Luft: Angst werde gesät. Wer nicht spure, dem werde die Kündigung angedroht oder er werde strafversetzt. Zuvor hatte die TagesWoche publik gemacht, dass zwei Paketpöstler von ihren Touren in der Innenstadt abgezogen wurden. Sie hatten es gewagt, sich für ihre Mittagspause zu wehren. In der Innenstadt fänden sie meist schlicht keinen Parkplatz, um die vorgeschriebene Pause korrekt einzuhalten. Die Post stellte sich auf den Standpunkt, dieses Problem hätten keine anderen Paketpöstler, nur die zwei aus der Basler Innenstadt.

Zwei Drittel unterschrieben Forderungskatalog

Doch jetzt zeigt sich, dass die beiden nicht allein sind. 80 von 130 Basler Paketpöstlern haben eine Petition unterschrieben. Das sind rund zwei Drittel der gesamten Basler Paket-Belegschaft. Sie verlangen einen runden Tisch wegen des miserablen Arbeitsklimas. Dieser soll nun am 19. November stattfinden.

Noch bevor sich Gewerkschafter und die Verantwortlichen der Post sich auf einen runden Tisch geeinigt hatten, ging es Schlag auf Schlag: Anfang Oktober informierte die Post die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass der Basisleiter die Post verlassen werde. Am 22. Oktober übernahm bereits dessen Vorgesetzter die Geschäfte. Doch damit ist der Forderungskatalog noch nicht vom Tisch, wie die Gewerkschafter Fritz Bütikofer von Transfair und Stephan Feld, Syndicom, übereinstimmend bestätigen.

Miserable Personalzufriedenheit

Zu schaffen macht den Paketpöstlern nicht nur, dass ihre Kollegen strafversetzt wurden, nur weil sich diese für die ihnen zustehende Mittagspause gewehrt hatten. Viele fühlen sich auch um ihren Lohn betrogen, weil die Post ihre Arbeitszeit nur aufgrund einiger weniger willkürlich ausgewählter Arbeitstage hochrechne. Eine Umfrage zur Personalzufriedenheit bei den Basler Paketpöstlern war denn auch vernichtend. Die Postangestellten fordern, dass die beiden strafversetzen Pöstler wieder ihre angestammte Tour in der Innenstadt übernehmen und dass alle Paketpöstler in Zukunft ihre Pause gesetzeskonform einhalten können. Um das Personal zu entlasten solle die Post zudem Touren verkleineren und neues, qualifiziertes Personal anstellen.

Die Post hat jetzt zugesagt, an einem runden Tisch über all diese Probleme mit den Gewerkschaften nach Lösungen zu suchen. Post-Sprecher Bernhard Bürki betont denn auch, dass die Post ein «dialogorientierter Arbeitgeber» sei. «Wir nehmen diese Forderungen ernst.» Wie ernst, wird sich im November weisen, wenn die Gespräche am runden Tisch stattfinden.

  1. Fazit: 61 % hatten Mumm in den Knochen sich zu wehren,

    von Kulturbetrachter Basel am 24.10.2012 um 06:41Uhr

    39 % hatten wahrscheinlich mehr Angst als Solidaritätsgefühl. Schlimm...
    Aber immerhin hat man eine Mehrheit gefunden, welche dafür eintrat, sich mit Unerträglichkeiten nicht abzufinden.
    Jetzt müsste man nur noch dafür sorgen, dass die Post dem Humanressort auf die Finger schaut, wenn es darum geht, Personal einzustellen. Das liegt ja wohl total im Argen!

    Vielleicht kennt noch jemand dieses Gedicht von Georg Hergwegh, welches mit seiner Wortwahl antiquiert anmutet, leider jedoch immer noch sehr aktuell ist.

    Bet und arbeit! ruft die Welt,
    Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
    An die Türe pocht die Not -
    Bete kurz! denn Zeit ist Brot.

    Und du ackerst, und du säst,
    Und du nietest, und du nähst,
    Und du, hämmerst, und du spinnst -
    Sag, o Volk, was du gewinnst!

    Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
    Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
    Füllst des Überflusses Horn,
    Füllst es hoch mit Wein und Korn -

    Doch wo ist dein Mahl bereit?
    Doch wo ist dein Feierkleid?
    Doch wo ist dein warmer Herd?
    Doch wo ist dein scharfes Schwert?

    Alles ist dein Werk! o sprich,
    Alles, aber nichts für dich!
    Und von allem nur allein,
    Die du schmiedst, die Kette, dein?

    Kette, die den Leib umstrickt,
    Die dem Geist die Flügel knickt,
    Die am Fuß des Kindes schon
    Klirrt - o Volk. das ist dein Lohn.

    Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
    Schätze sind es für den Wicht,
    Was ihr webt, es ist der Fluch
    Für euch selbst - ins bunte Tuch.

    Was ihr baut, kein schützend Dach
    Hat's für euch und kein Gemach;
    Was ihr kleidet und beschuht,
    Tritt auf euch voll Übermut.

    Menschenbienen, die Natur,
    Gab sie euch den Honig nur?
    Seht die Drohnen um euch her!
    Habt ihr keinen Stachel mehr?

    Mann der Arbeit, aufgewacht!
    Und erkenne deine Macht!
    Alle Räder stehen still,
    Wenn dein starker Arm es will.

    Deiner Dränger Schar erblaßt,
    Wenn du, müde deiner Last,
    In die Ecke lehnst den Pflug,
    Wenn du rufst: Es ist genug!

    Brecht das Doppelloch entzwei!
    Brecht die Not der Sklaverei!
    Brecht die Sklaverei der Not!
    Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!


    Direktlink zum Kommentar

  1. Fazit: 61 % hatten Mumm in den Knochen sich zu wehren,

    von Kulturbetrachter Basel um 24.10.2012 um 06:41Uhr

    39 % hatten wahrscheinlich mehr Angst als Solidaritätsgefühl. Schlimm...
    Aber immerhin hat man eine Mehrheit gefunden, welche dafür eintrat, sich mit Unerträglichkeiten nicht abzufinden.
    Jetzt müsste man nur noch dafür sorgen, dass die Post dem Humanressort auf die Finger schaut, wenn es darum geht, Personal einzustellen. Das liegt ja wohl total im Argen!

    Vielleicht kennt noch jemand dieses Gedicht von Georg Hergwegh, welches mit seiner Wortwahl antiquiert anmutet, leider jedoch immer noch sehr aktuell ist.

    Bet und arbeit! ruft die Welt,
    Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
    An die Türe pocht die Not -
    Bete kurz! denn Zeit ist Brot.

    Und du ackerst, und du säst,
    Und du nietest, und du nähst,
    Und du, hämmerst, und du spinnst -
    Sag, o Volk, was du gewinnst!

    Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
    Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
    Füllst des Überflusses Horn,
    Füllst es hoch mit Wein und Korn -

    Doch wo ist dein Mahl bereit?
    Doch wo ist dein Feierkleid?
    Doch wo ist dein warmer Herd?
    Doch wo ist dein scharfes Schwert?

    Alles ist dein Werk! o sprich,
    Alles, aber nichts für dich!
    Und von allem nur allein,
    Die du schmiedst, die Kette, dein?

    Kette, die den Leib umstrickt,
    Die dem Geist die Flügel knickt,
    Die am Fuß des Kindes schon
    Klirrt - o Volk. das ist dein Lohn.

    Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
    Schätze sind es für den Wicht,
    Was ihr webt, es ist der Fluch
    Für euch selbst - ins bunte Tuch.

    Was ihr baut, kein schützend Dach
    Hat's für euch und kein Gemach;
    Was ihr kleidet und beschuht,
    Tritt auf euch voll Übermut.

    Menschenbienen, die Natur,
    Gab sie euch den Honig nur?
    Seht die Drohnen um euch her!
    Habt ihr keinen Stachel mehr?

    Mann der Arbeit, aufgewacht!
    Und erkenne deine Macht!
    Alle Räder stehen still,
    Wenn dein starker Arm es will.

    Deiner Dränger Schar erblaßt,
    Wenn du, müde deiner Last,
    In die Ecke lehnst den Pflug,
    Wenn du rufst: Es ist genug!

    Brecht das Doppelloch entzwei!
    Brecht die Not der Sklaverei!
    Brecht die Sklaverei der Not!
    Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!


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  2. wer ist denn der gelbe riese?

    von pasci p um 25.10.2012 um 18:48Uhr

    und wann merkt die MEHRHEIT endlich dass sie nicht die MINDERHEIT ist
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  3. Ob Pöstler oder andere Berufstätige

    von F Grossenbacher um 28.10.2012 um 00:15Uhr

    es ist offensichtlich, dass Lohnabhängige überall zum Kuschen und Schweigen abgerichtet werden. Vogel friss oder stirb. Das neoliberale Konzept setzt sich durch. So wie der service public zum Wirtschaftszweig degradiert wurde, wurden auch Bürgerinnen, Patienten, Fahrgäste etc. zu Kundinnen und Kunden degradiert. Mitarbeitende und Dienste-Nutzende werden von hoch dotierten Kommunikations-Künstlern wie Pressesprechenden ruhig gestellt. Was diese zu sagen haben hat wie Waschmittelwerbung nichts mit der Realität zu tun.
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  4. Service public

    von Maya Eldorado um 28.10.2012 um 01:09Uhr

    Da wird richtig erfasst, was die Wirtschaft eigentlich sein sollte, ein Dienst am Bürger, am Mitmenschen.
    Was da heute als Wirtschaft deklariert wird mit Wettbewerb und Gewinnoptimierung hat den Faden zu ihrer eigentlichen Aufgabe verloren.
    Irgendwie wird schon noch gemacht, was wir brauchen und wenn wir es nicht wirklich brauchen wird wird der Konsum mit jedem Mittel angekurbelt.
    Es kommt mir wie Eigenbefriedigung der Wirtschaft vor und die Menschen werden als Kunden gebraucht, dass die Kasse optimal klingelt.
    Schade, dass auch noch die Politiker darauf hereinfallen und immer noch glauben, dass das Wirtschaftswachstum die Lösung aller Probleme ist und ihre gut funktionierenden Staatsbetriebe in den freien Wettbewerb schicken, in den Kampf aller gegen alle, statt den Raum zu schaffen, dass sie wirklich die Mitmenschen, denen sie dienen sollen, in den Vordergrund stellen können, sei das mit Genossenschaften oder ähnlichen Formen, wo Gewinn- und Wettbewerbsstreben keinen Platz haben.
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Informationen zum Artikel

24.10.2012, 06:00 Uhr

Leitung ausgewechselt

Text

Text:

  • 24.05.2013 um 11:20
    Jetzt scheint die Sonne auch über Sissach

    Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.

  • 22.05.2013 um 16:57
    Jagd auf Abfallsünder

    Nach Pfingsten machte das Amt für Umwelt und Energie mit der Stadtreinigung Jagd auf Abfallsünder, die trotz Feiertag ihren Abfallsack für die Kehrichtabfuhr bereitgestellt hatten. Knapp ein Viertel der Sünder konnte überführt werden.

  • 16.05.2013 um 15:33
    «In der Schweiz gibt es viele Anti-Sozialpartner»

    Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt im Interview, weshalb es so dringend einen Mindestlohn braucht.

  • 22.04.2013 um 16:36
    @Automatismus
    Zum Artikel: Mitte-Links tritt mit ehemaligem EVP-Landrat Thomi Jourdan an

    Danke für den Hinweis. Wir hätten gerne von Anfang an ein hochaufgelöstes Bild des Kandidaten gezeigt. Bis jetzt ist aber keines verfügbar.

  • 18.04.2013 um 22:21
    @Nestbeschmutzung?
    Zum Artikel: An der Baselworld wimmelt es von Scheinselbständigen

    Lieber Herr Hochhuth Vielen Dank für Ihren bissig ironischen und treffenden Kommentar. Ich könnte jetzt ernsthaft antworten: Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, den Mächtigen zu gefallen. Ich möchte vielmehr möglichst aufdecken, was tatsächlich gespie...

  • 13.03.2013 um 09:39
    @Jacqueline Landmann
    Zum Artikel: Erstes Shoppingcenter in der Kantonshauptstadt

    Sie haben natürlich Recht. Stadtratspräsident Lukas Ott lobte ausdrücklich auch das Archtekturbüro. Es ist das Basler Büro Buchner Bründler.

Aktuell

Michael Würtenberg: Da hatten sie noch auf verlorenem Posten gekämpft: Zelglihofbauer Daniel Wiedmer und Markus Chrétien, Geschäftsführer der Solarspar im Sommer 2012.

Erneuerbare Energie 

Solaranlage eingeweiht

Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.Von Matieu Klee. Weiterlesen

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