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TagesWoche

Tages Woche

Do, 20.06.2013

Freistellung 

23.9.2012, 10:07 Uhr

Christoph Mörgeli greift seinen Chef frontal an

23.9.2012, 10:07 Uhr

Christoph Mörgeli geht weiter in die Offensive: Er fordert, dass die Datenbanken sowie Mail- und Telefonverkehr seines Chefs untersucht werden. Sein Anwalt spricht von einer Falle und Christoph Blocher greift die «links unterwanderten» Hochschulen an. Von sda und Amir Mustedanagić

sda: Frontalangriff auf seinen Chef: Christoph Mörgeli (Archiv)

Frontalangriff auf seinen Chef: Christoph Mörgeli (Archiv) (Bild: sda)

Nach der Freistellung als Kurator der Medizinhistorischen Museums ist die Akte Christoph Mörgeli längst noch nicht geschlossen: Der SVP-Nationalrat ist der Ansicht, er sei noch nicht gekündigt. Ihm sei die Kündigung erst in Aussicht gestellt worden. So traf er sich zu einem Interview mit dem «Sonntagsblick» auch in seinem Büro: «Ich erwarte, dass ich das medizinhistorische Museum weiterführen kann.»

Mörgeli sagt im Interview, er habe die Zielvereinbarungen mit seinem Vorgesetzten «bestmöglich erfüllt». So habe er fristgerecht fünf Konzepte eingereicht. Allerdings habe er nur auf ein einziges ein Feedback von Condrau erhalten. Mörgeli ist überzeugt, «meine Vorgesetzten und ihr Umfeld» hätten ihn mit gezielten Indiskretionen diffamiert. Konkret bestehe der dringende Verdacht, «dass Unbekannte aus dem Umfeld von Herrn Condrau» den Medien zwei Berichte zugespielt hätten. Und zwar «mit dem Ziel, meine Entlassung zu provozieren».

Anwalt spricht von Falle

Sein Anwalt Valentin Landmann spricht in einem Interview mit dem «Sonntag» davon, der Medizinhistoriker sei «in eine Falle gelockt worden». In der Kündigung sei von fachlichen Vorwürfen oder mangelnder Arbeitsleistung keine Rede, es geh nur um seine Aussagen in den Medien, sagt Landmann. «Das ist ein interessanter Punkt. Wer Christoph Mörgeli kennt, wusste, wie er auf die publik gewordenen Vorwürfe reagiert.» Mit der Veröffentlichung des Akademischen Berichts habe man ihm «Dynamitstangen untergeschoben und konnte praktisch darauf zählen, dass er den Sprengstoff zünden wird.» Landmann vermutet: «Die Universität hat Mörgeli in eine Falle gelockt.»

Mörgeli selbst ist aus diesem Grund der Meinung, dass jetzt «sämtliche Datenbanken, Mailverkehr und Telefonnachweise von Professor Condrau und Konsorten» untersucht werden müssten. Ob er auch gegen einzelne Medien juristisch vorgehen werde, konnte er im Interview mit dem «Sonntagsblick» noch nicht sagen.

Blocher greift die Unis an

Rückendeckung erhält Christoph Mörgeli von seiner Partei, die zum Angriff auf Hochschulen bläst: «Bisher haben wir die Universitäten zu wenig angeschaut. Das wird sich ändern», kündigt SVP-Vize und Strategiechef Christoph Blocher im Interview mit der «SonntagsZeitung» an. «Die geisteswissenschaftlichen Fakultäten sind heute links unterwandert.» Jetzt werde seine Partei ein besonderes Augenmerk auf die Hochschulen werfen. Der Fall Mörgeli sei für die Partei Auslöser, um auf nationaler Ebene die Hochschulpolitik zu hinterfragen.

Gegen den Vorwurf der politischen Einseitigkeit wehrt sich Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, in der «SonntagsZeitung»: «Ich kenne keine empirische Untersuchung, die belegen würde, dass politisch linke Meinungen unter Akademikern häufiger vertreten sind.» Kluge Köpfe gebe es in allen politischen Lagern.

  1. Köstlich, diese Schmierenkomödie der Zürichsee-SVP

    von Phil Boesiger am 24.09.2012 um 08:18Uhr

    Dieser Rundumschlag des SVP-Übergotts gegen die Schweizer Hochschulen war zu erwarten. Trotzdem hat er hohes Unterhaltungspotential. Einerseits behauptet Blocher, dass die Hochschulen der Schweiz bisher von der SVP (als moralische oder politische Kontrollinstanz?) zu wenig angeschaut, vulgo diffamiert worden seien. Trotzdem weiss Herr Blocher ganz genau, dass diese Institute links unterwandert sind.
    Selbstverständlich werden Fakten wie die kantonalen Trägerschaften und Regierungsvertreter in den Uniräten grosszügig ausgeblendet.
    Leider ist es wenig sinnvoll, Herrn Blocher und seinen Jüngern einen anderen Blickwinkel näher zu bringen.
    Die Tatsache, dass Blochers Radaupartei eher die bildungsfernen Schichten anspricht, hat bekanntlich andere Ursachen. Anders ausgedrückt: die Milliardärspartei hat wohl viele Studierte als Profiteure im Kader, beim SVP-Fuss- und Wahlvolk kann zuviel Bildung aber kaum erwünscht sein, da sonst die einfachen Parolen und die simple Demagogie nicht mehr zu fruchten vermögen.
    Daraus zu schliessen, dass Unis und Fachhochschulen links unterwandert seien, ist in der Qualität eine typische SVP-Einschätzung, nämlich die Falsche.
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  2. Mörgeli

    von Peter Braun1 am 24.09.2012 um 10:16Uhr

    Nun wird Mörgeli vermutlich noch noch Gewerkschafter und Landmann kriegt so die Gelegenheit endlich mal einen Arbeiter kennenzulernen.
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  1. klarer Verlust für die Gilde der gehobenen Wissenschaften

    von Nandu Ndoglu um 23.09.2012 um 11:51Uhr

    Ich bin betroffen, bestürzt und untröstlich für den klaren Verlust welchen die Gilde der gehobenen Wissenschaften wohl nur schwerlichst überbrücken werden kann. Als kleiner Trost sei hier vielleicht kurz erwähnt, dass ja übrigens auch Frau Metzler...Ganz klar erscheint mir ebenfalls, dass Herrn Mörgeli wohl unbestritten Dynamitsstangen untergeschoben worden sind - leider hat er das wohl wegen seiner Gutgläubigkeit zu spät bemerkt als er diese natürlich bereits gezündet hatte. Dies ist eine fiese Falle von der Universität. Jetzt einmal ehrlich: Wenn Ihnen jemand Dynamitstangen zustecken würde, was würden Sie in dieser Situation wohl tun? Na? Na?...Ist doch klar und auch verständlich. Die Strategie der SVP darauf ist in sich logisch und konsequent, nach dem "Sturm aufs Stöckli" kommt jetzt folgerichtig "der Sprung nach den Hochschulen".
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  2. Theater

    von Roland Stucki um 23.09.2012 um 12:26Uhr

    Welches Polittheater wird da wieder aufgeführt. Unsere sog. Volksverteter werden in den nächsten Tagen und Wochen mit allem andern beschäftigt sein nur nicht mit politischen Geschäften. Ich finde es mühsam was wir uns von diesen Leuten alles gefallen lassen müssen.
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  3. Nach Tele-Blocher: Die Blocher-Uni!

    von H J Martens um 23.09.2012 um 12:47Uhr

    Dann werden diese von links unterwanderten Institute endlich auf Kurs getrimmt.
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  4. Perspektive

    von Inaktiver Nutzer um 23.09.2012 um 12:58Uhr

    Mörgeli würde gescheiter seine berufliche Zukunft planen. Vielleicht als Sprengmeister?
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  5. Die Klatschpresse wird es freuen

    von Sonja Westermann um 23.09.2012 um 15:12Uhr

    Na da freut sich die Klatschpresse bestimmt, gibt sicher noch genug her das ganze Theater, dass noch ein paar Artikel für das Schweizer BILD Pendant drin sind und am Schluss hat man es dann sicher so gedreht, dass der Herr Mörgeli ein ganz armer ist.
    Sorry, wenn Herr oder Frau Mustermann irgendwo ihren Job nicht gut machen, mangelhafte Leistung bringen, dann werden sie auch gekündigt und das ohne noch sechs(!) Monate Lohn ausbezahlt zu bekommen.
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  6. Freiheitliche demokratische Grundordnung-Überprüfung

    von Basilea84 um 23.09.2012 um 15:16Uhr

    ...zuerst sind die Medien linkslastig, dann die Behörden/Staat und jetzt die Wissenschaft! Jetzt wo in der SVP ein Generationenwechsel möglicherweise bevorsteht, nochmals die Karten in bewährter Manie aufmischen...mit dem entspr. Budget! Nicht das verstaubte Museum ist das Problem, sondern die Fahrt in die Mittelmässigkeit einer Partei, die ins Schlingern geraten ist....
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  7. Zitat Wikipedia (der SVP zum besseren Verständnis empfohlen):

    von Inaktiver Nutzer um 23.09.2012 um 15:50Uhr

    "Bereits im unmittelbaren Vorfeld der ersten – der „großen“ – Französischen Revolution (1789-1799) angewandt, hat sich der Begriff der politischen „Linken“ (und deren Gegenpol, der „Rechten“) während der sogenannten „Julimonarchie“ in Frankreich nach der Julirevolution von 1830 für die Einteilung der parlamentarischen Sitzordnung etabliert. Inhaltlich wurden damals unter der Linken zunächst alle in Opposition gegenüber den tradierten Herrschaftsformen der europäischen Staatsgebilde der frühen Neuzeit stehenden politischen Vorstellungen subsumiert. In diesem Verständnis wurden mit der Linken tendenziell antimonarchistische und republikanische, auch am klassischen Liberalismus orientierte politische Strömungen bezeichnet."
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  8. Gratulation dem Gewinner

    von ena5 um 23.09.2012 um 17:00Uhr

    Ich gratuliere der Kanzlei Valentin Landmann recht herzlich zum deutlichen Sieg in diesem Komödiantenstadl. Landmann kann seinen Mandanten nun beliebig steuern. Publicity und unzählige verrechenbare Stunden à 400-500 Fr. sind garantiert. Von einem Typ vom Schlage Mörgeli hätte ich ein anderes Vorgehen erwartet. Ein richtiger Kerl versteckt sich nicht hinter seinem Staranwalt. Das ist etwas für Hollywood-Diven. Juristische Ratschläge holen ist in Ordnung. Aber wenn bei mir einer im Schlepptau eines Anwalts auftaucht, ist Feierabend.
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  9. Ich teile den Kommentar von Jean Ziegler heute in der Sonntagszeitung.

    von Inaktiver Nutzer um 23.09.2012 um 17:48Uhr

    Er, der Jahre lang an der Uni Genf von den bürgerlichen bekämpft wurde, empfiehlt mehr Besonnenheit und zuerst einmal den Schutz der persönlichen Rechte von C.M. Natürlich teilt Jean Ziegler keine der politischen Ideen, oder der Art und Weise, wie C.M. und die SVP politisieren. Aber er betont, dass auch C.M. Rechte hat, und dass erst wenn alle Fakten bekannt sind, geurteilt werden sollte. Jean Ziegler war damals der Staatsfeind Nummer eins der bürgerlichen, mit seinen Angriffen auf das Establishment "La Suisse lave plus blanc". Trotzdem konnte er an der Uni dozieren, und gleichzeitig parallel dazu seiner politischen Arbeit nachgehen. Im Gegensatz zu C.M. wurde er aber von der Uni und den Studenten gestützt. C.M. scheint an der Uni Zürich aber keinerlei Unterstützung zu geniessen. Ohne Bezug auf den Kommentar von Jean Ziegler halte ich fest, dass auch C.M den normalen arbeitsrechtlichen Schutz erwarten kann, und dass er deshalb nun in diesem Bereich seine Rechte einfordern kann, nötigenfalls auch vor einem Arbeitsgericht. Wenn ihm Unrecht angetan wurde, soll er dafür Scahdenersatz einfordern können.
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  10. Und wieder wird es peinlich...

    von Borislav um 24.09.2012 um 02:44Uhr

    Die Vorgesetzten von Mörgeli waren scheinbar schon länger unglücklich. Und nun die Kündigung. Täglich gibt es Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die unglücklich sind und deshalb zur Massnahme einer Kündigung greifen. Sowas ist meist unglücklich. Mörgeli ist nach aussen Politiker. Umso bedenklicher, dass diese Affäre so von den Medien hochgeschaukelt wird - das sollte alles Privatsache sein. Und dann Blocher, der von links unterwanterten Hochschulen redet. Man könnte bösartig sein und sagen: was können die Hochschulen dafür, dass die SVP Mitglieder womöglich nicht so stark an den Unis vertreten sind und waren? Es ist das gute Recht, Mörgeli zu künden, wenn der Arbeitgeber nicht zufrieden ist. Eben, passiert täglich. Und "links unterwanderte" Hochschulen säubern zu wollen weckt doch etwas Erinnerungen. Nach den letzten Monaten werde ich den Eindruck nicht los, dass die SVP viel zur Selbstzerstörung beiträgt...

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Informationen zum Artikel

23.9.2012, 10:07 Uhr

Christoph Mörgeli greift seinen Chef frontal an

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Text: sda

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