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TagesWoche

Tages Woche

Do, 23.05.2013

Basler Kantonalbank 

23.10.2012, 16:23 Uhr

Die Folgen der Expansion nach Zürich

23.10.2012, 16:23 Uhr

Hans Rudolf Matter über den Anlageskandal der ASE Investment AG und seinen Rücktritt als CEO der Basler Kantonalbank. Von Gerd Löhrer

Michael Würtenberg: Hans Rudolf Matter bei der Medienorientierung am 23. Oktober.

Hans Rudolf Matter bei der Medienorientierung am 23. Oktober. (Bild: Michael Würtenberg)

«Natürlich habe ich mir meinen Abgang von der Basler Kantonalbank ein wenig anders vorgestellt», sagt Hans Rudolf Matter, CEO der BKB, der in der Folge des ASE-Anlageskandals per Ende des Jahres zurücktritt. Als operativer Chef des Instituts habe er sich in der Pflicht gefühlt, die Verantwortung zu übernehmen für Fehlleistungen, die auch innerhalb seiner Bank vorgekommen seien. Dann müsse der CEO hinstehen, um Reputationsschäden von der Bank abzuwenden. «Mein Rücktritt ist ein Signal, dass wir unsere Botschaft des Fair-Banking ernst nehmen.»

Aus diesem Grunde ist die BKB auch bereit, sich gegenüber Ersatzforderungen von Kunden kulant zu zeigen – womit die BKB freilich keine Haftpflicht anerkennt. Der mutmassliche Betrug an den Kunden geht vollständig zu Lasten der ASE Investment AG. Diese hat im Laufe der Jahre die Vermögensverwaltung von insgesamt 620 Personen mit BKB-Konten betreut, ausgestattet mit Vollmachten dieser Kunden – und dabei einen Schaden von rund 100 Millionen Franken angerichtet. Die meisten dieser Personen waren zuvor nicht Kunden der BKB. Für die Basler Kantonalbank wurden Probleme erst ersichtlich, als die Konten einzelner ASE-Kunden regelmässig überzogen und damit für die BKB zum Kreditrisiko wurden.

Luftige Firmen

Und dort, so sagt Hans Rudolf Matter, sei auch der BKB ein Fehler unterlaufen: «Wir haben uns zu stark auf das Kreditrisiko konzentriert; das eigentliche Risiko blieb uns verborgen.» Die Gegenmassnahmen bezogen sich zunächst ausschliesslich auf dieses Kreditrisiko. Dabei hätte man es durchaus besser wissen können. Denn die ASE in Gestalt ihres Geschäftsführers Martin Schlegel war schon 2007 kein unbeschriebenes Blatt. Schlegel wurde jedenfalls schon damals in Verbindung gebracht mit Max Entertainment, einer Firma, die hauptsächlich aus Luft bestand, aber Investoren anwarb – und mit deren ebenso luftigen Nachfolgefirmen, die nach dem gleichen Geschäftsprinzip funktionierten.

Sobald auch der BKB klar im März dieses Jahres klar wurde, dass die ASE offenbar ihre Kunden abzockte, indem sie Abrechnungen manipuliert hatte, war es die Basler Kantonalbank, die im Kanton Aargau Strafanzeige erstattete und damit den ganzen Falle juristisch erst ins Rollen brachte.

Strengere Auflagen

Die BKB hat mittlerweile ein paar Lehren aus der Affäre gezogen: Externe Vermögensverwalter werden genauer unter die Lupe genommen und strengeren Auflagen unterworfen. Das hat bereits dazu geführt, dass einige solcher Vermögensverwalter von der Zusammenarbeit mit der BKB ausgeschlossen wurden. Drei Mitarbeitern der BKB-Filiale in Zürich wurde gekündigt, vier weitere wurden verwarnt. Die Leitung des Private Banking in Zürich wurde neu besetzt und das dortige Bonussystem dem in der ganzen Bank geltenden angepasst. Die Geschäftstätigkeit des Private Banking in Zürich wird substantiell eingeschränkt.

Sündenfall: Der Gang nach Zürich

Diese Massnahmen deuten es an: Der eigentliche Sündenfall der BKB ist nicht, dass sie einen betrügerischen externen Vermögensverwalter zu spät entlarvt hat. Viel entscheidender war der Entscheid, am Standort Zürich eine Private-Banking-Filiale zu eröffnen, diese mit von aussen engagierten Mitarbeitern zu bestücken und sich mit dem Lohnsystem an Zürcher Gepflogenheiten in diesem Sektor anzupassen. Über diese Filiale liefen nämlich nicht nur die anrüchigen Geschäfte der ASE, sondern die nicht minder anrüchigen Geschäfte mit amerikanischen Steuerflüchtlingen, welche die BKB auf die «schwarze Liste» der US-Steuerfahnder brachten – weshalb sie sie nun bis Ende dieses Jahres am liebsten wieder loswerden möchte.

Hans Rudolf Matters Abgang, so tragisch er für ihn ist, ist also auch folgerichtig. Denn der Gang nach Zürich war ja nicht zufällig; er entsprach der Strategie der Bankführung. Und dazu gehört nicht nur Hans Rudolf Matter, der jetzt die Verantwortung auf sich nimmt. Diese Strategie wurde auch vom Bankrat abgesegnet – auch dieser sollte Verantwortung übernehmen wie der CEO der BKB.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Viel grösserer Sündenfall: Tochterfiliale in Guernsey!!

    von Occupy Basel lebt um 23.10.2012 um 18:25Uhr

    Wie lange warten wir noch, bis auch in Guernsey etwas schief geht? Dort gibts noch viel weniger Regulationen und viel höhere Risiken als in Zürich!

    Hoffentlich kommt durch diese neuen Entwicklungen endlich mal ein bisschen Bewegung in die Sache! Wann erkennen die zuständigen Politiker und sonstigen Verantwortlichen endlich mal ihre Verantwortung? Was brauchts noch alles, damit sich das Volk gegen die Verschleuderung ihrer Steuergelder wehrt?

    Um mich nicht zu wiederholen, hier die Links zu den anderen ausführlichen Kommentaren:
    www.socialthink.ch/public_html/occupy/?p=273
    www.tageswoche.ch/de/2012_42/schweiz/473820/der-fall-ase-kostet-den-chef-der-basler-kantonalbank-das-amt.htm#comment_10190
    www.tageswoche.ch/de/2012_42/basel/473861/was-fuer-eine-bank-braucht-basel-ein-kommentar.htm#comment_10191
    Direktlink zum Kommentar

  2. Fair-Banking bei der Basler Kantonalbank

    von Occupy Basel lebt um 23.10.2012 um 19:59Uhr

    Soeben wurde auf der Homepage von Occupy Basel ein neuer Blogpost zu diesem Thema veröffentlicht:

    www.socialthink.ch/public_html/occupy/?p=473

    Lassen wir uns nicht mehr länger für dumm verkaufen von der Finanzindustrie und der von ihr gekauften Politik!

    Occupy BKB!
    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

23.10.2012, 16:23 Uhr

Die Folgen der Expansion nach Zürich

Text

Text: Gerd Löhrer

  • 21.03.2013 um 15:09
    Zypern und die Finanzkrise: Sanieren ist besser als strafen

    Nach dem Nein Zyperns zum Rettungspaket der EU wäre ein Ausschluss Zyperns aus dem Euroraum der falscheste Schritt.

  • 18.03.2013 um 18:19
    Staatlich verordneter Bankraub

    Mit ihrem Sanierungspaket für das zypriotische Banken- und Finanzsystem haben EU, Europäische Zentralbank und IWF die Büchse der Pandora geöffnet: Die Sparkonten von Kleinanlegern sind nicht mehr vor dem staatlichen Zugriff sicher. Das zypriotische Parlament steht vor einer folgenschweren Entscheidung.

  • 22.02.2013 um 16:42
    Ein verdorbener Abgang

    An Daniel Vasellas letzter Novartis-Generalversammlung blieben die Überraschungen aus. Richtiger Streit fand nicht statt, aber richtig zufrieden war auch niemand.

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