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TagesWoche

Tages Woche

Do, 20.06.2013

Basketball, Starwings 

21.9.2012, 00:01 Uhr

Statt in die NBA führt der Weg nach Birsfelden

21.9.2012, 00:01 Uhr

Er ist Basketball-Profi geworden. Aber nicht ganz so, wie er sich das gewünscht hatte. Anstatt einen Vertrag in der National Basketball Association zu haben, startet Justin Dobbins für die Starwings in der Schweizer Nationalliga A. Von Florian Raz

«Wo ich aufgewachsen bin, ist vieles nicht so gelaufen, wie es sollte.» Justin Dobbins aus Cleveland, Ohio.

«Wo ich aufgewachsen bin, ist vieles nicht so gelaufen, wie es sollte.» Justin Dobbins aus Cleveland, Ohio. (Bild: Stefan Bohrer)

Trotz Probetrainings hat es der Center nicht in die NBA geschafft. Jetzt spielt er bei den Starwings.

Trotz Probetrainings hat es der Center nicht in die NBA geschafft. Jetzt spielt er bei den Starwings. (Bild: Stefan Bohrer)

Manchmal entscheiden im Sport Zentimeter. Nicht nur über Sieg oder Niederlage – sondern auch über ganze Karrieren. Justin Dobbins zum Beispiel war mit 2,03 Metern Körperlänge die entscheidenden Zentimeter zu kurz für eine grosse Karriere in der National Basketball Associa­tion (NBA), dem Traumziel eines jeden Basketballers auf dieser Erde. Auf diese Saison hin wechselte der US-Amerikaner zu den Starwings Basket Regio Basel nach Birsfelden.

Nach seiner Zeit auf dem Eastern Michigan College hatte Dobbins 2010 zwar verschiedene Testtrainings bei NBA-Teams. Bei den Memphis Grizzlies, den Philadelphia 76ers, den ­Cleveland Cavaliers und den Milwaukee Bucks habe er vorgespielt, erzählt der heute 24-Jährige.

Doch beim Draft, der Veranstaltung, an der die NBA-Teams sich die Rechte an Nachwuchsspielern sichern, war sein Name nicht in der Verlosung. «Es sind verschiedene Dinge dazwischengekommen», erklärt Dobbins, «mal wählte das Team jemanden, der grös­ser war, mal wollten sie lieber einen Spieler, der auf einer anderen Po­sition spielt.»

Aus der Traum

So war der Traum von der NBA ausgeträumt, bevor er richtig beginnen konnte. «Es hat mich getroffen, als ich eingesehen habe, dass es nicht geklappt hat», sagt Dobbins, «aber ich liess mich nicht von dem Tag runterziehen, an dem ich nicht gezogen wurde.» Dass er trotzdem weiter Basketball spielen wollte, stand für ihn fest.

Also wurde aus Dobbins eine Ich-AG. Ein selbstständiger Basketball-Profi, der seine Fähigkeiten europäischen Clubs vermietet. Es ist jeweils Arbeit auf Zeit, nicht besonders gut bezahlt – bei den Starwings erhält Dobbins rund 2700 Franken netto im Monat – und nicht ganz ohne Risiko. Seine ersten Verträge ausserhalb der USA hatte er in England. Dort jedoch habe es mit den Lohnüberweisungen nicht immer geklappt, sagt Dobbins: «Man schuldet mir noch Geld.»

Deswegen wollte er auch nicht mehr in England spielen, obwohl er auf der Insel seine Ehefrau kennengelernt hat und sie noch immer in England lebt. Sein Vertrag bei den Starwings läuft acht Monate, danach hofft Dobbins, seine persönliche Saison irgendwo in Europa noch etwas verlängern zu können: «Vielleicht bei einem Club, der Playoffs spielt.»

Der Körper ist das Kapital

Die Wechsel bereiten Agenten vor. Der Spieler ist dafür zuständig, dass sein Körper in Form ist. Denn der ist sein Kapital, um das es sich auch dann zu kümmern gilt, wenn die Ligen pausieren. Diese Zeit verbringt er zu Hause in Cleveland, trainiert im Fitnesscenter und spielt in einer Sommerliga, in der sich Profis und Amateure gemeinsam fit halten.

Zudem gibt er in seiner Zeit in ­Cleveland Kindern Gratisstunden: «Weil ich will, dass sie dieselbe Chance haben, wie ich sie erhalten habe.» Denn auch wenn sich der grosse Traum von der NBA nicht verwirklicht hat, war Basketball trotzdem sein grosses Glück. Dobbins stammt aus Glennville, über das in Wikipedia wenig schmeichelhaft zu lesen ist, es sei «das sichtbarste Beispiel für ­Armut, Kriminalität und Verfall in Cleveland». Dobbins selbst sagt: «Wo ich aufgewachsen bin, ist vieles nicht so gelaufen, wie es sollte.»

Nur dank seinen Fähigkeiten mit dem Ball erhielt er ein Stipendium und konnte ans College. «Ich bin der Erste meiner Familie, der das College mit einem Abschluss beendet hat», sagt Justin Dobbins, «das war eine grosse Sache.» Mit seinem Bachelor in Architektur passt er eigentlich ganz gut in die Architektenstadt Basel. Auch wenn im Hinterkopf immer die Hoffnung lebt, es irgendwann doch noch in die NBA zu schaffen.

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21.9.2012, 00:01 Uhr

Statt in die NBA führt der Weg nach Birsfelden

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