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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

Kunstprojekt 

24.9.2012, 12:00 Uhr

Der Mensch und sein Vogel

24.9.2012, 12:00 Uhr

In seinem Buch «An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht» vermischt der Innerschweizer Künstler Luca Schenardi ornithologisches Fachwissen mit subjektiver Wahrnehmung – ein spannender Beitrag zur Zivilisationskritik. In der Gallery Daeppen wird das Buch vorgestellt. Von Karen N. Gerig

 «Schleiereule» und «Hochschule der Künste».

«Schleiereule» und «Hochschule der Künste». (Bild: zVg)

 Der «CEO mit Schwalbennest» und das «Stallmodell 'Touch the sky'».

Der «CEO mit Schwalbennest» und das «Stallmodell 'Touch the sky'». (Bild: zVg)

 Deltalandschaft.

Deltalandschaft. (Bild: zVg)

 «Wachstum und Schneeschmelze» und das «Grill-Cheminée».

«Wachstum und Schneeschmelze» und das «Grill-Cheminée». (Bild: zVg)

 Vogelhaus-Kopf und Nachtigall.

Vogelhaus-Kopf und Nachtigall. (Bild: zVg)

Im Zeitraum von 1950 bis heute hat sich in der Schweiz die Situation für viele früher häufige und weitverbreitete Brutvögel durch die vorangetriebene Rationalisierung der Landwirtschaft und das Siedlungswachstum noch einmal stark verschlechtert. So schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) im Jahr 2010 in seinem Bericht «Rote Liste Brutvögel». Keine schöne Entwicklung – das findet nicht nur das Bafu, sondern auch der Künstler Luca Schenardi.

Schon als Kind liebte es der Innerschweizer, Vögel zu beobachten. Mit elf Jahren war er bereits ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach. Später liess er sich zum Illustrator ausbilden. Es dauerte noch ein paar Jahre, bis er beschloss, Beruf und Hobby in einem Projekt zu verbinden. «An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht» heisst sein Buch, das kürzlich in der Edition Patrick Frey erschienen ist.

Drei Jahre hat Schenardi daran gearbeitet, es ist ein fast 300 Seiten starkes Buch geworden, in dem sich wissenschaftliche Fakten mit künstlerischen Arbeiten verbinden. Jahrelang hatte der Hobbyornithologe die grassierende Ökonomisierung der gesamten Lebenswelt mit steigendem Unbehagen beobachtet, bevor er sich zum seinem künstlerischen Kommentar entschloss. Nun erschafft Schenardi neue Lebensräume für Vögel, ideale Landschaften, aber auch Vogelhäuser – Bilder, oft mit knallender Polemik oder einer gehörigen Portion Zynismus durchsetzt. Wer würde einem Vogel schon in einem Grill Unterschlupf gewähren? Und welcher Politiker macht seinen Mund weit genug auf, dass ein Vogel darin nisten kann?

Ebensoviel Platz nehmen aber Bilder ein, die sich mit der Zersiedelung der Landschaft auseinandersetzen. Manche haben etwas Apokalyptisches, andere wieder sind reine Bestandesaufnahmen. Er wolle zum Nachdenken anregen, sagt Schenardi über das Projekt – vielleicht auch in Kreisen, die sich sonst nicht mit solchen Themen auseinandersetzen.

Dass es ihm ernst ist damit, merkt man im Gespräch bald. Er ist kaum zu stoppen, wenn er einmal losgelegt hat. Diese Leidenschaft spürt man auch in den Arbeiten. Hier wechseln sich schnell hingekritzelte Skizzen mit Collagen und feinst ausgearbeiteten Bildkompositionen ab. Man lernt vieles über Vogelarten, denen man kaum mehr begegnet in unserem Land. Und immer wieder sind Texte eingestreut, die uns Fakten vor Augen führen, die, wenn nicht verblüffen, so zumindest Fragen aufwerfen.

«Wussten Sie, dass die meisten Vogelarten der Roten Liste im Landwirtschaftsgebiet zu finden sind?», fragt Schenardi. «Dementsprechend langweilig sieht es dort auch aus.» Ein Umstand, der viel mit der gegenwärtigen Landwirtschaftspolitik, dem System der Direktzahlungen und damit natürlich auch mit unseren Essensgewohnheiten zu tun hat. «Ich will helfen, Mythen wie diesen zu entlarven», sagt Schenardi. Sein Beitrag steht im krassen Gegensatz zum Bild, das Marketingleute von der Schweiz zeichnen. Gleichzeitig will er etwas über unsere Gesellschaft aussagen: «An den Vogelbeständen sieht man sehr gut, wie sich der Mensch verhält», ist er sich sicher.

Sein Beitrag ist zwar kein wissenschaftlich beglaubigter Bericht, sondern eher ein wütender Beitrag zur Zivilisationskritik. Ein Weckruf, im besten Fall. Schenardi regt zum Nachdenken an. Und bietet, scheinbar nebenbei, einen beachtenswerten Beitrag zur zeitgenössischen Kunstgeschichte.

  • Eine Auswahl von Luca Schenardis Arbeiten aus dem Buch «An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht» ist noch bis zum 29. September in der Gallery Guillaume Daeppen in Basel zu sehen. Dort findet zudem am Mittwoch, 26. September, von 18–20 Uhr, eine Buchpräsentation in Anwesenheit des Künstlers statt. Hingehen!

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

24.9.2012, 12:00 Uhr

Der Mensch und sein Vogel

Text

Text:

  • 17.05.2013 um 14:06
    Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

    Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Immer noch voller Pläne

    Seit 20 Jahren führt Tony Wuethrich seine Galerie an der Vogesenstrasse. Ein Grund zum Feiern.

  • 08.05.2013 um 10:44
    Das Kunstmuseum macht ein Jahr Pause

    Das Kunstmuseum Basel muss wegen Sanierungsarbeiten ab Februar 2015 für ein Jahr seine Türen schliessen. Gemeinsam mit dem Erweiterungsbau soll der aufgefrischte Altbau im März 2016 wiedereröffnet werden.

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

  • 26.01.2013 um 20:14
    Fotostrecke
    Zum Artikel: Ein Auftakt nach Mass

    Lieber Kulturbetrachter, tatsächlich haben wir ansonsten noch keine Klagen erhalten, und bei uns funktionieren die Fotostrecken auch von ausserhalb. Ich leite das Problem aber gerne trotzdem mal an unsere Techniker weiter. Schönen Wochenendrest, Karen ...

  • 23.12.2012 um 14:06
    Heieiei....
    Zum Artikel: 7 Weihnachtsfilme für Stubenhocker

    Lieber Herr Wilhelm, Sie haben recht. Zwar haben wir Edward gefunden, als wir anfingen, die Liste zu erstellen - doch jetzt kommt der Film im Programm tatsächlich nicht mehr vor. Äusserst schade, finde ich. Wir haben den Tipp nun ausgetauscht gegen ein...

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