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TagesWoche

Tages Woche

Sa, 25.05.2013

Öffentlicher Verkehr 

15.10.2012, 18:06 Uhr

Busse statt S-Bahnen nach Basel

15.10.2012, 18:06 Uhr

Der Bund möchte unrentable Bahnlinien durch Busse ersetzen. Auf dem Prüfstand stehen auch die S-Bahnlinien Basel-Laufen, Basel-Frick, die Waldenburgerbahn und das Läufelfingerli. Von Matieu Klee

Gaetan Bally: Auch die S-Bahn von Basel nach Laufen steht auf der Liste der unrentablen Regionalbahnlinien.

Auch die S-Bahn von Basel nach Laufen steht auf der Liste der unrentablen Regionalbahnlinien. (Bild: Gaetan Bally)

Wenn der Bund unrentable Bahnstrecken überprüfen will, bleiben die Baselbieter und Basler Spezialisten für den öffentlichen Verkehr normalerweise gelassen. Doch diesmal ist es anders. Auf der Liste der schlecht rentierenden Bahnlinien steht nicht nur das Läufelfingerli, sondern auch die S-Bahnen von Basel nach Frick, Basel-Laufen, die S-Bahn nach Riehen ins Wiesental und die Waldenburgerbahn. Sogar die Regionallinie Olten-Basel ist auf der Liste, allerdings nur deren Nachtangebot. Insgesamt hat das Bundesamt für Verkehr 175 von 300 Regionalbahnlinien im Auftrag des Bundesrats ins Visier genommen, wie die «NZZ am Sonntag» in ihrer letzten Ausgabe berichtete. Bei all den Linien auf der Liste, die das Bundsamt für Verkehr heute veröffentlichte (siehe Rückseite des Artikels), will der Bund vor allem prüfen, ob sich diese nicht mit einem Bus statt einer Bahn günstiger betreiben liessen. Auf dieser Sparliste sind alle Linien, die ihre Kosten weniger als zur Hälfte decken. Tatsächlich spielt die S3 von Basel nach Laufen 49 Prozent der Kosten ein, die S1 von Basel nach Frick 50 Prozent, die Waldenburgerbahn 46 Prozent.

Verkehrskollaps vorprogrammiert

Das ist überraschend, zählen doch all diese S-Bahnlinien im Regionalverkehr Nordwestschweiz zu den tragenden Säulen des Mobilitätskonzepts der Agglomeration. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn zum Beispiel die Regionalzüge der Linie Laufen-Basel durch Busse ersetzt würden. Um nur schon nur all die Pendler, Schülerinnen und Schüler während der Morgenspitze in die Stadt respektive zu ihren Schulen zu bringen, wäre eine riesige Busflotte nötig, die sich dann durch die jetzt schon verstopften Strassen quälen müsste. Auch wenn das Baselbieter Amt für öffentlichen Verkehr der Bau- und Umweltschutzdirektion die Vorschläge des Bundes prüfen und deshalb erst später Stellung beziehen will, ist jetzt schon klar: Auf solch gut frequentierten Linien wie auf der Strecke Basel-Laufen oder Basel-Frick die Bahn durch Busse zu ersetzen, würde zu den Stosszeiten zu einem Verkehrkollaps auf den Strassen in der Agglomeration und wohl auch der Stadt Basel führen.

Überhaupt macht die Liste des Bundes den Anschein, als ob sie von einem Ökonomie-Studenten ausgearbeitet wurde ohne sich mit Verkehrsplanern abzusprechen. Einziges Kriterium, um die Sparkandidaten aufzulisten, war offenbar ein Kostendeckungsgrad von fünfzig Prozent und weniger. So steht etwa auch die Linie Basel-Zell im Wiesental auf der Liste. Doch von dieser Strecke übernimmt die Deutsche Seite fast alle Kosten. Einzig den Abschnitt vom Badischen Bahnhof zum Bahnhof SBB finanziert die Schweizer Seite. Doch ausgerechnet diese kurze Teilstrecke wird nicht nur rege genutzt, sondern ist vor allem ein entscheidendes Teilstück im Netz des öffentlichen Verkehrs. Schliesslich ist der Schweizer Bahnhof ein wichtiger Umsteigebahnhof für alle Schweizer Destinationen.

Selbst das Läufelfingerli ist eine Ausnahme

Die einzige Linie auf der Liste, die nicht zu den tragenden Säulen des Verkehrskonzepts zählt, ist die S9 von Sissach über Läufelfingen nach Olten. Das Läufelfingerli deckt seine Kosten nur gerade zu zwanzig Prozent. Würde die Bahn in Läufelfingen enden, wäre wohl ein Bus an Stelle der Bahn politisch kaum aufzuhalten. Doch die Bahn fährt weiter bis nach Olten und diese alte Hauensteinstrecke dient der SBB auch heute noch als willkommene Ausweichsroute. Bei Störungen im Hauensteintunnel, kann die Bahn das Nadelöhr so umfahren. Die Infrastruktur ist deshalb - zumindest bei Störungen zwischen Sissach und Olten - Teil des nationalen Netzes. Selbst wenn das Läufelfingerli nicht mehr fahren würde, liessen sich die Infrakstruktur deshalb auch nicht einfach einsparen.

  1. S-Bahn

    von René Zenklusen am 15.10.2012 um 18:56Uhr

    Jetzt hat doch kürzlich die Basler Regierung gross den Nutzten von S-Bahn Linien hervorgehoben, mit Durchstichvariante.
    Nun sollen fast alle S-Bahn Linien hinterfragt werden ?
    Direktlink zum Kommentar

  2. Unlogisch

    von Lars Mazzucchelli1 am 16.10.2012 um 07:52Uhr

    Die Diskussion übers Läufelfingerli ist dahingehend überflüssig, dass die SBB diese "willkommene" Ausweichstrecke sicher nicht aufgeben will. Wenn also die Schienen liegen, die Drähte hängen und die Weichen gehen - wieso soll da nicht ab und an noch ein Personenzüglein drüberfahren? Man nennt diese Einkünfte, so sie denn über den variablen Kosten liegen "Deckungsbeitrag". Überlegen könnte man sich den Taktfahrplan zwischen den Hauptverkehrszeiten so zwischen 9 - 11 und 14 - 16 Uhr.
    Direktlink zum Kommentar

  3. S-Bahn ausbauen

    von Lukas Schmid am 17.10.2012 um 11:48Uhr

    Eine florierende Metropolitanregion braucht ein attraktives Schnellbahn-Netz.
    Während Zürich seit 40 Jahre ihr regionales S-Bahn Netz mit grossem Erfolg ausgebaut hat, diskutierten wir in Basel nur über unser Trämli vor der eigenen Türe. Statt Abbau ist endlich ein weiterer Schub notwendig: Nicht nur Durchmesserlinie, sondern
    - Verkürzung der Wartezeiten auf 15 Minuten.
    - Bahnanschluss Flughafen und Nordring zu Chemie.
    - Neue S-Bahn-Haltestellen Kannenfeld, Allschwilerstrasse,
    Oberwilerstrasse, Grosspeter, Breite, Solitude, Kleinhüningen.
    Vor allem das Letztere ist einfach zu realisieren und würde endlich die S-Bahn mit dem Feinverteiler verknüpfen!

    Direktlink zum Kommentar

  1. S-Bahn

    von René Zenklusen um 15.10.2012 um 18:56Uhr

    Jetzt hat doch kürzlich die Basler Regierung gross den Nutzten von S-Bahn Linien hervorgehoben, mit Durchstichvariante.
    Nun sollen fast alle S-Bahn Linien hinterfragt werden ?
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  2. Heiss Suppe - kalt gegessen

    von Enrico Cenci um 15.10.2012 um 20:50Uhr

    Meine Frage ist - wie kann eine Region die durch ein tolles U-Abo flexibel reist - so genau durchgerechnet werden - was rentiert und was nicht. Reise ich von Riehen nach Basel - Zug voll - reise ich nach Laufen - Zug voll. Ergo - Menschen sind unterwegs. Und wehe - die fahren alle dann mit dem Auto - .
    Falls dies wirklich durch den Bundesrat in Bern entschieden wurde (den Prüstand) - müssen wir halt bei den nächsten Wahlen die auswechseln.
    Und ganz wichtig - die Beamten in Bern. Die sind mir schon lange verdächtig - Sesselkleber und eine Kostenfalle. Und was die S6 betrifft - die betreibt doch die DB (Deutsche Bundesbahn) mit Stadler Zügen. Also, ich bin wie fast jeden Tag - sprachlos - aber nicht schreiblos.
    Last but not least - nicht wichtig - aber dass mit dem FC Basel - schrecklich. Lieber einen Vogel in der "Hand" als ein Hack für den Abstieg.
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  3. Unlogisch

    von Lars Mazzucchelli1 um 16.10.2012 um 07:52Uhr

    Die Diskussion übers Läufelfingerli ist dahingehend überflüssig, dass die SBB diese "willkommene" Ausweichstrecke sicher nicht aufgeben will. Wenn also die Schienen liegen, die Drähte hängen und die Weichen gehen - wieso soll da nicht ab und an noch ein Personenzüglein drüberfahren? Man nennt diese Einkünfte, so sie denn über den variablen Kosten liegen "Deckungsbeitrag". Überlegen könnte man sich den Taktfahrplan zwischen den Hauptverkehrszeiten so zwischen 9 - 11 und 14 - 16 Uhr.
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  4. Infrastrukturkosten

    von Alois Karl Hürlimann um 16.10.2012 um 12:02Uhr

    Ohne In Infrastruktur funktioniert im öffentlichen Leben, in der Arbeits-, der Sozial- und der Kulturwelt nichts.
    Infrastrukturen müssen funktionieren. Sie werden nie "rentieren" im Sinne eines durchaus auch ökonomisch als beliebig anzusehenden definierten "Kostendeckungsgrades" von über 50 %.

    Deshalb:
    Es wird selbstredend keine S-Bahnlinie in der Schweiz auf Grund der mit Parametern ausserhalb des realen Lebens angereicherten Kostenfaktorenberechnung irgendwelcher "Ökonomen" in irgend einem Bundesamt eingestellt werden, weder heute noch in absehbarer Zeit (also der nächsten 30 oder 40 Jahre).

    Mit anderen Worten:
    Solche "Faktorenberechnungen" sind sinnlos. Sie eignen sich nicht einmal als Planungsspielgrundlagen. Ausser viel Lärm und allerhand ideologischem Share-Holder-Quacksalber ist da nichts zu holen. Es wäre bedeutend sinnvoller, die Arbeitskraft der Beamten in diesem Bundesamt auf die Bewältigung der Herausforderungen der von der Globalisierung bis zur lokalen Arbeitsstelle geforderten allgemeinen Infrastrukturen , was u.a. auch die alltägliche Mobilität sehr vieler Menschen betrifft, umsetzungsnah einzusetzen.
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  5. S-Bahn ausbauen

    von Lukas Schmid um 17.10.2012 um 11:48Uhr

    Eine florierende Metropolitanregion braucht ein attraktives Schnellbahn-Netz.
    Während Zürich seit 40 Jahre ihr regionales S-Bahn Netz mit grossem Erfolg ausgebaut hat, diskutierten wir in Basel nur über unser Trämli vor der eigenen Türe. Statt Abbau ist endlich ein weiterer Schub notwendig: Nicht nur Durchmesserlinie, sondern
    - Verkürzung der Wartezeiten auf 15 Minuten.
    - Bahnanschluss Flughafen und Nordring zu Chemie.
    - Neue S-Bahn-Haltestellen Kannenfeld, Allschwilerstrasse,
    Oberwilerstrasse, Grosspeter, Breite, Solitude, Kleinhüningen.
    Vor allem das Letztere ist einfach zu realisieren und würde endlich die S-Bahn mit dem Feinverteiler verknüpfen!

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Informationen zum Artikel

15.10.2012, 18:06 Uhr

Busse statt S-Bahnen nach Basel

Text

Text:

  • 24.05.2013 um 11:20
    Jetzt scheint die Sonne auch über Sissach

    Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.

  • 22.05.2013 um 16:57
    Jagd auf Abfallsünder

    Nach Pfingsten machte das Amt für Umwelt und Energie mit der Stadtreinigung Jagd auf Abfallsünder, die trotz Feiertag ihren Abfallsack für die Kehrichtabfuhr bereitgestellt hatten. Knapp ein Viertel der Sünder konnte überführt werden.

  • 16.05.2013 um 15:33
    «In der Schweiz gibt es viele Anti-Sozialpartner»

    Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt im Interview, weshalb es so dringend einen Mindestlohn braucht.

  • 22.04.2013 um 16:36
    @Automatismus
    Zum Artikel: Mitte-Links tritt mit ehemaligem EVP-Landrat Thomi Jourdan an

    Danke für den Hinweis. Wir hätten gerne von Anfang an ein hochaufgelöstes Bild des Kandidaten gezeigt. Bis jetzt ist aber keines verfügbar.

  • 18.04.2013 um 22:21
    @Nestbeschmutzung?
    Zum Artikel: An der Baselworld wimmelt es von Scheinselbständigen

    Lieber Herr Hochhuth Vielen Dank für Ihren bissig ironischen und treffenden Kommentar. Ich könnte jetzt ernsthaft antworten: Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, den Mächtigen zu gefallen. Ich möchte vielmehr möglichst aufdecken, was tatsächlich gespie...

  • 13.03.2013 um 09:39
    @Jacqueline Landmann
    Zum Artikel: Erstes Shoppingcenter in der Kantonshauptstadt

    Sie haben natürlich Recht. Stadtratspräsident Lukas Ott lobte ausdrücklich auch das Archtekturbüro. Es ist das Basler Büro Buchner Bründler.

Aktuell

Michael Würtenberg: Da hatten sie noch auf verlorenem Posten gekämpft: Zelglihofbauer Daniel Wiedmer und Markus Chrétien, Geschäftsführer der Solarspar im Sommer 2012.

Erneuerbare Energie 

Solaranlage eingeweiht

Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.Von Matieu Klee. Weiterlesen

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