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TagesWoche

Tages Woche

Do, 20.06.2013

Öffentlicher Verkehr 

14.10.2012, 13:02 Uhr

175 von 300 Regionalbahnlinien droht eine Umstellung auf Busbetrieb

14.10.2012, 13:02 Uhr

Mehr als jeder zweiter Schweizer Regionalbahnlinie droht die Umstellung auf Busbetrieb. Geht es nach dem Plänen des Bundesamtes für Verkehr (BAV), muss der Regionalverkehr auf der Schiene künftig einen Kostendeckungsgrad von 50 Prozent erreichen. Von sda

sda: Passagiere entsteigen der Regionalbahn Thurbo (Archiv)

Passagiere entsteigen der Regionalbahn Thurbo (Archiv) (Bild: sda)

Von 300 regionalen Eisenbahnlinien weisen derzeit rund 175 einen Kostendeckungsgrad von weniger als 50 Prozent auf. Dringt das BAV mit seinen Plänen durch, müsste in Zukunft bei ungefähr jeder zweiten Linie vor grösseren Investitionen in Betriebsmittel geprüft werden, ob nicht wirtschaftlichere Alternativen bestehen.

Mit der Definition von einheitlichen Prüfkriterien werde ein Instrument geschaffen, welches einzelfallweise die Prüfung von Bahnlinien ermöglicht, begründet das BAV seine Pläne.

Der Vorschlag des BAV zum Kostendeckungsgrad für Regionalbahnlinien stammt aus einer Verordnung zur Bahnreform 2. Diese wurde letzte Woche in die Vernehmlassung gegeben, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Kantone und andere andere Betroffene können bis zum 22. November zum Entwurf Stellung dazu nehmen.

Besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis

Gemäss dem im Internet veröffentlichten Verordnungsentwurf sollen Besteller bei Bahnlinien unter einem bestimmten Kostendeckungsgrad konkret prüfen müssen, ob nicht alternative Angebote mit einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis existieren. Um Fehlinvestitionen in die Infrastruktur zu vermeiden, soll beim Entscheid einer Umstellung auch die Substanz der bestehenden Infrastruktur berücksichtigt werden.

Bei einer Linie, deren Infrastruktur vor kurzem Zeit komplett erneuert wurde, werde eine Umstellung in der Regel wenig Sinn machen, heisst es im Entwurf. Diene eine Strecke vorwiegend dem regionalen Personenverkehr, müsse sie allenfalls aufgehoben werden. Dabei resultierten hohe Sonderabschreibungen in der Sparte Infrastruktur.

Wenn die betreffende Strecke für andere Verkehrsarten wie den Fern- oder den Güterverkehr ohnehin weiterbetrieben werden müsse, könnten auf Seiten Infrastruktur nur geringe Einsparungen erzielt werden. Eine enge Abstimmung zwischen Verkehr und Infrastruktur sei daher zwingend notwendig, meint das BAV in seinem Begleitschreiben.

Zustand Rollmaterial berücksichtigen

Ein anderes Kriterium bei der Überprüfung von unrentablen Regionalverkehrslinien ist der Zustand des Rollmaterials. Da dieses mindestens 20 bis 30 Jahre eingesetzt werde und gerade bei Schmalspurbahnen nicht ohne Weiteres auf andere Linien verschoben werden könne, mache eine Überprüfung der Betriebsform in kurzen zeitlichen Abständen grundsätzlich wenig Sinn.

Die Vorschläge des BAV basieren auf einem Bundesratsentscheid vom 1. September 2010 über den Bericht zur Aufgabenüberprüfung (AüP). Damals wurde unter anderem beschlossen, die Massnahme "Umstellung Bahn-Bus" weiter zu verfolgen.

  1. Welche Kosten sparen?

    von H J Martens am 14.10.2012 um 17:48Uhr

    Das wäre gut nachvollziehbar, falls auch die Ökologie und der soziale Nutzen in dieser Sparübung mit einbezogen würden. Dann würde dem Konzept des service public (= Dienst am Gesamtnutzen der Gemeinschaft) nachgelebt.
    Dabei bin ich allerdings wenig optimistisch; die Neocons wollen immer noch eindimensional Kosten sparen, koste es was es wolle!
    Direktlink zum Kommentar

  2. Neue Ära im öffentlichen Verkehr

    von Cornelis Bockemühl am 15.10.2012 um 08:37Uhr

    Dass nach der Ära Leuenberger mit ihrem regelrechten Boom im ÖV in der jetzigen Ära Leuthold ein kälterer Wind weht war ja wohl zu erwarten. Verlautbarungen wie die mit dem Kostendeckungsgrad dienen ja wohl in erster Linie als politischer Stimmungstest wie weit man da gehen kann.

    Hoffentlich setzt sich aber dennoch die Einsicht durch dass man mit einfachen ökonomischen Parametern den Sinn oder Unsinn einer Bahn nicht messen kann! Es ist ja keine Kunst - und wurde vielerorts vor allem im Ausland zur Genüge praktiziert! - eine Bahn unrentabel zu machen: Zuerst wird eine Strecke vernachlässigt (keine Investitionen mehr, sinnlose Fahrpläne, kein Dienst am Kunden usw.) und dann gibt man der Verbindung mit dem Kostendeckungs-Argument den Todesstoss. Und ersetzt sie durch eine Busverbindung, von der zum Teil selbst die Anwohner kaum wissen dass sie existiert!

    Das war die "gute alte" Bahnpolitik der 50-er und 60-er Jahre weit herum in Europa. Hoffen wir dass die Schweiz jetzt nicht 60 Jahre später dieselbe Methode als "Fortschritt" verkaufen will!
    Direktlink zum Kommentar

  3. Kosten - Nutzen

    von Maya Eldorado am 15.10.2012 um 08:47Uhr

    Ehrlicher- und gerechterweise sollte man dann auch mal eine Kosten- Nutzenanalyse beim Auto machen. Aber dann bitte alles einbeziehen und nichts vergessen, auch die Unfälle, Feinstaubbelastung, Lärmemissionen mit ihren Folgekosten.
    Das könnte vielleicht der Frau Leuthard die Augen öffnen, was rentabler ist!
    Direktlink zum Kommentar

  1. Welche Kosten sparen?

    von H J Martens um 14.10.2012 um 17:48Uhr

    Das wäre gut nachvollziehbar, falls auch die Ökologie und der soziale Nutzen in dieser Sparübung mit einbezogen würden. Dann würde dem Konzept des service public (= Dienst am Gesamtnutzen der Gemeinschaft) nachgelebt.
    Dabei bin ich allerdings wenig optimistisch; die Neocons wollen immer noch eindimensional Kosten sparen, koste es was es wolle!
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  2. Neue Ära im öffentlichen Verkehr

    von Cornelis Bockemühl um 15.10.2012 um 08:37Uhr

    Dass nach der Ära Leuenberger mit ihrem regelrechten Boom im ÖV in der jetzigen Ära Leuthold ein kälterer Wind weht war ja wohl zu erwarten. Verlautbarungen wie die mit dem Kostendeckungsgrad dienen ja wohl in erster Linie als politischer Stimmungstest wie weit man da gehen kann.

    Hoffentlich setzt sich aber dennoch die Einsicht durch dass man mit einfachen ökonomischen Parametern den Sinn oder Unsinn einer Bahn nicht messen kann! Es ist ja keine Kunst - und wurde vielerorts vor allem im Ausland zur Genüge praktiziert! - eine Bahn unrentabel zu machen: Zuerst wird eine Strecke vernachlässigt (keine Investitionen mehr, sinnlose Fahrpläne, kein Dienst am Kunden usw.) und dann gibt man der Verbindung mit dem Kostendeckungs-Argument den Todesstoss. Und ersetzt sie durch eine Busverbindung, von der zum Teil selbst die Anwohner kaum wissen dass sie existiert!

    Das war die "gute alte" Bahnpolitik der 50-er und 60-er Jahre weit herum in Europa. Hoffen wir dass die Schweiz jetzt nicht 60 Jahre später dieselbe Methode als "Fortschritt" verkaufen will!
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  3. Kosten - Nutzen

    von Maya Eldorado um 15.10.2012 um 08:47Uhr

    Ehrlicher- und gerechterweise sollte man dann auch mal eine Kosten- Nutzenanalyse beim Auto machen. Aber dann bitte alles einbeziehen und nichts vergessen, auch die Unfälle, Feinstaubbelastung, Lärmemissionen mit ihren Folgekosten.
    Das könnte vielleicht der Frau Leuthard die Augen öffnen, was rentabler ist!
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14.10.2012, 13:02 Uhr

175 von 300 Regionalbahnlinien droht eine Umstellung auf Busbetrieb

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Text: sda

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