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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Kommentar zur Eigenmietwert-Initiative 

23.9.2012, 16:21 Uhr

Falsche Zeit für Steuergeschenke

23.9.2012, 16:21 Uhr

Mit seiner Initiative «Sicheres Wohnen im Alter» wollte der Hauseigentümerverband pensionierten Wohneigentümern Steuerverünstigungen bescheren. Die Mehrheit der Stimmbürger und Stände sagt Nein zu solchen Geschenken an bereits Privilegierte. Ein knapper, aber richtiger Entscheid. Ein Kommentar von Remo Leupin

Peter Schneider/Keystone:

(Bild: Peter Schneider/Keystone)

Remo Leupin Remo Leupin

Es war ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Schluss sind die spendierfreudigen Anhänger der Initiative «Sicheres Wohnen im Alter» am Stände- und Volksmehr gescheitert. Rentner mit Wohneigentum werden keine Steuergeschenke erhalten.

Das knappe Volksmehr gegen die Initiative des Hauseigentümerverbands (HEV) zeigt zwei Dinge deutlich: Das «Volk von Mieterinnen und Mietern» ist nicht generell gegen Wohneigentumsförderung; auch dieses Mal haben viele Mieter die Anliegen der Hausbesitzer unterstützt. Und: Auf manche jüngere Wohneigentümer, die bereits heute ihre Hypothekarschulden grosszügig vom steuerbaren Einkommen abziehen können, dürfte sich die Aussicht auf weitere Steuererleichterungen in späteren Jahren verführerisch ausgewirkt haben.

Es hat trotzdem nicht gereicht. Wie die beiden abgelehnte Bausparinitiativen vom März und Juni dieses Jahres, die ebenfalls vom HEV lanciert wurden, war auch diese Initiative zu stark von Partikularinteressen geprägt. Solche Vorlagen haben es bei Abstimmungen traditionell eher schwer.

Kein weiteres Privileg für Privilegierte

Der Systemwechsel in der Eigenmietwertbesteuerung hätte auf stossende Weise einem kleinen Teil der HEV-Klientel genützt – den Haus- und Wohnungseigentümern, die ins Rentenalter eintreten. Sie hätten künftig wählen können, ob ihre Eigennutzung von Wohneigentum weiterhin der Einkommenssteuer unterliegen solle oder nicht. Wer sich gegen die Besteuerung des Eigenmietwerts entschieden hätte, hätte zwar keine Schuldzinsen oder Versicherungsprämien mehr von den Steuern abziehen können – es wäre aber weiterhin ein Unterhaltsabzug von maximal 4000 Franken möglich gewesen.

Diese Neuregelung hätte nicht nur einen ungeheuren bürokratischen Mehraufwand für die Steuerbehörden mit sich gebracht – dem Fiskus wären auch jährlich rund 750 Millionen Franken an Steuereinnahmen entgangen, die auf anderen Wegen wieder hätten hereingespielt werden müssen. Die Zeche bezahlt hätten alle anderen: die noch nicht pensionierten Wohneigentümer sowie die Mieter, die keine vergleichbaren Steuervorteile haben.

Strapazierter Generationenvertrag   

Die Zeit ist nicht reif für solche pauschalen Steuergeschenke. Die Wohnungsmieten steigen jährlich weiter an, gleichzeitig sind die Hypothekarzinse für Hausbesitzer in Rekordtiefen gesunken. Und im Vergleich zu früher ist eine überwiegende Mehrheit der Pensionierten finanziell sehr viel besser gestellt als einst – vor allem die älteren Wohneigentümer. Stark belastet sind dagegen viele junge Familien, die mehrheitlich nur über die Runden kommen, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind.

Wäre die Vorlage durchgekommen, wäre der in einigen Sozialwerken heute schon arg belastete Generationenvertrag noch stärker strapaziert worden; der Graben zwischen Alten und Jungen wäre noch breiter und tiefer geworden. Das wollte eine knappe Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht.

  1. Falsche Zeit für Steuergeschenke

    von Elisabeth Wahl am 24.09.2012 um 10:58Uhr

    Für Steuergeschenke an diejenigen, die mehr als genug zum Leben haben, ist es immer die falsche Zeit! Darum bin ich glücklich, dass das Volk ( ich auch)so abgestimmt hat. Übrigens gehöre ich nicht zu den Mietern, und kann trotzdem so denken:-) !!
    Direktlink zum Kommentar

  1. Wehret den Anfängen...

    von Andres Egger um 23.09.2012 um 19:31Uhr

    Ich meine, Remo Leupins Kommentar greife etwas zu kurz. Hinter der HEV-Initiative steckte wohl nicht wirklich die "Sorge" für ältere Hausbesitzer. Vielmehr ging es um den Versuch, den "Jö"-Effekt" ("Sicheres Wohnen im Alter", wer will das nicht...) für eine Salamipolitik zu missbrauchen. Denn wäre die Initiative angenommen worden, hätte dies dem HEV einen Etappensieg auf dem Weg zur generellen Abschaffung des Eigenmietwertes für Hausbesitzer gebracht. Diese Taktik ist dem HEV glücklicherweise in die Hosen gegangen. Und das ist doch eigentlich der springende Punkt.
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  2. TagesWoche Redaktion

    Vielen Dank…

    von Remo Leupin um 24.09.2012 um 00:00Uhr

    … für Ihren Kommentar, Herr Egger. Da haben Sie sicher Recht: Dieser Hintergedanke stand sicher auch hinter der Initiative. Mit einem
    generellen Wegfall der Eigenmietwertbesteuerung könnte man ja auch leben - aber nur, wenn im Gegenzug auch alle sonstigen
    Steuerabzüge und Sonderbehandlungen für Wohneigentümer wegfielen.


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  3. Sicheres Wohnen im Alter!

    von Maya Eldorado um 24.09.2012 um 07:42Uhr

    Diese Aussage ist heuchlerisch, weil es dem HEV gar nicht darum gehen kann. Sie wollen ihren Schützlingen einfach zu einem Vorteil verhelfen. Wenn es ihnen wirklich um sicheres Wohnen im Alter gehen würde, müssten sie vor allem auch den Ergänzungsleistungsbezügern helfen. Die Ergänzungsleistungen unterstützen den Mietzins seit vielen Jahren nur bis Fr. 1100.- pro Monat. Da findet man nur mit viel Glück mehr als eine bescheidene 1-Zimmer-Wohnung. Ist man aktiv und hat eventuell sogar noch Grosskinder zu hüten, sollten schon 2 Zimmer drin liegen.
    Neu gebaut wird ja nichts mehr zu diesem Preis, höchstens abgerissen.
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  4. Falsche Zeit für Steuergeschenke

    von Elisabeth Wahl um 24.09.2012 um 10:58Uhr

    Für Steuergeschenke an diejenigen, die mehr als genug zum Leben haben, ist es immer die falsche Zeit! Darum bin ich glücklich, dass das Volk ( ich auch)so abgestimmt hat. Übrigens gehöre ich nicht zu den Mietern, und kann trotzdem so denken:-) !!
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  5. An Frau Wahl

    von René Reinhard um 24.09.2012 um 19:18Uhr

    :D
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Informationen zum Artikel

23.9.2012, 16:21 Uhr

Falsche Zeit für Steuergeschenke

Text

Text:

  • 16.05.2013 um 15:30
    TagesWoche vom 17.5.: Die Themen

    Arm dran: Trotz Volljob zu wenig Geld – vor allem Frauen sind betroffen; André Dosé sorgt sich um die Zukunft der Schweiz; Immobilien Basel-Stadt: Rendite ist das oberste Ziel; Peter Schneider: Warum wir heucheln; Dan Browns neuer Roman «Inferno» – eine Kritik… Dies und weitere Themen in der TagesWoche vom 17. Mai – als App, im Abo und am Kiosk.

  • 16.05.2013 um 14:47
    Politik mit der Angstkeule

    Wird die Mindestlohn-Initiative angenommen, steigt die Arbeitslosigkeit, warnen die Arbeitgeber. Wirklich?

  • 08.05.2013 um 16:30
    Seltene Käfer und andere Besetzer

    Armin Coray fahndet auf dem Areal des besetzten Schützenhauses in Allschwil nach Erdbockkäfern – wie schon in den 1980er-Jahren bei der besetzten «Alten Stadtgärtnerei» im St. Johann. Dort ist der seltene Käfer seit dem Parkbau verschwunden.

  • 25.04.2013 um 09:53
    Betr.: «Laienkritik»
    Zum Artikel: Fragwürdige Farbfläche

    Vielen Dank für Ihre Kritik! Auf den «Goldenen Schnitt» kann man tatsächlich verzichten… Aber vielleicht schauen Sie sich einmal ein paar ältere Art-Kataloge bezüglich Cover und Innenseiten an – da wird einiges klar.

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