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TagesWoche

Tages Woche

So, 19.05.2013

Wahlen BS 2012 

2.10.2012, 18:10 Uhr

Alles im Fluss

2.10.2012, 18:10 Uhr

Die Grünliberalen steigen mit einem breiten Programm in den Basler Wahlkampf. Sie geben sich themenfest quer durch alle Bereiche. Doch die Widersprüche bleiben. Von Renato Beck

Hansjörg Walter: Der Wahlkampf hat nun auch bei den Grünliberalen begonnen – und zwar auf der Fähre.

Der Wahlkampf hat nun auch bei den Grünliberalen begonnen – und zwar auf der Fähre. (Bild: Hansjörg Walter)

Einen Wähler konnten die Basler Grünliberalen mit Ihrer Aktion «Uffem Bach zur Sach» bereits gewinnen, wahrscheinlich: Martin Reidiger, Steuermann der St. Alban-Fähre, kann sich vorstellen, für die Grünliberalen (GLP) zu stimmen. Das von Regierungsratskandidat Emmanuel Ullmann vertretene Projekt Central Park über dem Bahnhof hält er für eine gute Sache. Auch den Kampf gegen den Pendlerverkehr. «Aber da gibt es doch eine Partei, die sich noch stärker für die Umwelt einsetzt?», zweifelt Reidiger gleich wieder. «Die Grünen, richtig.»

Reidiger hat sich noch nicht festgelegt. Obwohl er in den letzten Tagen ausgiebig Zeit hatte, sich mit den Grünliberalen vetraut zu machen. Sie haben seine Fähre in Beschlag genommen, um mit seinen Gästen in Kontakt zu treten – und um ihren Wahlkampf  symbolisch zu unterfüttern und ein bisschen verständlicher zu machen: Die Grünliberalen vermitteln zwischen den Polen, sie können an beiden politischen Ufern halt machen, ohne ideologische Verankerung. Immer in Bewegung, alles im Fluss.

Kaum fassbare Themenbreite

Vielleicht war es auch gar viel, was Fährimaa Reidiger auf seiner Fähre zu Ohren kam. An der Vorstellung der Wahlkampagne am Dienstag mäanderte die Partei in kaum fassbarer Breite durch die Themen. Vor vier Jahren kamen die Basler Grünliberalen im Sog des nationalen Hochs auf Anhieb auf 5,1 Prozent Stimmenanteile. Das ergab Fraktionsstärke und fünf Sitze im Grossen Rat, mittlerweile sind es dank Ullmanns Parteiwechsel von der FDP gar sechs. Nun sollen zwei weitere Sitze hinzukommen. Acht Sitze sind also das Wunschziel – und das ohne das Vorschussvertrauen, von dem die GLP 2008 profitierte.

Dieses Mal will die GLP mit ihrer programmatischen Power punkten. Kaum ein Problem, für das keine Lösung in den Wahlzielen geschrieben steht. Selbst bereits gelösten Problemen nimmt sich die GLP an. Doch zunächst das Griffige: Vier neue Vorstösse sollen die Parteilinie verdeutlichen.

  1. Zwar hat Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) die Innenstadt ab 2013 für autofrei erklärt, doch der GLP geht das nicht weit genug. Sie will auch die Trams draussen haben. Die Haltestelle Marktplatz soll aufgehoben, die Trams über die Lyss und den Petersgraben umgeleitet werden. Rickscha-Taxis sollen ältere Menschen zum Marktplatz befördern.
  2. Expresstrams in die Agglomeration.
  3. Schnellbusse ins Elsass und nach Deutschland, die Basel mitfinanziert. So sollen Pendler dazu bewegt werden, das Auto zu Hause zu lassen.
  4. Obwohl die Schadstoffbelastung in der Luft den letzten Jahren deutlich abgenommen hat, fordert die GLP eine weitere Verbesserung.

Widersprüche als Programm

Das alles dürfte nicht kostenneutral ablaufen, im Falle der Tramumleitung sogar eine Stange Geld kosten. Keinesfalls will die GLP aber, dass die staatlichen Ausgaben wachsen, sie setzte sich auch für eine Verschärfung der Schuldenbremse ein. Wie der geforderte starke Ausbau der externen Kinderbetreuung und der Strafverfolgung finanziert werden soll, wenn nicht mit zusätzlichen Mitteln, bleibt rätselhaft. Zumal auch Steuersenkungen zu den Forderungen zählen. Wo Basel sparen soll, wird nicht verraten. Willkommen bei der Entweder-Und-Oder-Partei.

Doch das GLP-Programm hat auch inhaltliche Stärken: Das Bekenntnis zu einem intensiveren, vielleicht auch demütigeren Umgang mit den Nachbarn im Baselbiet und im Ausland, taucht immer wieder auf. Regierungsrat in spe Ullmann selber sagt, er sei in den letzten Wochen ausgiebig durchs Elsass getingelt, bevor er seine Ideen formuliert hat. Oder das konsequente Drängen auf den ökologischen Umbau der Stadt. Ullmann will die 2000-Watt-Gesellschaft in Basel in «20 bis 30» Jahren verwirklicht sehen. Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP) hat als Zieljahr 2075 vorgegeben. Dann wiederum: Die GLP will eine freie, ungelenkte Wirtschaft und gleichsam eine ökologisch orientierte. Den Beweis, wie das in der Praxis zusammenpasst, ist sie schuldig geblieben.

Im Gesamtbild bleibt der Eindruck haften, die GLP hat vier Jahre nach ihrem Wahlerfolg ihre Rolle nicht gefunden. Die Sozialpolitik überlässt sie mit wenigen Ausnahmen den Polparteien. In der Stadtentwicklung fehlen eigene Positionen, die Grünliberalen wünschen gar mehr «Unterstützung für die Regierung». Doch wer die Regierungspolitik in dieser Frage unterstützt, kann sie auch direkt wählen  – ohne grünliberalen Umweg über die Verbrüderungsfähre.

  1. Wow!

    von Marianne Känzig am 2.10.2012 um 20:04Uhr

    Grandios zusammengefasst Herr Beck! Spitzenklasse! Wirklich toll.
    Soll dann noch einmal jemand behaupten, der Tageswoche fehle es an Biss.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Biss und Meinungsfreiheit in Ehren...

    von Karl Linder am 2.10.2012 um 20:10Uhr

    Aber Mathematik und Aussagen über beabsichtigte Sitzgewinne sollten dann doch irgendwie stimmen, Herr Beck. David Wüest-Rudin hat vom max. Wahlziel von insgesamt 8 Sitzen gesprochen, und alle Anwesenden haben es auch so verstanden, denke ich. Ausser Sie.
    Direktlink zum Kommentar

  3. TagesWoche Redaktion

    Korrekt

    von Renato Beck am 2.10.2012 um 21:21Uhr

    Sie haben recht, herr linder. Natürlich ist das ziel 8 sitze total.
    Direktlink zum Kommentar

  4. Kritik an allen ausser den linken

    von Franz von Assisi am 3.10.2012 um 00:39Uhr

    Die linken Regierungsräte machen meiner Meinung nach ne ziemlich sattelfeste Politik. Aber die Tages Woche geht offenkundig gerne überkritisch mit allem um was nicht SP oder Grüne ist. Die Grünliberalen haben meiner Meinung nach viel, viel weniger Widersprüche als z.B. die SP... Fand diesen Artikel ziemlich billig.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft, ...

    von Inaktiver Nutzer um 2.10.2012 um 18:30Uhr

    nur nicht auf dem Boden.
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  2. Wow!

    von Marianne Känzig um 2.10.2012 um 20:04Uhr

    Grandios zusammengefasst Herr Beck! Spitzenklasse! Wirklich toll.
    Soll dann noch einmal jemand behaupten, der Tageswoche fehle es an Biss.
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  3. Biss und Meinungsfreiheit in Ehren...

    von Karl Linder um 2.10.2012 um 20:10Uhr

    Aber Mathematik und Aussagen über beabsichtigte Sitzgewinne sollten dann doch irgendwie stimmen, Herr Beck. David Wüest-Rudin hat vom max. Wahlziel von insgesamt 8 Sitzen gesprochen, und alle Anwesenden haben es auch so verstanden, denke ich. Ausser Sie.
    Direktlink zum Kommentar

  4. TagesWoche Redaktion

    Korrekt

    von Renato Beck um 2.10.2012 um 21:21Uhr

    Sie haben recht, herr linder. Natürlich ist das ziel 8 sitze total.
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  5. 8 Grossratsmandate für die GLP?

    von René Reinhard um 2.10.2012 um 21:55Uhr

    Abwarten. Wenn es gefordert wird, auch auf den Sitzen von auf den Marktplatz gezogenen Rikschas.
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  6. Kritik an allen ausser den linken

    von Franz von Assisi um 3.10.2012 um 00:39Uhr

    Die linken Regierungsräte machen meiner Meinung nach ne ziemlich sattelfeste Politik. Aber die Tages Woche geht offenkundig gerne überkritisch mit allem um was nicht SP oder Grüne ist. Die Grünliberalen haben meiner Meinung nach viel, viel weniger Widersprüche als z.B. die SP... Fand diesen Artikel ziemlich billig.
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  7. TagesWoche Redaktion

    @Franz von Assisi

    von Renato Beck um 3.10.2012 um 10:34Uhr

    Lieber Herr von Assisi, zu den Versäumnissen und Etikettenschwindeleien von Rotgrün empfehle ich Ihnen folgendes Stück, das in der TagesWoche als Titelgeschichte erschienen ist: www.tageswoche.ch/de/2012_35/basel/454130/das-falsche-paradies.htm
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  8. GLP Programm

    von Katja Christ-Rudin um 3.10.2012 um 13:58Uhr

    Mit erstaunen lese ich heute den Artikel der Tageswoche. Selbst auf der Fähre mit dabei gewesen, waren für mich keine Widersprüche zu erkennen. Beim Ausbau der Strafverfolgung hat Herr Ullmann einen Ausbau des Bussenkatalogs gefordert, UM die Kosten zu senken. Die Steuersenkung wurde bei den UNTERNEHMEN gefordert. Bei dieser Senkung darf man langfristig mit mehr Steuereinnahmen rechnen, da es sich weitere Unternehmen leisten könnten,sich in Basel zu stationieren. Zumindest würden keine Steuern durch Wegzug von wichtigen Unternehmen verloren gehen.
    Weiter klar war auch die Aussage gestern morgen, dass die Grünliberalen eben anerkennen, dass das Geld zuerst verdient werden muss, bevor es für Gewünschtes wieder ausgegeben wird. Genau deshalb versuchen die Grünliberalen wirtschaftsfreundliche Finanzpolitik zu betreiben, den Wettbewerb zu fördern. Die Verbindung Ökonomie und Ökologie der Grünliberalen ist für mich wenig rätselhaft, eher dieser entweder-und-oder-Artikel, den ich gar nicht verstehen kann.
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Informationen zum Artikel

2.10.2012, 18:10 Uhr

Alles im Fluss

Text

Text:

  • 18.04.2013 um 16:27
    Zeit für Träume

    Unsere Uhrenindustrie macht aus Sehnsüchten Geld und erzielt Rekordumsätze. Wie kaum ein anderes Luxusgut stehen Schweizer Uhren für die Werte der guten alten Zeit.

  • 17.04.2013 um 16:28
    «Ich trage das kollegial mit»

    Der neue Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr bestreitet seine ersten Dehnübungen. Als erklärter Gegner des Hooligan-Konkordats muss er nun den Beitrittsentscheid der Regierung vertreten. Das tut er auffällig widerwillig.

  • 17.04.2013 um 10:53
    Basler Regierung will beitreten

    Eher widerwillig tritt die Basler Regierung dem Hooligan-Konkordat bei. Dabei begründet sie, warum sie das Massnahmenpaket für falsch hält – nicht aber, wieso sie gleichwohl beitritt.

  • 10.05.2013 um 12:06
    Milch und Zucker
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    Ob der Kaffee wirklich besser ist, wenn er mit urbanem Bewusstsein angerührt und rotgrünem Verantwortungsgefühl abgeschmeckt wird? Ich für meinen Teil bevorzuge Milch und Zucker.

  • 31.01.2013 um 15:32
    Greiners Replik
    Zum Artikel: Basel = Apfel, Zürich = Birne

    Schön, Herr Greiner, dass Sie Zeit gefunden haben, Ihre Sicht der Dinge darzulegen. Trotzdem empfiehlt es sich, nochmals den Originaltext, also die Titelgeschichte zu lesen. Der Züri-Vergleich war gewagt, der Rest sollte einem aber genügend zu denken g...

  • 28.01.2013 um 19:14
    Einwände
    Zum Artikel: So haben wir gerechnet

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