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TagesWoche

Tages Woche

So, 26.05.2013

Basler Wahlen 

13.10.2012, 14:46 Uhr

Tänzer haben nicht immer Recht

13.10.2012, 14:46 Uhr

Regierungsratskandidat Elia Rediger wackelte am Freitagabend auf dem Marktplatz was der Bart hielt. Er legte eine lustige Wahlkampfshow hin, die einen aber auch ratlos zurückliess. Von Renato Beck und Hans-Jörg Walter

Rediger in Motion: Der Wahlkämpfer (an der Gitarre) hat seinen grossen Auftritt vor dem Rathaus. Ebenfalls Unscharf: Das Baselbieter HipHop-Duo Tafs.

Rediger in Motion: Der Wahlkämpfer (an der Gitarre) hat seinen grossen Auftritt vor dem Rathaus. Ebenfalls Unscharf: Das Baselbieter HipHop-Duo Tafs. (Bild: zVg)

Der Abend auf dem Marktplatz war von Zwischenfällen begleitet: Immer wieder machte der Generator schlapp.

Der Abend auf dem Marktplatz war von Zwischenfällen begleitet: Immer wieder machte der Generator schlapp. (Bild: zVg)

Das Setting vom Rathaus aus gesehen. Mit dem John Deere-Traktor wurde das Material herangekarrt.

Das Setting vom Rathaus aus gesehen. Mit dem John Deere-Traktor wurde das Material herangekarrt. (Bild: zVg)

Rund Hundert Zuhörer waren beim demokratischen Songwriting dabei. 86 liessen sich als Urheber eintragen.

Rund Hundert Zuhörer waren beim demokratischen Songwriting dabei. 86 liessen sich als Urheber eintragen. (Bild: zVg)

Rediger & Friends: Rapper Greis schwänzte, Support gabs trotzdem (hier von den Kapoolas).

Rediger & Friends: Rapper Greis schwänzte, Support gabs trotzdem (hier von den Kapoolas). (Bild: zVg)

Erst kam der Traktor nicht. Dann gab der Dieselgenerator den Geist auf. Zwischendurch war die Polizei zugegen. Doch am Ende schlaksten Elia Rediger und Friends über die Bühne, er fragte singend über den Marktplatz, ob er nicht ein bisschen lustig sein dürfe und entzündete tatsächlich so einen Michael Jackson-Moment, wo man sich die Hand geben und heiter werden will.

Das war Redigers Wahlkampfshow, der Höhepunkt seiner Kampagne, die ihn ins Basler Regierungspräsidium führen soll.  Selbst eine Art politische Botschaft unterfütterte den Abend. Rediger gab ein paar Varianten an Songkomponenten vor, wie den Beat oder den Refrain, das Publikum durfte abstimmen. «We are the Song» nannte Rediger, Sänger der Band The bianca Story, das demokratische Songwriting. Vielleicht steckt darin die Forderung nach mehr Mitsprache in der Politik. Vielleicht bloss ein  Jux. Vielleicht PR in eigener Sache als Musiker.

Fehlender Ernst

Rediger wurde seit Beginn seiner Kandidatur fehlende Ernsthaftigkeit vorgeworfen. Dem entgegen hält er eine mit beachtlichem Aufwand und Originalität betriebene PR-Arbeit. Er legt sich ins Zeug, bittet den Mitkandidaten Baschi Dürr zum Gespräch bei Klavier und Ukulele. Es wird eine mit Ernst geführte Debatte über das Wesen der Politik und des Politikers. Ein paar Tage später geht die Diskussion zwischen Rediger und dem Schauspieler Gilles Tschudi weiter. Dort beklagt sich Rediger darüber, wie schwer zu fassen, wie glitschig und glatt der Politiker Dürr ist.

Dabei macht Dürr nicht viel anderes als Rediger. Er organisiert ein Happening, in seinem Fall ein etwas dumpfes («Auf ein Bier mit Baschi») und schafft es so in die Öffentlichkeit. Seine eine breite Wählerschaft eher erschreckenden politischen Ideen bleiben verdeckt. Auch Rediger rückt sich und seine Pose ins Zentrum.  Was dahinter steckt, hat er in einem Interview mit der Basellandschaftlichen Zeitung erklärt: Ein bisschen Action wolle er in die Basler Politik bringen.  Sexy solle die Stadt werden, eine bessere Stimmung müsse herrschen. Rediger, der Spass-Prediger.

Der 27-Jährige ist ein begnadeter Entertainer und mit einer guten Portion Selbstbewusstsein ausgestattet. Weltweite Beachtung werde ihm der Auftritt auf dem Marktplatz bringen, hatte er angekündigt. «Dancing People are never wrong» lautet der Wahlkampfslogan des Bauernsohns und Kunsthochschul-Absolventen. Daran darf gezweifelt werden, aber für eines hat Tänzer Rediger durchaus gesorgt: eine schöne Party in einem ansonsten drögen, verspannten Basler Wahlkampf.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. "Mit dem John Deere-Traktor wurde das Material herangekarrt."

    von René Reinhard um 13.10.2012 um 18:16Uhr

    Welche Material?
    Direktlink zum Kommentar

  2. Korrektur

    von René Reinhard um 13.10.2012 um 18:18Uhr

    Welches Material?
    Direktlink zum Kommentar

  3. Danke! Es groovt!

    von Fritz Hochhuth um 13.10.2012 um 21:45Uhr

    Ich habe Rediger gewählt und bin dankbar für seine Karikatur ...äh ... Kandidatur! Natürlich will ich ihn NICHT als Stapi haben, dies sogar noch weniger als ich Morin will. Aber ich dachte, es sei gut, möglichst viele Stimmen für Leute ab zu geben, die nicht Baschi Dürr oder Lorenz Nägelin heissen und somit das absolute Mehr ein wenig nach oben zu drücken. Also habe ich auch noch diesen Christian Müller von FUK in den Regierungsrat gewählt (...und zähneknirschend dann halt doch noch unseren lahmen Moskau-Morin.)

    Rediger verhält sich hoch anständig, konstruktiv und für einen Spasskandidaten irritierend ernsthaft in diesem Wahlkampf und es gebührt ihm Dank dafür, dass er der neoliberalen Comicfigur Dürr, dem Militärkopf Nägelin und dem steifen Guy etwas entgegensetzt, was richtig menschlich rüber kommt.
    Der Song gefällt mir sehr gut, auch wenn er natürlich noch viel zu lang ist. Lieber Elia, wie kann man einen 9 Minuten Song machen, ohne ein anständiges Gitarrensolo? Deine Schecter kiingt gut und sieht toll aus: Lass es also bitte krachen! Ein Solo wäre nämlich viel unterhaltsamer als diese ewigen Freestyle-Rappereien! In dem Zusammenhang ist mir dank dieses Videoclips etwas aufgefallen: Was haben Rapper und Politiker gemeinsam? Sie sondern endlos lang Geschwätz ab, ohne viel zu sagen.
    (Bitte nicht böse sein, aber einen gut gereimten, knappen Text, an dessen Aussage man wirklich hart gearbeitet hat, halte ich für künstlerisch wertvoller und auch für unterhaltsamer als endlose Sprechdurchfall-Improvisationen.) Wie auch immer: Lasst es grooven!
    Direktlink zum Kommentar

  4. Spassgesellschaft

    von Margot um 14.10.2012 um 12:42Uhr

    Tragisch, wie die westliche Spassgesellschaft die für sie selbstverständliche Teilhabe an der Demokratie ins Lächerliche zieht und Wahlen als Einladung zur narzistischen Selbststilisierung der Komödianten versteht. Warum gibt es von Seiten der Kulturschaffenden keine ernst zu nehmenden Beiträge zur politischen Debatte? Selbstdarstellerisches Ironisieren wirkt im globalen Vergleich nicht nur peinlich, sondern irgendwie auch dekadent.
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Informationen zum Artikel

13.10.2012, 14:46 Uhr

Tänzer haben nicht immer Recht

Text

Text:

  • 18.04.2013 um 16:27
    Zeit für Träume

    Unsere Uhrenindustrie macht aus Sehnsüchten Geld und erzielt Rekordumsätze. Wie kaum ein anderes Luxusgut stehen Schweizer Uhren für die Werte der guten alten Zeit.

  • 17.04.2013 um 16:28
    «Ich trage das kollegial mit»

    Der neue Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr bestreitet seine ersten Dehnübungen. Als erklärter Gegner des Hooligan-Konkordats muss er nun den Beitrittsentscheid der Regierung vertreten. Das tut er auffällig widerwillig.

  • 17.04.2013 um 10:53
    Basler Regierung will beitreten

    Eher widerwillig tritt die Basler Regierung dem Hooligan-Konkordat bei. Dabei begründet sie, warum sie das Massnahmenpaket für falsch hält – nicht aber, wieso sie gleichwohl beitritt.

  • 22.05.2013 um 19:04
    grundrechte
    Zum Artikel: Die Stunde der Populisten

    Welche Grundrechte werden denn verletzt durch das Konkordat?

  • 10.05.2013 um 12:06
    Milch und Zucker
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    Ob der Kaffee wirklich besser ist, wenn er mit urbanem Bewusstsein angerührt und rotgrünem Verantwortungsgefühl abgeschmeckt wird? Ich für meinen Teil bevorzuge Milch und Zucker.

  • 31.01.2013 um 15:32
    Greiners Replik
    Zum Artikel: Basel = Apfel, Zürich = Birne

    Schön, Herr Greiner, dass Sie Zeit gefunden haben, Ihre Sicht der Dinge darzulegen. Trotzdem empfiehlt es sich, nochmals den Originaltext, also die Titelgeschichte zu lesen. Der Züri-Vergleich war gewagt, der Rest sollte einem aber genügend zu denken g...

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