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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

Schweiz 

27.9.2012, 18:47 Uhr

Redeschlacht um Abzockerlöhne

27.9.2012, 18:47 Uhr

Die Initiative «1 : 12 – für gerechte Löhne» fordert, dass der Chef in allen Unternehmen nicht mehr Monatslohn bezieht, als der am schlechtesten bezahlte Arbeiter pro Jahr. Im Nationalrat verteidigten die Bürgerlichen die Lohnexzesse erfolgreich – und lehnten die Initiative ab. Von Niklaus Ramseyer

Keystone: JUSO-Aktivistinnen und Aktivisten reichen am Montag, den 21. Maerz 2011, vor dem Bundeshaus in Bern die Volksinitiative «1 :12» ein.

JUSO-Aktivistinnen und Aktivisten reichen am Montag, den 21. Maerz 2011, vor dem Bundeshaus in Bern die Volksinitiative «1 :12» ein. (Bild: Keystone)

«Der höchste von einem Unternehmen bezahlte Lohn darf nicht höher sein, als das Zwölffache des tiefsten vom gleichen Unternehmen bezahlten Lohnes.»  Mit diesem neuen Artikel 110 a in der Bundesverfassung wollen die JungsozialistInnen (Juso) jenen Millionensalären einen Riegel schieben, die in den letzten Jahren im Finanzsektor und in der Pharmabranche immer mehr eingerissen haben. Am 14. April 2011 haben sie eine entsprechende Initiative namens «1 : 12» mit 113 000 Unterschriften eingereicht. Jetzt hat das Volksbegehren im Nationalrat für hitzige Debatten geführt. Und die bürgerliche Mehrheit lehnte die Juso-Initiative mit 110 zu 59 Stimmen klar ab.

Nur gegen «die schlimmsten Profiteure»

Linke und Grüne im Rat hatten sich zuvor vehement für das Volksbegehren engagiert. Fast die halbe SP-Fraktion war ans Rednerpult getreten. «Wenn ich zwölf mal mehr verdienen würde, als meine Sekretärin, könnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen», sagte etwa die Zürcher Unternehmerin und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Sie würde sich schämen. Sie verdiene nicht mal doppelt soviel, wie der kleinste Lohn in ihrer Firma. Und in den allermeisten KMU herrschten ähnlich anständige Verhältnisse. Die Initiative «1 : 12» richte sich nur gegen die schlimmsten Profiteure. Immerhin: In seiner Botschaft zur Initiative gibt der Bundesrat zu, dass sich die Zahl der Leute, die in der Schweiz mehr als 500 000 Franken jährlich verdienen, von 1997 bis 2009 von 2900 auf 10 700 mehr als verdreifacht habe.

In Chefetagen von Grossfirmen mache sich da «ein neuer Geld-Adel» breit, warnten andere Linke. Dessen Lohnexzesse  bedrohten die Freiheit und die Demokratie in unserem Land, sagte SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Die Monstersaläre hätte «mit Leistung, Verantwortung oder Erfolg nichts mehr zutun – nur noch mit Gier». Da drohe ein neuer Feudalismus, eine Geldherrschaft. Fehr fragte die bürgerliche Mehrheit im Rat, ob sie mit ihrem Kampf gegen die Juso-Initiative «die Burgen dieser neuen Feudalherren verteidigen» wolle. Der SVP hielten die Linken vor, sie verbeuge sich «vor den neuen Gesslerhüten». SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer (BL) riet den Bürgerlichen: «Fragen Sie doch Ihre Wählerinnen und Wähler – eine Mehrheit ist für eine Lohn-Obergrenze!»

«Sehr gefährlich für die Schweiz»

Die Rechten wehrten sich dagegen, so gut es ging: Mit der Initiative hätten die Juso «einen tiefen Griff in die sozialistische Mottenkisten» getan, meinte etwa Lukas Reimann (SVP. SG). Aber nicht mal Karl Marx hätte dem Volksbegehren zugestimmt. Er warnte: Gerade KMU-Chefs könnten durch die neue Limite dazu verleitet werden, die tiefsten Löhne in ihren Firmen zu kürzen, bis sie nur noch einem Zwölftel ihres Cheflohnes entsprächen.

Auch FDP-Nationalrätin Doris Fiala (ZH) meinte, «1 : 12» sei «sehr clever und darum sehr gefährlich für die Schweiz». Die Linke habe mit dieser Initiative «den Klassenkampf im Hinterkopf». Aber 10 Prozent der Reichsten im Land zahlten hier 90 Prozent der Steuern. Auch bei den Sozialwerken erfolge eine «Umverteilung von oben nach unten».  Einzelne Bürgerliche beklagten sich aber auch über die Abzocker in den Chefetagen, «weil diese den Juso gute Argumente liefern». Anstand und Sozialkompetenz könne man jedoch nicht «per Gesetz erzwingen».  Darum sei die Initiative wirkungslos. Und sie setze die liberale Wirtschaftsordnung aufs Spiel. Diese Argumentation setze sich klar durch: Der Rat empfiehlt dem Volk, «1 : 12» an der Urne abzulehnen.

Vasellas Putzfrau im Rolls Royce

Kaum erwähnt worden war in der Debatte, dass die Initiative nicht explizit die Kürzung hoher Löhne fordert. Sie regelt nur das Verhältnis. Und «1 : 12» kann auch durch Anheben der untersten Löhne erreicht werden. So dürfte sich Daniel Vasella nach einem Ja des Volks zu «1 : 12» problemlos ein Salär von 50 Millionen im Jahr auszahlen lassen. Er müsste dann aber seiner Putzfrau 13 Monatslöhne à 320 000 Franken auszahlen.  Eine solche Putzfrau käme dann wohl im Rolls Royce mit Chauffeur zur Arbeit. Und dieser Chauffeur, ihr Angestellter, bekäme nach System 1 : 12 auch immer noch fast 27 000 Franken im Monat.

  1. Gratuliere Juso!

    von Maya Eldorado am 27.09.2012 um 22:48Uhr

    Dass Ihr das brisante Thema auf den Tisch bringt!
    Stellen wir uns mal vor: Ein sehr schlechter Lohn ist, sagen wir mal, 3000 Fr. im Monat! - 12 mal mehr ist 36'000 Fr. - im Grunde genommen, ein sehr fürstliches Gehalt, mit dem man sich viel leisten kann - sehr viel sogar.

    Die Rechte schätzt unsere KMU's völlig falsch ein. Das ist richtig beschämend für sie.
    Dass die Sache mit den Abzockerlöhnen auf's Tappet kommt ist längst überfällig.
    Dass die Internationalen Grossfirmen solche Löhne halten können und den Gewinn zudem steigern, entlassen sie immer wieder Menschen.

    Klar ist, dass man Sozialkompetenz nicht erzwingen kann.
    Aus der sozialistischen Mottenkiste ist das auch nicht. Das ist echt liberal! Liberal heisst frei! Damit verbunden ist der Respekt und Hingabe vor dem anderen, ansonsten alles in Anarchie und Chaos endet. Das ist, schaut man genau hin, schon sehr weit Fortgeschritten. Natürlich zahlen die Superreichen viele Steuern. Das stimmt, dass das für unsere Sozialleistungen hilft. Aber viel bessser wäre, dass diese Geldmengen direkt zu den Bürgern fliessen. So werden sie nicht beschämt und müssen oft, trotz Arbeit, Sozialhilfebezüge beziehen.
    Und was ist, wenn ein paar mit diesen Supergehältern, vielleicht auch mit ihren Firmen abziehen? Das ist nicht der Untergang! Im Gegenteil! Das gibt Platz für mehr KMU's. Denen geht's mehrheitlich nicht um Eigeninteressen und Gewinnoptimierung, sondern es geht ihnen mehrheitlich um die Menschen. Wir können nur gewinnen.
    Früher oder später wird sowieso die Zeit kommen, wo sich die exorbitante, an nichts anderes, als an Gewinn denkente Maschinerie, in sich zusammenbricht.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Absurdität im Nationalratssaal

    von Adil Koller am 27.09.2012 um 23:17Uhr

    Durchaus eine interessante Debatte. Freysinger gehen die Argumente aus, also dichtet er mal was. Noser fürchtet sich vor nordkoreanischen Verhältnissen, wenn Manager in der Schweiz nur noch «Trinkgelder» in der Höhe von einer halben Million erhalten (sic!). Wiederum andere bürgerliche Politiker erklären einander, wie die Verfassung am besten zu umgehen sei, ohne allerdings zu anerkennen, dass sie selbst dann die Macher der griffigen Umsetzung im Gesetz sein werden. Schneider-Ammann gar, der nette Herr, appelliert an die lieben Banker vom Paradeplatz, sie sollen doch etwas mehr «Einsicht, Anstand und Mut» zeigen, dann bräuchte es die 1:12-Initiative gar nicht. Ja, Einsicht und Anstand, dafür ist der Paradeplatz ein hervorragender Nährboden. Der Morgen im Nationalrat war nicht nur interessant, er trieb Politik ins Absurde. Aber er zeigte wenigstens, auf welche Seite sich die Politikerinnen und Politiker stellen.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Und stellen wir uns einmal Basel ohne Novartis, Roche und Co. vor...

    von Daniel Seiler am 28.09.2012 um 16:19Uhr

    ...dann geht der Verteilkampf richtig los und es bleibt kein Geld mehr für geschenkte Museen, Fussballclubs oder Zeitungen. Die Gerechtigkeitsdebatte ist ja löblich, denn es betrifft ja nur ein paar Wenige, aber in einer globalisierten Welt sollten wir den Konzernchef globaler Firmen nicht versuchen, den Lohn vorzuschreiben. Da gibt es am Ende des Tages nur Verlierer.
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  1. Gratuliere Juso!

    von Maya Eldorado um 27.09.2012 um 22:48Uhr

    Dass Ihr das brisante Thema auf den Tisch bringt!
    Stellen wir uns mal vor: Ein sehr schlechter Lohn ist, sagen wir mal, 3000 Fr. im Monat! - 12 mal mehr ist 36'000 Fr. - im Grunde genommen, ein sehr fürstliches Gehalt, mit dem man sich viel leisten kann - sehr viel sogar.

    Die Rechte schätzt unsere KMU's völlig falsch ein. Das ist richtig beschämend für sie.
    Dass die Sache mit den Abzockerlöhnen auf's Tappet kommt ist längst überfällig.
    Dass die Internationalen Grossfirmen solche Löhne halten können und den Gewinn zudem steigern, entlassen sie immer wieder Menschen.

    Klar ist, dass man Sozialkompetenz nicht erzwingen kann.
    Aus der sozialistischen Mottenkiste ist das auch nicht. Das ist echt liberal! Liberal heisst frei! Damit verbunden ist der Respekt und Hingabe vor dem anderen, ansonsten alles in Anarchie und Chaos endet. Das ist, schaut man genau hin, schon sehr weit Fortgeschritten. Natürlich zahlen die Superreichen viele Steuern. Das stimmt, dass das für unsere Sozialleistungen hilft. Aber viel bessser wäre, dass diese Geldmengen direkt zu den Bürgern fliessen. So werden sie nicht beschämt und müssen oft, trotz Arbeit, Sozialhilfebezüge beziehen.
    Und was ist, wenn ein paar mit diesen Supergehältern, vielleicht auch mit ihren Firmen abziehen? Das ist nicht der Untergang! Im Gegenteil! Das gibt Platz für mehr KMU's. Denen geht's mehrheitlich nicht um Eigeninteressen und Gewinnoptimierung, sondern es geht ihnen mehrheitlich um die Menschen. Wir können nur gewinnen.
    Früher oder später wird sowieso die Zeit kommen, wo sich die exorbitante, an nichts anderes, als an Gewinn denkente Maschinerie, in sich zusammenbricht.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Absurdität im Nationalratssaal

    von Adil Koller um 27.09.2012 um 23:17Uhr

    Durchaus eine interessante Debatte. Freysinger gehen die Argumente aus, also dichtet er mal was. Noser fürchtet sich vor nordkoreanischen Verhältnissen, wenn Manager in der Schweiz nur noch «Trinkgelder» in der Höhe von einer halben Million erhalten (sic!). Wiederum andere bürgerliche Politiker erklären einander, wie die Verfassung am besten zu umgehen sei, ohne allerdings zu anerkennen, dass sie selbst dann die Macher der griffigen Umsetzung im Gesetz sein werden. Schneider-Ammann gar, der nette Herr, appelliert an die lieben Banker vom Paradeplatz, sie sollen doch etwas mehr «Einsicht, Anstand und Mut» zeigen, dann bräuchte es die 1:12-Initiative gar nicht. Ja, Einsicht und Anstand, dafür ist der Paradeplatz ein hervorragender Nährboden. Der Morgen im Nationalrat war nicht nur interessant, er trieb Politik ins Absurde. Aber er zeigte wenigstens, auf welche Seite sich die Politikerinnen und Politiker stellen.
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  3. Minder-Initiative ist weit besser

    von Karl Linder um 28.09.2012 um 09:58Uhr

    Die Abzocker Initiative von Thomas Minder scheint mir weit besser zu sein, das Problem zu lösen. Will heissen: Deutlich besser und verbindlichere Regeln für die Aktiengesellschaften, wo es die Verbände der Pensionskassen in der Hand hätten, vernünftige Gehalts-Bänder zu definieren.
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  4. Und stellen wir uns einmal Basel ohne Novartis, Roche und Co. vor...

    von Daniel Seiler um 28.09.2012 um 16:19Uhr

    ...dann geht der Verteilkampf richtig los und es bleibt kein Geld mehr für geschenkte Museen, Fussballclubs oder Zeitungen. Die Gerechtigkeitsdebatte ist ja löblich, denn es betrifft ja nur ein paar Wenige, aber in einer globalisierten Welt sollten wir den Konzernchef globaler Firmen nicht versuchen, den Lohn vorzuschreiben. Da gibt es am Ende des Tages nur Verlierer.
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  5. Prima

    von Anders Denk um 28.09.2012 um 16:58Uhr

    Diese Initiative finde ich prima. Denn jedes Mal, wenn ein Chef beim Blick ins Portemonnaie denkt: "Oh, ich glaube, ich habe zu wenig Geld. Ich glaube, ich muss mehr haben. Ja, ich muss mir mal wohl mal wieder eine Lohnerhöhung geben. Ja, das mache ich. Denn ich bin ja der Chef. Hahaha!" Jedes Mal dann also - und das passiert ja ganz oft - dann muss dieser Chef auch seinen ärmsten Angestellten eine Lohnerhöhung geben. Von allein. Ohne dass diese darum in Existenzangst darum fragen müssen.
    Ich rechne allerdings damit, dass diese Initiative (einmal mehr) nur die KMUler und die Chefs mittlerer Unternehmen treffen wird. Für die Vasellas wird es immer "eine Lösung" geben, die von einer solchen Initiative leider genau nicht betroffen wird. Juristen des Bundes werden es uns dann "erklären" warum.
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  6. @Anders Denk

    von Karl Linder um 6.10.2012 um 13:17Uhr

    Bei den KMU werden Sie wahrscheinlich gar keine Chefs finden, welche exhorbitante Gehälter beziehen in der Relation 1:12, ganz einfach, weil der Konkurrenzkampf solche Ausschweifungen gar nicht zulässt.
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Informationen zum Artikel

27.9.2012, 18:47 Uhr

Redeschlacht um Abzockerlöhne

Text

Text: Niklaus Ramseyer

  • 21.05.2013 um 10:32
    Burkhalter in der Bredouille

    Der freisinnige Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter entpuppt sich immer mehr als zwar williger aber konfliktscheuer und schwacher Bundesrat. In Sachen EU drohen ihm weitere böse Schlappen.

  • 08.05.2013 um 16:57
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    Ueli Maurer (SVP) will seine Armee nicht für die ganze Welt – sondern für eine neutrale Schweiz. Damit unterscheidet er sich von seinen Vorgängern.

  • 26.04.2013 um 15:12
    Maurers Milizarmee wird flexibler

    Wieder eine kürzere RS und insgesamt weniger Diensttage: Das ist die zentrale Botschaft im Bericht über die «Weiterentwicklung der Schweizer Armee (WEA)».

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