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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 19.06.2013

Kunst 

9.10.2012, 09:37 Uhr

Déjà-vu im Museum für Gegenwartskunst

9.10.2012, 09:37 Uhr

Ein Künstlergespräch und eine monographische Ausstellung seiner Werke im Museum für Gegenwartskunst bringen den amerikanischen Künstler Robert Gober zum dritten Mal nach Basel. Von Françoise Theis

© Museum für Gegenwartskunst Basel: «Split Wall with Drains» (1995) von Robert Gober.

«Split Wall with Drains» (1995) von Robert Gober. (Bild: © Museum für Gegenwartskunst Basel)

«Yes!», «Mmhmmm…», dies waren des Öfteren die Kommentare von Robert Gober im Gespräch mit Direktor Bernhard Mendes Bürgi anlässlich der Veranstaltung «Künstler-Reden #23»  im Vortragssaal des Kunstmuseums. Bürgi ging jeweils schnell zum nächsten Thema über und liess das zahlreich erschienene Publikum etwas ratlos zurück. Wirklich überraschen vermögen die Antworten des amerikanischen Künstlers Robert Gober (*1954, Wallingford, Connecticut) nicht. Genau so antwortet er seit 30 Jahren stets freundlich auf Fragen nach der Bedeutung seiner verstörenden, spröden Werke aus Wachsbeinen, Abflüssen oder durchstossenden Rohren.

Gesprächig wird er indes immer, wenn es um die handwerkliche Herstellung und das Beschreiben seiner Arbeiten geht. Wie haben er und seine Mitarbeitenden das umzusetzende Bild geschaffen? Was waren die Probleme? Aus welchem Material bestehen die einzelnen Teile? Warum gerade dieses Material – Wachs, Holz, Bronze, Wasser? «Oft», betonte Robert Gober im Gespräch mehrmals, «ist das Material eine Metapher.»

Schwule unter Generalverdacht

Sehr engagiert wurde Robert Gober, als er vom Leben im New York der 1980er Jahre während der Reagan-Ära berichtete: Über sterbende schwule Freunde und über eine Regierung, die nichts tut. Gober sprach Klartext: «Sie hätten die Homosexuellen genau so gut an die Wand stellen und erschiessen können.» Auch ein weiteres sensibles Thema lässt er nicht aus: Den Missbrauch von Kindern und den Generalverdacht, unter dem diesbezüglich schwule Männer immer noch stehen. Gober dazu fragend: «Doch was tun Eltern ihren Kindern an?»

Solche Aussagen legen offen, was den Künstler zu seinen Werken bewegt, die, wie er sagt, zunächst Bilder seiner Vorstellung sind. Er blickt auf diejenigen, welche Diskriminierung und Unterdrückung in einer wertkonservativen, religiös geprägten Welt erleiden und verweist auf die Tabuzonen einer vermeintlich heilen häuslichen Umgebung. Daran knüpfen die vielen (Kinder-)Wachsbeine, die mit einem Rohr durchstossene Maria, die abgründigen Blicke durch Abflüsse und Gullys an.

Städtische Unterwelt

Die grosse Robert Gober-Ausstellung 2007 im Schaulager ist vielen noch in Erinnerung, und für einige wohl auch die Ausstellung von 1995 im MGK. Tatsächlich gibt es in der aktuellen Ausstellung wenig Neues zu entdecken. Warum also nun die dritte monographische Ausstellung in Basel von Gobers Werken? Ausschlaggebend war der Wunsch, die eigens 1995 für das MGK entwickelte, invasive Installation «Split Wall with Drains» endlich wieder zu zeigen. Dies ist allerdings Grund genug! Die weissgestrichene, der Länge nach gespaltene, als Fragment frei im Museumsraum stehende Innenwand mit zwei symmetrisch angelegten Türdurchgängen ist eine wunderbare Projektionswand. Der Blick durch die beiden Gullys, in denen der Rhein zurück zu strömen scheint, legt eine städtische Unterwelt frei, mit Herbstlaub, Bierdosen und einem im Wasser schwimmenden Briefumschlag.

«Melted Rifle», ein neueres Werk aus dem Jahr 2006, zeigt einen Hocker, auf dem eine Kiste mit Granny-Smith-Äpfeln steht und darüber ein erschlafftes Gewehr gelegt ist. Es handelt sich dabei um eine Nachbildung einer Winchester, die 1860 dafür entwickelt wurde, die ihr Land verteidigenden amerikanischen Ureinwohner mit einem Schuss töten zu können. Die Vorgängerwaffen hatten noch zu kleine Kugeln um mit einem Schuss einen kämpfenden Indianer zu stoppen. «Melted Rifle» besteht aus Gips, Farbe, Kunststoffguss, Bienenwachs, Nussbaumholz und Blei. Das Gewehr ist aus Blei und gemäss Gober, metaphorisch gesprochen, das ideale Material dafür.

Thema Schmerz

Gobers Werke sind so angelegt, dass sie auf verschiedene Arten bodenlos und unterminierend werden können. Oft sprechen sie Schmerz, Verlust und Leiden an, die in jedem Betrachtenden auf andere Weise anklingen. Dass Gober so wenig über das sagt, was seine Werke zu bedeuten haben, zeugt von seinem konsequenten Respekt denjenigen gegenüber, welche seine Werke sehen und bereit sind, diese auf das Eigene wirken zu lassen und hinter die glatte Oberfläche zu blicken.

Die Umbauarbeiten im Schaulager sind beendet und die Schaulagertüre öffnet sich wieder einen Spalt breit. Während der Dauer der Ausstellung finden an jedem zweiten Sonntag im Monat um 13 Uhr Werkbetrachtungen der permanenten Gober-Installation im Untergeschoss statt. Parallel zur Gober-Ausstellung mit Werken der Emanuel Hoffman-Stiftung, der Öffentlichen Kunstsammlung Basel und einer Privatsammlung zeigt das Museum für Gegenwartskunst eine neue Sammlungspräsentation mit Arbeiten von Bruce Nauman, Jasper Johns, Matthew Barney, Paul Chan, von Kunstschaffenden also, welche Robert Gober beeinflusst haben und solchen, die sich von seinen Werken inspirieren lassen. Im zweiten Stock sind Neuankäufe von Simon Starling, Olafur Eliasson, Ceal Floyer und Sonja Feldmeier zum ersten Mal zu sehen.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

9.10.2012, 09:37 Uhr

Déjà-vu im Museum für Gegenwartskunst

Text

Text: Françoise Theis

  • 09.06.2013 um 12:51
    Wie Vergangenes durch Zukunft neu geschrieben wird

    Schwere Kost in Riehen: Drei Kunstschaffende blicken auf die Bilder und Lebenssituationen ihrer Eltern und Grosseltern und fragen sich, was sie mit diesen zu tun haben und worin jetzt ihre Verantwortung besteht.

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