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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

Tramstadt Basel 

5.10.2012, 07:00 Uhr

Johanniterbrücke ist nicht für Trams konzipiert

5.10.2012, 07:00 Uhr

Künftig soll eine Tramlinie über die Johanniterbrücke führen, so die politische Forderung. Noch ist jedoch unklar, ob die Brücke das überhaupt aushalten würde. Falls nicht, müsste sie abgerissen und neu gebaut werden. Das ergaben Recherchen der TagesWoche. Von Martina Rutschmann

Michael Würtenberg: Noch fahren Busse über die Ende der Sechzigerjahre erbaute Johanniterbrücke – diese sollen aber durch Trams ersetzt werden.

Noch fahren Busse über die Ende der Sechzigerjahre erbaute Johanniterbrücke – diese sollen aber durch Trams ersetzt werden. (Bild: Michael Würtenberg)

Ein Tram statt ein Bus auf der Johanniterbrücke als weiterer Schritt in Richtung Tramstadt Basel – das verlangt eine Initiative und dafür ist auch der Grosse Rat zu begeistern, wie eine Debatte vor zwei Wochen zeigte: Die Mehrheit hat das Anliegen abgesegnet, womit der politische Weg aufgegleist wäre. Klingt gut, hat aber einen Haken. Noch wurde nicht abgeklärt, ob die Johanniterbrücke überhaupt geeignet ist für Tramschienen und Waggons. Fest steht jetzt schon: Einfach wäre es nicht. Im Gegenteil.

Ingenieurbau-Leiter Rodolfo Lardi vom Tiefbauamt ist mit der Materie vertraut wie kaum ein Zweiter. Zwar wurde bisher keine Studie zum Thema durchgeführt, da das Projekt noch mehrere Instanzen überleben muss, Lardi kann dennoch sagen, wo Schwierigkeiten auftauchen könnten. Da wäre zum einen die 20 Zentimeter dicke Fahrbahnplatte der Brücke. Das ist nicht gerade dick, wenn man bedenkt, dass Schienen, Stahlträger und Isolation zusammengerechnet bis zu 40 Zentimeter Durchmesser haben. Laut Lardi müsste man auf der Fahrbahn einen Aufbau installieren, um die Schienen verlegen zu können. Und das ist schwer. Schwer sind auch die Trams, die darauf fahren würden. Lardi sagt: «Wir wissen nicht, ob die Brücke dieses Gewicht tragen könnte.»

Alte Brücke hatte Schienen

Schauen wir vor dem Kaffeesatzlesen ein paar Jahrzehnte zurück: In den Zwanzigerjahren fuhr ein Tram über die Johanniterbrücke. Zwar gab es schon Autos, doch konnten sich diese nur Reiche leisten. Das Tram war bevorzugtes Verkehrsmittel und kaum wegzudenken von der Brücke. Doch dann kam die Zeit, als Autos auch für den Normalbürger erschwinglich wurden und der Stellenwert des Trams sank. Zeitgleich wurde Ende der Sechzigerjahre die Johanniterbrücke neu gebaut – allerdings nicht für Trams konzipiert. Warum auch, wenn es ein Bus genauso tut? Fortan führte eine Trolleybuslinie über die Brücke.

Über die heutige Zeit muss nichts berichtet werden, da jedes Kind weiss: Die Tendenz geht wieder weg von Autos hin zum öffentlichen Verkehr. Was ist also naheliegender, als eine stark befahrende Achse wie die Johanniterbrücke mit einer Tramlinie auszustatten? Wenn da nicht diese Schwierigkeiten wären, mit denen sich allerdings noch niemand öffentlich befasst hat.

Verstärkung als Möglichkeit

Kosten-Nutzen-Analysen werden von Skeptikern gefordert und Kritiker finden, nebst allen anderen Ausbauplänen für das Tramnetz 2020 brauche es nicht auch noch eine Linie über die Johanniterbrücke. All diese Bedenken könnten sich in Luft auflösen, sollte sich eines Tages zeigen, dass es gar nicht funktionieren würde. Rodolfo Lardi sagt es so: «Sie können einen Dieseltank nicht plötzlich mit Benzin füllen.» Es bestehe aber – aus heutiger Sicht – die Möglichkeit, die Brücke zu verstärken, so, wie es bereits bei der Schwarzwaldbrücke getan wurde. Wobei die Gewichtsgrenze auch da beschränkt wäre.

Im Extremfall würde das heissen: Die Johanniterbrücke muss abgerissen und neu gebaut werden. So wie damals Ende der Sechzigerjahre. Mit dem Unterschied, dass die dritte Johanniterbrücke wieder für Trams konzipiert werden müsste – wie bereits die erste, die 1882 eröffnet wurde und keine 100 Jahre später der jetzigen Johanniterbrücke weichen musste.

  1. Innovation, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür

    von Matthias Rist am 5.10.2012 um 10:30Uhr

    Ich habe selbst über 20 Jahre an der Feldbergstrasse gewohnt und dies auch zu einer Zeit ohne Nordtangente. Der Strassenverkehr war & ist quälend, die urspünglich geplante Verbreiterung der Strasse (so geschehen am Kleinbaser Brückenkopf bis zum Ersasmusplatz und am oberen Ende bei der Messe) hätte Raum geschafft. Es waren die Zeichen einer früheren Zeit.
    Heute hat man ein Flickwerk. Die Strasse ist teilweise zu eng, der Strassenverkehr zu dicht und Lösungen sind hüben wie drüben nicht mit einfachen (Wahl)-Slogans zu erreichen. Ein Tram würde - gleich wie der Bus heute - im Verkehrsfluss mitfahren oder eben mitstehen. Da erscheint die Frage nach der Tragfähigkeit der Johnanniterbrücke schon fast ein Detail zu sein. Sollten wir uns nicht besser mit der Tragfähigkeit der (Quartier)-Strassen befassen ?
    Weitsicht bedeutet, Blick für das Ganze zu haben - und eine (Tram-)Brücke alleine löst die Verkehrsproblematik der Stadt Basel nicht.

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  1. Zwängerei?

    von Daniel Seiler um 5.10.2012 um 09:25Uhr

    Da arbeiten also 5 Planungsbüros für viel Geld am zukünftigen Tramnetz der Region Basel. Mit viel Jubel wird dann im März das Tramnetz 2020 - ohne Tram über die Johanniterbrücke - präsentiert. Jetzt – nur ein halbes Jahr später - soll das Tram doch wieder durch die Feldbergstrasse fahren. Warum hat man überhaupt eine Studie gemacht, wenn scheinbar die Expertenmeinung über Kosten/Nutzen nicht gewünscht ist und man aus ideologischen Gründen einfach ein Tram statt einen Bus will? Das Ganze kostet immens viel Geld und die Anwohner in der Feldbergstrasse würden durch Baulärm und Tramlärm noch weiter belastet.
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  2. @Daniel Seiler

    von Maya Eldorado um 5.10.2012 um 09:42Uhr

    Zwängerei? - Sind sie sicher?
    Könnte das nicht einfach auch Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit sein?
    Und von Menschen, denen die Grundlagen dazu fehlen, in Angriff genommen, ohne sich vorher darüber informiert zu haben?
    Solches erleben wir doch immer wieder und kennen zur Genüge.
    Vom Staat her wird an den Schulen herumgebaut bis zum geht nicht mehr. Die Lehrer ersticken immer mehr darin. Vor lauter Umbau wird es für sie immer schiweriger der Sache gerecht zu werden. Die guten, innovativen Lehrer springen immer mehr ab. Denen die lieber nicht so viel selber denken wollen, bleiben.
    Die Liste liesse sich unendlich fortsetzen.
    Dass man Brücken nicht einfach unendlich alles zumuten kann, sagt ja einem der gesunde Menschenverstand. Also muss man das mal zuerst abklären, bevor man weitere Schritte unternimmt. Einen Sachverständigen scheint es zu geben in Rodolfo Lardi.
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  3. Innovation, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür

    von Matthias Rist um 5.10.2012 um 10:30Uhr

    Ich habe selbst über 20 Jahre an der Feldbergstrasse gewohnt und dies auch zu einer Zeit ohne Nordtangente. Der Strassenverkehr war & ist quälend, die urspünglich geplante Verbreiterung der Strasse (so geschehen am Kleinbaser Brückenkopf bis zum Ersasmusplatz und am oberen Ende bei der Messe) hätte Raum geschafft. Es waren die Zeichen einer früheren Zeit.
    Heute hat man ein Flickwerk. Die Strasse ist teilweise zu eng, der Strassenverkehr zu dicht und Lösungen sind hüben wie drüben nicht mit einfachen (Wahl)-Slogans zu erreichen. Ein Tram würde - gleich wie der Bus heute - im Verkehrsfluss mitfahren oder eben mitstehen. Da erscheint die Frage nach der Tragfähigkeit der Johnanniterbrücke schon fast ein Detail zu sein. Sollten wir uns nicht besser mit der Tragfähigkeit der (Quartier)-Strassen befassen ?
    Weitsicht bedeutet, Blick für das Ganze zu haben - und eine (Tram-)Brücke alleine löst die Verkehrsproblematik der Stadt Basel nicht.

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  4. 2stöckig bauen

    von Christian Mueller um 5.10.2012 um 18:02Uhr

    die alte brücke durch eine neue, 2stöckige ersetzen. unten autos und tram, oben fussgänger und velo. wenn s sein muss, kann man auch nur unten autos und oben auch noch das tram. dann önte man auch gleich den ganzen mototisierten verkehr in der feldbergstrasse und spalenring bis schanzenstrasse unter die strasse verlegen. dann hat sichs auch mit dem verkehrslärm... und lagfristig spart man geld, weil alle versorgungsleitungen leicht zugänglich und zu reparieren sind ohne gross alles aufzureissen.
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Informationen zum Artikel

5.10.2012, 07:00 Uhr

Johanniterbrücke ist nicht für Trams konzipiert

Text

Text:

  • 11.05.2013 um 12:32
    Blut an unseren Kleidern

    Gewissheit gibt es nie, dass die Kleider, die man kauft, fair hergestellt wurden. Manchmal wissen nicht einmal die Modeläden, dass sie die Ausbeutung unterstützen – oder sie wollen es nicht wissen. Ein Problem, offensichtlicher denn je.

  • 08.05.2013 um 16:57
    «Die Liberalen müssen pointierter werden»

    Die Präsidentin der Basler LDP, Patricia von Falkenstein, will ihrer Partei in der Öffentlichkeit wieder mehr Gehör verschaffen. Allenfalls auch mit «Polteri»-Methoden – solange es anständig zugeht.

  • 08.05.2013 um 16:15
    Einfamilienhäuser für die Erlenmatt

    Zuerst waren es Mietwohnungen, dann Eigentumswohnungen – nun sollen auf der Erlenmatt Einfamilienhäuser dazu kommen.

  • 10.10.2012 um 22:13
    Bilder
    Zum Artikel: Kein Schiff wird kommen

    Guten Abend Zugegeben, die Bilder sind nicht besonders gut – und das ist mein Verschulden. Mit Sparen hatte es allerdings nichts zu tun, dass ich ohne Fotograf (bei uns arbeiten sehr gute Fotografen, wie man sonst sehen kann) unterwegs war. Sondern mi...

  • 15.08.2012 um 09:01
    Nun ist es Schokolade
    Zum Artikel: «Beschle» verärgert «Frey»-Stammgäste

    Lieber Herr Schmidt Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie mich auf diesen peinlichen Flüchtigkeitsfehler aufmerksam gemacht haben. Selbstverständlich habe ich den Fehler umgehend behoben und aus der Schoggi eine Schokolade gemacht. Gruss, Martina Rutsch...

  • 29.02.2012 um 13:37
    Gundeli-Clique-Vertreter
    Zum Artikel: «E Schwob» im Trommel-Taumel

    Flip567 hat natürlich recht, wenn er darauf hinweist, dass es sich bei der Gundeli-Clique um eine grosse Clique mit Tambouren UND Pfeifern handelt (was tatsächlich jeder Basler wissen sollte). Die Formulierung im Text war daher vielleicht nicht präzise...

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