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TagesWoche

Tages Woche

Sa, 25.05.2013

Loyalitäts-Konflikt 

17.10.2012, 18:57 Uhr

Schwere Vorwürfe an die SVP von Ex-Mitglied Meier

17.10.2012, 18:57 Uhr

Der aus der SVP ausgetretene Grossrat Felix Meier bricht sein langes Schweigen. Er erhebt happige Vorwürfe gegen die SVP-Spitze um Sebastian Frehner und greift sogar zum Nazi-Vergleich. Von Matthias Oppliger

Nils Fisch: SVP-Präsident Sebastian Frehner betreibt Felix Meier über 20 000 Franken. Dieser wehrt sich nun mit einem Nazi-Vergleich.

SVP-Präsident Sebastian Frehner betreibt Felix Meier über 20 000 Franken. Dieser wehrt sich nun mit einem Nazi-Vergleich. (Bild: Nils Fisch)

Seit Monaten schwelt zwischen der Parteispitze der SVP Basel-Stadt und dem zur CVP abgesprungenen Grossrat Felix Meier ein Konflikt. Es geht um viel Geld, gegen Meier ist eine Betreibung über 20'000 Franken hängig. Es geht auch um politische Ämter – die SVP fordert Meier zum Rücktritt von allen seinen als SVP-Vertreter errungenen Mandaten auf. Nach langem Schweigen hat sich Meier nun mit einer Mitteilung an die Medien gewandt.

Ähnlichkeiten zu NPD-Dokument

In der Mitteilung fährt Neu-CVPler Meier schweres Geschütz auf, indem er die Basler SVP in die Nähe der rechtsextremen deutschen NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) rückt. Diese liess in den Sechziger Jahren nämlich alle ihre Mitglieder, die für ein politisches Amt kandidieren wollten, eine «Unterwerfungserklärung» unterschreiben. Darin verpflichteten sich die Nationaldemokraten, bei einem Parteiaustritt alle ihre Ämter niederzulegen oder alternativ eine hohe Geldstrafe zu bezahlen. Bei der SVP existiert unter dem Namen «Loyalitätserklärung» ein Instrument, welches in bestimmten Abschnitten grosse Ähnlichkeit mit der Erklärung der NPD aufweist. So müssen auch die SVPler bei einem Parteiaustritt ihr Amt niederlegen oder aber eine «Strafgebühr» über 20'000 Franken (Grossräte) beziehungsweise 50'000 Franken (Regierungsräte, National- und Ständeräte, Gerichtspräsidenten) entrichten.

«Einer Demokratie nicht würdig»

«Diese Strafgebühren sind nichts anderes als Gesinnungsstrafen», urteilt Meier. SVP-Parteipräsident Sebastian Frehner wolle damit allfällige Abweichler unter Druck setzen. «Dies ist einer Demokratie nicht würdig», sagt Meier. Er gelange damit an die Öffentlichkeit, damit die Basler Bevölkerung entscheiden könne, ob sie einen solchen Stil tolerieren wolle. CVP-Präsident Markus Lehmann sieht dies ähnlich: «Eine solche ‹Loyalitätserklärung› ist doch völlig undemokratisch.» Wenn jemand die Partei wechseln wolle, so sei dies sein gutes Recht.

Die aktuelle Version dieser «Loyalitätserklärung» wurde gemäss Gross- und Nationalrat Sebastian Frehner im Mai 2009 vom Parteivorstand angenommen. Was Felix Meier in seiner Medienmitteilung nicht erwähnt: Zu dieser Zeit war er selbst Mitglied dieses Parteivorstandes. Frehner: «Meier hat diese Erklärung damals mit verabschiedet und seither schon mehrmals unterschrieben.» Er verstehe nicht, warum Meier diese «angeblichen» Ähnlichkeiten mit einem NPD-Dokument damals noch nicht aufgefallen seien. Im übrigen sei dieser Nazi-Vergleich auch nicht origineller als das jüngste Juso-Plakat.

Freie Diskussion in der SVP nicht möglich

Meier will schon 2009 gegen diese Erklärung gewesen sein, eine freie Debatte sei aber nicht möglich gewesen. «Solche Diskussionen wurden schon damals nicht akzeptiert.» Ob er das Papier selbst je unterschrieben hat – was anzunehmen ist, hat er doch mehrmals auf SVP-Listen für verschiedene politische Ämter kandidiert –, will Meier hinsichtlich des möglichen Gerichtsverfahrens nicht sagen.

In den Siebziger Jahren verlangte die NPD übrigens in einem Fall die gerichtliche Vollstreckung der Strafzahlungen, das Gericht erklärte darauf jedoch die «Unterwerfungserklärung» als sittenwidrig und somit ungültig.

  1. tja

    von Margot am 17.10.2012 um 19:35Uhr

    Dass ausgerechnet jene Partei, die für sich das Schweizertum pachten möchte, am meisten Mühe mit Schweizer Werten und demokratischen Gepflogenheiten hat, dürfte den aufmerksamen Politbeobachtern seit längerem bekannt sein. Wer sich auf der SVP-Liste noch 2008 hat wählen lassen, wirkt deshalb als Politsaubermann nicht sehr glaubwürdig.
    Direktlink zum Kommentar

  2. DEMONTAGE

    von Roland Stucki am 17.10.2012 um 19:40Uhr

    Das positive an diesen eigentlich traurigen Geschichten ist dass sich die SVP je länger je mehr selber demontiert. Jahrelang proviozieren sie mit den verabscheuenswürdigsten Plakaten, jetzt klagen sie die JUSO an. Jahrelang lästern sie über den Staat und deren Schmarotzer und kaum wird einer von ihren Schmarotzern auf die Strasse gestellt, wird die Uni eingeklagt. Mit den gemeinsten Mitteln wird Hildebrand aus der Nationalbank gejagt doch kaum wird ihr Guru wegen Bankgeheimnisverletzung angeklagt will er sich hinter Immunität verstecken. Als das nicht klappt wird eine Klage eingereicht. Jahrelang wurden politische Gegner aufs gemeinste beschimpft, eigene BR als Blinddarm und Wurmfortsatz (notabene vom heutigen BR) betitelt doch kaum getraut sich ein anderer mal einem SVP ler auf die Füsse zu treten fängt das Gejammere an. Unwürdig, gemein, von Linken unterwandert, Classe polititique sind sowieso Gauner usw. Liebe SVP-ler diese Kutur habt ihr uns gebracht. Jetzt müsst ihr damit leben, zeigt Grösse und steht dazu.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Im Februar 2011...

    von Joël Thüring am 17.10.2012 um 19:45Uhr

    ... hat Meier die Erklaerung vorbehaltlos zum letzten Mal unterschrieben. Dort hatte er offenbar noch keine derart moralische Bedenken. Im Gegenteil: Er liess sich im Herbst 2011 fuer die SVP in die Buergergemeinde waehlen und nahm das ihm organisierte Kommissionspraesidium dankbar an.
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  4. Schwere Vorwürfe....

    von Christoph Meury am 18.10.2012 um 09:29Uhr

    Solche Nachrichten sind für mich eigentlich politischer «Sondermüll» und gehören schleunigst entsorgt. Eigentlich muss ich dies auch alles nicht wissen und wenn die Herren meinen sich in ihrem «Zickenkrieg» gegenseitig mit Dreck zu bewerfen, sollen sie dies doch dort machen, wo es niemand stört, nämlich in ihrem kleinkarierten Schlammloch, aber keinesfalls in der Öffentlichkeit. Die politisch interessierten StimmbürgerInnen werden ihnen dafür dankbar sein.
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  5. Der kleine Diktator und sein braunes Positionspapier

    von Angelo Rizzi am 18.10.2012 um 10:07Uhr

    Herr Thüring - es ist nicht verboten, schlauer zu werden. Auch nicht als Parteimitglied der Basler SVP. Auch wenn es manchmal dauert und eher selten ist, so wie bei Felix Meier. Wer seine Meinung ändert, der zeigt zumindest, dass er eine eigene Meinung hat. Übrigens: Wer als Parteipräsident keine Ausstrahlung und kein Charisma hat, der versucht halt auf andere Art - wie Beispiel zeigt mit unlauteren Mitteln - seine Genossen bei Stange zu halten.
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  1. tja

    von Margot um 17.10.2012 um 19:35Uhr

    Dass ausgerechnet jene Partei, die für sich das Schweizertum pachten möchte, am meisten Mühe mit Schweizer Werten und demokratischen Gepflogenheiten hat, dürfte den aufmerksamen Politbeobachtern seit längerem bekannt sein. Wer sich auf der SVP-Liste noch 2008 hat wählen lassen, wirkt deshalb als Politsaubermann nicht sehr glaubwürdig.
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  2. DEMONTAGE

    von Roland Stucki um 17.10.2012 um 19:40Uhr

    Das positive an diesen eigentlich traurigen Geschichten ist dass sich die SVP je länger je mehr selber demontiert. Jahrelang proviozieren sie mit den verabscheuenswürdigsten Plakaten, jetzt klagen sie die JUSO an. Jahrelang lästern sie über den Staat und deren Schmarotzer und kaum wird einer von ihren Schmarotzern auf die Strasse gestellt, wird die Uni eingeklagt. Mit den gemeinsten Mitteln wird Hildebrand aus der Nationalbank gejagt doch kaum wird ihr Guru wegen Bankgeheimnisverletzung angeklagt will er sich hinter Immunität verstecken. Als das nicht klappt wird eine Klage eingereicht. Jahrelang wurden politische Gegner aufs gemeinste beschimpft, eigene BR als Blinddarm und Wurmfortsatz (notabene vom heutigen BR) betitelt doch kaum getraut sich ein anderer mal einem SVP ler auf die Füsse zu treten fängt das Gejammere an. Unwürdig, gemein, von Linken unterwandert, Classe polititique sind sowieso Gauner usw. Liebe SVP-ler diese Kutur habt ihr uns gebracht. Jetzt müsst ihr damit leben, zeigt Grösse und steht dazu.
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  3. Im Februar 2011...

    von Joël Thüring um 17.10.2012 um 19:45Uhr

    ... hat Meier die Erklaerung vorbehaltlos zum letzten Mal unterschrieben. Dort hatte er offenbar noch keine derart moralische Bedenken. Im Gegenteil: Er liess sich im Herbst 2011 fuer die SVP in die Buergergemeinde waehlen und nahm das ihm organisierte Kommissionspraesidium dankbar an.
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  4. SVP-Kultur

    von Brigitte Sahin um 17.10.2012 um 21:43Uhr

    @Roland Stucki: Sie beschreiben das alles sehr gut und umfassend, ich kann nur voll beipflichten. Vor Jahrzehnten habe ich mal einen Ausspruch gehört, der sich immer wieder bestätigt:
    "Die Wahrheit offenbart sich selbst." War das unser alter Herr Goethe? Ich weiss es nicht, will mich jedenfalls nicht mit fremden Federn schmücken. Aber es IST schicht so, leider dauert es manchmal nur sehr lang, diese Offenbarung und strapaziert dann mein Temperament unheimlich. Aber es soll ja auch einen "legitimen" heiligen Zorn geben. Hoffe ich!
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  5. Trojaner-Lieber die Taube in der Hand als den S...

    von Wahrsager um 18.10.2012 um 02:15Uhr

    Wo sich der Ex-GrR ins Fettnäpfchen gelegt hat kann man im neuen ornithologischen Werbeblatt-dem Basler SVP-Trojaner von des Parteigurus Gnaden- nachlesen. Sonnenklar ist somit wer im Politranking zuoberst sein muss. Die netten, gutbebilderten Interviews und renommierten Mitmacher diesmal sind reinste Ablenkungen.
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  6. Schwere Vorwürfe....

    von Christoph Meury um 18.10.2012 um 09:29Uhr

    Solche Nachrichten sind für mich eigentlich politischer «Sondermüll» und gehören schleunigst entsorgt. Eigentlich muss ich dies auch alles nicht wissen und wenn die Herren meinen sich in ihrem «Zickenkrieg» gegenseitig mit Dreck zu bewerfen, sollen sie dies doch dort machen, wo es niemand stört, nämlich in ihrem kleinkarierten Schlammloch, aber keinesfalls in der Öffentlichkeit. Die politisch interessierten StimmbürgerInnen werden ihnen dafür dankbar sein.
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  7. Der kleine Diktator und sein braunes Positionspapier

    von Angelo Rizzi um 18.10.2012 um 10:07Uhr

    Herr Thüring - es ist nicht verboten, schlauer zu werden. Auch nicht als Parteimitglied der Basler SVP. Auch wenn es manchmal dauert und eher selten ist, so wie bei Felix Meier. Wer seine Meinung ändert, der zeigt zumindest, dass er eine eigene Meinung hat. Übrigens: Wer als Parteipräsident keine Ausstrahlung und kein Charisma hat, der versucht halt auf andere Art - wie Beispiel zeigt mit unlauteren Mitteln - seine Genossen bei Stange zu halten.
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  8. an Angelo Rizzi

    von Joël Thüring um 18.10.2012 um 10:22Uhr

    Genau, man darf immer schlauer werden. Aber es ist natürlich bezeichnend, dann schlauer zu werden, wenn die Abwahl droht - man noch ein wenig PR braucht - und man selber davon betroffen ist.
    Bisher hat Herr Meier diese Loyalitätserklärung aber nicht gestört, im Gegenteil. Sonst hätte er sie ja nicht mehrfach unterzeichnet.
    Aber gut, was will man auch von Personen erwarten, die innerhalb von sechs Jahren drei Parteien angehörten...
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  9. Unscharfe Abgrenzung gegen Braun....

    von Phil Boesiger um 18.10.2012 um 10:28Uhr

    Ich habe schon von mehr als einem SVP-Parteimitglied und von vielen SVP-Sympathisanten in Stammtischambiance Sprüche gehört wie zum Beispiel: "der Dölf hatte nicht ganz unrecht...". Da hats am rechten Ende der SVP schon ein paar Gestalten mit braunem Gedankengut, keine Frage. Die SVP hat bewusst am rechten Rand gefischt, um die "patriotischen" Kräfte zu bündeln. Nun den empörten Überraschten zu spielen, wenn sich da vereinzelt, aber hörbar braunes Gesocks tummelt, ist mehr als scheinheilig.
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  10. Sprichwörtlich

    von Stefan Heimers um 18.10.2012 um 10:32Uhr

    Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In diesem Fall also die Parteien ohne "Volk" im Namen.
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Informationen zum Artikel

17.10.2012, 18:57 Uhr

Schwere Vorwürfe an die SVP von Ex-Mitglied Meier

Text

Text:

  • 25.05.2013 um 16:03
    Cooler geht nicht

    Die Open-Air-Saison ist eröffnet. Wir haben weder Wind noch Wetter gefürchtet und einen Redaktor an die Bad Bonn Kilbi geschickt. Er hüpfte vor Bären, Angela Merkel und Kälte.

  • 24.05.2013 um 20:01
    Transparenz-Gegner aufgeschreckt

    Zwei Wochen vor der Abstimmung haben sich nun auch die Gegner der Transparenz-Initiative organisiert. Sie wurden wohl von der Professionalität der Befürworterkampagne überrascht.

  • 23.05.2013 um 14:09
    Konflikte scheut er nicht

    Thomi Jourdans Kandidatur für den Baselbieter Regierungsrat scheint aussichtslos. Genau das spornt ihn an.

  • 05.04.2013 um 21:05
    @Michel Steiner
    Zum Artikel: Randständige führen durch ihr Basel

    Lieber Herr Steiner Vielen Dank für die Präzisierung. Ich habe den Text entsprechend angepasst. Ihnen noch einen schönen Abend. Freundliche Grüsse Matthias Oppliger (am Dienstpult)

  • 27.03.2013 um 08:58
    @Maya Eldorado
    Zum Artikel: Novartis verhindert Zwischennutzungen

    Das für die Zwischennutzungen vorgesehene Gelände grenzt an ein Areal der Novartis. Als Anwohner haben sie deshalb das Recht, gegen ein Baugesuch Einspruch zu erheben.

  • 30.01.2013 um 15:01
    @Matthias Schweizer
    Zum Artikel: Sozialarbeiter auf Abruf

    Sehr geehrter Herr Schweizer Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, dass Sie diesen Artikel doch noch durch eine Stellungnahme der ABS ergänzen. Für die Beantwortung meiner Fragen habe ich Ihnen zwei Tage zur Verfügung gestellt. Ein Zeitfenst...

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