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TagesWoche

Tages Woche

Sa, 25.05.2013

Swiss Indoors 

19.10.2012, 17:38 Uhr

Kontrollen verschärft nach wiederholtem Lohndumping

19.10.2012, 17:38 Uhr

Weil Kontrolleure mehrfach Arbeiter erwischten, die zu Dumpinglöhnen den grössten Schweizer Sportanlass aufbauten, verschärfte die Zentrale Paritätische Kontrollstelle umgehend ihre Kontrollen beim Tennisturnier Swissindoors und wurde wieder fündig. Von Matieu Klee

Die Kontrolleure machen sich auf zur Kontrolle.

Die Kontrolleure machen sich auf zur Kontrolle. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Kontrolliert werden angeblich Selbständige und Angestellte.

Kontrolliert werden angeblich Selbständige und Angestellte. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Schon bald ist Eröffnung.

Schon bald ist Eröffnung. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Immer wieder stossen die Kontrolleure auf Arbeiter in T-Shirts ihrer Auftraggeber. Auf dem Papier sind sie dann aber oft selbständig.

Immer wieder stossen die Kontrolleure auf Arbeiter in T-Shirts ihrer Auftraggeber. Auf dem Papier sind sie dann aber oft selbständig. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Ein Kontrolleur befragt zwei Arbeiter.

Ein Kontrolleur befragt zwei Arbeiter. (Bild: Hans-Jörg Walter)

«Wer gibt Ihnen Anweisungen für Ihre Arbeit?», lautet eine Frage, um herauszufinden, ob der Befragte tatsächlich selbständig Erwerbender ist.

«Wer gibt Ihnen Anweisungen für Ihre Arbeit?», lautet eine Frage, um herauszufinden, ob der Befragte tatsächlich selbständig Erwerbender ist. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Viele angeblich Selbständige arbeiten nach genauen Vorgaben, bringen weder Material mit, noch haben sie eigenes Werkzeug.

Viele angeblich Selbständige arbeiten nach genauen Vorgaben, bringen weder Material mit, noch haben sie eigenes Werkzeug. (Bild: Hans-Jörg Walter)

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Am Donnerstagmorgen früh rückt eine Truppe Kontrolleure aus. Einsatzort ist die Baustelle der grössten Sportveranstaltung der Schweiz, das Tennisturnier Swissindoors. Ausgerüstet mit einer Liste mit Namen von Verdächtigen stossen die Kontrolleure schon bald auf die ersten angeblich selbständigen Messebauer, die sie verdächtigen, zu Dumpinglöhnen zu arbeiten. Und dies im dritten Jahr in Folge, weshalb die Kontrolleure umgehend ihre Kontrollen verschärfen und auf den Abend ausdehnen: Tatsächlich entdecken sie ungarische Messebauer, die angeben, für einen der Sponsoren des Turniers zu einem Stundenlohn zwischen sechs und acht Franken zu arbeiten. Dabei handelt es sich offenbar um den Stand von Nespresso, einem der Hauptsponsoren, wie die «Tagesschau» soeben in ihrer Hauptausgabe den Primeur der TagesWoche ergänzte. Nespresso hat den Auftrag an ein Subunternehmen vergeben, welches wiederum die ungarischen Messebauer beauftragte.

Bereits letztes Jahr begleitete die TagesWoche die Angestellten der Zentralen Paritätischen Kommission (ZPK) auf Ihrem Kontrollgang der Aufbauarbeiten des Tennisturniers Swiss Indoors. Sie prüfen im Auftrag des Staates, der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, also die flankierenden Massnahmen zum freien Personenverkehr greifen.

Angeblich Selbständige erinnern sich nicht an ihre Firmenadresse

Auch schon damals stiessen die Kontrolleure auf ungarische Messebauer, die zu Protokoll gaben, sie arbeiteten auf eigene Rechnung und verdienten anständig. Als Selbständige müssen sie sich weder an Gesamtarbeitsverträge noch an Mindestlöhne halten. Doch angereist waren die sechzehn angeblichen Subunternehmer gemeinsam mit drei Bussen. Sie übernachteten auf Rechnung der auftraggebenden Firma gemeinsam in einem Hotel im Elsass. Bei der Befragung konnten sie sich teilweise nicht einmal an die Adresse ihrer eigenen Firma erinnern.

Neun Monate dauerte es, bis die Kontrolleure der Zentralen Paritätischen alle Umstände geklärt und die Beweise gesichert hatten. Doch dann war der Fall für die Kontrollstelle klar: Die Ungarn waren Scheinselbständige und arbeiteten zu Dumpinglöhne von teilweise weniger als fünf Franken. Zum Vergleich: Gemäss Kontrollstelle wäre laut Gesamtarbeitsvertrag ein Mindestlohn von rund dreissig Franken geschuldet. Insgesamt seien die in der Schweiz geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen bei der Swiss Indoors Ausgabe 2011, aber auch schon 2010 auf «massivste Weise nicht eingehalten worden», so das Fazit der Kontrollstelle.

Swiss Indoors fühlt sich nicht betroffen

Die von Swiss Indoors mit dem Aufbau eines Teils des Turniers beauftragte Messefirma Uniplan hatte an die Ungarn einen Teilauftrag für etwas über 20 000 Euro weitergegeben. Doch allein schon deren Unterkunft und Reise hätte gemäss Berechnungen der Kontrolleure die Hälfte dieser Summe verschlungen.

Swiss Indoors will sich zu diesem Fall nicht äussern. Nur so viel: «Nach Kenntnis der Swiss Indoors laufen in dieser Angelegenheit weiterhin Gespräche zwischen der ZPK und Uniplan. Weil die Swiss Indoors AG davon nicht betroffen ist, kann sie sich zum Inhalt dieser Gespräche nicht äussern.» Und die Firma Uniplan lässt ausrichten: «Die Uniplan setzt alles daran, die gesetzlichen und behördlichen Minimalstandards einzuhalten und die Subunternehmer ebenso dazu anzuhalten. Dies wird jeweils auch vertraglich festgehalten. Die Uniplan Switzerland AG bestreitet, in irgendeiner Weise gesetzliche oder behördliche Bestimmungen verletzt zu haben. Sie hat sich jederzeit an die geltenden Bestimmungen gehalten und toleriert Verletzungen arbeitsrechtlicher Minimalbestimmungen in keiner Weise.»

Bei ihren Abklärungen nach der letztjährigen Ausgabe der Swiss Indoors stiess die ZPK auch noch bei deutschen Messebauern auf ähnliche Missstände, weshalb die Kontrollstelle von der mit dem Aufbau der Infrastruktur beauftragten Messebaufirma Uniplan inklusive Kontrollkosten eine Nachzahlung von über 100 000 Franken verlangt. Auf Anfrage der TagesWoche kündigt die ZPK an, diesen Betrag notfalls vor Gericht einzufordern.

  1. Swiss Indoors

    von fabio montale am 19.10.2012 um 20:02Uhr

    auch die betreuer, ballenbuben etc. arbeiten für gotteslohn- ob dies der grosse Roger weiss, die Nationale Suisse und die Jura kaffi fritzen? etc. was da nun eben seit 3 jahren bekannt abgeht. die herrschaften sollten sich nicht nur schämen sondern dringend über die bücher...
    Direktlink zum Kommentar

  2. Skandal beim grössten Schweizer Sportanlass

    von Reto Weibel am 20.10.2012 um 12:10Uhr

    Es ist ein Armutszeugnis für den grössten Schweizer Sportanlass, dass nun bereits im wiederholten Falle massive Verletzungen der Arbeitsbedingungen festgestellt werden. Anscheinend wurde aus den Vorfällen vom letzten Jahr nichts gelernt.
    Ich fordere die Swiss Indoors Turnierveranstalter auf dringend zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Unwürdig / Fragwürdig

    von Roland Stucki am 20.10.2012 um 19:05Uhr

    in der Öffentlichkeit werden alle immer gerühmt, es wird von einem exzellenten Sportanlass gesprochen, man überhäuft sich mit Lobhudeleien, aber wie schon oben beschrieben, es ist eines Sportanlasses wie diesem nicht würdig. Den Spielern wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen, sie bekommen Traumgagen und der Schreiner kann sich für 1 Stunde arbeiten grad mal ein (billiges) Sandwich leisten. Aber selbstverständlich ist niemand schuld resp. der andere ist verantwotlich... Ja das kann schon mal passieren aber leider wiederholt es sich Jahr für Jahr.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Swiss Indoors

    von fabio montale um 19.10.2012 um 20:02Uhr

    auch die betreuer, ballenbuben etc. arbeiten für gotteslohn- ob dies der grosse Roger weiss, die Nationale Suisse und die Jura kaffi fritzen? etc. was da nun eben seit 3 jahren bekannt abgeht. die herrschaften sollten sich nicht nur schämen sondern dringend über die bücher...
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  2. Skandal beim grössten Schweizer Sportanlass

    von Reto Weibel um 20.10.2012 um 12:10Uhr

    Es ist ein Armutszeugnis für den grössten Schweizer Sportanlass, dass nun bereits im wiederholten Falle massive Verletzungen der Arbeitsbedingungen festgestellt werden. Anscheinend wurde aus den Vorfällen vom letzten Jahr nichts gelernt.
    Ich fordere die Swiss Indoors Turnierveranstalter auf dringend zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.
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  3. Unwürdig / Fragwürdig

    von Roland Stucki um 20.10.2012 um 19:05Uhr

    in der Öffentlichkeit werden alle immer gerühmt, es wird von einem exzellenten Sportanlass gesprochen, man überhäuft sich mit Lobhudeleien, aber wie schon oben beschrieben, es ist eines Sportanlasses wie diesem nicht würdig. Den Spielern wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen, sie bekommen Traumgagen und der Schreiner kann sich für 1 Stunde arbeiten grad mal ein (billiges) Sandwich leisten. Aber selbstverständlich ist niemand schuld resp. der andere ist verantwotlich... Ja das kann schon mal passieren aber leider wiederholt es sich Jahr für Jahr.
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  4. Sportanlass?

    von René Reinhard um 20.10.2012 um 23:18Uhr

    Für mich sind "Grümpeltourniere", Hornussen oder Eierwerfen, ohne jedoch jetzt gleich "patriotisch" zu werden, noch sportliche Anlässe. Aber sonst? Fussball, Tennis, Radrennen, sind das nicht vor allem "Stutzgenerierungsveranstaltungen"?
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Informationen zum Artikel

19.10.2012, 17:38 Uhr

Kontrollen verschärft nach wiederholtem Lohndumping

Text

Text:

  • 24.05.2013 um 11:20
    Jetzt scheint die Sonne auch über Sissach

    Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.

  • 22.05.2013 um 16:57
    Jagd auf Abfallsünder

    Nach Pfingsten machte das Amt für Umwelt und Energie mit der Stadtreinigung Jagd auf Abfallsünder, die trotz Feiertag ihren Abfallsack für die Kehrichtabfuhr bereitgestellt hatten. Knapp ein Viertel der Sünder konnte überführt werden.

  • 16.05.2013 um 15:33
    «In der Schweiz gibt es viele Anti-Sozialpartner»

    Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt im Interview, weshalb es so dringend einen Mindestlohn braucht.

  • 22.04.2013 um 16:36
    @Automatismus
    Zum Artikel: Mitte-Links tritt mit ehemaligem EVP-Landrat Thomi Jourdan an

    Danke für den Hinweis. Wir hätten gerne von Anfang an ein hochaufgelöstes Bild des Kandidaten gezeigt. Bis jetzt ist aber keines verfügbar.

  • 18.04.2013 um 22:21
    @Nestbeschmutzung?
    Zum Artikel: An der Baselworld wimmelt es von Scheinselbständigen

    Lieber Herr Hochhuth Vielen Dank für Ihren bissig ironischen und treffenden Kommentar. Ich könnte jetzt ernsthaft antworten: Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, den Mächtigen zu gefallen. Ich möchte vielmehr möglichst aufdecken, was tatsächlich gespie...

  • 13.03.2013 um 09:39
    @Jacqueline Landmann
    Zum Artikel: Erstes Shoppingcenter in der Kantonshauptstadt

    Sie haben natürlich Recht. Stadtratspräsident Lukas Ott lobte ausdrücklich auch das Archtekturbüro. Es ist das Basler Büro Buchner Bründler.

Aktuell

Michael Würtenberg: Da hatten sie noch auf verlorenem Posten gekämpft: Zelglihofbauer Daniel Wiedmer und Markus Chrétien, Geschäftsführer der Solarspar im Sommer 2012.

Erneuerbare Energie 

Solaranlage eingeweiht

Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.Von Matieu Klee. Weiterlesen

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