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TagesWoche

Tages Woche

Do, 23.05.2013

Premiere 

4.10.2012, 15:03 Uhr

Schnitzeljagd um Kopf und Kragen

4.10.2012, 15:03 Uhr

Das installative Theaterstück «Militär/Kultur/Spionage» erzählt die Geschichte der Kaserne neu – als rätselhafte Vermischung von Vergangenheit und Zukunft. Von Tara Hill

Verwirrspiel rund um die Kaserne: Christoph Rath und Meret Hottinger verstecken sich vor dem Kopfbau.

Verwirrspiel rund um die Kaserne: Christoph Rath und Meret Hottinger verstecken sich vor dem Kopfbau. (Bild: Lucian Hunziker)

Wer verbirgt sich wohl dahinter? Richtig: Das Publikum! Anfangsszene aus «Militär/Kultur/Spionage» auf dem Basler Kasernenareal.

Wer verbirgt sich wohl dahinter? Richtig: Das Publikum! Anfangsszene aus «Militär/Kultur/Spionage» auf dem Basler Kasernenareal. (Bild: Lucian Hunziker)

Stägeli uff, Stägeli ab, juhee: Nikolai Bosshardt führt durch den Spielestrich.

Stägeli uff, Stägeli ab, juhee: Nikolai Bosshardt führt durch den Spielestrich. (Bild: Lucian Hunziker)

Innovatives Licht-, Ton- und Videokonzept: Ursula Reiter und Jesko Stubbe in «Militär/Kultur/Spionage».

Innovatives Licht-, Ton- und Videokonzept: Ursula Reiter und Jesko Stubbe in «Militär/Kultur/Spionage». (Bild: Lucian Hunziker)

Theater mal umgekehrt: Sitzen die Zuschauer ansonsten meist gemütlich im Zuschauerraum, während die Schauspieler auf der Bühne auf und ab hetzen, läuft es an diesem Abend genau andersrum. Das Publikum jagt eineinhalb Stunden kreuz und quer übers Kasernenareal, um rechtzeitig bei den Schauspielern anzukommen, die gemütlich noch das Mikrofon an Kopf oder Kragen richten können, bevor sie ihren Part beginnen.

Komplex verkabelt, unorthodox erzählt

Das ist erstmal reizvoll und aufregend, bisweilen aber auch etwas verwirrlich, zumal die Stimmen der Schauspieler meist nicht direkt, sondern durch ein komplex verkabeltes Lautsprechersystem zu hören sind, und die Stationen wirklich von Kräutergarten bis Malsaal, von Spielestrich bis Kopfbau-Dachboden verteilt werden, sprich: über die gesamte Kaserne. Etwas ausser Atem und stets auf der Suche nach dem nächsten Schauplatz verfolgt man daher Tim Zulaufs experimentelle Theaterinstallation, welche die vielen Erzählebenen der Arealgeschichte verwischt, dabei katholische Nonnen auf Rekruten im Färberstreik, erregte Alt-Marxisten auf Projektentwickler, Soldaten auf Stararchitekten treffen lässt.

«Militär/Kultur/Spionage» ist nach der letztjährigen Premiere von «Kultur/Industrie/Spionage» in der Roten Fabrik bereits Zulaufs zweite Variation einer neuartigen Raumerzählung der drei grossen, autonomen Alternativkulturzentren der Schweiz (im September folgte mit «Kultur/Kapital/Spionage» schon die Berner Reitschule). Die Idee, die Geschichte der jeweiligen Häuser mit einer etwas abwegigen Rahmenhandlung um ein verrücktes Künstler-, Spionage- und Wissenschaftler-Kollektiv aufzuarbeiten, ist clever, unterhaltsam und – wie die ausverkaufte Basler Premiere am Mittwochabend zeigte – dank intensiver Recherche auch mit vielen lokalen Spitzen und Kolorit gefärbt.

«Whodunnit?» im Kulturdiskurs

Dennoch gibt es eine Durststrecke zu überwinden, bevor sich die einzelnen Handlungs- und Erzählstränge gen Ende im eigenen Kopf wieder zu einem Ganzen zusammenfügen lassen – und man zum Schluss zumindest eine Teilauflösung der rätselhaften Schnitzeljagd erfährt. Wer auf unkonventionelle Art mehr über die Geschichte der Kaserne erfahren möchte, der kommt bei «Militär/Kultur/Spionage» und dessen überaus spielfreudigem Schauspielteam voll auf seine Kosten. Wer von A bis Z ausformulierte Feierabendunterhaltung sucht, oder gar ernsthafte Antworten auf die städtebaulichen Fragen der Gegenwart, ist dagegen auf dem Holzweg – hier stösst das Projekt naturgemäss an seine Grenzen. 

Zum Glück schienen zumindest bei der Premiere die meisten Anwesenden, darunter viel Volk aus der hiesigen Kultur- und Politszene, zur ersten Gruppe zu gehören – man spendete dem «Whodunnit?» mit aktuellen kulturpolitischen Diskurs-Sprenkeln viel herzlichen Applaus, und verliess das Areal selber eifrig debattierend.

  • Weitere Aufführungen: 04. und 05.10., jeweils 20 Uhr, Treffpunkt: Rossstall, Kaserne.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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4.10.2012, 15:03 Uhr

Schnitzeljagd um Kopf und Kragen

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Text:

  • 16.05.2013 um 16:55
    Kultwerk #80: The Great Gatsby

    Mit seinem Kultroman setzte F. Scott Fitzgerald den «Roaring Twenties» ein bis heute unvergessliches Denkmal – allerdings kein schmeichelhaftes.

  • 11.05.2013 um 17:37
    Die Kindheit, ein glitzernder Scherbenhaufen

    Vier Schauspieler machen sich auf die Suche nach ihren Ursprüngen – und finden Vieles, aber keine Unschuld: Marcel Schwalds Theaterperformance «Enfants terribles» wirft bei der Basler Premiere in der Kaserne einen erfrischend ungeschönten Blick auf die Kindheit.

  • 02.05.2013 um 10:07
    Ein Uhu braucht uhu-ere viel Unterstützung

    Die erste Ausgabe des Uhu-Festivals auf dem Horniberg wurde im letzten Juli vom Jahrhundertgewitter ertränkt. Nun sucht der junge Verein, der aktuelle elektronische Underground-Klänge mit innovativen visuellen und räumlichen Konzepten verbindet, für die zweite Durchführung nach Investoren, Sponsoren und freiwilligen Helfern für einen Neuanfang – ohne horrendes Defizit.

  • 15.03.2013 um 12:46
    @Walter Meier
    Zum Artikel: Vom Narziss zum Goldmund: Die Renaissance des Schweizer Rap

    Schon erstaunlich, wie sehr sich manche Mitglieder der Szene angegriffen fühlen, wenn man konstatiert, dass die Phase, wo sich Hip-Hop (zunächst) als Trend und (dann) dominierende Subkultur etablierte, vorbei ist, und Rap wieder vermehrt aus dem Unterg...

  • 28.01.2013 um 21:54
    Zum Abschluss
    Zum Artikel: Morgengrauen: Nüblings virtuose Verstörung

    Christian, ich glaube grundsätzlich sind wir nicht so weit voneinander entfernt in unseren Haltungen. Mich stört wie gesagt nicht, dass solche Themen aufgegriffen und inszeniert werden, sondern «wie», nämlich sehr explizit und in einer teils filmisch...

  • 28.01.2013 um 20:06
    Ganz normal und realistisch? (Achtung, Spoiler!)
    Zum Artikel: Morgengrauen: Nüblings virtuose Verstörung

    Danke für die Ausführungen und die weiteren Wortmeldungen! Ich bin keineswegs der Meinung dass die theaterpädagogische Jugendarbeit keine Grenzen hat, und ich will auch keinesfalls alle Theaterpädagogen über einen Kamm scheren – nur frage ich mich, w...

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