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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Film 

28.9.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #47: Blow Up

28.9.2012, 00:01 Uhr

Der italienische Filmemacher Michelangelo Antonioni würde am 29. September 100 Jahre alt. 1966 fing er mit «Blow Up» den Zeitgeist des Swinging London ein. Von Marc Krebs

Cinetext Bildarchiv: Da guckt er! David Hemmings im Verwirrspiel um Wahrheit und Wahrnehmung.

Da guckt er! David Hemmings im Verwirrspiel um Wahrheit und Wahrnehmung. (Bild: Cinetext Bildarchiv)

Am 29. September muss sich Italien entscheiden: Welchen Geburtstag soll es feiern? Jenen von Silvio Berlusconi, der 76 Jahre alt wird (und vielleicht allmählich schweigsam?). Oder jenen von Michelangelo Antonioni, der am selben Tag 100 Jahre alt würde (aber seit fünf Jahren schweigt. Für immer). Kulturfreunden fällt die Wahl leicht. Sie sagen sich: Lieber «Blow Up» als «Bunga Bunga». Wenn schon nackte Brüste, dann bitte mit intellektuellem Subtext. Denn «Blow Up» steht nicht einfach für eine Party – auch wenn der Film im Swinging London spielt und darin die Miniröcke flattern und die Maxi-Rocker knattern (The Yardbirds, als Statisten!).

Arroganter Schnösel

Protagonist ist der Fotograf Thomas: Jung und immer auf dem Sprung, im Studio oder im Rolls-Royce-Cabrio. Ganz schön erfolgreich ist er auch, weshalb die Models trotz seiner despektierlichen Art und Weise Schlange stehen. Dass der arrogante Schnösel den naiv-hoffnungsvollen Teenies (darunter die blutjunge Jane Birkin) auch mal an die Wäsche geht, macht ihn nicht sympathischer. Und dabei scheint ihn die Ausbeute nicht einmal zu befriedigen, nein, im Gegenteil, sie lässt ihn gleichgültig – wie auch die Tatsache, dass seine Frau vor seinen Augen fremdschläft.

Thomas ist ein Hipster voller Aktivismus und doch schaurig leer und gelangweilt. Bis, ja, bis er im Park zufällig ein turtelndes Paar fotografiert und ihn die Frau anfleht, ihm den Film auszuhändigen. Er spielt mit seiner Macht und ihrer Pracht, vergrössert die Bilder («blow up») in der Dunkelkammer, bis ihm etwas dämmert: Da liegt ein Toter im Gebüsch.

Ein Verwirrspiel um Wahrheit und Wahrnehmung nimmt seinen Lauf, bei dem der Fotograf, dessen Beruf die unbestechliche Beobachtung zu sein scheint, am Ende nicht mehr weiss, was Schein ist – und was Sein.

Ein bisschen aufgeblasen

Seine Faszination für das «Swinging London» soll Antonioni dazu geführt haben, 1966 den Zeitgeist einzufangen. Sich treu bleibend hat er ihn mit bedrückend entrückten Figuren bestückt – erstmals in seiner Karriere in englischer Sprache.

Kult? Kunst? Klar! All die Seminararbeiten seither sollen doch nicht umsonst gewesen sein! Schaut man sich den Film aber aus sicherer Distanz an, so darf man auch zu fragen wagen, ob all die Lobeshymnen nicht ein bisschen – nun ja – aufgeblasen daherkommen. Kubrick, Leone, Bergman fahren mir jedenfalls stärker ein. Und dass Cineasten angesichts von «Blow Up» damals «von der dynamischen Geschwindigkeit eines TV-Spots» schwärmten, lässt einen heute müde lächeln. Ein ungewöhnlicher Film, keine Frage, aber auch ein überlanger, mitunter überacted (das Dreier-Gekitzel!) Kann man ja mal sagen. Apropos Cannes: Antonioni – er gewann.



Der italienische Regisseur, Schriftsteller und Maler Michelangelo Antonioni (1912–2007) war neben Luchino Visconti und Federico Fellini der bedeutendste Pionier des italienischen Nachkriegskinos. In seinen Filmen brachte er meist sein Grundanliegen, die Einsamkeit und Entfremdung in der modernen Industriegesellschaft, zum Ausdruck.

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28.9.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #47: Blow Up

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Text:

  • 10.05.2013 um 11:35
    Wir Heuchler!

    Immer wenn bekannt wird, dass ein Geschäft wie der Buchladen Nasobem zumacht, sterben wir einen kleinen Tod. Und merken dann, wie inkonsequent unser Leben geworden ist.

  • 07.05.2013 um 12:26
    Im August lockt das Open Air Basel

    Neuer Name, neue Struktur: Aus dem Gratisfestival Viva Con Agua Kaserne Basel wird das Open Air Basel. Dieses wird von einem Verein getragen und kostet neu Eintritt.

  • 02.05.2013 um 15:15
    Das Theater Roxy steht vor Veränderungen

    Sven Heier tritt im Herbst die Nachfolge von Christoph Meury in Birsfelden an. Dafür hat der Hannoveraner ein neues Team verpflichtet.

  • 22.05.2013 um 17:07
    Zum Örgeli-Rock
    Zum Artikel: Örgeli-Rock für die Ewigkeit

    Lieber Kulturbetrachter Despektierlich ist der Titel eigentlich nicht gemeint. So sagten wir dem halt einfach, damals, in der eigenen Jugend, als wir die Gedanken und vieles andere kreisen liessen, während in der Rockola die Rockorgel wummerte und fie...

  • 10.05.2013 um 17:23
    Wir und ihr
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    Liebe Leser, die ihr euch an unserem «Wir» aufreibt. Hätten wir mit dem Finger auf andere zeigen sollen? Das wäre allzu selbstgerecht. Wir sind in diesem Fall Philipp Loser und ich und – ganz offensichtlich anhand vieler Reaktionen auf allen Kanälen – ...

  • 10.05.2013 um 12:56
    Was das Atlantis…
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    … betrifft, so erfolgte der Kurswechsel damals nach einem Besitzerwechsel. Der Livebetrieb rentierte einfach nicht mehr. Alle bedauerten, dass es keine Konzerte mehr gab. Aber es ging doch auch kaum noch wer hin. Grund für den Publikumsschwund war eine...

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