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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Was wichtig war im 2012: Dieser Artikel ist Teil unseres Jahresrückblicks. Klicken Sie um den ganzen Jahresrückblick in der Übersicht zu sehen.

Jahresrückblick 2012 

5.10.2012, 00:01 Uhr

Mütter in der Warteschlaufe

5.10.2012, 00:01 Uhr

Mit Quoten soll der Frauenanteil in Kaderpositionen erhöht werden. Das wird schwierig in einem familienpolitischen Entwicklungsland wie der Schweiz. Von Monika Zech

Alix Minde/PhotoAlto/laif: In der Schweiz sind Frauen mit Kindern beruflich immer noch sehr eingeschränkt.

In der Schweiz sind Frauen mit Kindern beruflich immer noch sehr eingeschränkt. (Bild: Alix Minde/PhotoAlto/laif)

Frauen sind nicht die besseren Menschen. Aber sie machen etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Und wie die Männer sind sie zur Schule gegangen, haben eine Ausbildung gemacht, arbeiten.

In den Chefsesseln aber sitzen sie selten. Gemäss dem Schillingreport 2012, einer Vergleichsstudie über die Führungsgremien in den 100 grössten ­Unternehmen der Schweiz, liegt der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen gerade mal bei 5 Prozent, drei CEOs sind weiblich. Bei den Verwaltungsräten beträgt der Frauenanteil 11 Prozent, und Nayla Hayek von der Swatch Group ist derzeit die einzige Verwaltungsratspräsidentin der Schweiz. Alle anderen sind Männer.

Frauenquoten sollen diese Ungleichheit endlich beseitigen, so die Forderung diverser Frauenorganisationen und Politikerinnen – von linker Seite schon lange vorgebracht, ist sie jetzt auch für Bürgerliche salonfähig geworden. Zum Entsetzen ihrer männlichen Parteikollegen beschlossen die FDP-Frauen, Quotenregelungen für Führungspositionen in Bundesbetrieben und in der öffentlichen Verwaltung zu unterstützen.

Auch Frauen aus der CVP und von den Grün­liberalen äussern sich zustimmend zu Frauenquoten. Bekanntlich hat das Berner Stadtparlament unlängst entschieden, dass 35 Prozent der Kaderjobs in der Verwaltung künftig durch Frauen besetzt werden müssen. Die Städte Zürich und Basel wollen nachziehen.

Vorbild Skandinavien

Weiter gehen Frauenorganisationen, die auch bei Firmen den weiblichen Anteil des Kaders festschreiben wollen. Etwa die «Business and Professional Women» (BPW) der Schweiz, die eine Frauenquote von 30 bis 40 Prozent bei börsenkotierten Unternehmen per Aktienrecht durchsetzen wollen. Gehe es mit der Entwicklung in dem Tempo wie bisher weiter, so das Argument der Business-Frauen, dauere es noch etwa 40 Jahre, bis eine «annähernde Gleichstellung erreicht» sei.

Die BPW stützen sich dabei auf eine Prognose der EU, wo die für Justiz- und Gleichstellungsfragen zuständige Kommissarin, Viviane Reding, schon vor zwei Jahren Unternehmen mit gesetzlichen Massnahmen gedroht hat, wenn diese nicht endlich mehr Frauen in Kaderpositionen befördern.

Tatsächlich sieht es insgesamt in der Europäischen Union in Sachen Gleichstellung nicht viel ­besser aus als in der Schweiz: 86 Prozent der Entscheidungsträger in den grössten börsenkotierten Firmen sind laut der Datenerhebung der EU-Kommission männlich, doch es gibt – teilweise signifikante – Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Wie immer, wenn es um dieses Thema geht, schwingen die skandinavischen Länder obenaus. Sowohl in Schweden als auch in Finnland ist der Männeranteil auf den Teppichetagen «nur noch» knapp über 70 Prozent, in Norwegen ist das Verhältnis sogar 48 (weiblich) zu 52 (männlich). Aber auch Frankreich steht mit einem Frauenanteil von 22 Prozent im Vergleich mit anderen Ländern nicht so schlecht da.

Kein Sitzungsgeld mehr für Männer

Nun kann man sicher mit Fug und Recht ins Feld führen, dass vorgeschriebene Quoten einiges dazu beigetragen haben. Norwegen hat Frauenquoten, in Finnland haben Unternehmen freiwillig nachgezogen – nach einer vorgeschriebenen Quote in öffent­lichen Gremien. In Schweden setzt man auf den sogenannten Corporate-Governance-Kodex, der die Gleichstellung zur moralischen Pflicht macht, und Frankreich hat im letzten Jahr ebenfalls Frauen­quoten für grosse Unternehmen beschlossen. Inklusive Sanktionen für diejenigen, die der Regelung nicht nachkommen. So muss die Nominierung eines Mannes annulliert werden, wenn sie der angestrebten Quote zuwiderläuft, zudem erhalten die Verwaltungs- und Aufsichtsratsmitglieder einer solchen Firma kein Sitzungsgeld mehr.

So weit würden die Schweizer Business-Frauen nicht gerade gehen. Sanktionen zu bestimmen, sei bei allfälliger Einführung einer Quotenregelung Sache des Gesetzgebers, sagt Monique Ryser, Präsidentin bei BPW Schweiz. Vorstellen könnte sie sich zum Beispiel, «dass bei der Submissionsvergabe nur noch Firmen berücksichtigt würden, die die Frauenquote erfüllen». Auf jeden Fall hat die strenge Regelung in Frankreich für einen schnellen Anstieg des Frauenanteils in den Chefetagen gesorgt. Was für die hiesigen Quoten-Befürworterinnen eindeutig beweist, wie wirksam solche sind.

Was sie dabei allerdings zu wenig beachten: All diese Länder, sowohl die skandinavischen als auch Frankreich, pflegen im Gegensatz zur Schweiz seit vielen Jahren eine Familienpolitik, die es einer Frau mehr oder weniger problemlos ermöglicht, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Rückständige Schweiz

Während die unsere immer noch vom familiären Kinderbetreuungs-Modell als Idealfall ausgeht, orientieren sich Länder wie Frankreich oder Schweden schon lange am Leitbild der berufstätigen Eltern. Die beruflichen Möglichkeiten für Frauen mit Kindern sind dementsprechend um Welten besser als in der Schweiz. Von einem zweijährigen Elternurlaub, von einem garantierten Platz für ihr Kind in einer Betreuungseinrichtung, von der Tagesschule als Standard können hiesige Eltern nur träumen.

Vierzig Jahre lang dauerte der Kampf, bis die Schweiz endlich einem mickrigen Mutterschafts­urlaub von 16 Wochen zustimmte. Um danach einen Kita-Platz zu haben, wird den Eltern empfohlen, sich schon anzumelden, wenn das Kind noch im Bauch ist. Und auch dann können sie sich nicht darauf verlassen, wie die TagesWoche am Beispiel der Tagesheim-Vermittlung in der Stadt Basel vor ein paar Monaten deutlich machte. Wer in einem ländlichen Gebiet lebt, kann es erst recht vergessen. Nicht nur dort, aber dort besonders, gilt eine berufstätige Mutter heute noch als Rabenmutter. Eine, die «den Fünfer und das Weggli» will, wie es so schön heisst. Als ob die Kinder in Schweden, Finnland oder Frankreich die unglück­licheren wären.

Mit Kind eingeschränkt

Es ist noch nicht so lange her, da pflasterte die SVP Wände mit Plakaten voll, auf denen ein weinendes Kind zu sehen war. Es weinte, weil es gemäss Harmos bereits ab vier Jahren eingeschult werden sollte. Weg von Mami, das arme Kleine, hin zum Staat. Die SVP-Kampagne zog, einige Kantone lehnten den Beitritt zum Harmos-Konkordat ab. Analysten kamen zum Schluss, dass die vorgesehene frühe Einschulung einiges dazu beigetragen hatte.

In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass Kinder mit drei Jahren zur Schule – oder wie immer man das nennt – gehen. In anderen Ländern ist es keine Frage, dass die Kinder den Tag in der Schule verbringen. In anderen Ländern müssen nicht Mütter einen Mittagstisch auf die Beine stellen, um wenigstens ein paar Stunden am Stück erwerbstätig sein können.

Wie eingeschränkt Frauen in der Schweiz in der Berufstätigkeit sind, sobald sie Kinder haben, zeigt ein Blick in die Statistik: Knapp ein Drittel der Mütter mit dem jüngsten Kind im Alter von 0 bis 6 ist nicht erwerbstätig, ein weiteres Drittel arbeitet weniger als 50 Prozent, nur 11,7 Prozent arbeiten mit einem 90- bis 100-Prozent-Pensum. Doch wer Teilzeit arbeitet, kann sich eine Beförderung in der Regel ans Bein streichen. Qualifikation hin oder her.

Mit Teilzeitpensum chancenlos

Die Advokatin Katja Christ-Rudin arbeitete mehrere Jahre in der Basler Verwaltung. Sie hatte Freude an ihrem Job, engagierte sich. Sie bekam ein Kind, reduzierte dann ihr Pensum auf 60 Prozent, auf drei Arbeitstage pro Woche. Doch es wurde ihr zu stressig mit den rigiden Öffnungszeiten im Tagi. Also reduzierte sie um weitere zehn Prozent, arbeitete zwar weiter drei Tage die Woche, konnte so aber früher im Tagi sein. Sie bekam ein zweites Kind.

Nach dem Mutterschaftsurlaub zurück im Job, wurde die Leitungsstelle in Christs Abteilung frei. Sie dachte, ihre Chance sei gekommen. Doch ihr Vorgesetzter winkte ab. Sie sei für diese Stelle zwar fachlich und persönlich bestens qualifiziert, man könne sie ihr jedoch mit einem Teilzeitpensum nicht überlassen. Katja Christ war enttäuscht: «Ich hätte diesen Schritt gebraucht, diese Verantwortung gerne übernommen und auch von zu Hause aus Arbeiten erledigen können.» Sie kündigte – aus Mangel an Anreiz, wie sie sagt. Inzwischen geht ihr Jüngster in den Kindergarten und Christ möchte ihre Fähigkeiten wieder «sinnvoll einsetzen».

Nun kandidiert sie für den Grossen Rat. Würde die Grünliberale aus Riehen gewählt, müsste sie sich um die Kinderbetreuung während der Sitzungszeiten kümmern. Kein einfaches Unterfangen, da es an Quantität und vor allem an Flexibilität bei der familienexternen Kinderbetreuung eindeutig fehle, sagt Christ. Und deshalb ist das eines der Themen, das sie als Politikerin unbedingt angehen möchte.

Kein Geld für «Privatsache»

Die Befürworterinnen von Quoten gehen davon aus, dass sich diese Situation dann automatisch verbessern würde. Auch, weil Frauen in den Chefetagen mehr Verständnis für Mütter hätten. Das darf bezweifelt werden. Frauen sind nicht die besseren Menschen. Vor allem ist fraglich, wie sehr sich die bürgerlichen Politikerinnen, die jetzt Quoten fordern, für staatlich geförderte Kinderkrippen und Tagesschulen einsetzen werden. Oder erinnern sie sich dann plötzlich wieder daran, dass das alles Privatsache ist?

Im Frühling lehnte der Nationalrat eine parla­men­ta­rische Initiative der Grünen für eine zusätzliche ­Elternzeit von 24 Wochen ab. Aus Kostengründen.

  1. Generationenpolitik statt Quotenfrauen auf den Teppichetagen

    von Gaby Burgermeister am 8.10.2012 um 21:57Uhr

    Die Schweiz ist in der Tat ein familienpolitisches Entwicklungsland. Frau Fetz spricht davon, dass wir es uns angesichts der Demografie gar nicht leisten könnten, dass sich Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung nicht bewegen. Anstatt nach Quotenfrauen in den Chefetagen zu schreien, sollten wir deshalb gescheiter damit anfangen, Familienpolitik neu zu definieren. Ich schlage als ersten Schritt vor, statt von «Familienpolitik» zu sprechen (und damit in erster Linie Eltern-Kind-Politik zu meinen), den Begriff «Generationenpolitik» einzuführen: eine Sozialpolitik für Eltern von (kleinen) Kindern und (erwachsene) «Kinder» von alten Eltern.

    Denn auch wer seine alten Eltern selbst betreut, hat am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft ähnliche Probleme wie Mütter von kleinen Kindern. Für ein Kind zu sorgen, ist eine gesetzliche Pflicht. Dass wir unsere alten Eltern unterstützen (auch wenn sie [noch] nicht pflegebedürftig sind), ist … was? Luxus? Die Forderung, dass alte Menschen in Zukunft von ihren Angehörigen betreut und gepflegt werden, ist immer lauter zu hören: Die Leute leben immer länger, Pflegeplätze für alte Menschen sind sehr teuer. Da werden die erwachsenen Kinder in die Bresche springen müssen. Aber sie können diese Aufgabe nur erfüllen, wenn auch die Voraussetzungen, etwa am Arbeitsplatz, dafür geschaffen werden. Natürlich gibt es Entlastungsangebote, aber auch sie sind teuer, und es ist auch enorm schwierig und zeitraubend, das geeignete Angebot zu finden. Artikel 36 des Arbeitsgesetzes (ArG) sieht zwar vor, dass Arbeitnehmerinnen, die «pflegebedürftige Angehörige oder nahestehende Personen» (also nicht «nur» Kinder!) betreuen, für deren Pflege pro Krankheitsfall während höchstens drei Tagen der Arbeit fern bleiben dürfen und dabei Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Nur wurde dabei ausser Acht gelassen, dass alte Menschen in der Regel weder in drei Tagen noch in drei Wochen und auch nicht in drei Monaten gesund werden. Wenn alte Menschen erst einmal Betreuung oder gar Pflege benötigen, endet der «Krankheitsfall» meist erst mit ihrem Tod. Bis dahin können Jahre vergehen, in denen man als betreuende Tochter oder Schwiegertochter (die Söhne und Schwiegersöhne sind ausdrücklich mit gemeint!) Anspruch auf gerade mal drei Tage Lohnfortzahlung hat! Wohl verstanden: nicht pro Jahr – pro Krankheitsfall! Hier müssten die Politikerinnen und Politiker den Hebel ansetzen und nicht bei Frauenquoten.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Nur mit 90-100% "richtig" berufstätig?

    von Lisa Mathys am 11.10.2012 um 13:52Uhr

    Ein spannender Artikel von Monika Zech, danke! Ich selber habe immer noch Vorbehalte gegenüber der Quote, sehe sie inzwischen aber als "wohl nötig" an. Einen ähnlichen Schluss zieht der Artikel.
    Was mich stört am Text: Er suggeriert, dass eine Frau ausschliesslich mit Vollbeschäftigung als wirklich berufstätig gilt ("Nur 11,7 Prozent arbeiten mit einem 90- bis 100-Prozent Pensum."). Bereits vor der Familiengründung habe ich im Job auf 80% reduziert - um meine Lebensqualität zu erhöhen und auch um Kapazität zu schaffen für (ehrenamtliches) Engagement ausserhalb des Berufes.
    Zu einer fortschrittlichen "Familienpolitik" braucht es nicht nur die Wahrung der Karrierechancen der Frauen - sondern insbesondere auch die Schaffung attraktiver Teilzeitstellen (auch für Männer!). So erhalten wir nicht nur der Wirtschaft das Knowhow und die gebildeten Arbeitskräfte, sondern auch der Gesellschaft die motivierten Menschen, die noch genug Kraft haben, sich neben der Familie auch für anderes Gemeinnütziges einzusetzen.

    Direktlink zum Kommentar

  1. Jetzt sind wir dran !

    von Jürg P Weiss um 5.10.2012 um 19:12Uhr

    Aber so nicht. Frauen mit Stinkefinger gehören nicht in die Chefetage, sondern in einen Anstandskurs.
    Macht eine gute Aus und Weiterbildung dann habt ihr jede Möglichkeit.
    Der Ruf nach Quotenfrauen ist Falsch. Unsere Industrie braucht Spitzenleistungen wenn wir auf dem Weltmarkt bestehen wollen.
    Jürg Weiss
    Direktlink zum Kommentar

  2. Generationenpolitik statt Quotenfrauen auf den Teppichetagen

    von Gaby Burgermeister um 8.10.2012 um 21:57Uhr

    Die Schweiz ist in der Tat ein familienpolitisches Entwicklungsland. Frau Fetz spricht davon, dass wir es uns angesichts der Demografie gar nicht leisten könnten, dass sich Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung nicht bewegen. Anstatt nach Quotenfrauen in den Chefetagen zu schreien, sollten wir deshalb gescheiter damit anfangen, Familienpolitik neu zu definieren. Ich schlage als ersten Schritt vor, statt von «Familienpolitik» zu sprechen (und damit in erster Linie Eltern-Kind-Politik zu meinen), den Begriff «Generationenpolitik» einzuführen: eine Sozialpolitik für Eltern von (kleinen) Kindern und (erwachsene) «Kinder» von alten Eltern.

    Denn auch wer seine alten Eltern selbst betreut, hat am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft ähnliche Probleme wie Mütter von kleinen Kindern. Für ein Kind zu sorgen, ist eine gesetzliche Pflicht. Dass wir unsere alten Eltern unterstützen (auch wenn sie [noch] nicht pflegebedürftig sind), ist … was? Luxus? Die Forderung, dass alte Menschen in Zukunft von ihren Angehörigen betreut und gepflegt werden, ist immer lauter zu hören: Die Leute leben immer länger, Pflegeplätze für alte Menschen sind sehr teuer. Da werden die erwachsenen Kinder in die Bresche springen müssen. Aber sie können diese Aufgabe nur erfüllen, wenn auch die Voraussetzungen, etwa am Arbeitsplatz, dafür geschaffen werden. Natürlich gibt es Entlastungsangebote, aber auch sie sind teuer, und es ist auch enorm schwierig und zeitraubend, das geeignete Angebot zu finden. Artikel 36 des Arbeitsgesetzes (ArG) sieht zwar vor, dass Arbeitnehmerinnen, die «pflegebedürftige Angehörige oder nahestehende Personen» (also nicht «nur» Kinder!) betreuen, für deren Pflege pro Krankheitsfall während höchstens drei Tagen der Arbeit fern bleiben dürfen und dabei Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Nur wurde dabei ausser Acht gelassen, dass alte Menschen in der Regel weder in drei Tagen noch in drei Wochen und auch nicht in drei Monaten gesund werden. Wenn alte Menschen erst einmal Betreuung oder gar Pflege benötigen, endet der «Krankheitsfall» meist erst mit ihrem Tod. Bis dahin können Jahre vergehen, in denen man als betreuende Tochter oder Schwiegertochter (die Söhne und Schwiegersöhne sind ausdrücklich mit gemeint!) Anspruch auf gerade mal drei Tage Lohnfortzahlung hat! Wohl verstanden: nicht pro Jahr – pro Krankheitsfall! Hier müssten die Politikerinnen und Politiker den Hebel ansetzen und nicht bei Frauenquoten.
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  3. @Gaby Burgermeister

    von Maya Eldorado um 10.10.2012 um 09:56Uhr

    Da kann ich mich Ihnen nur anschliessen.
    Immer stärker bekommt man den Eindruch, dass "richtige" Arbeit, nur solche ist, die Gewinn abwirft, die Wirtschaft. Die Wirtschaft wird um ihrer selbst willen gefördert.
    Wirtschaft sollte den Menschen dienen, und nicht um ihrer selbst willen, alles um sie selbst drehen.
    Eigentlich ist die Aufgabe der Menschen füreinander da zu sein. Das soll der Mittelpunkt sein.Wirtschaftlich ist zu erarbeiten, was für diese Aufgaben nötig ist, nicht mehr und nicht weniger.
    Die Familienarbeit und die Arbeit im privaten Bereich ist eine notwenige Arbeit, wo oft das nötige Geld nicht zur Genüge vorhanden ist. Auch finden wir in der Gratisarbeit von Menschen oft Bereiche, wo die Wirtschaft ihren Aufgaben nicht zur genüge gerecht wird, weil es sich nicht lohnt und auszahlt.
    Als ich eine Zeitlang als alleinerziehende Mutter auf dem Büro arbeitete, musste ich mehr als die Hälfte meines Verdienstes für die Kinderbetreuung und für die Steuern abgeben. Das was mir blieb reichte für mich und meine beiden Kinder nicht mehr. Kinder sind eigentlich die Zukunft jeder Gesellschaft.
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  4. Entwicklungsland Schweiz

    von Nicole Rohner um 10.10.2012 um 10:02Uhr

    Manchmal ist es ganz gut sich daran zu erinnern, dass die Schweiz in gewisser Hinsicht auch ein Entwicklungsland ist.
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  5. Nur mit 90-100% "richtig" berufstätig?

    von Lisa Mathys um 11.10.2012 um 13:52Uhr

    Ein spannender Artikel von Monika Zech, danke! Ich selber habe immer noch Vorbehalte gegenüber der Quote, sehe sie inzwischen aber als "wohl nötig" an. Einen ähnlichen Schluss zieht der Artikel.
    Was mich stört am Text: Er suggeriert, dass eine Frau ausschliesslich mit Vollbeschäftigung als wirklich berufstätig gilt ("Nur 11,7 Prozent arbeiten mit einem 90- bis 100-Prozent Pensum."). Bereits vor der Familiengründung habe ich im Job auf 80% reduziert - um meine Lebensqualität zu erhöhen und auch um Kapazität zu schaffen für (ehrenamtliches) Engagement ausserhalb des Berufes.
    Zu einer fortschrittlichen "Familienpolitik" braucht es nicht nur die Wahrung der Karrierechancen der Frauen - sondern insbesondere auch die Schaffung attraktiver Teilzeitstellen (auch für Männer!). So erhalten wir nicht nur der Wirtschaft das Knowhow und die gebildeten Arbeitskräfte, sondern auch der Gesellschaft die motivierten Menschen, die noch genug Kraft haben, sich neben der Familie auch für anderes Gemeinnütziges einzusetzen.

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  6. TagesWoche Redaktion

    Nur mit 90-100% richtig berufstätig?

    von Monika Zech um 12.10.2012 um 09:57Uhr

    @lisa@pm: Zunächst vielen Dank für das Lob! Und zur Kritik: Ich wollte keineswegs sagen, dass nur, wer mit einem Vollzeitpensum arbeitet, «richtig» arbeitet. Sondern, dass im jetzigen System nur diese überhaupt eine Chance auf einen Kaderjob haben. Und damit sind Frauen, die immer noch mehrheitlich für Haushalt und Kinderbetreuung zuständig sind und deshalb sehr häufig Teilzeit arbeiten, stets im Nachteil. Wie das beschriebene Beispiel von Katja Christ zeigt. Deshalb meine ich: Mit Frauenquoten allein lässt sich die Ungleichheit nicht beseitigen.
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  7. @Monika Zech

    von Maya Eldorado um 12.10.2012 um 10:35Uhr

    Das steht zwar hier nicht zur Debatte, gehört aber trotzdem zu neuen Visionen dazu! Dass für Kaderjobs mehr oder weniger 100% gearbeitet werden muss, hindert viele Männer daran, sich mehr für die Haus- und Kinderarbeit einzusetzen.
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  8. Männer zu Hause lassen

    von Mouny Gruber um 16.10.2012 um 11:18Uhr

    Ich fand den Artkel sehr spannend und er hat mich zum Nachdenken gebracht.Hat den dei Schweiz wirklich so ein Problem wegen der Frauenquote? Sind die Frauen nicht selber Schuld an dieser Situation?
    Ich denke wir Frauen können uns schon ohne hilfe vom Staat durchsetzen. Da ich persönlich gegen Kinderkrippen bin und auch schon gegen Harmos war zweifle ich daran, dass diese obligatorische Quote die Familienpolitik wirklich verbessern würde. Wie wäre es denn, wenn die Männer mal zu Hause bleiben? Ich denke dies wäre sicherlich einmal einen Gedanken wert. Wenn eine Frau ja so talentiert ist und das Bedürfnis hat eine Kaderposition zu erlangen könnte ja der Partner das unterstützen und entgegen kommen. In der heutigen Zeit finde ich es einfach sehr wichtig dass Kinder einen guten Halt in der Familie haben. Durch den ständigen Informationsfluss und Wechsel denke ich ist es für ein Kind wichtig am Mittagstisch bei einem Elternteil zu sein und sich auszutauschen. Ich möchte nicht dass mein Kind unter vielen einfach so "untergeht". Ich will dass immer jemand da ist und dafür kämpfe ich auch und bilde mich weiter. Diese Chance kann ja eigentlich jede Frau haben wenn Sie es auch möchte. Durch den Eingriff vom Staat mit der Einführung der Quote und Krippen etc. ändert dass ja nichts daran, dass weder Mami noch Papi da sind. Meiner Meinung wäre es besser das Geld für die Krippen an die Familien direkt zu verteilen und so zu schauen, dass immer jemand von dern Eltern zu Hause sein kann ohne, dass man sich verschulden muss. Firmen könnten durch Home Office und Gleitende Arbeitszeiten auch extrem viel Einfluss auf das Schweizer Familienleben nehmen. Aber einfach die Kinder quasi abzuschieben finde ich keine gute Lösung.
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Informationen zum Artikel

5.10.2012, 00:01 Uhr

Mütter in der Warteschlaufe

Text

Text:

  • 16.05.2013 um 15:34
    Jeder Franken zählt

    In der Regel äussern sich Politiker und Experten in endlosen Debatten zum Thema Mindestlohn. Hier erzählen drei Frauen über ihr Leben mit einem Lohn, der nirgends hinreicht.

  • 08.05.2013 um 19:53
    Kein Stress, alles online!

    Ein Online-Programm soll schwangere Frauen, wenn sie vorzeitige Wehen bekommen, beruhigen. Damit will das Unispital Basel das Risiko von Frühgeburten mindern.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Geschichten von Speis und Trank

    Das Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz zeigt nicht nur den Fundus an einheimischen Köstlichkeiten, sondern liefert auch jede Menge Stoff für Anekdoten.

  • 16.05.2013 um 22:59
    Absolut
    Zum Artikel: Schweiz nach Sieg gegen Tschechien im Halbfinal

    Lieber Fritz Hochhuth Nach 14 Stunden am Computer sitzen schaffe ich es kaum mehr, so viele Buchstaben zu lesen. Aber ich habe es doch getan, weil uns doch die Chefs und andere kompetente Leute immer sagen, wie wichtig die Hege und Pflege unserer Comm...

  • 15.04.2013 um 23:11
    merkwürdiges Rechtsverständnis
    Zum Artikel: Keine freie Betten für die englischen Fussballfans

    @fm70: Ich glaube nicht, dass ich ein merkwürdiges Rechtsverständnis habe. Aber aufgrund seltsamer Artikel wie des Wegweisugsartikels kann es durchaus vorkommen, dass in der Öffentlichkeit schlafende Personen von Polizeipatrouillen mehr oder weniger un...

  • 15.04.2013 um 17:41
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