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TagesWoche

Tages Woche

Do, 23.05.2013

Wirren um die Basler Kantonalbank 

23.10.2012, 14:15 Uhr

Was für eine Bank braucht Basel? Ein Kommentar

23.10.2012, 14:15 Uhr

Mit dem Rücktritt des CEO der Basler Kantonalbank, Hans Rudolf Matter, ist es nicht getan. Versagt hat auch der Basler Bankrat als Aufsichtsgremium. Nach dem Skandal um die Vermögensverwalterin ASE Investment AG und dem Abenteuer der BKB mit Steuerfluchtgeldern aus den USA sind endlich Antworten der politisch Verantwortlichen gefragt, was für eine Staatsbank Basel wirklich braucht. Ein Kommentar von Remo Leupin

Michael Würtenberg: Hans Rudolf Matter

Hans Rudolf Matter (Bild: Michael Würtenberg)

Remo Leupin Remo Leupin

Am Ende ist der Druck auf Hans Rudolf Matter zu gross geworden. Der heutige Entscheid des CEO der Basler Kantonalbank (BKB), per Ende Jahr zurückzutreten, war unausweichlich geworden angesichts der Untersuchungsergebnisse zum Anlageskandal der Vermögensverwalterin ASE Investment AG, mit welcher die BKB zusammenarbeitete. Zwar bescheinigt die mit den Ermittlungen beauftragte Anwaltskanzlei Bär & Karrer der BKB «eine gute Organisationsstruktur». Schlechte Noten erhält die Bank aber für ihr mangelndes Controlling: Zu stark hätten die Verantwortlichen der ASE vertraut und «interne Anordnungen nicht genügend rasch umgesetzt».

Die Leidtragenden sind nun jene ASE-Kunden mit BKB-Konten, die wegen der betrügerischen Anlagegeschäfte rund 100 Millionen Franken verloren haben. Von einer gewissen Tragik ist aber auch die Rolle Matters, der die Konsequenzen einer Geschäftspolitik tragen muss, die vor ein paar Jahren noch unter Bankratspräsident Willi Gerster eingeleitet wurde. Unter dem ehemaligen POB- und heutigen SP-Mitglied Gerster wurde die BKB vollständig neu ausgerichtet und auf Mehrertrag getrimmt.

Zum Dreh- und Angelpunkt wurde die Zürcher BKB-Filiale, die sich unter der Leitung des heute pensionierten Hans Ringger zur Geldmaschine entwickelte und wegen heikler Geschäfte mit amerikanischen Kunden, die ihr Geld vor dem Fiskus verstecken wollten, Ende 2010 ins Visier der US-Steuerfahnder geraten ist.

Bankrat hat versagt

Sicher ist: Mit dem Rücktritt von Hans Rudolf Matter ist diese Geschichte nicht ausgestanden. Der ASE-Skandal und die US-Schwarzgeld-Affäre werfen auch ein schiefes Licht auf den Basler Bankrat, der zu einem grossen Teil aus aktuellen oder ehemaligen Mitgliedern des Grossen Rats zusammengesetzt ist. Gemäss Gesetz übt der Bankrat «die Oberleitung über die Basler Kantonalbank» aus und ist für «Aufsicht und Kontrolle der Geschäftsführung» verantwortlich. In dieser Funktion hat das Gremium unter dem Vorsitz des LDP-Grossrats Andreas Albrecht total versagt.

Kurz vor den Wahlen unter Druck kommt auch SP-Finanzdirektorin Eva Herzog, die gemäss Bankgesetz Einblick in die Geschäfte des Bankrats nehmen und auch an dessen Sitzungen teilnehmen kann. Bislang hütete die Finanzdirektorin Informationen zur BKB wie ihren Augapfel. So wurde etwa ein Gesuch der TagesWoche zur Einsichtnahme in jene Berichte abgelehnt, die zwischen der BKB und dem Finanzdepartement hin- und hergegangen sind und die die dubiosen US-Geschäfte thematisierten. Ein Rekurs der TagesWoche gegen die ablehnende Verfügung des Finanzdepartements ist noch hängig und wird wohl erst nach den Wahlen beantwortet werden.

Politisch Verantwortliche müssen Auskunft geben

Nehmen Bankrat und Regierung ihre Aufsichtspflichten gegenüber der Staatsbank ausreichend wahr? Was wussten die politisch Verantwortlichen über die gefährlichen Geschäfte mit der ASE und über die heiklen Offshore-Konten von US-Steuerflüchtlingen? Ist es für den Staat nicht zu riskant, eine Bank zu führen, die gefährliche Finanzgeschäfte tätigt?

Die politisch Verantwortlichen werden in den kommenden Tagen nicht darum herumkommen, endlich Stellung zu diesen unbequemen Fragen zu nehmen. Und sie werden sich ernsthaft überlegen müssen, die BKB wieder auf ihr ursprüngliches Geschäft auszurichten: nämlich eine Bank für Sparer, die regionale Wirtschaft und den Kanton zu sein. Das mag für Banker eine langweilige Aufgabe sein – ist aber die einzige Legitimation für eine Bank mit Staatsgarantie.

  1. BKB

    von Markus Erni am 23.10.2012 um 18:46Uhr

    Ich fairbanke…
    du fairbankst…
    er fairbankt…
    … wir haben's fairbankt!
    Direktlink zum Kommentar

  2. Konsequenzen

    von Roland Stucki am 23.10.2012 um 19:44Uhr

    Der Bankchef hat seine Konsequenzen gezogen, es wäre an der Zeit wenn jetzt auch der Bankrat unter der Leitung Andreas Albrecht seinen sofortigen Rüchtritt erklären und ihr Honorar der letzten Jahre zurückerstatten würden.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Genossenschaft

    von Maya Eldorado am 24.10.2012 um 00:35Uhr

    Das Wort Kantonalbank sagt eigentlich schon aus, dass sie zum Staat gehört und somit den Bürgern, deshalb sollte sie als Genossenschaft konzipiert werden.
    Ich bin allgemein der Ansicht, dass der Staat aufhören sollte, den Weltkonzernen, die vor allem ihr Gewinnstreben im Auge haben, den roten Teppich auszulegen. Unterstützt werden sollten allein Genossenschaften und KMU, deren Ziel es ist, den Menschen mit ihren Produkten zu dienen. Alles andere ist schlussendlich dem Gemeinwohl hinderlich.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Basel braucht eine nachhaltige Bank, welche fair-banking nicht nur als Logo missbraucht!

    von Occupy Basel lebt um 23.10.2012 um 18:17Uhr

    Die BKB mit ihren jetztigen Praktiken, von Steuerbetrugs-Hilfe für Amerikaner, Investitionen in AKWs und Rüstungsindustrie, einer Tochterfiliale in Guernsey und höchstwahrscheinlich auch Nahrungsmittelspekulationen hat keine Zukunft!

    Occupy Basel hat das zusammen mit der EvB bereits im Februar öffentlich gesagt, leider ohne auf grosse Resonanz zu stossen!
    Warum kuschen alle vor dieser Bank, welche doch eigentlich vom Kanton kontrolliert und reguliert werden sollte?

    Banken haben KEINE Zukunft, solange sie nicht einsehen, dass nur eine nachhaltige Weissgeldstrategie und nachhaltige Investitionen auf einem rechtlich sicheren Weg gehen können! Jeder Bank welche das nicht begreift, geschieht jede gestohlene Steuer-CD und Anklage wegen Steuerbetrugs recht! Der Skandal bei der BKB ist, dass der Steuerzahler direkt dafür bezahlen muss.

    Die Alternative Bank Schweiz (ABS) hat das begriffen, und stellt keine Gelder für Dinge zur Verfügung, welche nicht sehr nachhaltigen Standards genügen. Die ABS verfolgt seit ihrer Gründung vor über 20 Jahren eine absolute Weissgeld-Strategie. Das ist fair banking, nicht nur im Logo!

    Abgesehen davon sollte man sich DRINGEND mal mit den Problemen befassen, welche durch das Schuldgeldsystem und das Zinssystem verursacht werden! Und diese werden auch nicht gelöst, wenn sich alle Banken wie die ABS verhalten!

    Infos:
    Aktion Occupy BKB:
    www.socialthink.ch/public_html/occupy/?p=273
    Tochterfiliale der BKB in Guernsey:
    www.tageswoche.ch/de/2012_42/schweiz/473820/der-fall-ase-kostet-den-chef-der-basler-kantonalbank-das-amt.htm#comment_10190
    Alternative Bank Schweiz:
    www.abs.ch/
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  2. BKB

    von Markus Erni um 23.10.2012 um 18:46Uhr

    Ich fairbanke…
    du fairbankst…
    er fairbankt…
    … wir haben's fairbankt!
    Direktlink zum Kommentar

  3. Konsequenzen

    von Roland Stucki um 23.10.2012 um 19:44Uhr

    Der Bankchef hat seine Konsequenzen gezogen, es wäre an der Zeit wenn jetzt auch der Bankrat unter der Leitung Andreas Albrecht seinen sofortigen Rüchtritt erklären und ihr Honorar der letzten Jahre zurückerstatten würden.
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  4. Professionalisieren

    von Karl Linder um 24.10.2012 um 00:27Uhr

    Wenn die Bank als Investmentbank agiert, dann muss die Frage erlaubt sein, ob dann die Staatsgarantie nicht allzuviele Risiken für den Kanton beinhaltet. Früher - als man die Garantie eingeführt hatte - ging man stets davon aus, dass der Kanton dann für die Sparbüchlein der kleinen Leute geradezustehen habe. Wenn aber mit Derivaten gehandelt wird, scheint das bestehende Konstrukt nicht ideal. Müsste die BKB nicht wieder die Bank sein für Hypodarlehen der Baslerinnen und Basler und Geschäftskredite der lokalen KMUs? Der Bankrat scheint die richtigen Schlüsse gezogen zu haben und dennoch: Die Bankräte sollten zwingend nicht mehr nach dem 'Partei-Häuptlings-Prinzip' gekürt werden, sondern nach Fähigkeiten. Nach den Wahlen wäre die Gelegenheit dazu, wenn die Kommissionen im Grossen Rat neu gebildet werden.
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  5. Genossenschaft

    von Maya Eldorado um 24.10.2012 um 00:35Uhr

    Das Wort Kantonalbank sagt eigentlich schon aus, dass sie zum Staat gehört und somit den Bürgern, deshalb sollte sie als Genossenschaft konzipiert werden.
    Ich bin allgemein der Ansicht, dass der Staat aufhören sollte, den Weltkonzernen, die vor allem ihr Gewinnstreben im Auge haben, den roten Teppich auszulegen. Unterstützt werden sollten allein Genossenschaften und KMU, deren Ziel es ist, den Menschen mit ihren Produkten zu dienen. Alles andere ist schlussendlich dem Gemeinwohl hinderlich.
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Informationen zum Artikel

23.10.2012, 14:15 Uhr

Was für eine Bank braucht Basel? Ein Kommentar

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  • 16.05.2013 um 15:30
    TagesWoche vom 17.5.: Die Themen

    Arm dran: Trotz Volljob zu wenig Geld – vor allem Frauen sind betroffen; André Dosé sorgt sich um die Zukunft der Schweiz; Immobilien Basel-Stadt: Rendite ist das oberste Ziel; Peter Schneider: Warum wir heucheln; Dan Browns neuer Roman «Inferno» – eine Kritik… Dies und weitere Themen in der TagesWoche vom 17. Mai – als App, im Abo und am Kiosk.

  • 16.05.2013 um 14:47
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