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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Helmut Förnbacher 

5.10.2012, 00:01 Uhr

Der Mann für grosse Gefühle

5.10.2012, 00:01 Uhr

Das Leben bietet dem Theatermann Helmut Förnbacher seit Jahren eine Rolle als Rentner an – er wird sie nie annehmen. Von Martina Rutschmann

Basile Bornand: Helmut Förnbacher organisiert am Badischen Bahnhof in Basel «grossartige gemeinschaftliche Verabredungen zwischen Bühne und Publikum».

Helmut Förnbacher organisiert am Badischen Bahnhof in Basel «grossartige gemeinschaftliche Verabredungen zwischen Bühne und Publikum». (Bild: Basile Bornand)

Justin Bieber lacht von der Titelseite der aktuellen «Bravo». Würde man ihn fragen: «Wer ist Helmut Förnbacher?», würde er sagen: «Keine Ahnung.» Das wäre nicht so schlimm, die beiden verbindet schliesslich nur, dass sie begehrte Sujets für die «Bravo»-Titelseite sind. Oder, im Fall von Helmut Förnbacher, waren. 

In den Sechzigerjahren spielte der Basler Schauspieler und Regisseur in der Fernsehserie «Forellenhof» mit – und brach als rebellischer Klaus Tausenden Mädchen das Herz. Auch als Darsteller in etlichen Bühnenstücken konnte er sich bereits mit 18 Jahren kaum retten vor Avancen seiner Fans.

Liebe, Macht, Gier, Neid

Der ebenfalls 18-jährige Justin Bieber hingegen würde das – wäre er nicht bereits ein Popstar – selbst als Hamlet nicht schaffen; vorbei sind die Zeiten, als junge Leute ins Theater stürmten und sich vor Begeisterung kaum halten konnten.

Ältere Menschen klagen gerne über das Desinteresse der Jungen. Förn­bacher tut das nicht: «Viele Jugendliche gehen nicht ins Theater, weil sie nicht wissen, wie geil es ist!» Es sind seiner Meinung nach die Älteren, die ihre Pflicht nicht wahrnehmen, den Jungen diese Kultur zu vermitteln.

Er versucht es täglich, indem er selber Theater macht, seit 34 Jahren im eigenen Betrieb. Acht Eigenproduktionen feiern dieser Wochen Premiere in der «Helmut Förnbacher Theater Company» am Badischen Bahnhof. Alle Stücke haben dasselbe Ziel: «Sie müssen grosse Gefühle vermitteln.» Liebe, Macht, Gier, Neid. Förnbacher hält nichts vom ­Ge­schwätz, Theater habe nicht mehr die Funktion von einst – der ­Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, Debatten auszulösen oder sogar ­Revolten anzuzetteln. Es geht ums ­Gefühl. Und das hat kein Alter.

Über sein eigenes Alter spricht er ungern. Zu gross ist seine Befürchtung, die Zahl Sieben davor könnte junge Zuschauer abschrecken, den Weg zum ehemaligen Zollhaus der Deutschen Bahn auf sich zu nehmen, um dort Gefühle vermittelt zu bekommen. Ausserdem entspricht Förnbacher kaum seinem Alter, zu sehr ist er noch in der Arbeitswelt verwurzelt, zu jugendlich gibt er sich. Längst könnte er sich in seinem Haus in Bottmingen zurücklehnen, doch das kommt für ihn nicht infrage: «Das hier ist mein Leben», sagt er fast vorwurfsvoll. Mit «das hier» meint er seine Welt – das dauernde Provisorium am Bahnhof, wo jeden Abend «grossartige gemeinschaftliche Verabredungen zwischen Bühne und Publikum» stattfinden.

Grosse Filmerfolge

Förnbacher und seine Frau, die Schauspielerin Kristina Nel, könnten sich diese eigene Welt finanziell kaum leisten, wenn da nicht die ganzen ­Filmerfolge gewesen wären. Sie erhalten vom Kanton keine regelmässigen Subventionen, was Förnbacher oft betont und bedauert. Von Budgets, die er vom Film her kennt, kann er für sein Theater nur träumen – entsprechend wird bei ihm auch niemand reich.

Förnbacher hat etliche Filme gedreht. Als «Tatort»-Regisseur liess er Manfred Krug ermitteln, mit «Sommersprossen» landete er seinen ersten Kinoerfolg. Es folgten Sexkomö­dien wie «Beiss mich Liebling», später Fernsehserien wie «Unser Charly».
Helmut Förnbacher wird nicht müde, die Grossartigkeit seines und des ­Theaters im Allgemeinen zu betonen. «Wenn ich einen Besen auf die Bühne stelle und sage, es sei ein Wald – ist es für die Zuschauer auch ein Wald, wenn ich es gut mache.»

Eigenlob aus Überzeugung

Es ist nicht Arroganz, die beim ­Eigenlob mitschwingt, sondern eine tiefe Überzeugung, das Richtige zu tun, den Menschen etwas zu geben – sei es klassischer Inhalt, Vorfasnacht oder Boulevard. «Es gibt für mich nur gutes oder schlechtes Theater», sagt er. ­Trennungen zwischen Hoch- und ­Popu­lärkultur sind ihm ein Greuel.

Voraussichtlich 2014 muss seine Company aus dem Badischen Bahnhof ausziehen und sich eine neue Bleibe suchen. Förnbacher könnte den Moment nutzen und aufhören. Doch er ist sich sicher: Sein Theater wird in sechs Jahren den 40. Geburtstag feiern.

Am Dienstag, 16. Oktober, ist Premiere von «Tod eines Handlungsreisenden».

  1. Theater mit Herz

    von Brigitte Sahin am 9.10.2012 um 11:28Uhr

    Ja, das stimmt! Ich bin sonst keine "Theater-Gängerin", ich besuche fast ausschliesslich musikalische Veranstaltungen oder dann gute Kinofilme. Aber im Förnbacher-Theater kann das Herz immer mitgehen, da komme ich kaum mit Kopfschmerzen raus - es sei denn, ich hätte sie schon importiert ;-)
    Dieses Ehepaar leistet etwas Wichtiges und Grosses für Basel. Und weil es mit Herzblut getan wird, kommt es rüber, auch wenn frau jedesmal den beschwerlichen Weg nach Deutschlnad gehen muss zur Toilette ;-)
    Ich bedanke mich und verneige mich: bitte noch laaange weiter so und gute Gesundheit!
    Direktlink zum Kommentar

  1. Theater mit Herz

    von Brigitte Sahin um 9.10.2012 um 11:28Uhr

    Ja, das stimmt! Ich bin sonst keine "Theater-Gängerin", ich besuche fast ausschliesslich musikalische Veranstaltungen oder dann gute Kinofilme. Aber im Förnbacher-Theater kann das Herz immer mitgehen, da komme ich kaum mit Kopfschmerzen raus - es sei denn, ich hätte sie schon importiert ;-)
    Dieses Ehepaar leistet etwas Wichtiges und Grosses für Basel. Und weil es mit Herzblut getan wird, kommt es rüber, auch wenn frau jedesmal den beschwerlichen Weg nach Deutschlnad gehen muss zur Toilette ;-)
    Ich bedanke mich und verneige mich: bitte noch laaange weiter so und gute Gesundheit!
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Informationen zum Artikel

5.10.2012, 00:01 Uhr

Der Mann für grosse Gefühle

Text

Text:

  • 11.05.2013 um 12:32
    Blut an unseren Kleidern

    Gewissheit gibt es nie, dass die Kleider, die man kauft, fair hergestellt wurden. Manchmal wissen nicht einmal die Modeläden, dass sie die Ausbeutung unterstützen – oder sie wollen es nicht wissen. Ein Problem, offensichtlicher denn je.

  • 08.05.2013 um 16:57
    «Die Liberalen müssen pointierter werden»

    Die Präsidentin der Basler LDP, Patricia von Falkenstein, will ihrer Partei in der Öffentlichkeit wieder mehr Gehör verschaffen. Allenfalls auch mit «Polteri»-Methoden – solange es anständig zugeht.

  • 08.05.2013 um 16:15
    Einfamilienhäuser für die Erlenmatt

    Zuerst waren es Mietwohnungen, dann Eigentumswohnungen – nun sollen auf der Erlenmatt Einfamilienhäuser dazu kommen.

  • 10.10.2012 um 22:13
    Bilder
    Zum Artikel: Kein Schiff wird kommen

    Guten Abend Zugegeben, die Bilder sind nicht besonders gut – und das ist mein Verschulden. Mit Sparen hatte es allerdings nichts zu tun, dass ich ohne Fotograf (bei uns arbeiten sehr gute Fotografen, wie man sonst sehen kann) unterwegs war. Sondern mi...

  • 15.08.2012 um 09:01
    Nun ist es Schokolade
    Zum Artikel: «Beschle» verärgert «Frey»-Stammgäste

    Lieber Herr Schmidt Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie mich auf diesen peinlichen Flüchtigkeitsfehler aufmerksam gemacht haben. Selbstverständlich habe ich den Fehler umgehend behoben und aus der Schoggi eine Schokolade gemacht. Gruss, Martina Rutsch...

  • 29.02.2012 um 13:37
    Gundeli-Clique-Vertreter
    Zum Artikel: «E Schwob» im Trommel-Taumel

    Flip567 hat natürlich recht, wenn er darauf hinweist, dass es sich bei der Gundeli-Clique um eine grosse Clique mit Tambouren UND Pfeifern handelt (was tatsächlich jeder Basler wissen sollte). Die Formulierung im Text war daher vielleicht nicht präzise...

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